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Der Einsatz der
Triebzüge
hatte keinen guten Start. Auf Grund der hier erstmals verbauten
Wankkompensation hatte der Zug ein ungewohntes Wankverhalten. Das wirkte
sich bei geringen Geschwindigkeiten negativ auf das Fahrverhalten aus. Der
durch die
Weichen
angeregte Kasten kam ruckartig ins Schwanken und das konnte sehr gut
gespürt werden. Besonders dann, wenn der Becher mit dem heissen Kaffee auf
dem Schoss lag.
Nur so war auch eine Spinne in Lausanne
möglich. Ein Verzicht hätte sehr teure Ausbauten zur Folge gehabt. Daher
mussten die Abklärungen in diesem Punkt intensiver voran getrieben werden. Die Kundschaft musste einfach büssen und die waren dann sehr schnell mit dem Urteil bereit. Aus dem Triebzug wurde der «Schüttelbecher», oder der «Wackeldackel» und das sind noch die schöneren Begriffe.
Jedoch zeigen sie gut auf, wo das Problem zu
finden war. Dabei waren doppelstöckige Fahrzeuge immer etwas rup-piger, da
der hohe Kasten nicht so weit zur Seite schwan-ken darf, wie bei normalen
Wagen, denn Kratzspuren wirken nicht schön.
Noch hatte man den Nachweis bei der Wako
nicht er-bracht und schon war der
Triebzug
überall verschrien. Die
Versuchsfahrten
mit der Anwendung der Vorrichtung hatten gezeigt, dass die Kräfte im
Gleis
eingehalten wurden und die Wagenkasten nicht zu stark seitlich
ausschwenken konnten. Somit war mit den Ergebnissen klar, die Lösung
funktionierte und man konnte mit der Wankkompensation einen weiteren
Versuch starten.
Dazu sollte mit Reisenden die Strecke
zwischen Bern und Lausanne nach den Regeln der Wako befahren werden. Das
bedeutete, es ging leicht schneller um die
Kurven
und der geringere Anstieg bei der Fliehkraft war für den Menschen nicht so
schlimm. Zumindest war man vor Beginn der Fahrt davon überzeugt und die
Zahlen sprachen für sich. Zuversichtlich ging es daher mit der Fahrt los
und die brachte ganz neue Erkenntnisse.
Der leichte Druck wird als fallen in eine
Richtung erkannt. Da-her stemmen wir uns automatisch gegen diese Kraft an.
So wird der Ausgleich wieder erreicht. Nur befindet sich die Hemmschwelle
bei jedem Mensch etwas anders. Anders gesagt, wenn die Kräfte zu gross werden, reagiert der Körper anders und das hat zur Folge, dass wir uns über-geben müssen. Man nennt diesen bekannten Effekt auch See-krankheit.
Aufgetreten in bescheidenem Masse ist dieser
Effekt auch bei den
Neigezügen.
Hingegen fiel in diesem Punkt die Wako voll-kommen durch. Es wurde auch
jenen kotzübel, die sonst den grössten Sturm auf dem Meer überstehen
konnten. Der Zug schaffte auch Seebären. Damit war allen klar, die immer kritisierte Idee mit der Wank-kompensation war durchgefallen. Die Idee von einem doppel-stöckigen Neigezug war utopisch.
Erst jetzt wissen wir, dass die Zahlen
stimmen können, aber bei einem Zug mit Leuten auch diese zu
berücksichtigen sind. Sie wurden geschüttelt, aber nicht krank von den
Fliehkräften die wirken. Doch damit kam der «Schüttelbecher» wieder in den
Fokus, denn die Schweiz trinkt Kaffee gerne.
Zumindest lieber, als sich diesen von den
Hosen zu wischen. Das war klar und nun ging es darum, den gigantischen
Verlust so gering zu halten, wie es nur ging. Wir müssen bedenken, dass es
keinen misslungenen
Prototyp
gab, es war die ganze Serie davon betroffen. Anpassungen an den
Drehgestellen
brachten keinen Erfolg. Danach war schnell klar, wenn man den
Triebzug
beruhigen will, muss die Abstützung auf dem
Fahrwerk
verändert werden.
Ein neues
Fahrwerk
hätte zu einem finanziellen Ausfall in gigantischer Höhe geführt. Alleine
die Kosten für die neuen
Drehgestelle
hätten jeden Zug finanziell erreicht. Daher musste ein Umbau erwogen
werden und den sehen wir uns an. Ausgeführt wurden die Arbeiten im Werk Villeneuve des Herstellers. Wegen bereits anstehenden Arbeiten mussten die Züge dort vorstellig werden. In diesem Rahmen sollten die Drehgestelle getauscht werden.
Die bisherigen wurden umgebaut und dann
später wieder eingebaut. Die Kosten für diese Arbeiten beliefen sich auf
90 Mio. Schweizer Franken. Mit Einsparungen beim Unter-halt sollten 40
Mio. eingespart werden können.
