Die A I (E 2/2) Nr. 11 und 12

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Baujahr: 1881 Leistung: 75 PS
Gewicht: 15 t V. max.: 50 km/h
Normallast: nicht bekannt Länge: 6‘600 mm

 

Eine Bahnlinie, wie jene der Gotthardbahn, benötigt betrieblich einige Bahnhöfe, die auch einen grösseren Umfang an Rangierarbeiten ausführen können. Insbesondere sind das die grössere Knoten, wo Wagen von einem Zug zum anderen umgestellt werden mussten. Betriebliche Rangieraufgaben gab es bei einer grossen Bahngesellschaft schon vor 1880. Meistens wurden dazu ältere oder kleine Lokomotiven verwendet. Bei der Gotthardbahn sollte das nicht anders sein.

Bei kleineren Projekten und kürzeren Strecken übernahmen das durchaus die regulären Lokomotiven der Züge. Man wollte einfach so wenig unterschiedliche Serien, wie es nur ging. Das war aber meistens eine Folge der knappen finanziellen Mittel. Erst mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Bahn konnte man auch gesonderte Lokomotiven für den Rangierdienst in den grösseren Bahnhöfen anschaffen. Die Gotthardbahn hatte diese Möglichkeit auch und nutzte sie.

Dazu muss man wissen, dass 1874 bereits die Tessiner Talbahnen den Betrieb auf einigen Abschnitten der späteren Gotthardbahn aufgenommen hatten. Die Tessiner Talbahnen betrieben die Strecken zwischen Biasca und Locarno, sowie zwischen Lugano und Chiasso. Die Bahnlinien hatten bis zur Eröffnung der Gotthardbahn nur regionalen Charakter und daher wurden unter anderem auch kleine und schwache Lokomotiven beschafft.

Die Tessiner Talbahnen, die schon zu Beginn zur Gotthardbahn gehörten, kamen mit dem Bau der eigentlichen Gotthardbahn in diese Gesellschaft und brachten einige Lokomotiven als Mitgift mit. Darunter auch Lokomotiven, die mit der Betriebsaufnahme als Rangierlokomotiven und für leichte Züge auf flachen Strecken verwendet werden konnten. Sehen wir uns diese Lokomotiven kurz in einer Tabelle an, ohne genauer darauf einzugehen.

Typ Nummern Baujahr V. max. Bemerkungen
A (Ed 2/2) 1 - 4 1874 50  
A II (E 3/3) 13 1875 40 Nur Rangierdienst
A III (E 2/2) 14 1876 35 Ex. Tösstalbahn

 

Vier für den bisherigen Betrieb auf den Tessiner Talbahnen geeignete Lokomotiven mit zwei gekuppelten Achsen waren im Bestand der Gesellschaft schon vorhanden. Diese nun als A (Ed 2/2) bezeichneten Maschinen waren für den Verkehr der regionalen Bahnlinie gut geeignet. Sie hatten bei den Tessiner Talbahnen als kleinste Lokomotive die Bezeichnung I bekommen und wurden wegen dem Alter bei der Eröffnung der Gotthardbahn zur Serie A.

Einsetzen konnte man diese Lokomotiven nach Eröffnung der Gotthardbahn als Rangierlokomotiven und für lokale Züge. Die grossen Ausfahrten sollten diese Lokomotiven jedoch nicht mehr bekommen, denn mit der durchgehenden Linie hatte man andere Lokomotiven zur Verfügung und die waren besser geeignet. Man hatte daher bereits vier Rangierlokomotiven im Bestand. Sehen wir uns schnell deren Eckdaten kurz an, so dass wir vergleichen können.



Baujahr: 1874 Leistung: 221 kW / 300 PS
Gewicht: 29 t V. max.: 50 km/h
Normallast: 60 t bei 25 km/h Länge: 8‘612 mm

 

Diese vier Lokomotiven hätten für den bei der Gotthardbahn anfallenden Aufwand beim Rangierdienst knapp ausgereicht. Jedoch konnten diese leistungsstarken Lokomotiven auch mit den leichten lokalen Zügen zwischen Bellinzona und Locarno oder Biasca eingesetzt werden. Das war bisher schon so und sollte sich mit der Gotthardbahn kaum ändern. Gerade der Abschnitt Biasca – Locarno stellte an die Lokomotiven keine grossen Ansprüche, da es kaum grosse Steigungen gibt.

