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Lokomotiven für Drehstrom |
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Es gibt keinen
Versuchsbetrieb
ohne die passenden
Lokomotiven.
Auch bei Anlagen mit
Drehstrom
waren diese notwendig. Dabei hatte die BBC wesentlich grössere Probleme,
las das bei der MFO der Fall war. Dort mussten einfach Modelle erstellt
werden, die funktionierten. War das der Fall reichten diese für den
bescheidenen Verkehr auf einer
Nebenstrecke.
Bei der BBC handelte es sich aber um eine deutlich wichtigere Strecke.
Man musste daher zusehen, dass man diesen Punkt im Vertrag mit den
Schweizerischen Bundesbahnen SBB erfüllen konnte. Da man die
Spannung
der
Fahrleitung
anpassen konnte, gab es jedoch eine Lösung. Netze mit Drehstrom gab es bereits und in Italien ver-kehrten auch die passenden Maschinen. Nur diese waren weder von der BBC gebaut, noch eingesetzt worden. Ob da überhaupt Modelle verfügbar waren, konnte auch nicht sicher beantwortet werden.
Der Grund ist simpel, denn Bahnen beschafften nur den absolut
nötigsten Bestand und das war auch beim Simplon nicht anders, auch wenn
man das meinen könnte. Die Forderungen der Schweizerischen Bundesbahnen SBB waren klar dem Fahrplan geschuldet. Man wollte den neuen Tunnel so intensiv, wie nur möglich be-treiben. Das
verlangte, dass in jedem
Bahnhof
ein fahrbereiter Zug stehen sollte. Dieser musste losfahren, wenn der
andere ankam. So reichte die Zeit nicht um die
Lokomotive
an den anderen Zug zu stellen. Alleine aus diesen Ideen heraus ergaben
sich vier Lokomotiven.
Da die BBC für die ersten fünf
Lokomotiven
verantwortlich war, musste nach geeigneten Modellen Ausschau gehalten
werden und dabei wurde man in Italien fündig. Statt eine komplett neue
Konstruktion konnte man bestehende Modelle einfach nachbauen. Doch auch
dann war es kaum möglich, die verlangten fünf Maschinen zu bauen. Jedoch
gab es auch Punkte, die für die BBC sprachen und damit gab es eine Lösung.
Die Züge sollten also mit den üblichen Wagen verkehren. Damit war
die Auswahl wieder etwas kleiner geworden. Eigentlich gab es passende
Modelle auch nur bei den
Staatsbahnen
von Italien.
Jedoch konnten die FS nur maximal drei
Lokomotiven
von ihrem Netz mit
Dreh-strom
mietweise abtreten. Diese verkehrten bereits auf den im Veltlin liegenden
Strecken zwischen Lecco und Chiavenna oder Sondrio. Diese Rete Adriatica
RA konnte auf diese im Jahre 1902 gebauten Maschinen verzichten, den
bereits waren bessere Modelle bestellt worden. So war zumindest ein
Grundbestand vorhanden, der nur noch mit zwei Maschinen ergänzt werden
musste.
Die von den FS eingesetzten Maschinen stammten aus Ungarn. Der
mechanische Teil wurde von der Maschinenfabrik der Ungarischen
Staatseisenbahnen in Budapest gebaut. Die elektrotechnischen Arbeiten
sollte die Firma Ganz übernehmen. Diese war ebenfalls in Budapest zu Hause
und sie hatte sich schon früh auf
Lokomotiven
für
Drehstrom
spezialisiert. Mit der Mietung sollten diese drei Lokomotiven in die
Schweiz kommen.
Nach nur zwei Jahren Betrieb in Italien führte die Reise in die
Schweiz. Wobei ganz genau genommen Italien immer noch angefahren wurde,
denn die Grenze wurde ja im
Tunnel
passiert. So konnte der Betrieb zwar aufgenommen werden, aber mehr
Modelle, als im Raum Seebach verkehrten, hatte man im Wallis auch nicht
und die Strecke war mit deutlich mehr Prestige versehen worden. Auf den
Simplon blickte die ganze Welt.
Die von Italien angereisten
Lokomotiven
wurden nicht verändert. Die von zu Hause stammenden Betriebsnummern 361
bis 363 wurden behalten. Der BBC spielten diese auch nicht so eine
wichtige Rolle. Hingegen sollte es sich als Positiv erweisen, dass diese
Gruppe
in der Schweiz bisher noch nicht verwendet werden sollte. So gab es auch
von Seiten der Schweizerischen Bundebahnen SBB keine Einwände gegen diese
Praxis.
Um den vertraglichen Bestand zu erhalten, mussten noch zwei
Maschinen gebaut werden. Das von der BBC bei der FS eingereichte Angebot
für zwei Modelle als Ersatz wurde von diesen abgelehnt. Man erwartete
also, dass die
Lokomotiven
wieder in die Heimat zurückkehren sollten. Wann das jedoch der Fall sein
würde, wusste schlicht noch niemand, denn damit begannen erst die ersten
Fahrten im neuen
Tunnel
durch den Simplon.
Von der Firma BBC wurden zwei weitere
Lokomotiven,
die nun als Reihe Fb 3/5 geführt wurden, gebaut. Diese wurden benötigt um
die vertraglich verlangte Menge bereit stellen zu können. Da kaum Zeit für
den Bau vorhanden war, entsprachen diese beiden Lokomotiven mit den
Nummern 364 und 365 noch den Modellen aus Italien. Zwar waren sie
technisch neuer, aber sonst änderte sich nicht viel, denn es eilte
bekanntlich.
Auch wenn wir bisher davon gesprochen haben, dass die Zeit für die
Entwicklung zu kurz war, heisst das nicht, dass keine stattgefunden hat.
