Das Gleis

Alles was wir bisher kennen gelernt haben ist nur dazu da, dass sich das Gleis so richtig wohl fühlt. Das Gleis ist der Teil, der direkt von den Zügen und Fahrzeugen belastet wird. Diese Kräfte müssen nun vom Gleis weggeführt werden. Das erfolgt über den Oberbau und den Unterbau ins Erdreich. Wobei das Gleis eigentlich auch ein Teil des Oberbaus ist und dort erwähnt hätte werden können. Es ist aber so wichtig, dass es ein eigenes Kapitel verdiente.

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen, das Teil wird in der Schweiz und in Deutschland nicht gleich ausgesprochen. Mittlerweile sind wir dabei nicht sonderlich überrascht. Das Gleis kann auch Geleise genannt werden. In der Schweiz haben sich mittlerweile beide Begriffe durchgesetzt, so dass diese parallel verwendet werden. Ob es nun Geleise oder Gleis heisst, spielt keine Rolle, es ist der Teil, der den Oberbau abschliesst.

Obwohl es sprachliche Differenzen gibt, ist das Gleis eigentlich überall gleich aufgebaut. Es besteht aus zwei Schienen, die Parallel geführt werden und die mit Schwellen verbunden sind. All das gehört zum Gleis dazu. Wobei es Ausnahmen gibt, denn die vorher kennen gelernte feste Fahrbahn hat da etwas eigene Gesetze. Aber Sie können sich merken, die beiden Schienen bleiben erhalten und nur die Schwellen verschwinden.

Schuldig bin ich Ihnen nun nur noch die Erklärung, was denn ein Gleis genau sei. Als Gleis bezeichnet man die Verbindung von Schwellen und Schienen. Was das genau ist, erfahren Sie in den nächsten Abschnitten bis ins Detail. Hier geht es noch um das allgemeine Gleis. Um es etwas anders auszudrücken, Sie sehen im Bahnhof in der Regel immer ein Gleis. Ab und zu liegen auch noch ein paar Schwellen und Schienen herum. Nur, ist ihnen sicherlich aufgefallen, dass der Abstand nicht gleich ist.

Wie, das ist Ihnen noch nicht aufgefallen? Ach so, Sie fahren nur Auto und haben noch nie eine Bahn benutzt. Dann sollten Sie etwas nach oben gehen und erfahren dann, dass Sie hier einen Zug benutzen. Doch bei Ihrem Wagen ist die Strasse doch auch nicht immer gleich breit. Im Quartier ist es eng, etwas breiter auf der Landstrasse und eher breit auf der Autobahn. Das ist bei den Eisenbahnen nicht so, aber die Breite ist nicht überall gleich.

 

Die Spurweite

Der Abstand der beiden Schienen ist bei den Eisenbahnen wichtig. Man nennt diesen Abstand Spurweite. Diese Spurweite ist ein Wert, der zwar unterschiedlich sein kann, der aber normalerweise nicht kombiniert werden kann. Die festgelegten Werte gelten immer von der Innenseite zur Innenseite der Schienen. Das heisst, die Schienen selber sind in der Spurweite gar nicht enthalten. Grundsätzlich kann dieser Abstand von jeder Bahn selber gewählt werden.

Klingt etwas komisch, ich weiss. Nur, stellen Sie sich einmal vor, die Geleise der DB haben einen genormten Abstand. Jetzt kommt die Schweiz und behauptet, dieser Abstand sei bei ihr grösser. Trotzdem fahren die Fahrzeuge in beiden Ländern. Kling nicht logisch, denn fast alle Lokomotiven und Wagen verkehren in beiden Ländern. Damit wir das Problem lösen können, müssen wir uns mit dieser Spurweite etwas genauer befassen. Denn meine Behauptung stimmt tatsächlich.

Die Spurweite wurde mit der ersten Eisenbahn in England geschaffen. Dabei war es kein Zufall, denn man nahm die Breite der vorhandenen Kutschen. Diese hätten so auf der neuen Eisenbahn eingesetzt werden können. Beim Messen der Kutschen kam man auf einen Abstand von 4 Fuss und 8.5 Zoll. Ein komischer Wert, der aber geschaffen wurde, damit zwei Pferde nebeneinander gehen konnten. Schliesslich gab es ja noch keine Dampflokomotiven.

