Gründerzeit

Wie schon gesagt, die Schweiz vermochte sich lange gegen die Eisenbahn zur wehr zu setzten. Hier waren die politischen Wirren im Land anfänglich ausschlaggebend, denn die helvetische Republik, die aus der alten Eidgenossenschaft entstanden war, konnte noch keine gefestigten Entscheide fällen. Die staatliche Version des Baus von Eisenbahnen war daher nicht möglich. Schliesslich hatte dieser dringendere Themen, die erledigt werden mussten.

Wenn wir schnell in diese Zeit des Landes sehen, dann stand dieses kurz vor einem blutigen Bürgerkrieg. Dieser wurde dank einen genialen General mit sehr wenigen Opfern beendet und so das Land gefestigt. Guillaume Henri Dufour sollte so sehr bekannt werden und der höchste Berg des Landes wurde nach ihm benannt. Dieser grosse «Kriegsherr» wurde zum Mitbegründer des roten Kreuzes. Besser zur Schweiz passt wohl nichts mehr.

Es war somit klar, dass dieses Land keine Eisenbahn bauen würde. So waren die Städte und Kantone des Landes gefragt. Aber keine der helvetischen Städte konnte mit Liverpool, München oder Paris mithalten. So blieben nur noch die Kantone übrig. Doch wo lag das Problem? Die Eisenbahn kostete viel Geld und dieses musste man zuerst einmal haben. Grosse Städte und Staaten verfügten über diese Mittel. Daher konnten sie Eisenbahnen bauen.

So war es letztlich nur logisch, dass es keine Eisenbahn geben würde. In Basel erreichte 1844 der erste Zug den Bahnhof «Intra muros» und das grosse Erwachen im Land begann. Die wirtschaftlich starken Regionen des Landes sahen plötzlich, wie Vorteilhaft eine Eisenbahn sein konnte. Eifrig begann man damit die notwendigen Ideen in die Tat umzusetzen. Doch, wie sollte das gehen? Wer konnte diese Projekte finanzieren?

Blickte man in dieser Zeit in die Schweiz, erkannte man, dass nur zwei Städte richtig investieren konnten. Das waren Basel und Zürich. In Basel hatte man eine Eisenbahn und musste daher keine bauen. Zürich war jedoch auf die Kantone angewiesen und da gab es nur zwei, die finanziell stark genug waren. Das waren Zürich und der junge Aargau, der mit seinem Salz damals viel Geld verdiente. Wo nun die erste Bahn entstehen sollte, wusste man lange nicht.

Letztlich beendet wurden diese Streitereien um die erste Eisenbahn in der Schweiz mit einer finanzstarken Stadt, zwei Kantonen und einem Gebäck in einer Kurstadt. Dieses Gebäck gab der Bahn letztlich ihren Namen. Doch bevor wir uns intensiver mit der Bahn befassen, blicken wir auf den Grund, warum die Bahn denn gebaut wurde. Wir können uns dabei gleich merken, man baut keine Eisenbahn ohne einen Grund dazu zu haben.

Die reichen Zürcher reisten im frühen 19ten Jahrhundert immer öfter nach Baden um sich in den dort angesiedelten Kurbädern zu erholen. Baden war, wie es der Name schon vermuten lässt, ein bekannter Kurort.

Schon zu den Zeiten der Römer sollten Bäder entstanden sein. Das Thermalwasser von Baden war angenehm warm und daher sehr beliebt. Der Name der Stadt war daher Programm und das ging einfach vergessen.

Baden war damals als Bäderstadt in der Schweiz sehr be-kannt geworden und lag innerhalb einer Tagesreise von Zürich entfernt. Somit war es der ideale Ort um zu kuren und sich vom Stress der Grossstadt zu erholen.

Dabei nahm man in Kauf, dass man die damals noch vorhandene Grenze zum Aargau passieren musste, und dass es eine lange Reise in der Kutsche war. So konnten es sich wirklich nur jene Leute leisten, die Einfluss hatten.

Die dabei in Baden den Gästen aufgestellten Gebäcke aus Blätterteig mit dem komisch klingenden Namen spanische Brötli waren eine Wohltat für den Gaumen der Zürcher.

