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Einleitung |
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Als im Jahre 1882 der Betrieb der
Gotthardbahn nach den grossen Strapazen des Baus aufgenommen
werden konnte, war das eine grosse Sensation. Viele internationale
Vertreter waren bei der Eröffnung vorhanden. Das grosse Projekt war
Tatsache geworden und nun musste sich zeigen, ob ein ausreichender Verkehr
entsteht. Das dieser in einem solchen Masse zunehmen würde, konnte während
dem Bau wirklich niemand erwarten.
Im Gegensatz zur Strecke war dieser zweigleisig aufgebaut worden
und das bedeutete, dass sich die Züge begegnen konnten. Eigentlich kein
Problem, wären diese nicht mit Dampf geführt worden. Im Betrieb konnte der Rauch und der Dampf nicht richtig abziehen. Die nachträglich verbaute Ventila-tion für den Tunnel brachte auch keine spürbaren Verbesserungen.
Viele Beschränkungen beim Betrieb, oder gar die Sperrung des
Tunnels
waren die Folge. Es mussten daher umfangreiche Abklärungen angestellt
werden. Eines war klar, beim Gotthard war die Einstellung beim Betrieb das
grösste Desaster, das passieren konnte. Es zeigte sich, dass die Züge im Tunnel die Belüftung schlicht ausser Kraft setzten. Durch den in der Ge-genrichtung verkehrenden Zug, kam es im Tunnel nicht zu einer Sogwirkung, sondern eher zu einem Stillstand der Luft.
So konnte der Rauch nicht mehr abziehen. Kombi-nierte sich das
noch mit einer nicht optimalen Wet-terlage, war die Sicht im
Tunnel
über Tage gleich null. Der Nebel zog einfach nicht ab und das war nicht
gut.
Aus diesem Grund wurde das Feuern im
Tunnel
verboten und die Zuwiderhandlungen mit drakonischen Strafen abgeurteilt.
Die Einhaltung war dem Direktorium sehr wichtig. Nur, konnte man damit nur
dem Rauch begegnen. Der Dampf im Tunnel musste hingenommen werden. Diesen
benötigte man bekanntlich für den Aufbau der
Zugkraft.
Anders gesagt, das Problem war nicht gelöst worden, denn es war immer noch
dichter Nebel vorhanden.
Der Handel über die Alpen florierte und das war für die Regionen im Westen der Schweiz nicht gut.
Der Verkehr über die Pässe nach Italien schrumpfte. Die Waren
sorgten für sichere Einnahmen und nun fehlten diese. Die
Verbindung
von der Westschweiz nach Italien musste schneller werden.
Unter all den gewählten Projekten zeichnete sich ab, dass ein
Tunnel
durch den Simplon ideal wäre. Die Strecken in Rhonetal waren bereits
vorhanden und daher hätte man nur noch den Weg im Süden ausarbeiten
müssen. Das Nachsehen, hatte die Strecke über den grossen St. Bernard, die
an den vielen Kunstbauten scheitern sollte. Das Rennen machte der
Simplontunnel und dieser sollte neue Massstäbe setzen.
Wegen den grossen Problemen mit dem Rauch bei der
Gotthardbahn, wurde der
Tunnel
jedoch verändert. An Stelle einer zweispurigen Tunnelröhre sollten hier
zwei getrennte Tunnel gebaut werden. So konnte man vermeiden, dass sich
zwei Züge begegnen konnten. Damit stellt sich uns aber die Frage, worin
denn der Vorteil war, denn die Kosten für ein solches Bauwerk mussten
ungemein höher sein, als bei der Lösung Gotthard.
In einer einspurigen Tunnelröhre sorgt der darin verkehrende Zug
dafür, dass durch die Luft, die er vor sich hinschiebt ein Überdruck
entsteht. Dadurch wurde der Dampf und der Rauch beim
Portal
aus dem
Tunnel
gestossen. Hinter demselben sorgte eine Sogwirkung dafür, dass frische
Luft in den Tunnel gelangte und dieser so vom Rauch und Dampf befreit
wurde. In diesem Zusammenhang wird von einem Kolbeneffekt gesprochen.
In der engen Röhre konnte seitlich vom Zug weniger Luft
vorbeiströmen, was den Effekt negativ beeinflusst hätte. Ergänzt werden
sollten diese Effekte noch mit der
Belüftung
des
Tunnels,
denn so eine lange Strecke musste künstlich belüftet werden. Vielleicht haben Sie im Zusammenhang vom Kolbeneffekt auch beim Basistunnel am Gotthard etwas gelesen. Die dort erwähnten Effekte zur Kühlung der Anlagen, waren auch am Simplon geplant.
Hier sollte damit jedoch der Rauch und der Dampf abge-zogen
werden. Der so geplante
Tunnel
mit einer Länge von 20 Kilometern, sollte gebaut werden. Die Verantwortung
für die Arbeiten sollten von der
Jura-Simplon-Bahn
JS
übernommen werden.