Mit diesem Wert von 4 Fuss und 8.5 Zoll wollen wir unseren Weg durch die Spurweiten beginnen. Stellen Sie sich vor, man baut irgendwo eine Eisenbahn, will die kopieren und macht einen Fehler. Danach wird erneut kopiert und es entsteht wieder ein Fehler. Ob das nun wirklich so passierte, lassen wir offen, aber damit gab es bereits einen ersten Unterschied bei der Spurweite, obwohl das nicht vorgesehen war.

Normalspur: Ich beginne mit der Normalspur. Nicht, weil sie normal ist, sondern weil sie den schon erwähnten 4 Fuss und 8.5 Zoll entspricht. Da diese Spurweite jedoch sehr häufig auf der Welt verwendet wurde, kann man sie als Standspur bezeichnen. Daher passt der Begriff Normalspur, denn diese Spurweite soll normalerweise verwendet werden. Damit haben wir einen klaren Wert, der übrigens bei 1‘435 mm liegt.

Jetzt wissen Sie, warum gerade die Normalspur einen so komischen Wert hat. Zwei Pferde mussten in England dazwischen Platz haben, das ergab gemessen einen Abstand von 4 Fuss und 8.5 Zoll. Umgerechnet ergibt sich daraus ein Abstand von 1‘435 mm. So kamen die Bahnen auf der Welt zu einem so komischen Wert. Die Normalspur hat keinen normalen Wert, was andere Spurweiten noch haben werden. Doch noch bleiben wir bei der Normalspur.

Bahnen, die mit der Normalspur arbeiten, nennt man Normalspurbahnen und die haben diesen nominalen Wert von 1‘435 mm.

Nur daran halten tut sich eigentlich niemand richtig, denn von dieser Normalspur weichen die meisten Normalspurbahnen teilweise oder gar grundsätzlich ab.

Die Schweiz und Deutschland hat nicht die gleiche Spurweite. Das sind die Normalspurbahnen und ihre Besonderheiten.

Der Wert kann mehrere Millimeter von der gängigen Normalspur abweichen. Diese bewegt sich in Bereichen von 1‘430 bis 1‘470 Millimetern. Damit können Strecken, die engere Radien aufweisen etwas erweitert werden.

Die Schweiz führte daher generell einen etwas höheren Wert ein. Andere Bahnen halten sich so genau wie möglich an diese Spurweite. Die Normalspur ist daher eine vielseitige Spurweite, die als Standard gilt.

Damit wäre es einfach, aber die Bahnen auf der Welt haben sich nie in allen Punkten einigen können. Zwar gab es Regelwerke, wie die UIC, die einen Wildwuchs verhindern sollten. Trotzdem kam es dazu, dass man immer wieder mit anderen Spurweiten experimentierte. Der grösste Wert erreichte dabei bis zu zwei Metern. Durchsetzen konnte er sich nicht, doch es gab abweichende Spurweiten, die sich durchsetzten.

Breitspur: Gerade bei den russischen Eisenbahnen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man beim Kopieren falsch gemessen hätte. So soll die russische Breitspur entstanden sein. Widerlegen will ich dieses Gerücht nicht, denn es ist so schön naiv und sollte daher nicht vergessen werden, denn die russische Breitspur ist aus einem ganz einfachen Grund breiter geworden und diesen wollen wir nun im Detail kennen lernen.

Als sich die ersten Eisenbahnen in Russland ansiedelten, hatten die dort nicht leicht breitere Pferde, sondern man vereinfachte viele Werte. So löste man sich von dem Wert 4 Fuss und 8.5 Zoll. Vielmehr verwendete man einen runden Wert und der lag bei den russischen Eisenbahnen bei 5 Fuss. Erstmals gab es einen genauen Wert. Gut, ich kann etwas vorgreifen, normale Werte sollten die Ausnahme bleiben. Aus den 5 Fuss ergibt sich dann eine Spurweite von 1520 mm.

Damit hatte man in Russland eine Breitspur geschaffen, die sich durchsetzen konnte. Das Netz wurde in dieser Spurweite gebaut und immer mehr vergrössert.

