Die historischen Triebwagen

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Die erfolgreiche Karriere der Triebwagen endete nach etwas mehr als 40 Jahren überraschend schnell. Innerhalb weniger Jahren verschwanden die Fahrzeuge von der Bildfläche und wurden ausrangiert. In diesem Gemetzel gab es jedoch eine Hand voll Triebwagen, die entkommen waren und für die eine neue Zukunft kommen sollte. Doch oft kommt es anders, als sich das die Leute vorstellten und so lohnt sich ein genauerer Blick.

Beginnen wir mit dem BDe 4/4 und der Nummer 1632. Dieser wurde nach dem Einsatz an Classic Rail verkauft. Die Idee dabei war, dass der Triebwagen zusammen mit alten Lokomotiven zu einer Art historischem Depot formiert werden sollte.

Die Idee war zwar nicht schlecht, konnte jedoch mangels pas-sender Gebäude und finanziellen Mitteln schlicht nicht umge-setzt werden. Gerade die Infrastruktur eines Depots ist sehr umfangreich und daher teuer.

Als die Idee nicht zeitnah umgesetzt werden konnte, blieb der Triebwagen im freien abgestellt stehen. Dort wartete er dem Wetter ausgesetzt auf bessere Zeiten. Immer geriet er so in Vergessenheit. Nur interessierte Fachkreise trauerten dem Fahrzeug etwas nach. Wobei die Trauer über das Schicksal hielt sich sonst in Grenzen, denn gerade die Lokomotiven von Classic Rail mischten den Güterverkehr mit hirnrissigen Ideen und Dumpingpreisen auf.

So vergingen die Jahre und um den Triebwagen wurde es zunehmend ruhiger. Man kann fast sagen, dass man Gras über die Sache wachsen liess. Beim Triebwagen konnte das wörtlich genommen werden, denn die Natur machte sich um den BDe 4/4 immer breiter. Schliesslich konnte der Triebwagen einem neuen Besitzer übergeben werden. Dort sollte er hergerichtet waren. Es waren mit dem Triebwagen durchaus Fahrten vorgesehen.

Bei den an die OeBB verkauften Triebwagen mit den Nummern 1641 und 1651 waren anfänglich noch Fahrten auf dem Programm. Jedoch bekam auch die OeBB mit der umfangreichen Sammlung alter Triebfahrzeuge Platzprobleme. Die BDe 4/4 wurden abgestellt und für spätere Lösungen vorgesehen. Was mit den beiden noch passieren wird, wissen nur wenige Leute. Wobei damit nicht nur Freunde geschaffen werden, denn es sind nicht die einzigen.

Auch die Schweizerischen Bundesbahnen SBB kamen nicht darum, einen Triebwagen dieser Baureihe zu erhalten. Dabei sollte ein Fahrzeug entstehen, das ganz gut vermarktet werden konnte. Kleinere Gruppen fanden im Fahrzeug Platz und für umfangreicher Aufgaben, stand der passende Steuerwagen ebenfalls zur Verfügung. Damit war klar, dass es ein historisches Fahrzeug auch von dieser erfolgreichen Baureihe geben sollte.

 

BDe 4/4 Nr. 1643

Der BDe 4/4 mit der Nummer 1643 beendete in Winterthur seine aktive Laufbahn im Jahre 1996. Er wurde nicht, wie die anderen Triebwagen des Depots dem Abbruch zugeführt. Das Personal des dortigen Depots hat sich für den alten Triebwagen eingesetzt und arbeitete ihn mustergültig zum historischen Fahrzeug auf. Dabei wurde aber auch dafür gesorgt, dass der Triebwagen für Sonderaufgaben gerüstet ist.

Die Aufarbeitung des noch gut erhaltenen Triebwagens war in erster Linie auf die Farbgebung beschränkt. Grosse Diskussionen gab es da nicht, denn die Triebwagen hatten während der ganzen Einsatzzeit den gleichen Anstrich und so konnten keine Experimente durchgeführt werden. Dabei gab es nur beim Faltenbalg farbliche Unterschiede bei den Triebwagen. Ein Umstand, dem man Rechnung tragen muss, will man ein korrektes Fahrzeug.

