Stand der Lukmanierbahn

Nach all diesen Normen und Richtlinien ist die Lukmanierbahn auch schon fertig gestellt. Die Anlagen wurden erstellt und sind bereit für den Betrieb. Wir kennen nun auch die geltenden Vorschriften und Regelungen. Damit hat sich das Projekt abgeschlossen. Was jetzt eigentlich für die Strecke nur noch fehlt, ist die behördliche Abnahme. Die Anlagen haben wir erstellt und auch die Vorschriften kennen wir. Wir haben unsere Ausführungsbestimmungen ausgearbeitet und trotzdem dürfen wir nicht loslegen.

Wie? Ach, Sie haben das Gefühl, dass ich mit dem Einblick auf das AZG schon beim Personal war. Das stimmt, aber wir haben ja schon ein EVU und müssen uns an diese Vorschriften halten. Dabei spielt es letztlich eine kleine Rolle, denn bereits im FDV, also in einer Vorschrift, die auch für unsere Lukmanierbahn gilt, gibt es bereits ein Kapitel über Lokführer, auch wenn auf unserer Bahn noch keine Züge rollen.

Man nennt die behördliche Abnahme einer Bahnlinie Kollaudation. Bei der Kollaudation werden alle wichtigen Punkte der Strecke geprüft und mit Fahrzeugen befahren. Dabei dürfen keine Vorkommnisse passieren, die den Betrieb gefährden würden. Bei der Abnahme der Anlagen wird genau geprüft, welche Kriterien gelten und ob diese so, wie es sich gehört, umgesetzt wurden. Sämtliche Bahnen mussten und müssen das vor der Eröffnung über sich ergehen lassen.

Die Kollaudation der Strecke kann mehrere Tage dauern. Abgeschlossen wurden diese behördlichen Abnahmen immer einen Tag bevor die Strecke offiziell eröffnet wurde. Wen man bei der Eröffnung vom ersten Zug spricht, dann nur, weil der Zug für die Kollaudation nicht offiziell verkehrte. Abgeschlossen ist die Abnahme mit der Erteilung der Betriebsbewilligung für die Bahnlinie. Erst jetzt können die grossen Feierlichkeiten stattfinden.

Wir haben alle Nörgler und Kritiker lügen gelernt, denn gebaut haben wir die Bahnlinie in einer Rekordzeit und die Kollaudation war ein Kinderspiel. Die Geologie hatte keine Überraschungen parat und dank unserem bereits erfolgreich am Markt positionierten EVU, haben wir auch die notwendigen finanziellen Mittel aufbringen können. Die Lukmanierbahn gehört uns und wir können diese nun betreiben wie wir wollen. Beim grossen Fest werden die Ehrungen erfolgen und dann geht der Betrieb los.

Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB fürchten bereits um den Verkehr am Gotthard. Ja, es gibt sogar vehementen Widerstand aus den Kantonen Uri und Tessin, denn sie befürchten, dass die Gotthardbahn endgültig verschwinden könnte, denn der Tunnel und die Lukmanierbahn hätten diesbezüglich verheerende Folgen auf die Bergstrecke und somit auf die touristischen Möglichkeiten des Kantons. Man spricht offen von Boykott und will uns sogar verklagen.

Die Zeit dazu hatte man vor Jahren verpasst, denn jetzt steht die Bahn da wo sie ist. Zwar haben wir nur eine eingleisige Strecke bauen können, denn ein wenig sparen mussten auch wir. Doch, es wird nun Zeit, dass wir das fertige Bauwerk genauer ansehen. Die Lukmanierbahn, die aktuell bereits ausgebaut ist, begann mit der hier kurz vorgestellten Infrastruktur. Stolz auf die Strecke können wir jederzeit sein, wenn die Gegner so offen drohen, machten wir die Arbeit richtig.

Die Züge auf unserer Lukmanierbahn starten in Chur. Sie folgen den Hängen und unterqueren geologische Störzonen in einigen kürzeren Tunnel. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h erreichen unsere Züge die neue Station von Disentis. Höhere Geschwindigkeiten hätten einfach zu viel gekostet, so dass wir uns auf 160 km/h geeinigt haben. Entscheidend waren hier schon die Kurven, die benötigt wurden um die Tunnel nicht zu lange werden zu lassen.

Im neuen grossen Bahnhof von Disentis zweigt nun unsere Bahn gegen den Lukmanier ab. Die Streitigkeiten mit den bestehenden Bahnen sind erledigt und so gab es einen gemeinsamen Bahnhof. Rund um die Station gibt es freie Flächen, so dass sich hier vielleicht Gewerbe oder sogar etwas Industrie ansiedeln kann. Mit der Bahnlinie und der nun vorhandenen direkten Zufahrt aus Süden und Norden besteht diese Möglichkeit.

Steile Abschnitte gibt es hier kaum, denn in nur wenigen Kilometer Entfernung befindet sich das Nordportal des Scheiteltunnels. Der Haupttunnel wurde mit 16'543 Meter Länge nicht so lang wie die grössten Tunnel. Er wurde bereits bei der Eröffnung mit zwei Gleisen versehen und kann mit bis zu 160 km/h befahren werden. Dank dem stabilen Gestein konnte man auf viele Sicherungen im Gewölbe verzichten. Wir konnten daher eine schnurgerade Strecke durch den Berg bauen.

Bis jetzt sind die Züge auf der Lukmanierbahn recht schnell unterwegs, denn die weiten Bögen und vielen Tunnel erlauben grösstenteils 160 km/h. Die Steigung gegen Disentis konnten wir mit einem weiten unterirdischen Bogen eliminieren. Dank dieser Kurve können unsere Züge auch direkt gegen den Tunnel ausfahren, so dass es hier keine engen Kurven zu bauen gab. Doch nun sind wir im Valle Blenio und dort ändert sich vieles.

Nach dem Tunnel ändert sich der Charakter dieser Bahn schlagartig. Denn der Abstieg gegen Biasca erforderte viele Kunstbauten und auch grössere Gefälle. Hier kann nur noch mit 100 km/h gefahren werden. Die engsten Kurven konnten dank dem Bau des Brennoviaduktes eliminiert werden. Daher musste die Geschwindigkeiten nicht noch weiter gesenkt werden. Denn je tiefer die Geschwindigkeit, desto länger braucht der Zug und Schnelligkeit ist heute sehr wichtig.

Der Brennoviadukt mit einer Länge von 1‘001 Meter und einer höchsten Höhe von 56 Meter führt über das Dorf Olivone. Die Einsprachen der Bürger haben wir mit einem vergoldeten Gemeindezentrum verstummen lassen. Daher gab es keinen zu grossen Widerstand, gegen die Mauern der