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Die Bremsen auf der Fahrt |
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Es
wird Zeit, dass wir mit den Bremsen auf grosse Fahrt gehen. Wir haben den
Aufbau kennen gelernt, eine Bremsrechnung durchgeführt und vorher haben
wir einen langen Weg hinter uns, weil eine Bremsprobe anstand. Damit kann
mit dem Zug die Fahrt angetreten werden. Es stellt sich aber die Frage,
wie denn mit den Bremsen gefahren wird. Fragen, die sich weder beim
Fahrrad, noch beim Automobil stellen, auch wenn man sollte.
Vermutlich haben Sie bemerkt, dass bei den Bremsreihen die Zugreihen gefehlt haben. Sie waren nur bei der SOB aufgeführt worden.
Das
ist kein Fehler, denn diese Infor-mation ist nun an einer anderen Stelle
zu finden. Die Zuordnung der Brems-reihe zur
Zugreihe
ist offener. Vom Fahrpersonal mitgeführt werden die Streckentabellen. Diese werden immer wieder als RADN bezeichnet. Wichtig sind sie für die Fahrt, denn hier finden sich die Bremsreihen wieder. Zusammen
mit der
Zugreihe
ergeben sich dann die auf jedem Abschnitt erlaubten Geschwindigkeiten.
Letzt-lich wird nur diese Streckentabelle benötigt um mit einem Zug auf
die grosse Fahrt zu gehen und diese werden laufend angepasst.
Streckentabellen wie in der Schweiz, gibt es längst nicht überall. Dort
wird oft nicht so genau auf die vorhandenen Bremsen geachtet. Man hat die
Vorgabe erfüllt, dann wird so schnell gefahren. Mit der Streckentabelle
kann es jedoch sein, dass gute Bremsen in einem Zug deutlich höhere
Geschwindigkeiten zulassen, als das geplant war. Jedoch gibt es auch in
der Schweiz Züge, die klare Vorgaben bei den erlaubten Bremsreihen haben.
So
gilt bei Zügen aus
Lokomotiven mit oder ohne geschleppte Modelle, dass diese immer
nach dem vorhandenen Bremsverhältnis fahren. Maximal ist jedoch nur die
Zugreihe R und 115%
bei der Bremsreihe zugelassen. Auch wenn bessere Bremsen vorhanden sind,
es wird maximal mit R115% gefahren. So ist zum Beispiel auch die
Zugreihe N
ausgeschlossen. Andere Abweichungen sind auf Fahrzeuge oder Beladung
bezogen worden.
Es
geht um die Bremsen und von deren Seite her, steht der Fahrt wirklich
nichts mehr im Weg. Jedoch ergeben sich in diesem Zusammenhang weitere
wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen. Damit das geht, müssen wir
mit der Fahrt beginnen, denn anders geht es nicht. Rollprobe: Mit der Rollprobe kommen wir zu einem ganz speziellen Punkt. Dabei stellt sich die Frage, wann diese durchgeführt wird. Um es kurz zu machen, eigentlich immer. Mit der Rollprobe sollen verhindert werden, dass mit einer noch angezogenen Feststellbremse losge-fahren wird.
Diese sollten zwar gelöst sein, aber bei Fahrzeugen ohne durchgehendes
Bremsgestänge, oder bei den
Niederflurwagen
kann diese eventuell vom Personal nicht erkannt werden.
Die
Rollprobe ist bei
Lokomotiven bei allen
Fahrten durchzuführen. Sie wird bei der ersten Bewegung vorgenommen und
nach der Übernahme, bei der diese nicht direkt erfolgen konnte. So sollen
allenfalls nicht gelöste Handbremsen erkannt werden. Die früher vorhandene
Kontrolle aller Handbremsen auf den
Triebfahrzeugen
wurde aufgegeben und diese durch die Rollprobe ersetzt. Ob es besser ist
die Handbremse vor der Fahrt oder erst nach ein paar Metern zu lösen,
lasse ich offen.