Geändert wurde die Anschrift des Fahrzeugs. Die bisherig gültige Anschrift mit Signet und der Abkürzung SBB CFF FFS verschwand und an deren Stelle kamen wieder die ganz alten Beschriftungen mit dem Schweizerkreuz und allen drei Abkürzungen zur Anwendung. Der Triebwagen wurde auch wieder mit der dritten Wagenklasse beschriftet und erhielt die Typenbezeichnung CFe 4/4 mit der Nummer 1643. Eine Kombination, die jedoch nur wenige Monate bestanden hatte.

Beim Triebwagen CFe 4/4 hatte man jedoch nicht vergessen, dass es zu den Triebwagen auch passende Steuerwagen gab. Deshalb wurde ebenfalls ein historischer Steuerwagen hergerichtet. Die Bezeichnung wurde dabei natürlich an den Triebwagen angepasst. Dank den beiden Fahrzeugen kann mit historischen Leichtstahlwagen ein Pendelzug von 1955 gebildet werden. Die nostalgische Fahrt wäre dann fast perfekt.

Damit standen die historischen Fahrzeuge bereit. Der klassische Triebwagen für Nebenbahnen war so erhalten worden und noch immer konnte man mit dem Fahrzeug durch das Züricher Weinland fahren. Dazu wurde der Triebwagen vom Team in Winterthur liebevoll als «Wyländerli» bezeichnet. Einen Namen, den man in der Region inoffiziell bereits seit Jahren für die Züge geführt hatte. Jetzt wurde er erstmals offiziell.

 

Lebenslauf BDe 4/4 Nr. 1643
1955 – 1962 Lausanne  
1962 – 1996 Winterthur  
1996   Als historisches Triebfahrzeug klassiert.

 

Im Lebenslauf kann gut erkannt werden, dass die Triebwagen dieser Baureihe ihren Depots die Treue gehalten hatten. Nach Lausanne geliefert, kam der Triebwagen mit der Bereinigung der Nummern nach Winterthur, wo er seine Karriere schliesslich nach 41 Jahren beenden konnte. Der historische Triebwagen steht damit für viele besondere Fahrten bereits und darunter kann man sogar ganz besondere Fahrten erleben.

Speziell war die zum Triebwagen passende Platt-form. Diese wurde von den Leuten extra für das Fahrzeug gebaut. Sie konnte relativ einfach an der Front des Triebwagens montiert werden und be-schädigte diese dabei nicht.

Durch die Türe in der Frontpartie kann die Plattform auch auf der Fahrt betreten und verlassen werden. Besonders beliebt ist diese Plattform für Aufnahmen mit der Filmkamera. Dank der schnellen Montage, ist sie mit wenig Aufwand zu montieren.

Die Plattform kam erstmals im Jahre 1997 zum Ein-satz. Für die Filmaufnahmen der Dampflokomotiven am Gotthard wurde der Triebwagen über den Gott-hard geschickt. Die Filmteams konnten so drama-tische Aufnahmen von den historischen Zügen ma-chen.

Historisch gesehen war es eine Fahrt, die es vor Jahren durchaus hätte geben können, denn die ersten Triebwagen waren ja in Bellinzona zu Hause. Selbst die Dampflokomotiven waren damals dort noch nicht verschwunden.

Der Triebwagen kommt immer wieder zum Einsatz. Dabei stellt er mit der flexibel zu gestaltenden Gefässgrösse ein ideales Fahrzeug dar. Für Gruppen jeder Grösse kann das „Wyländerli“, wie der Triebwagen liebevoll genannt wird, angepasst werden. Kleine Gruppen reisen mit dem Triebwagen, mittlere Gruppen nehmen den Steuerwagen dazu und grosse Gruppen reihen noch einen Leichtstahlwagen im Zug ein.

Wer ein ganz besonderes Erlebnis haben will, kann zwischen dem Triebwagen und dem Steuerwagen noch einen Speisewagen einreihen. So kann einer Fahrt über die von den BDe 4/4 befahrenen Strecken nichts mehr im Weg stehen. Den Speisewagen würde man benötigen, weil es sich  um sehr viele Abschnitte handelt. Im Bereich der Schweizerischen Bundesbahnen SBB fällt mir auf die Schnelle nur der Simplontunnel ein.

BDe 4/4 Nr. 1646

Im Gegensatz zum BDe 4/4 in Winterthur hat der 1646 eine bewegte Laufbahn hinter sich. Nicht nur, dass er seine Einsatzzeit lang immer wieder den Standort wechselte, sondern auch nach seinem ausscheiden aus dem aktiven Dienst, wurde er für spezielle Einsätze vorgesehen. Das Ende im Jahr 1995 nutzte man daher um den Triebwagen für eine neue Aufgabe herzurichten. Dabei wurde selbst der Einbau einer Klimaanlage vorgesehen.

