Betriebseinsatz

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Der Triebwagen Re 4/8 wurde am 03. Mai 1939 den Schweizerischen Bundesbahnen SBB übergeben, von dieser dem Depot Zürich zugeteilt ab noch nicht in Betrieb genommen. Der nagelneue Zug war vorerst für die für die Landesausstellung in Zürich Wollishofen reserviert. Dort wurde der Re 4/8 Nummer 301 neben der Ae 8/14 Nummer 11'852 dem breiten Publikum präsentiert. Welcher der beiden Fahrzeuge die Besucher wohl mehr beeindruckte, kann nicht mehr gesagt werden.

Nach dem ende der Ausstellung kam der Re 4/8 in Betrieb und wurde in die Erprobung geschickt. Der Zug musste nun zeigen, ob der dem Entsprach, was die SBB eigentlich wollten. So fuhr der Zug längere Zeit auf mehreren Strecken um abzuklären, welche strecken er befahren konnte. Das bedeutete zum Beispiel auch, dass der Zug im Rahmen von Versuchen ins Tessin geschickt wurde. Der Zug musste eine der beliebtesten Reiserouten selber befahren können.

Danach wurde der Triebwagen wie geplant im Gesellschaftsverkehr eingesetzt. Jedoch dauerte dieser Einsatz nur wenige Monate, denn mit dem Einmarsch von Deutschland in Polen brach in Europa der zweite Weltkrieg aus und in der Schweiz wollte man nichts mehr von Gesellschaftsfahrten und Ausflügen wissen. Die Leute hatten nun andere Sorgen, so dass sie sich nicht mit einer Fahrt ins Blaue vergnügen wollten.

Die allgemeine Mobilmachung in der Schweiz, war dann das endgültige Aus für gesellschaftliche Vergnügungen und für die Arbeit des Re 4/8. Für den Triebwagen bedeutete das, dass ein Zürich Altstätten abgestellt wurde und dort auf bessere Zeiten wartete. Das nagelneue Fahrzeug war arbeitslos abgestellt und fristete ein trotzloses Dasein.

Wenn man aber etwas zu feiern hatte, kam dann der neue Zug wieder in Betrieb und führte auf den neu elektrifizierten Strecken Sonderzüge um danach wieder in Altstetten abgestellt zu werden. Die Kilometerleistungen für den Triebwagen lagen nahezu bei null. Im Krieg benötigte man den Ausflugstriebwagen auch nicht beim Militär, denn der General reiste mit dem kleinen roten Pfeil durch die Schweiz.

Nachdem der Krieg ein Ende gefunden hatte und der Triebwagen diese Zeit ohne Standschäden überlebt hatte, wurde er um 1945 nach Winterthur verschoben. Die Zeit dort war jedoch nur kurz, so dass der Triebwagen im folgenden Jahr zuerst nach Luzern und dann nach Bern zuhanden der Generaldirektion verschoben wurde. Die Einsätze blieben jedoch immer gleich, denn man fuhr Gesellschaften.

Der Zug war nun formell dem Depot Bern zuteilt worden. Eingesetzt wurde er aber durch die Generaldirektion der SBB. Diese Aktion hatte nur einen Grund, denn man wollte diesen neuen Triebwagen dem Bund und somit dem Land zur Verfügung stellen. Diese Aktionen gab es bei der Staatsbahn immer wieder, denn die Schweiz beförderte ihre Besucher im Zug durch das Land. Diesen hatte dann die eigene Bahngesellschaft zu stellen.

Das Land benötigte den Triebwagen um mit den Gästen des anstehenden Staatsbesuches einige Punkte in der Schweiz zu bereisen. Der Staatsgast, war niemand geringeres, als Sir Winston Churchill und somit der britische Premierminister. Für den Zug hatte das jedoch weitreichende Folgen, denn er wurde nicht zum roten, sondern zum " Churchill-Pfeil". Eine Bezeichnung, die der Triebwagen für immer behalten sollte.

