Güteranlagen

Nachdem wir vorher die Publikumsanlagen kennen gelernt haben, werfen wir nun einen Blick auf die Güteranlagen. Wir befolgen daher nun den gleichen Schritt, wie wird das bei der Aufgabe der Bahnhöfe auch getan haben. Wichtig ist hier, dass es kein Aufnahmegebäude mehr gibt. Die Güter benötigen schliesslich keinen Wartsaal und Fahrscheine lösen müssen sie vermutlich auch nicht. Daher erstellte man kein Aufnahmegebäude. Sie sehen, dieses ist nicht zwingend nötig.

Stattdessen wurden Anlagen erstellt, die dem Gütertransport dienten. Diese Bauwerke unterscheiden sich jedoch von den Anlagen mit Personenbeförderung, denn eine Holzkiste kann man nur schwer eine Treppe hoch tragen oder Flüssigkeiten einfach auf den Boden entleeren. Daher mussten spezielle Bauwerke für die Güter erstellt werden. Diese wollen wir uns ansehen, denn so lernen wir die Güteranlagen besser kennen.

Lagerhallen: Die Bahnhöfe wurden gleich zu Beginn mit einem Schuppen ausgerüstet. Dieser kleine Teil beim Bahnhof war oft mit dem Aufnahmegebäude verbunden und diente dem Güterumschlag auf dem Bahnhof. Was dort mit den Wagen angeliefert wurde, konnte vom Empfänger abgeholt werden. Dazu gehörten alle Arten von Gütern, wie zum Beispiel Tiere, Fässer oder Kisten.

Mit den umfangreicheren Transporten wurde diese Schuppen immer grösser und endeten schliesslich in gigantisch wirkenden Lagerhallen. Sie boten den grösseren Mengen Gütern den notwendigen Platz für die Lagerung, bis der Kunde die Güter abholte, oder bis sie weiter versendet werden konnten. Man begann auch damit, die Hallen nach Produkten zu sortieren. So wusste man in der Lagerhalle 4, konnte man Stoffe abholen und in 17 befindet sich der Kaffee.

Die Lagerhallen und Schuppen wurden mit Rampen versehen. Diese Rampen erleichterten den Auslad der Güter, da diese nicht mehr aus dem Wagen gehoben werden mussten. Ergänzt waren diese Rampen oft auch mit einer Auffahrt, so dass Fahrzeuge der Strasse verladen werden konnten. Wichtig war aber, dass diese Rampen der Ladehöhe der Wagen entsprachen. Kleine Differenzen konnten mit dem Blech, das die Lücke füllte, überwunden werden.

Auch die modernen Containerterminal kann man als Lagerhallen bezeichnen, denn die Container werden im Terminal oft mit samt der Ware gestapelt und warten, bis sie abgeholt oder weiter versendet werden. Die Gebäude verschwanden, aber das Prinzip mit dem Umlad der Güter blieb gleich. Heute wird einfach die Versandbox umgeladen und nicht jedes einzelne Teil der Ladung in eine Halle getragen. Diese Transportweise ist einfacher und schneller, was den Vorteil der Containerterminal darstellt.

Freiverlad: Der Freiverlad war einfach ein Platz, der bis zum Gleis geführt wurde. In einem Freiverlad konnten auch sperrige Teile umgeladen werden. Zudem erfolgte hier auch der Entlad von offenen Güterwagen oder von Flachwagen mit grosser Ladung. In kleineren Anlagen schloss sich der Freiverlad oft unmittelbar an den Schuppen an. In grösseren Anlagen waren dem Freiverlad mehrere Geleise zugeordnet worden.

Wichtigstes Bauteil beim Freiverlad war der Portalkran. Dieser Kran konnte die schweren Güter aus den Wagen heben und diese danach auf ein Fahrzeug abstellen. Dazu war der Kran oft mit einer grossen Tragkraft ausgerüstet. Zudem konnte der Haken mit der Last seitlich aus dem Gleis verschoben werden. Damit war der Portalkran ein wichtiges Teil in den Güteranlagen kleinerer Bahnhöfe. Wobei ganz kleine Bahnhöfe oft keinen Kran erhalten hatten.

Im Containerterminal arbeitet man oft mit Portalkränen. Diese sind wesentlich grösser, als die Modelle auf den gewöhnlichen Bahnhöfen.

Sie weisen sehr grosse Tragkräfte auf, da die Container mehrere Tonnen schwer sein können. Zudem sind sie mit speziellen Aufnahmeteilen anstelle eines Hakens ausgerüstet.

Portalkrane in Containerterminal sind zudem auch seitlich verschiebbar, was der Entlad ganzer Züge vereinfacht.

Um das Gewicht der beladenen Wagen zu erheben, mussten Gleiswaagen eingebaut werden. Diese Gleiswaagen besitzen ein Gleis, das nicht fest mit den anderen Anlagen verbunden ist.

So kann man einen Wagen auf diesen Abschnitt stellen und das Gleis kann sich frei durchdrücken. Unter dem Gleis sind dann die Einrichtungen vorhanden, die das Gewicht des Wagens erfassen und an einer geeichten Einrichtung anzeigen. So konnte das Gesamtgewicht der Wagen bestimmt werden.

Speziell an der Gewichtsbestimmung von Güterwagen ist, dass diese nur mit der Ladung gewogen werden. Um das Gewicht der Ladung zu bestimmen, konnte man das am Wagen angeschriebene Leergewicht abziehen. Die Gleiswaagen waren zudem mit einer Registrierung ausgerüstet, so dass man das gewogene Ergebnis ausdrucken konnte. Das Gewicht des Fahrzeuges schrieb man ebenfalls auf den Zettel und mit etwas Rechnen hatte man das Ergebnis.

Gleiswaagen wurden in unterschiedlichen Ausführungen gebaut. So gibt es Modelle, die nur einen Wagen der Eisenbahn wägen können. Sie sind oft von einer normalen Gleisanlage umgeben. Die anderen Modelle sind so gebaut worden, dass auch ein Fahrzeug der Strasse gewogen werden konnte. So konnte man zum Beispiel einfach kontrollieren, welcher Bauer wie viele Kartoffeln anlieferte. Es überrascht, dass nahezu in jedem Bahnhof eine Gleiswaage vorhanden war.

In Containerterminal findet man keine Gleiswaagen mehr. Um das Gewicht der beladenen Wagen zu bestimmen, geht man hier einen anderen Weg, denn der Portalkran bestimmt das Gewicht des Containers in dem Moment, wo er am Haken hängt. Somit weiss man genau, wie schwer die Kiste ist, die verladen wird. Mit dem Gewicht des leeren Wagens ergänzt, erhält man das Gesamtgewicht des Wagens. Damit wird ein Container mehrmals gewogen, denn das geschieht ja, wenn der Container neu gestapelt wird.

 

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