Der Schulreferentendienst der Schweizerischen Bundesbahnen SBB suchte für seine Fahrten zu den Schulen einen Ersatz für den ver-alteten Triebwagen der Baureihe Be 4/6.

Dieser hatte in den vergangenen Jahren viele Fahrten mit den drei schweren Stahlwagen absolviert und wurde zu einem grossen Erfolg für das Unternehmen. Daran wollte man festhalten, es sollte aber ein neuer Zug nach den Wünschen der Kinder entstehen.

Für diesen Einsatz war der BDe 4/4 mit der Nummer 1646 und drei RIC-Wagen vorgesehen. Während man in den Wagen die verschie-densten Objekte aufbaute, bekam der Triebwagen eine komplett ge-änderte Inneneinrichtung.

Dazu musste er jedoch vorgängig umgebaut werden. So entstand letztlich ein moderner Zug, der den Schulen in der Schweiz nach-reiste. Im Zug mitgeführt wurden Klassenzimmer, Stromabnehmer und ein Empfangsraum.

Die Änderungen am Triebwagen umfassten vor allem die Innen-ausstattung. Die alten Sitzbänke wurden entfernt, ein Teppich verlegt und es kamen bequeme Ledersessel aus einem Bundesratswagen in den Innenraum. Ein kleines Office erlaubte es eine Kaffeemaschine zu installieren und gekühlte Getränke auszuschenken. Dieser Raum sollte dem Personal als Ruhemöglichkeit dienen und auch für Gespräche mit den Lehrern genutzt werden.

Das Gepäckabteil nutzte man als Lagerraum für die benötigten Unterlagen. Man konnte sich so einen Gepäckwagen ersparen. Dank dem neuen Triebwagen BDe 4/4 konnten die Mängel des alten Zuges eliminiert werden. Die Schulunterlagen hatten einen speziellen Platz und für Treffen mit den Lehrpersonen hatte man ein Office. Der Triebwagen vorsorgte zusätzlich mit der Zugsheizung die Wagen mit der notwendigen Elektrizität. Ein Fahrzeug, das für solche Aufgaben ideal war.

Bei der vorderen Plattform wurde eine Türe verschlossen und dahinter eine Klimaanlage eingebaut. Diese war durchaus sinnvoll, denn der Zug stand oft tagelang in einem Bahnhof so dass es keine Kühlung auf natürliche Weise gab. Da der Triebwagen ja nicht im Personenverkehr verwendet wurde, war der Verlust der Türe zu verkraften. Das klimatisierte Office war so auch angenehmer für Gespräche mit den Lehrpersonen der entsprechenden Schulen.

Zum Schluss wurde der Triebwagen in einer neuen Farbe gestrichen. Das bisherige Grün wich einem hellblau, das auch die Wagen erhalten haben. Im Gegensatz zu den Wagen hatte der Triebwagen jedoch keine Symbole angebracht bekommen. Er wurde jedoch mit dem Schriftzug „Der Jugendzug“ beziehungsweise „Le train des jeunes“ versehen. Die Türen waren violett gestrichen worden und die beiden Fronten leuchteten in einem knalligen rot.

Der komplette Zug wurde dann feierlich an die Schulreferenten übergeben und in Luzern sta-tioniert. Der Dienst wollte für den neuen Triebwagen und den neuen Zug einen passenden Namen finden.

Ein Wettbewerb sollte den Na-men für den Zug finden. Unter all den Eingaben wurde letztlich die Bezeichnung «Schwalbe» vergeben. Die Schüler tauften den Triebwagen schliesslich auf »Die Schwalbe».  Einer grossen Zukunft sollte nichts mehr im Weg stehen.

Zehn Jahre lang zog der Triebwagen mit den drei Wagen an die unterschiedlichsten Orte der Schweiz und kam so auch auf Strecken zum Einsatz, die er zuvor nie befahren hatte. Das war jedoch nach dem langen Leben äusserst selten der Fall. Die Kilometerleistungen waren dabei eher bescheiden, denn an gewissen Orten stand der Zug längere Zeit. Dabei hatte der Triebwagen nur die Aufgabe die Wagen mit der benötigten Energie zu versorgen.