Mit der grossen Bahnlinie reichten diese Lokomotiven nicht mehr aus, denn es kamen neue Bahnhöfe hinzu, auf denen Rangierdienst anfallen würde. Nebenbei wollte man die Lokomotiven auch in schwachen Regionen einsetzen, was auch Lokomotiven benötigte. Daher war schnell klar, man musste den Bestand der Tessiner Talbahnen erweitern, wollte man die grossen Lokomotiven nicht vor regionalen Zügen einsetzen.

Man benötigte weitere Lokomotiven für den Rangierdienst in den Bahnhöfen. Bei leeren Kassen möchte man das Geld jedoch für starke Lokomotive auf der Strecke einsetzen und nicht für Rangierlokomotiven ausgeben. Es mussten kostengünstige Möglichkeiten gesucht werden, wollte man diese Lokomotiven für wenig Geld bekommen. Da kam die zum Verkauf angebotene Lokomotive aus dem Tösstal gerade recht.

Die Lokomotive aus dem Tösstal war nur als Rangierlokomotive verwendbar, da sie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 35 km/h für die Gotthardbahn schon zu langsam war.

Besonders auf jenen Strecken, wo man sie verwenden konnte. Weitere Lokomotiven, die aus Beständen anderer Privatbahnen übernommen werden konnten, gab es damals jedoch nicht mehr. Man musste bei der Gotthardbahn notgedrungen schwache Rangierlokomotiven beschaffen.

Als Beispiel für den schwachen Verkehr nehmen wir Erstfeld. Mit der Gotthardbahn wurde die Gemeinde, die bisher über keinen Bahnanschluss verfügte, zum Betriebspunkt, wo die Züge umgespannt wurden.

Das gab einen bescheiden Rangieraufwand, der mit kleinen Lokomotiven wahrgenommen wurde. Insbesondere mussten die defekten Wagen in die Reparatur gestellt werden, wozu eine kleine Lokomotive durchaus ausreichte. Anzuschliessende Industrie gab es jedoch nicht.

Dort waren die Lokomotiven der Tessiner Talbahnen durchaus geeignet, aber sie waren in der Anschaffung mit 51‘000 Franken recht teuer. Die Kassen der Gotthardbahn waren leer und man musste bei der Beschaffung sparen. Daher konnte der Bestand dieser Lokomotiven erst 1883 erweitert werden. Für die Betriebsaufnahme benötigte man aber schon Lokomotiven, die man finanzieren musste.

Bei der Gotthardbahn musste man notgedrungen spezielle kleine Lokomotiven für den Rangierdienst und den leichten Streckendienst beschaffen. Man erkennt hier klar den gigantischen Rahmen, der für den Bau der Bahnlinie vorhanden war. Lokomotiven mit speziellen Aufgaben wurden vor 1900 wirklich nur sehr selten bestellt, da man oft auf alte Modelle zurückgreifen konnte. Diese hatte man, sie reichten aber nicht und waren in der Nachbestellung zu teuer.

So gesehen mussten zusätzliche Lokomotiven für den Rangierbetrieb in den neuen Bahnhöfen Arth-Goldau und Erstfeld beschafft werden. Mit den vorhandenen Lokomotiven sollten dann diese Aufgaben in den Bahnhöfen Biasca, Bellinzona und Chiasso war genommen werden. Zudem wären Lokomotiven im Tessin für die leichten Züge frei gestellt worden. Der Bedarf war daher gegeben, auch wenn das damals kaum üblich war.

Diese als Ergänzung der Lokomotiven aus der Erbschaft der Tessiner Talbahnen gedachten Maschinen sollten leicht und einfach zu bedienen sein. So gesehen eine ideale Lokomotive für den Rangierdienst auf grösseren Bahnhöfen oder in wichtigen Betriebspunkten der Bahngesellschaft. Die Gotthardbahngesellschaft musste daher zwei Lokomotiven für den Rangierdienst und den einfachen Streckendienst anschaffen.