Es war immer besser mit eigenen
Lokomotiven
zu fahren und daher entwickelte die BBC das erste eigene Modell. Dieses
sollte eine bessere Ausnutzung der
Adhäsion
aufweisen und dabei etwas mehr
Zugkraft
aufbauen können. Schliesslich wollte man zeigen, was man konnte.
Daher haben wir bei den ersten für den Simplon entwickelten
Modellen die Nummern 366 und 367 erhalten. Unterschiede zwischen den
einzelnen
Baureihen
waren daher bei den Nummern nicht zu erkennen. Im Jahre 1908 konnten schliesslich die drei gemieteten Lokomo-tiven wieder dem Besitzer übergeben werden. Mit den vier vorhan-denen Maschinen konnte der Betrieb aufrecht gehalten werden. Das
war auch im Interesse der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, die von den
Vorteilen der neuen
Lokomotiven
wirklich über-zeugt waren. Der Betrieb mit
Drehstrom
etablierte sich erstmals bei einer grösseren Bahn und das war gut.
Nicht so gut war hingegen der 1910 aufgenommenes
Versuchsbetrieb
zwischen Spiez und Frutigen. Dort waren neben drei
Motorwagen
erste grössere
Lokomotiven
für den einphasigen
Wechselstrom
geliefert worden. Wirklich gigantisch war die mit 2 000 PS versehenenGüterzugslokomotive,
denn diese galt nun ebenfalls als stärkste Maschine der Welt. Die BBC
hatte das Nachsehen und die MFO war mit ihrem System am Ziel angelangt.
Ausgerechnet diese MFO sollte die Messlatte erneut höher ansetzen.
Als die in Serie gebauten
Lokomotiven
der
Baureihe
Fb 5/7 kamen, war
der Titel auf 2 500 PS erhöht worden. Das grössere Problem war, dass diese
Maschinen ebenfalls den
Bahnhof
von Brig erreichten. Dort trafen die beiden Systeme
Drehstrom
und
Wechselstrom
direkt aufeinander und dabei musste man zusehen, dass die beiden
Fahrleitungen
nicht verbunden wurden.
Auch die BBC musste sich mit
Wechselstrom
befassen. Trotzdem sollte für die Ausstellung noch einmal die Vorteile von
Drehstrom
gezeigt werden. Das ging nur mit mehr
Leistung
und damit mit einer höheren
Zugkraft. Die auf eigene Rechnung gebaute Lokomotive mit der Bezeichnung Fb 4/6 bekam die Nummer 371 und so ent-stand eine Lücke bei den Nummern.
Mehr als die Nummer war aber die
Leistung
wichtig. Die an der Ausstellung stehende
Lokomotive
glänzte mit einer Leistung von 2 750 PS. Der Titel der stärksten
Lokomotive sollte zum letzten Mal an eine Maschine gehen, die mit einer
Fahrleitung
für
Drehstrom
verkehrte, denn es kam alles anders.
1915 wurde die Lokomotive mit der Betriebsnummer 371 von den
Schweizerischen Bundesbahnen SBB übernommen. Sie kam ebenfalls nach Brig,
wo jedoch der bisher durchgeführte
Versuchsbetrieb
beendet worden war. Die Anlagen wurden von den
Staatsbahnen
übernommen und daher kam es zum normalen Betrieb. Der Abbau musste daher
nicht mehr durch die BBC erfolgen. Der Vorteil schien sich zu Gunsten der
BBC zu wenden.
Der Weltkrieg sorgte dafür, dass sich in der Schweiz viel ändern
sollte. Die für die Dampflokomotiven benötigte
Kohle
konnte kaum mehr finanziert werden und damit wurden die elektrisch
geführten Züge wichtig. Das waren die Strecke über den Lötschberg mit
Wechselstrom
und jene mit
Drehstrom
am Simplon so konnte der Gotthard erstmals entlastet werden, denn dort
regierte immer noch die Kohle und die war das Problem.
Das Netz mit
Drehstrom
sollte damit in der Schweiz die grösste Ausdehnung erhalten und das führte
zu einer ausgesprochen speziellen Situation, welche die Not aufzeigte. Die vorhandenen fünf Lokomotiven reichten nicht für den Verkehr auf dem grösseren Netz. Daher wurden bei der BBC zwei weitere Lokomotiven in Auftrag gegeben. Diese sollten jedoch wieder nach dem Muster Fb 4/4 gebaut werden und daher mit den Nummern 368 und 369 versehen werden.
Das war eigentlich nicht so speziell, denn die beiden
Lokomotiven
wurden dringend benötigt und daher mussten sie beschafft werden.
Wie bei allen von der BBC gelieferten
Lokomotiven
für den
Drehstrom
wurde der mechanische Teil an die Schweizerische Lokomotiv- und
Maschinenfabrik SLM in Winterthur vergeben. Diese lieferte die beiden
Maschinen nach Münchenstein und mit dabei waren auch die Modelle der
Baureihe
Fb 2x 2/3, die für den Gotthard
gedacht waren. Bei der BBC wurden somit zur gleichen Zeit auch Lokomotiven
für
Wechselstrom
gebaut.
Ausgeliefert wurden diese beiden Maschinen als einzige für den
Drehstrom
mit der damals neuen Bezeichnung Be 4/4. Es sollten die letzten
Lokomotiven
sein, die für Drehstrom gebaut wurden und die an die Schweizerischen
Bundesbahnen SBB geliefert wurden. Der Grund waren die 1921 ebenfalls
ausgelieferten Modelle der neuen
Baureihe
Be 4/6, die an den Gotthard
geliefert wurden, denn dort begann der Betrieb mit
Wechselstrom.
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