Die Kosten beim Bau gerieten schnell aus dem Ruder. Mit dem
schlecht laufenden Bahnbetrieb konnten die Ausgaben des Baus nicht
aufgefangen werden. So musste aus Kostengründen der Bau reduziert werden.
Eine gängige Massnahme, die schon bei der
Gotthardbahn zum Erfolg geführt hatte. Hier war davon
jedoch nur der
Tunnel
betroffen, denn die Zufahrten im Süden waren nicht in der Verantwortung
der
JS.
Daher wurde auf den Ausbau der zweite Röhre verzichtet. Lediglich
der Richtstollen mit den Querschlägen sollte auf der ganzen Länge
vorbereitet werden. Da der Ausbau der zweiten Röhre nicht erfolgen sollte,
musste jedoch in der Mitte eine Möglichkeit vorgesehen werden, damit sich
zwei Züge kreuzen konnten. Denn nur so war ein Betrieb möglich. Die Fahrt
durch den
Tunnel
sollte lange sein und da musste man Kreuzungen vorsehen.
Um Gelder zu beschaffen wurden einfach neue Aktien auf den Markt
geworfen. Aber auch das konnte die Kosten des
Tunnels
einfach nicht mehr auffangen. Faktisch war die grösste der Schweiz dem
Bankrott sehr nahe. Mit der neuen Staatsbahnen änderte sich beim Simplon nicht viel. Die Arbeiten wurden unter der gleichen Leistung ausgeführt und die Staatsbahnen vertraten nur die Interessen der Bahn.
Für die immensen Kosten musste nun der Staat aufkom-men und der
war auch nicht erfreut ab dem neuen
Tunnel,
denn für das Land brachte der Simplon keine grossen Vor-teile. Zu gering
war das Einzugsgebiet im Westen der Schweiz.
Bevor wir zum Verkehr in dem
Tunnel
kommen, sehen wir diesen als Bauwerk genauer an, denn nach den
katastrophalen Verhältnissen beim Gotthard sah man genau auf den
Simplontunnel. Auch hier lockte der Bau viele Arbeiter aus Italien an. So
gab es bei den 3000 Arbeitern keinen grossen Unterschied zu den Arbeiten
beim Gotthard. Doch damit hatte es sich bei den gemeinsamen Punkten, denn
man hatte wirklich viel gelernt.
Während den Arbeiten starben 67 Mineure bei Unfällen. Nehmen wir
die Krankheiten noch dazu, ergebe das eine weitaus grössere Anzahl Opfer.
Auch wenn man sich redlich bemühte die hygienischen Bedingungen im
feuchten
Tunnel
waren nicht viel besser. Daher konnten sich auch hier Parasiten über die
geschwächten Arbeiter her machen. eingeschleppt wurden diese durch die
Arbeiter, die sich schon am Gotthard abgemüht hatten.
Diese in den Griff zu bekommen ist heute schwer und war es
sicherlich auch damals. Die Folge waren die Verzögerungen beim
Bauvorschritt und mit dem auch die missmutigen Arbeiter. Wie schon beim
Gotthard kam es auch hier immer wieder zu Streiks. Diesen wurde auch hier begegnet und seit dem Gott-hard wusste man, dass das Aufgebot von Landjägern nicht gut war. Aus diesem Grund wurden hier neben Milizen auch Bürgerwehren aufgeboten.
Dass diese zivilen Truppen zimperlicher mit den Mi-neuren
umgegangen sind, kann bezweifelt werden. Besonders als es darum ging, das
Lager
mit den Sprengstoffen zu schützen. Niemand wollte, dass die-ses gesprengt
wird. Wegen den Verzögerungen im Süden beschloss der Bauherr, dass die Nordseite weiter gräbt. Das sorgte auch nicht für friedliche Antworten, denn jeder wollte seinen Teil leisten.
Dass die Idee mit den Arbeiten im Gegengefälle nicht gut war,
erkannte man, als der erste Wassereinbruch den Richtstollen flutete. Auch
jetzt war die Abdichtung sicherlich kein leichte Aufgabe. Es gab grosse
Probleme, die auch mit dem neuen Besitzer kaum änderten.
Am 24. Februar 1905 erfolgte der Durchschlag. Der Simplon war
bezwungen und die Abweichungen in der Seite von 20.2 cm und in der Höhe
von 8.7 cm konnte sich auf Grund der grösseren Länge sehen lassen. Der
fertige
Tunnel
sollte eine Länge von 19 803 Metern haben und wirklich fertig werden
sollte das Bauwerk noch nicht, denn es war ja beschlossen worden, dass die
zweite Röhre noch nicht ausgebaut werden sollte.
Diese wussten jedoch, dass in wenigen Jahren auch die Strecke über den
Gotthard zur
Staatsbahn
gehören sollte. Dort wollte man mit dem Simplon
keinen Verkehr verlieren. Der nicht fertig gebaute
Tunnel
war die Folge
davon.