Sie versüssten die Kur und schmeckten wunderbar. Man wollte mehr von diesem Gebäck haben. Besonders zu Hause in Zürich sollte dieses Gebäck auch erworben werden. Dazu musste es aber vom Kurort Baden nach Zürich transportiert werden.

In Zürich mochte man aber nicht auf diese spanischen Brötli verzichten und bis zur nächsten Kur warten. Die Folge war ein reger Handel zwischen Baden und Zürich und somit zwischen den Kantonen Aargau und Zürich. Die lange Reise in den Kutschen und Fuhrwerken auf den holprigen Strassen, war für das Gebäck nicht bekömmlich. Zudem stieg der Verkehr in einem solchen Mass an, dass die Strassen immer öfters kaum passiert werden konnten.

Nach dem Basel eine Eisenbahn von Frankreich her erhielt, war schnell klar, die viel schnelleren Züge sollten die Brötli frisch und ganz nach Zürich bringen. Die Idee der ersten Eisenbahn war geboren und es war klar, sie sollte zwischen Zürich und Baden verkehren.

Dass dieses Projekt nicht ohne Erschwernisse zu bauen war, zeigt nur schon die Tatsache, dass diese erste Eisenbahn der Schweiz eine Grenze überqueren musste, die es nur kurze Zeit später nicht mehr gab.

Auch damals war die Finanzierung eines solchen Projektes nicht sehr einfach. In allen Ländern war oft der Staat die führende Kraft beim Bau von Eisenbahnen. Die Schweiz von heute exi-stierte noch nicht.

Die helvetische Republik bestand aus einzelnen Staaten, die nicht die finanziellen Mittel hatten um ein solches Projekt zu ver-wirklichen. Somit hatte man bei der helvetischen Republik schlicht an der Eisenbahn kein Interesse.

Der im Jahre 1803 neu gegründete Kanton Aargau und der Kanton Zürich waren da eine Ausnahme. Sie konnten die finanziellen Mittel leicht aufbringen. So hatten sich damals in Zürich schon grössere Banken angesiedelt, die leicht die notwendigen Kredite aufbringen konnten. So war aus Zürich eine Finanzmetropole geworden, die bis in die heutige Zeit bestand haben sollte. Auf dieser Seite war also der Bau kein Problem.

Auch der Aargau, ein eher ländlicher Staat war damals finanziell gut gestellt. Die Agrarprodukte brachten zwar weniger Geld in die Staatskasse, als das weisse Gold. Im Aargau waren reichhaltige Vorkommen von Salz vorhanden. Diese konnten leicht abgebaut werden und es entstand ein reger Handel mit den anderen Staaten. Das führte zu umfangreichen Einnahmen und so war auch diese Seite für den Bau der Eisenbahn gerüstet.

Somit war klar, dass eigentlich nur diese beiden Staaten eine Eisenbahn bauen konnten. Die restlichen Staaten der helvetischen Republik waren dazu einfach finanziell noch nicht in der Lage. Die neue schweizerische Eidgenossenschaft war zwar mehr oder weniger beschlossene Sache, aber weder die Leute im Aargau noch jene in Zürich mochten warten, bis diese mit der ersten Verfassung besiegelt werden sollte.

In der Folge gründete man in den betroffenen Kantonen eine privatrechtliche Gesellschaft. Diese nannte man ziemlich kleinlaut schweizerische Nordbahn SNB. Ziel dieser Gesellschaft sollte die Beschaffung der finanziellen Mittel für den Bau der Eisenbahn sein. Da man keine Erfahrung mit solchen Projekten hatte, wurde Hilfe gesucht und diese fand man damals in England und daher wurde die Bahn nach deren Normen gebaut.

Auch wenn wir mit der schweizerischen Nordbahn SNB eine Bahngesellschaft haben, bekannt werden sollte diese Eisenbahn wegen den mit den Zügen transportierten Gebäcken. Im Volksmund sollten diese Gesellschaft und die späteren Züge jedoch als Spanischbrötlibahn bekannt werden. Die erste Eisenbahn innerhalb der heutigen Schweiz war Tatsache geworden und sie konnte auch gebaut werden.