Im Jahre 2005 organisierte sich der Schulreferentendienst neu. Statt wie bisher mit Laien, sollte nun eine professionelle Truppe die Schulstunden geben. Das Schullokal war dabei nicht das Klassenzimmer, sondern ausschliesslich der Zug. Die Wagen erhielten einen neuen Anstrich und die Versorgung besorgte ein umgebauter Speisewagen. Der Triebwagen wurde für den Schulzug nicht mehr benötigt und abgestellt.

So verlor der BDe 4/4 Nummer 1646 seine Arbeit und er lief Gefahr, dass ihn das gleiche Schicksal, wie seinem Vorgänger, widerfuhr. Dieser landete auf dem Schrottplatz und wurde abgebrochen. Die Zeichen für den zweiten historischen BDe 4/4 standen auf Sturm. Jedoch wurde ihm eine neue Zukunft beschert, die ihm ein weiteres langes Leben bieten sollte. Dazu kam es nicht zuletzt, da sich die Leute des Jugenddienstes für das Fahrzeug stark machten.

Da das Fahrzeug für den Einsatz bei der „Schwalbe“ schon massive Änderungen erfahren hatte, konnte er nicht mehr in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Die wichtigsten Änderungen waren der Einbau einer Klimaanlage und das Verschliessen des seitlichen Einstiegs links wo die Klimaanlage platziert wurde. Die historische Bedeutung des Fahrzeugs war daher nicht mehr vorhanden.  Selbst die Bestuhlung war besonders.

Lebenslauf BDe 4/4 Nr. 1646
1955 – 1962 Lausanne  
1962 – 1994 Winterthur  
1994 – 1995 Lausanne  
1995 – 2005 Luzern Schulreferentendienst „Schwalbe“
2005 Erstfeld Für spezielle Fahrten eingesetzt
     

Die Stiftung SBB Historic, die das Fahrzeug übernommen hatte, musste daher für diesen Triebwagen ein besonderes Angebot finden. Analog zu seinem Bruder in Winterthur konnte der Triebwagen nicht verwendet werden. Was sollte man schon mit zwei solchen Triebwagen anstellen. Man suchte deshalb eine andere Lösung und fand letztlich eine besondere Aufgabe, die dem historischen Fahrzeug durchaus gerecht wurde.

Dieses Angebot sah vor, den Triebwagen wieder in den ur-sprünglichen Farben, jedoch ohne Rückbauten einzusetzen. Im Gegenteil, der Triebwagen erhielt abermals einige kleinere Umbauten.

Diese wurden im Depot Olten vorgenommen. Man entfernte beim Führerstand die Verglasung und machte diesen Bereich für die Reisenden frei zugänglich. Das Gepäckabteil erhielt spe-zielle Schutzwände. So konnte mit offenen Toren gefahren werden.

Letztlich kam der Triebwagen in ein Depot, das zuvor noch nie einen Triebwagen BDe 4/4 beheimatet hatte, ja sogar über-haupt nie ein grosses Depot für Triebwagen war.

Wenn man es genau nimmt, waren dort nur Triebwagen sta-tioniert, die nicht mehr ihrem Zweck entsprechend eingesetzt wurden. Das sollte auch für den BDe 4/4 mit der Nummer 1646 gelten. Bleibt nur noch das Depot und dieses wurde mit Erstfeld bestimmt.

Seit Anfang 2005 ist der BDe 4/4 Nummer 1646 im Depot Erstfeld beheimatet und wird ab dort für Führerstandsfahrten auf der Gotthardstrecke oder kleinere Ausflüge ab Erstfeld eingesetzt. Dank dem nun gut zugänglichen Führerstand kann die Fahrt aus der Sicht des Lokomotivführers genossen werden. Diese Fahrten führen an der Kirche von Wassen vorbei und der Triebwagen legt sogar einen längeren Halt im Gotthardtunnel ein.  

Die Fahrt kann von jedermann, der bereit ist, den notwendigen Betrag zu zahlen, gebucht werden. Besonders zu erwähnen ist auch die Möglichkeit im Gepäckraum die Fahrt mit den geöffneten Schiebetoren des Gepäckabteils zu geniessen. Fotofreunde können so ohne störende Fenster die Sehenswürdigkeit der Strecke bewundern und auf Film bannen. Infos dazu gibt es direkt bei SBB Historic. Gewisse Fahrten sind jedoch schnell ausgebucht.

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