Mit dem Durchschlag können wir das Bauwerk ansehen, denn es bot
nicht nur eine grosse Länge. Auf der nördlichen Seite war eine Steigung
von 5 ‰ vorhanden. Diese hielt bis zu Tunnelmitte an und ging dann in eine
Gefälle von 8 ‰ über. Beim Kilometer 9.089 wurde zudem die Grenze zwischen
der Schweiz und Italien überquert. Damit war der Simplontunnel ein
internationales Bauwerk und das hatte Auswirkungen.
Nördlich mussten keine Zufahrten gebaut werden. Die Strecke von
Lausanne hatte Brig bereits erreicht und an dessen Ende befand sich das
Nordportal. Auf der anderen Seite sah das anders aus. Hier musste der
Abschnitt von Domodossola bis Iselle und somit bis zum
Portal noch gebaut
werden. Dafür verantwortlich waren jedoch die Italienischen
Staatsbahnen.
So änderte die Verwaltung im
Bahnhof von Iselle und damit unmittelbar beim
Südportal.
Die am 01. Juni 1906 zusammen mit dem
Tunnel
eröffnete Strecke konnte sich
sehen lassen. Auch hier musste man wegen den grossen Steigungen zu einer
künstlichen Verlängerung greifen. Die Folge davon war der längste
Kehrtunnel, der damit auch jene vom Gotthard übertraf. Die Steigungen
waren hingegen vergleichbar und auch der Betrieb mit Dampflokomotiven war
eigentlich beschlossene Sache und das war in Rom klar.
Dazu konnte das
zum Bau errichtete
Kraftwerk genutzt werden. Dass es nicht dazu kam, ist
der Grund für diesen Artikel. Das Bauwerk als solches können wir jedoch
noch nicht abschliessen, denn es gab ja noch einen Richtstollen. Obwohl der Tunnel letztlich mit Drehstrom befahren werden sollte, wurde eine Belüftung des Tunnels eingebaut. Damit konnten bei Problemen mit der neuen Technik auch Dampflokomotiven verkehren.
Wegen den Schwierigkeiten
mit der
Belüftung beim
Gotthardtunnel, wurde diese hier optimaler
aufge-baut und das führte dazu, dass die Bereiche der beiden
Portale zur
Optimierung verschlossen wer-den mussten. Für den Verschluss der Portale verwendete man jedoch keine Türen, sondern einfache Vorhänge. Diese bestanden zur besseren Stabilität aus Segeltuch.
Damit es durch den Vorhang nicht zu einem
Kurz-schluss mit der
Fahrleitung
kommen konnte, wurde diese in dem Bereich mit Holzstücken ausgeführt. Der
Vorhang konnte so das
Portal nahezu dicht abs-chliessen, so dass die von
den
Ventilatoren beschleunige Luft in den
Tunnel
strömte.
Auch wenn die Vorhänge beweglich waren, sie wurden geöffnet, wenn ein Zug
die Stelle passierte. Das war wichtig, weil das verwendete Segeltuch die
filigranen
Stromabnehmer hätte beschädigen können. Nachdem der Zug
durchgefahren war, schloss der Vorhang wieder, so dass die
Belüftung
wieder optimal arbeiten konnte. Damit das gesichert war, wurden die
Signale bei geschlossenen Vorhang auf rot gestellt.
Jene im Süden blieb jedoch länger bestehen. Jedoch kam im Jahre 1920 auch
für diesen Vorhang und damit für die
Belüftung das Ende. Die elektrische
Traktion benötigte keine solchen Anlagen. Der Richtstollen für die zweite Röhre war auf der ganzen Länge erstellt worden. Die zweite Tunnelachse sollte in einem Abstand von 17 Metern verlaufen und sie wurde alle 200 Meter mit einem Querschlag verbunden.
Ausgebaut wurde der Teil jedoch nur in der Mitte, wo eine Tunnelstation
das kreuzen von zwei Zügen erlauben sollte. Vorarbeiten, die nun brach
lagen, denn der Ausbau war nicht sofort vorgesehen worden. Mit den Ausbauarbeiten wurde erst im Jahre 1912 begonnen. Dabei musste das nördliche Portal wegen dem Gelände etwas weiter vom Hang aufgebaut werden. Das hatte zur Folge, dass die zweite Röhre eine Länge von 19 823 Meter erhalten sollte.
Damit war dieser als Simplon II bezeichnete Teil der
längste
Tunnel
auf der Welt, auch wenn das schon bei der ersten Röhre der
Fall war. Es sollte mehrere Jahre so bleiben.
Der Simplon II wurde nicht in einem Stück in Betrieb genommen. Ab dem 07.
Januar 1922 konnte der Abschnitt von Brig bis zur Tunnelstation in Betrieb
genommen werden. Auf den zweiten Abschnitt musste man jedoch noch bis zum
16. Oktober 1922 warten. Damit war ab diesem Tag der Simplon fertig gebaut
worden. Das obwohl schon lange Züge hindurch fahren konnten. Diese sollten
jedoch nicht so wie geplant verkehren.
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