Am 09. August 1847 war es dann soweit. Die erste Eisenbahn der Schweiz wurde feierlich eröffnet. Die neue Eisenbahn, die weiterhin unter der Gesellschaft der schweizerischen Nordbahn SNB betrieben wurde.

Sie legte dabei die Strecke zwischen Zürich und Baden schneller zurück, als das mit der Kutsche der Fall war. Sie müssen jedoch wissen, dass man nun in wenigen Stunden in Baden sein konnte und so am Abend wieder zurückkehrte.

Entweder wurden Personen von Zürich nach Baden zur Kur befördert, oder man belud die Wagen mit allerlei Handelsgütern. Darunter befanden sich auch die spanischen Brötli, die in der Folge nun auch in Zürich erhältlich waren.

Dabei waren diese wegen dem schnellen Transport noch frisch, knusprig und ganz. Die Bahn wurde daher nur noch Spanisch-brötlibahn genannt und die offizielle Bezeichnung ging immer mehr vergessen.

Nur vier Monate später fiel die Grenze zwischen den beiden Kantonen, denn an die Stelle der helvetischen Republik trat die schweizerische Eidgenossenschaft, die besser unter dem Namen Schweiz bekannt wurde. Nun war ein Land vorhanden, das in der Rechtsform eines Bundesstaats aufgebaut wurde und in dem die ehemaligen Kantone immer noch mehr Macht hatten, als üblich. Nur das Salz konnte nicht mehr so teuer verkauft werden.

Die schweizerische Nordbahn SNB hatte aber mit der Nation und deren Namen nichts zu tun, denn es war eine privatrechtliche Gesellschaft, die entstanden war, weil der Staat, den es nun gab, gar noch nicht bereit stand. Für die Bahn änderte sich daher mit dem neuen Staat nichts, aber für die Eisenbahnen in der Schweiz war er von grosser Bedeutung. Der Anfang war gemacht und nun griff auch der Staat ein.

Eine Eisenbahn war geboren, die in keinem Buch der Schweiz fehlen sollte und die in den Herzen der Schweizer tief verwurzelt wurde.

Es war der Grundstein für eines der dichtesten Bahn-netze der Welt. Keine Nation fährt mehr mit der Eisenbahn als die Schweiz.

Nur die Japaner erreichen öf-tere, dafür kürzere Fahrten. Einfach gesagt, es entstand in der neuen Schweiz ein rich-tiger Bauboom, auch wenn man das Wort damals noch nicht kannte.

Schnell wurde die ursprüng-liche schweizerische Nord-bahn SNB nur noch zu einem Teil und von anderen Gesell-schaften übernommen. Damit konnte die Strecke verlängert werden. Das erfolgte nun nach einem vom Bundesstaat erlassenen Plan, der dafür sorgen sollte, dass alle Landesteile davon profitieren sollten. Selbst die hier als Muster verwendete Lukmanierbahn war dort vorhanden und so das Tessin angebunden worden.

Von dieser ersten Eisenbahn der Schweiz ist heute nicht mehr viel vorhanden. Die Bahngesellschaft verschwand und die erste Lokomotive der Schweiz wurde nun nachgebaut und verbessert. Trotzdem wünschen wir uns natürlich, dass man davon noch etwas finden kann und tatsächlich, von der Spanischbrötlibahn sind die angepassten Bahnhöfe immer noch vorhanden. Längst erreichen die in Zürich aber den Endpunkt nicht mehr.

Wenn wir nun zu den anderen Anlagen kommen, dann kann erwähnt werden, dass von der Spanischbrötlibahn immer noch eine Brücke in Betrieb ist. Zwischen den Bahnhöfen von Schlieren und Dietikon wird der Schäflibach auf einer kurzen Brücke kurz vor der Einmündung in die Limmat überquert. Ein Gleis der vierspurigen Strecke benutzt auch heute noch die 1847 gebaute Brücke, die aber nur noch ein Teil davon ist.

 

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