Letztlich erreichten diese Strecken einen ausgesprochen hohen Wert, so dass die russische Breitspur fast gleich viele Kilometer hat, wie die Normalspur, die eben keinen normalen Wert hat.

Dieser normale Wert gehört in Russland und nur dort, der Breitspur. Auch wenn die Spurweite heute in den Nachfolgestaaten angewendet wird, ist es so.

Es gibt jedoch neben der russischen Breitspur, auch noch die iberische Breitspur. Auch dort hält sich das Gerücht, dass man falsch gemessen habe. Vermutlich aber wollte man als Spitzenreiter gelten.

Hier die Vereinfachung zu suchen fällt schwer, denn einfacher, als einen Wert von 5 Fuss geht bekanntlich nicht.

Nur, nicht in jedem Land war zum Messen einer Länge ein englisches Fuss verwendet worden. So verwendete man in Spanien das kastillische Fuss. Dieses hatte einen etwas geringeren Wert, so dass man 6 kastillische Fuss verwendete und bei 1‘668 mm landete.

So kam es, dass auf der iberischen Halbinsel mit der grössten noch verwendeten Spurweite gearbeitet wird. Die Werte kamen aber weder durch Diebstahl oder falsche Messungen zu Stande. Vielmehr zeigte sich, dass die Angabe mit Fuss und Zoll zu ungenau ist. Wurde dann der Wert noch gerundet, kam man zur Breitspur, die nicht überall gleich breit ist. Trotzdem musste man die Fahrzeuge an den Grenzen durchlaufen lassen können. Heute ist das noch wichtiger, als vor 100 Jahren.

Sowohl für die iberische Breitspur, als auch für die russische Breitspur gibt es an den Grenzen zur Normalspur Anlagen, die Fahrzeuge auf eine andere Spurweite umstellen lassen. Diese Umspuranlagen sind aber nicht überall gleich aufgebaut worden. So gibt es Anlagen, wo spezielle Züge automatisch umgespurt werden. Öfters verwendet werden jedoch Anlagen, bei denen die Wagen mit anderen Drehgestellen ausgerüstet werden.

So können die Fahrzeuge auf der anderen Spurweite weiter verkehren. Der zeitliche Verlust ist aber so hoch, dass man auch gleich die Waren umladen kann. Sie sehen, die Ideen von früher, haben sich überholt und führen heute zu grösseren Problemen, denn mittlerweile verkehren Güterzüge zwischen der russischen Breitspur und der europäischen Normalspur. Aus Spanien kommen ganze Züge ins normalspurige Netz.

Die Schmalspur: Etwas ganz besonders ist die Schmalspur. Als Schmalspur bezeichnet man alles, was schmaler als die Normalspur ist. Der Vorteil, der Schmalspur ist, dass man engere Kurven fahren kann und so weniger künstliche Bauten auf der Strecke notwendig sind. Die Schmalspur setzte sich daher oft im Gebirge durch, kommt aber auch im Flachland vor, weil man dort Geld sparen konnte.

In Europa kommen bereits unterschiedliche Schmalspuren vor. Wobei ich dabei nicht gross ins Ausland reisen muss. Eine Vielfalt gibt es auch in der Schweiz. Auch hier arbeitete man wieder mit gerundeten Werten, auch wenn diese nun mit der metrischen Masseinheit angegeben wurden. Die normale Schmalspur in der Schweiz beträgt daher 1000 Millimeter. Abweichungen gibt es in den Bereich von 750 und 800 Millimeter. In anderen europäischen Ländern kommen ähnliche Mass vor.

Es gibt auch bei den Bahnen und in den Ländern, die mit englischen Masseinheiten arbeiten, schmalspurige Bahnen. Mit einem metrischen Mass für die Spurweite konnte man sich dort nicht mehr begnügen, man wollte eine Spurweite, die zum englischen Masssystem passte. Daher führte man eine Schmalspur ein, die auf den Werten nach englischen Massen aufbaut wurde und die eine grosse Verbreitung in Afrika fand.(Kapspur)

Geboren war die Kapspur. Im südlichen Afrika wurden damit grosse Netze aufgebaut. Die Kapspur gilt als Schmalspur, da sie ebenfalls unter den Werten der Normalspur liegt. Man kappte die Normalspur und kam so zum Begriff. Die Spurweite dieser Kapspur beträgt 3 Fuss und 6 Zoll oder etwas einfacher 3½ Fuss. Metrisch ergibt das einen Wert von 1‘067 Millimeter. Damit hatte man in den Ländern eine Schmalspur erhalten, die nur leicht grösser war, als der europäische Standardwert.