Ab 1953 war der Zug dann wieder in seiner alten Heimat. Ab dem Depot Zürich setzte man den Triebwagen nun wieder im Gesellschaftsverkehr ein, denn dieser begann sich jetzt wieder zu entwickeln und so war man um den Triebwagen froh. Dabei befuhr der Zug nahezu sämtliche Strecken und war ein oft gesehener Gast am Gotthard. Die Fahrten nach Lugano wurden immer beliebter.

Daran sollte sich wirklich nichts ändern, denn man war sich bei den SBB einig, der RAe 4/8 war für den Gesellschaftsverkehr gebaut worden und sollte dort auch eingesetzt werden. Das diese Haltung jedoch schnell revidiert werden musste, war der 1964 durchgeführten EXPO in der Westschweiz zu verdanken. Der spezielle Ausflugstriebwagen wurde somit zum Plandienst abkommandiert. Denn die SBB benötigten jedes Fahrzeug, das sich irgendwie von alleine bewegen konnte.

Diese Pflichtleistungen hatte der Triebwagen ab dem Depot Winterthur zu leisten. Mit einer täglichen Leistung von 241 km, erreichte der Zug diverse Orte im Raum Winterthur, dabei war er meistens auf der Strecke zwischen Winterthur und Schaffhausen zu sehen. Die Aufgabe für den Triebwagen bestand darin Regionalzüge zu führen und so die Lokomotiven, die dort zum Teil noch verkehrten für andere Aufgaben freizustellen.

Da man aber diese Leistungen nicht mit einem RAe 4/8 fahren konnte, deklassierte man den Zug vorübergehend zu einem RBe 4/8. Die Leute erfreuten sich an aussergewöhnlichem Komfort. War schliesslich schon sehr speziell, wenn man in den Regionalzug sass, sich umsah und in dem Zug ein Buffet vorfand. Man spürte jedoch gut, dass dem Triebwagen das Gepäckabteil fehlte, so dass man sich den Einbau eines solchen überlegte.

Umgesetzt wurde es jedoch nicht, denn nach der EXPO, hatte sich die Situation entschärft. Die bisher vor den Extrazügen benötigten RBe 4/4 Triebwagen konnten nun den Regionalverkehr übernehmen. Der RAe 4/8 wurde wieder mit der korrekten Bezeichnung versehen und für Gesellschaftsfahrten genutzt. Daran sollte auch die einige Jahre später erfolgte Versetzung nach Luzern nichts ändern.

Der dichte Verkehr auf den Strecken führte dazu, dass die SBB im Jahre 1971 die Gesellschaftsfahrten einschränken mussten. Der RAe 4/8 wurde nur noch selten eingesetzt und verbrachte die meiste Zeit in der Remise in Arth-Goldau. Er konnte einfach zu schlecht im planmässigen Verkehr verwendet werden. Das endete erst 1975 wieder, als der Güterverkehr einbrach und es wieder Platz für Gesellschaftsfahrten gab.

Diese Fahrten mit Gesellschaften dauerten jedoch nicht lange ohne schweren Zwischenfall. Im August 1978 erlitt der Triebwagen im Teil zwei einen Schaden im Transformator. In der Folge musste der Zug in der Hauptwerkstätte zur Reparatur einrücken. Dort wurde der Transformator ausgebaut und neu gewickelt. Diese Arbeiten am Transformator führte die zuständige Hauptwerkstätte in Zürich selber aus.

Die Arbeiten dauerten bis 1979. Doch letztlich konnte man den Zug wieder montieren und auf Probefahrt schicken. Diese Probefahrt endete mit einem kräftigen Knall im reparierten Transformator. Der Zug war nun nicht mehr mit vernünftigem Aufwand zu retten. Der Triebwagen wurde abgestellt und nicht mehr repariert. Auf den 31. Dezember 1979 erfolgte dann die formelle Ausrangierung des Triebwagens.

