Die Weiterbildung

Lokführer ist kein Beruf, wo man sich auf dem einmal erlangten Wissen ausruhen kann. Vielmehr entwickelt man sich immer weiter und vertieft so das Wissen, das man in der Ausbildung erlernt hatte. Änderungen und Neuerungen ergänzen oder verändern dieses Wissen immer wieder. Das kann automatisch dazu führen, dass sich Fehler einschleichen, die dann zu verheerenden Problemen im Bahnverkehr führen könnten.

Nur schon die Tatsache, dass man lange brach gelegenes Wissen innert Bruchteilen von Sekunden anwenden können muss, zeigt deutlich auf, dass eine Weiterbildung und eine regelmässige Auffrischung des Wissen unumgänglich ist. Das ist in anderen Bereichen nicht viel anders. So wird ein Sekretär am neuen Computer ausgebildet, oder erhält eine Einführung in die neue Software. Die Arbeit verändert sich daher und man muss sein Wissen anpassen.

Sie sehen, Weiterbildung ist wirklich nicht auf einen Beruf beschränkt. Wer nun jedoch als Lokführer tätig ist, hat auch Möglichkeiten, sich mit neuem Wissen besser zu qualifizieren. Dazu gehören Schulungen auf Fahrzeugen, oder aber neue Strecken, die befahren werden müssen. Niemand will, dass man den Lokführer ohne Vorkenntnisse in diese Situation bringt. Auf der unbekannten Lokomotive verwechselt der Lokführer einen Hebel. Es passiert ein Unfall.

Alle diese Informationen und die neuen oder geänderten Vorschriften, werden daher bei Weiterbildungen vermittelt. Nur, damit ist es längst nicht getan. Man hat zwar das notwendige fachliche Wissen auf einem aktuellen Stand, nur ist man so nicht besonders gut im Beruf. Es ist sehr viel Eigeninitiative gefragt, denn nicht alle Punkte werden bei einer Schulung aufgegriffen. Was fehlt muss man, will man gut werden, selber suchen.

Gute Lokführer, die ihr Handwerk verstehen und auch bei den Kollegen über das notwendige Ansehen verfügen, bilden sich aus eigener Initiative weiter. So lesen viele Lokführer regelmässig einige Punkte aus eigenem Antrieb in den Vorschriften nach und frischen ihr Wissen ohne Auftrag auf. Jedoch erfolgt durch das Unternehmen auch eine regelmässige Weiterbildung. So kann man das hohe Niveau beim beruflichen Wissen halten.

Bevor wir jedoch zu den Schulungen kommen, müssen wir die Bedürfnisse abklären. Dabei gibt es drei Punkte, in denen ein Lokführer weitergebildet werden muss. Das sind die anzuwenden Vorschriften, die neuen Lokomotiven und geänderte oder neue Strecken. All diese Punkte, werden mehr oder weniger regelmässig angewendet und gehören zum beruflichen Alltag eines Lokführers in der Schweiz, aber auch im nahen Ausland.

Die Instruktion: Bei den Eisenbahnen in der Schweiz nennt man solche Weiterbildungen Instruktionen. Diese umfasst in der Regel neue Vorschriften. Diese werden dabei in jedem Jahr erneuert und so einer Auffrischung unterzogen. Diese Fortbildung findet in der Regel jedes Jahr an ein bis zwei Tagen statt. Mindestens ein Tag sollte dabei durchgeführt werden. Das sind Vorgaben, die nicht nur in der Schweiz gelten.

Die Schulungen an einem regelmässigen Instruktionstag umfassen jedoch nicht nur neue Vorschriften und Änderungen. Man nutzt diese Tage auch dazu um bestehendes Wissen wieder aufzufrischen.

Auch ein nicht gerade beliebter Rückblick auf die ver-gangenen Missgeschicke von Lokführern gehört dazu. Man möchte, dass die Mitarbeiter aus den gemachten Fehlern lernen und sich diese Fehler so nicht mehr wiederholen.

Es kann sein, dass die theoretischen Instruktionen aber auch mit praxisbezogenen Beispielen belegt werden. Eine lange nicht bediente Lokomotive oder die Funktion einer Weiche, wird am Objekt durchgeführt.

Diese Lösungen sind beliebt, weil man dabei gleich die direkten Auswirkungen kennen lernt. Es wird je nach Funktion auch ein angepasstes Projekt umgesetzt. Wer ETCS kennt, bekommt eine andere Schulung, als einer, der nicht weiss, was das ist.

Natürlich nutzen die Unternehmen solche Tage auch zur Vermittlung von strategischen Zielen des Unternehmens. Man trimmt die Mitarbeiter so auf das Unternehmen ein.