Auf bei den Bahnen mit Schmalspur sind auch Bestrebungen im Gang, die einen Wechsel der Fahrzeuge auf die Normalspur zulassen. Jedoch sind hier die Unterschiede so gross, dass es nicht so einfach ist, wie bei der Breitspur. Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge der Schmalspur auch etwas kleiner in den Abmessungen sind und so schlecht zur Normalspur passen würden. Es wird sich zeigen, ob sich diese Umspuranlagen durchsetzen können.

Zusammenfassung: Mit der Spurweite wird der Regelabstand der beiden Schienen zueinander angegeben. Wie wir auch wissen, sind diese Abstände in mehreren festen Grössen festgelegt worden. Jedes Land kann aber in einem gewissen Bereich Abweichungen zulassen. Damit haben wir eine Vielzahl von Spurweiten, die überall auf der Welt verwendet werden. Die Werte der Spurweite liessen sich überall nachvollziehen.

Damit Sie ein einfaches Bild von den unterschiedlichen Spurweiten bekommen, füge ich eine kleine Tabelle mit ein paar weltweit verwendeten Spurweiten ein. Da diese Liste nicht komplett ist, entschuldige ich mich bei allen, die eine andere Spurweite kennen, denn es gibt sehr viele Spurweiten. Als Beispiel erwähne ich hier die bei Standseilbahnen in der Schweiz noch öfters verwendete Spurweite von 1‘200 Millimetern.

 

Land Abstand Normgrösse Bahngesellschaft
Spanien 1668 mm Breitspur RENFE
Russland 1520 mm Breitspur RZD
Europa und USA 1435 mm Normalspur SBB, DB, ÖBB,…
Südafrika 1067 mm Kapspur  
Schweiz, … 1000 mm Schmalspur RhB, MGB, SBB
Schweiz 800 mm Schmalspur WAB, SPB
Schweiz, Deutschland 750 mm Schmalspur WB

 

Sie sehen, alleine in der Schweiz kommen hier vier verschiedene Spurweiten zur Anwendung. Wobei das noch längst nicht alle sind. Sie können sich nun sicher vorstellen, dass man in der Welt viele Spurweiten findet. Trotzdem spricht man nur von drei unterschiedlichen Spurbreiten. Das sind die Breitspur, die grösser ist, die Normalspur und die Schmalspur, die schmäler ist. Diese Regelnormen bestehen und es gibt viele Abweichungen.

Gerade die Schmalspur beweisst aber, dass man sich bei speziellen Netzen nicht zwingend daran halten muss. Viel mehr passte man die Spurweite den Bedürfnissen an. Probleme ergeben sich erst jetzt, wo man einen modernen Betrieb haben möchte und die Leute an den Schnittstellen den Zug wechseln müssen. Aber, wie war es doch schon, die Leute beim Bau dachten selten an die Zukunft, bauten das, was passte und das was sie finanzieren konnten.

Besonders auf der Iberischen Halbinsel gab es zudem eine Anpassung, damit man mit den Fahrzeugen aus Portugal und Spanien in beiden Ländern verkehren konnte, passte man die Spurweiten an. Mittlerweile werden in Spanien neue Strecken mit der üblichen Normalspur aufgebaut. So gibt es dort auch innerhalb des Landes Umspuranlagen, die von ganzen Zügen, inklusive Lokomotive, benutzt werden. Spurwechsel sind dort an der Tagesordnung.

 

Zurück Navigation durch das Thema Weiter
  Home Depots im Wandel der Zeit Die Gotthardbahn
News Fachbegriffe Die Lötschbergbahn
Übersicht der Signale Links Geschichte der Alpenbahnen
Die Lokomotivführer Lokführergeschichte Kontakt

Copyright 2014 by Bruno Lämmli Erstfeld: Alle Rechte vorbehalten