Man konnte sich aber nicht vom Fahrzeug trennen, so dass es nicht abgebrochen wurde. Im Jahre 1985 erfolgte dann der Verkauf des Triebwagens an die Firma Intraflug AG. Die SBB waren den Triebwagen los geworden waren vermutlich darüber gar nicht so unglücklich, denn im Gesellschaftsverkehr bekam man die Konkurrenz der Busse immer mehr zu spüren.

Die Intraflug AG spedierte den Triebwagen postwendend nach Deutschland und stellte diesen dort in einer Remise ab. In den folgenden Jahren wurden Lösungen gesucht, die den Triebwagen erneut in den Betrieb bringen würden. Während dieser Zeit wurde aber die Schicht Staub auf dem Fahrzeug immer dichter, so dass die rote Farbe kaum mehr zu erkennen war. Schliesslich ergab sich dann neun Jahre später eine Lösung für dieses Problem.

Der Zug wurde modernisiert und dem Reisebüro Mittelthurgau übergeben. Dieses organisierte mit dem Zug, der wieder die historischen Anschriften trug, Sonderfahrten in der ganzen Schweiz. Der Triebwagen kam also nach dieser langen Zeit wieder mit Gesellschaftsfahrten zum Einsatz. Dabei befuhr der Zug, der mittlerweile als "Churchill-Pfeil" vermarktet wurde, wieder Strecken in der ganzen Schweiz und so auch den Gotthard.

Mit dem Untergang der MThB kam der Zug wieder in den Besitz der SBB. Dort wusste man eigentlich mit dem Fahrzeug nicht viel anzufangen. War es nun ein historisches Fahrzeug, oder war der Triebwagen dafür zu modern? SBB Historic hatte nur mangelhaftes Interesse an dem Fahrzeug, so wurde es vorerst der SBB-Division Personenverkehr übergeben. Die weitere Zukunft für den wertvollen Triebwagen war ungewiss.

Man stellte bei SBB Personenverkehr jedoch schnell fest, dass mit Rail Away eine Organisation vorhanden war, die auch Gesellschaftsfahrten und Firmenausflüge mit so einem speziellen Fahrzeug vermarkten konnte. Zudem waren die Leute umweltbewusster geworden und man verreiste immer öfters mit der Bahn und nicht mit dem Reisebus, das konnte doch bei Gesellschaften und grösseren Gruppen auch funktionierten.

So begann man bei SBB Personenverkehr damit, den Zug wieder für Gesellschaftsfahrten einzusetzen. Man hatte also wieder einen Triebwagen für Ausflugsfahrten von Gruppen. Ein spezielles Fahrzeug, das nie im planmässigen Verkehr erscheinen würde und sich nur für Gesellschaften eignete. Daran änderte sich in den folgenden Jahren nichts mehr.

Ein Blick in das Jahr 2010 zeigt, dass der Zug weiterhin im Fahrzeugbestand von SBB Personenverkehr zu finden war und dass der 71 Jahre alte Triebwagen immer noch für Gesellschaftsfahrten verwendet wurde. Auch nach 71 Jahren, galt der Triebwagen somit nicht als historisches Fahrzeug, denn er gehörte auch 2010 nicht der Stiftung SBB Historic, sondern war ein Fahrzeug von SBB Personenverkehr, das auch durch diese Firma eingesetzt wurde.

Nach 71 Jahren war der ehemalige Re 4/8 Nummer 301 immer noch in dem Einsatz tätig, den er ganz am Anfang auch hatte. Das hatte bisher in der Schweiz schlicht kein Fahrzeug im Streckendienst geschafft, denn selbst die Lokomotiven wanderten mit der Zeit in niedere Dienste ab. Der Triebwagen profitierte jedoch von seinem speziellen Ruf, der damals aussergewöhnlichen Innenausstattung und nicht zuletzt von der elektrischen Ausrüstung, die vom Triebwagen RBDe 560 stammte.

 

Wenn Sie nun die RBe 4/8 auch kennen lernen wollen, können Sie hier klicken.

 

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