Diese beiden neuen Lokomotiven sollten leicht sein, keine grossen Leistungen aufweisen und sie sollten bei der Beschaffung nicht zu teuer sein. Man wollte kleine gedrungen wirkende Maschinen, die für den vorgesehenen Zweck ideal geeignet waren. Gerade Lokomotiven im Rangierdienst waren damals wirklich kleine unscheinbare Lokomotiven. Die späteren Modelle setzte man damals noch vor den Zügen auf diversen Strecken ein.

Schliesslich wollte man das noch zur Verfügung stehende Geld nicht in Lokomotiven investieren, die kaum in der Lage waren einen Bahnhof zu verlassen. Dazu passte auch die Tatsache, dass man für diesen Zweck nur zwei Lokomotiven neu beschaffte und sich nicht zu einer kleinen Serie durchringen konnte. Vermutlich wären die Kosten für eine grössere Serie einheitlicher Lokomotiven einfach zu gross gewesen.

Lieferant der beiden neuen Lokomotiven, die bei der Gotthardbahn mit den Nummern 11 und 12 versehen werden sollten, war die in Winterthur ansässige und noch junge Maschinenfabrik.

Sie hatte das für die Gotthardbahn passende Angebot unterbreitet. Gerade die Ausschreibungen der damaligen Bahnen unterscheiden sich kaum von den Modellen heute, auch wenn weniger Details genannt wurden. Die Bahn wusste, was sie wollte und die Hersteller sollten das gefälligst bauen.

Diese später unter der Bezeichnung SLM bekannt gewordene Maschinenfabrik war erst vor wenigen Jahren gegründet worden und sollte sich mit den Jahren im Bereich des Lokomotivbaus, als  Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur einen guten Namen machen.

Die meisten zukünftigen Lokomotiven der Schweiz sollten dort ihre Geburtsstätte erleben. Die Gotthardbahn bestellte also selbst in der Schweiz Lokomotiven. Auch wenn man das bei den anderen Baureihen nicht so vermuten könnte.

Die neue Lokomotive, die zu einem Stückpreis von 29‘000 Franken an die Gotthardbahn geliefert wurde, sollte jedoch nicht so recht zur grossen Gotthardbahn passen, weil sie doch sehr gedrungen wirkte. Bei einer solchen Bahn vermutete man die grossen schweren Lokomotiven, wie wir sie heute kennen. Damals war aber alles noch anders und es gab die schmucken kleinen Lokomotivchen auch bei der Gotthardbahn.

Es sollten nicht die einzigen direkt an die Gotthardbahn gelieferten Maschinen der Gruppe Rangierlokomotiven sein. Es waren die Rangierlokomotiven, die von der Gotthardbahn bestellt wurden, als diese den Verkehr noch nicht aufgenommen hatte. Erst mit dem Betrieb hatte man das finanzielle Polster um auch besser geeignete Rangierlokomotiven zu beschaffen. Diese Lokomotiven wollen wir uns auch schnell ansehen.

Typ Nummern Baujahr V. max. Bemerkungen
A (Ed 2/2) 5 - 6 1883 50 Nachbau der Nr. 1 - 4
B II (E 2/3) 1000 1883 45 Neuwertig gekauft

 

Obwohl die Lokomotive mit der ungewöhnlichen Nummer 1000 erst 1883 zur Gotthardbahn kam, war sie eigentlich älter, als die hier vorgestellten Lokomotiven. Der Grund war, dass diese ungünstig konstruierte Lokomotive eigentlich für die in Deutschland gebaute Werrabahn gebaut wurde. Die Gotthardbahn kaufte daher auch diese Lokomotive eigentlich aus zweiter Hand, auch wenn hier der Hersteller eigentlich der Händler war.

Gerade, weil man nicht wusste, was der Betrieb bringen wird und weil die Kassen nach dem teuren Bau der Strecke leer waren, wurden die vorgestellten kleinen Rangierlokomotiven beschafft. Das entsprach auch den Erfahrungen von anderen Bahnen. Diese hatten jedoch nicht die Vorzeichen der Gotthardbahn und letztlich passten diese Lokomotivchen wirklich nicht zur grossen und berühmten Gotthardbahn. Da brauchte man andere Lokomotive, doch sehen wir uns nun diese A I (E 2/2) mit den Nummern 11 und 12 genauer an.

 

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