Für
Güterzüge muss die Rollprobe
nach dem anhängen der Last gemacht werden. Auch hier sollen allenfalls
Handbremsen erkannt werden. Wobei bei einem schweren Zug damit kaum
merklich eine schwach wirkende Handbremse erkannt werden kann. Angezogene
Druckluftbremsen sollte es nicht geben, denn es wurde vorgängig eine
Hauptbremsprobe durchgeführt und dabei die korrekte Funktion der Bremsen
festgestellt.
Kommt es nun im Zug zu Längsbewegungen, kann es passieren, dass diese
mechanisch wieder eine
Verbindung
herstellen. Mit der Rollprobe soll das er-kannt werden und wir müssen nur
noch wissen, wie diese denn durchgeführt wird. Der Zug, oder auch nur das Triebfahrzeug wird normal beschleunigt. Dabei muss darauf geachtet werden, ob aussergewöhnlich hohe Zugkraft erforderlich ist. Das ist ein Anzeichen, dass etwas nicht stimmt.
Bei
einer Geschwindigkeit zwischen 5 und 10 km/h ist die
Zugkraft
abzu-schalten. Es sollte nun keine Verzögerung erkennbar sein, denn die
kine-tische Energie sorgt dafür, dass die Last rollt und nicht sofort zum
stehen kommt.
Würden wir diese Angaben so stehen lassen, gäbe es ein Problem. Der Zug
kann nur mit hoher
Zugkraft
beschleunigt werden und nach dem Abschalten der Zugkraft kommt er sofort
zum Stillstand. Etwas muss am Zug nicht stimmen. Es kann aber auch sein,
dass sich die Fahrt in einer Steigung befindet und daher die Rollprobe
schlicht unmöglich ist. Niemand kann sicher sagen, ob die defekte Bremse
oder der Hangabtrieb dafür verantwortlich ist.
Bremsprobe auf Wirkung:
Die Bremsprobe auf Wirkung ist eigentlich eine der wichtigsten Kontrollen
der Bremsen. Nur jetzt kann erkannt werden, wie sich die Bremsen
verhalten. Bei langen Zügen mit schwerer Last am Schluss kann sich ein
anderes Verhalten zeigen, wie wenn der Zug umgekehrt formiert worden wäre.
Es lohnt sich, wenn wir auch der Bremsprobe auf Wirkung etwas mehr
Aufmerksamkeit entgegen bringen.
Bei
einem langen
Güterzug mit G-Bremse kann
das nicht immer der Fall sein, daher wird schneller gefahren. Sie sehen,
der Aufbau der Bremsen hat einen Einfluss. Jedoch werden alle Güterzüge
gleich behandelt. Bei der Bremsprobe auf Wirkung wird bei der vorgege-benen Geschwindigkeit eine Betriebsbremsung vorge-nommen. Auf diese nicht mit der ersten Bremsstufe er-folgte Bremsung muss die Anhängelast so reagieren, wie das der Lokführer erwartet.
Ist
die Reaktion entsprechend den Erwartungen, kann die Bremse wieder gelöst
werden und die Fahrt wird normal fortgesetzt. Die Bremsprobe auf Wirkung
konnte erfolg-reich abgeschlossen werden. Ist die Reaktion der Bremsen nicht normal, ist mit dem Zug so rasch als möglich anzuhalten. Dabei sind auch höhere Bremskräfte möglich, denn es wird mit der Schnellbremse angehalten.
Erfolgt auch jetzt keine Reaktion, dann sind wir wieder in Alaska und beim
Express in die Hölle. Mit anderen Worten, es kann passieren, dass es nicht
gut endet. Der realistische Fall in Thun lässt grüssen. Denn die erkannten
das Problem bei der Bremsprobe auf Wirkung.
Es
kann sein, dass der Zug lange Zeit ohne diese Bremsprobe auf Wirkung
verkehrt, denn es sollte dazu die erste Gelegenheit genutzt werden. Zudem
sollte es keine Steigungen haben. Sie sehen, es ist hier nicht immer
einfach die Prüfung zu machen und bei den bis zu diesem Zeitpunkt
befahrenen Signalen kann es daher zu einem Problem mit dem Bremsweg kommen
und wir fragen und was denn das wieder für ein Wort ist.