Unter dem Strich war aber immer noch ein
Verlust von 50 Mio. Schweizer Franken zu verzeichnen. Das erscheint viel,
ist aber nur ein Bruchteil dessen, was komplett neue
Laufwerke
gekostet hätten. So gesehen konnte man den Verlust mildern und in der
Presse wurde es so geschrieben, dass man durchaus auch einen Gewinn
vermuten könnte. Das würde aber nur gehen, wenn im Unterhalt die verbauten
Drehgestelle
auf dem Schrott landen würden.
Es war ein umfassender Umbau vorgesehen.
Dieser wirkte sich auf die Abstützung des Kastens mit der Quertraverse
aus. Zusätzlich wurden sowohl die
Primärfederung,
als auch die sekundäre
Federung
umgebaut. Diese konnten nun weicher arbeiten, als das bei der Kompensation
der Fall gewesen wäre. Mit weicher eingestellten
Federn wurden
Stösse
nicht mehr so gut auf den Kasten übertragen. Das wurde von den Leuten und
vom Becher ganz gut bemerkt.
Daher waren hier keine sehr hohen Kosten zu
erwarten. Wir haben die Einsparung, die man im Unterhalt er-reichen
konnte. Neue
Dämpfer,
die so oder so erneuert werden müssen und nur das Modell ändert sich. Ein weiteres Problem durch den Umbau war beim Fahr-zeug oben zu finden. Durch den nun anders erfolgten Aufbau, wankte der Kasten anders. Das wirkte sich auch gleich auf die
Stromabnehmer
auf dem Dach aus. Bei diesen wurde mit den bisherigen
Schleifleisten
gearbeitet und der Versuch mit den verstellbaren Leisten auch gleich als
gescheitert angesehen. Die
Zulassung
für das Ausland umfasst nur noch grenznahe Strecken.
Damit es zu keinen Bügelentgleisungen kommt,
muss die Wankneigung beschränkt werden. Das ist bei jedem
Triebzug
mit zwei Etagen erforderlich. Hier war nun der grosse Vorteil, denn durch
den Ausbau der Aktuatoren gab es im
Drehgestell
auch den erforderlichen Platz. Neu eingebaut wurde ein Wankstützsystem,
das besass einen Queranschlag. So wurde die Neigung nicht verhindert. Der
Kasten konnte sich also immer noch neigen.
Das war wichtig, wenn nicht bogenschnell
gefahren wurde, denn der sich nach innen neigende Kasten kompensiert die
Fliehkräfte die auf den Reisenden wirken. Der Becher mit dem heissen
Kaffee bleibt dort, wo man ihn hingestellt hat. Nachtteil war, dass man
nur mit den üblichen Geschwindigkeiten fahren durfte, aber das war mit dem
Entscheid bereits klar. Als
Prototyp
für den Umbau definierte man den Zug mit der Nummer 502 217.
Das galt für die
Fahrleitung,
als auch für die Zugsicher-ungen. Es handelte sich dabei noch um die
Ausrüstungen, die vor Jahren getätigt wurden. Nicht erwähnt ist die
ähnliche Situation in Basel. Dort befindet sich der
Bahnhof
Basel Bad aber noch in der Schweiz. Als die ersten Drehgestelle umgebaut waren, konnten mit dem Triebzug die Versuche erfolgen. Eine Anpassung beim Laufwerk hat unweigerlich eine neue Zulassung zur Folge. Dazu braucht es nicht mal pingelige Behörden. Mit dem
Fahrwerk
ändert sich das Fahrverhalten und auch die im
Gleis
auftretenden Kräfte verändern sich. Das war aber den beteiligten Leuten
bekannt und daher ging es mit dem
Triebzug
ins Ausland. Die ersten Gehversuche erfolgten in Velim. Weit weg, konnte man den Zug nicht so gut erkennen. Und erst als man die Nachweise erwirkt hatte, kehrte der umgebaute Triebzug in die Schweiz zurück. Diesmal war man vom Erfolg überzeugt und das
zeigte man der Presse. Zwei Einheiten, dass man vergleichen konnte. Das
Verdikt in der Presse war gut und die Idee mit dem Kaffee stammt von einem
der Redaktoren, der wohl entsprechende Erfahrungen hatte.
Erst wenn hier der Erfolg nachgewiesen
werden konnte, sollte der Umbau der anderen Züge beginnen. Diese
Zulassung
erwartete man gegen Ende 2025 und sie musste nur für die Schweiz erstellt
werden, denn die DACH Zulassung war vom Tisch. Aus dem Wunderding, wurde
ein normaler
Triebzug
mit zwei Stockwerken. Mit einem Beginn im Jahre 2026 erwartete man ein
Ende der Arbeiten in der frühen 2030er Jahren.
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