Seit Ihnen der Richter die Busse aufbrummte und der kleine rote Flitzer mit dem Pferdchen Schrott ist, wissen Sie, dass es diesen auch auf der Strasse gibt.
Immerhin hat der Aufprall den Kleinwagen schön gefaltet. Aber das hilft
auch nicht viel weiter, mehr Abstand wäre gut. Diese Bremswege können unterschiedlich lange sein, denn sie hängen davon ab, wie kräftig die Bremsen wirken und wie die Strecke geneigt ist. Selbst der Zustand des Fahrweges kann dazu beitragen.
Ihr
neues Auto benötigt auf Schnee und Eis deutlich mehr Bremsweg, als das im
Sommer der Fall war. Bei der Eisenbahn ist das nicht viel anders, jedoch
kommen hier noch andere Probleme hinzu, und das hängt mit dem Fahrweg
zusammen.
Mit
Stahl auf Stahl kann man nicht so gut Bremsen, das hat zur Folge, dass der
Weg bis zum Stillstand länger wird. Diese längeren Bremswege sorgen nun
dafür, dass nicht mehr auf die Sichtdistanz angehalten werden kann. Das
können die meisten mit ihrem Auto auf der Autobahn auch nicht. So lange
nichts passiert finden sie das lustig. Wenn es dann knallt, lächelt der
Richter, wenn er ihnen die gigantische Strafe aufbrummt.
Bei
der Eisenbahn war schnell klar, dass man dem Personal helfen musste. Daher
wurden zu den Signalen entsprechende
Vorsignale
aufgestellt. Wie diese Signale aussehen müssen, ist aktuell nicht so
wichtig, denn es geht um den Abstand zwischen dem Vorsignal und dem
Hauptsignal.
Dieser ist festgelegt worden, als das Signal gestellt wurde. Wir haben
damit einen festen Bremsweg der nun eingehalten werden muss.
Daher
werden diese Abstände von den Bahnen aus-gemessen und durch die
Vorschriften festgelegt. Dabei gibt es zwischen den einzelnen Ländern
deutliche Unterschiede, die ein anderes Verhalten für das Personal
bedeuten. Zwei Beispiele sehen wir uns an. In Deutschland wird mit festen Bremswegdistanzen gearbeitet. Dabei sind zwischen dem Vorsignal und dem zugehörigen Hauptsignal auf Hauptstrecken immer 1000 Meter vorhanden. Auf Nebenstrecken sind es immerhin noch 750 Meter.
Es
gibt davon Abweichungen, aber die sind selten. Der Bremsweg ist damit
vorgegeben und so kann bestimmt werden, wie schnell der Zug gefahren
kommt. Dazu sind aber auch noch die Neigungen beizuziehen. Bei den Normalspurbahnen in der Schweiz ist die Sache einfacher geregelt. Es gibt keine festen Abstände, die Geschwindigkeit des Zuges richtet sich immer nach dem Bremsweg.
Die
Bremswegdistanz wird dabei eingehalten, wenn beim
Vorsignal
die Vollbremse mit voller Kraft wirkt. Eine Ausnahme davon gibt es nicht,
denn das ist auf allen Strecken so. Nah gut, nicht auf allen, es gibt da
noch die schon erwähnte grosse Ausnahme.
Die
SOB arbeitet auf den steigungsreichen Strecken um Biberbrugg herum mit
verkürzten Bremswegdistanzen. Der Bremsweg auf dieser Strecke und somit
die Geschwindigkeit wird dabei auf die gleiche Weise berechnet. Vollbremse
auf Höhe
Vorsignal
wirksam, reicht der Weg um vor dem
Hauptsignal
anzuhalten. Das dort kräftigere Bremsen gewünscht sind, kann nachvollzogen
werden, denn sonst wird es sehr gemütlich.
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