Damit wird zwar die Idee des Instruktionstages miss-braucht, jedoch sind Zertifikate dafür verantwortlich, dass der Mitarbeiter wissen sollte, wie die Struktur des Unternehmens aufgebaut ist. Es reicht nicht mehr, wenn man weiss, wer der Chef ist.

Die Lokführer mit der Schulung in den deutschen Vorschriften müssen zudem einen RFU, also einen regelmässigen Fortbildungs-Unterricht, besuchen.

Dieser ist vorgeschrieben und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Schwer sind diese Prüfungen aber nicht, wird doch nur gefragt, was geschult wurde. Bei beiden Schulungen geht es darum, dass das Wissen des Lokführers auf dem hohen Niveau der Ausbildung bleibt.

Im Gegensatz zum Instruktionstag der Schweiz, gilt beim RFU die Regel, dass dieser innerhalb eines Jahres besucht werden muss. Erfolgt diese regelmässige Schulung jedoch nicht, verliert der Mitarbeiter die Fahrgenehmigung. In der Schweiz hat ein Instruktionstag, den man wegen einer Krankheit verpasst hat, keine so grossen Auswirkung, man kann den Tag auch im nächsten Jahr nachholen und so die Weiterbildung geniessen.

Damit können wir die regelmässigen Schulungen beenden. Andere Weiterbildungen erfolgen jedoch nur bei Bedarf. Dazu gehören die Lokomotiven und Strecken. Es bringt nichts, wenn man einen Lokführer auf einem Triebfahrzeug schult und dieser danach nie damit fährt. Das sind ungenutzte Kosten, die das Unternehmen zu tragen hat. Daher werden diese Schulungen nur bei Bedarf durchgeführt. Wir sehen uns daher auch diese Schulungen an.

Die Lokomotivschulung: Bei Lokomotiven, oder Triebwagen erfolgt die Ausbildung hauptsächlich praktisch bezogen. Dabei ist nicht der Wunsch des Lokführers massgebend, sondern der Bedarf durch das Unternehmen. Nehmen wir den Triebzug RABDe 500 als Beispiel. Warum sollte ein Lokführer im Güterverkehr diesen Zug kennen, wenn er so oder so nur als Reisender mit diesem Zug zu tun bekommt?

Die Schulung einer neuen Lokomotive beträgt in der Regel zwei Tage. Dabei beginnt man mit einem zweistündigen theoretischen Block. Hier werden nur grundlegende Informationen zum Aufbau des Fahrzeuges vermittelt.

Dazu gehört jedoch auch der Hinweis, wie man das Handbuch der Lokomotive liest und wo man schnell die benötigten Informationen findet. Man lernt vom Fahrzeug selber jedoch nicht viel.

Der Theorieblock bleibt dabei knapp. Danach geht es dann zur Lokomotive und die Schulung wird praktisch fortgesetzt. Dabei wird zuerst eine Begehung durchgeführt. Man schaut sich das neue Fahrzeug genau an.

Betrachtet dabei die Bereiche, die bei der späteren Bedienung wichtig sind. Dadurch erfährt der Lok-führer, wo er eine bestimmte Massnahme treffen kann. Es ist hilfreich, wenn man weiss, wo die Kon-strukteure die Schalter versteckt haben.

Abgeschlossen wird diese Begehung mit dem Vorgang um die Lokomotive einzuschalten. Unter der Anleitung des Ausbildners werden die Hand-lungen ausgeführt und so erstmals das neue Fahr-zeug gestartet. Anschliessend erfolgen die ersten Fahrten im Bereich des Bahnhofes oder des Depots. Man fährt daher erstmals mit der neuen Lokomotive. Natürlich nur mit geringen Geschwindigkeiten und mit dem notwendigen Respekt.

Fahrten über Strecken sind zwar möglich, nur fehlen einige Übungen auf der Fahrt. Diese Fahrten erfolgen am zweiten Tag, wo mit dem Fahrzeug unter Aufsicht des Ausbildners gefahren wird.

So kann dieser bei Problemen mit den neuen Fahrzeug helfend eingreifen und bei Fragen die notwendigen Antworten geben.

Während man beim ersten Tag noch in der Gruppe war, erfolgt die Fahrt in der Regel alleine. Dabei können durchaus planmässige Züge befördert wer-den.

Nach Abschluss dieser Fahrt ist es dem Lokführer erlaubt, dieses Fahrzeug zu bedienen. Eine Prüfung gibt es nicht. Wobei das jedoch nur für das Personal der Kategorie B gilt.

Die anderen Kategorien, können danach noch Fahr-schule machen und werden zum Abschluss auf dem Fahrzeug geprüft. Damit ist auch hier klar ersichtlich, dass die Bedingungen beim höher gestellten Personal schärfer sind. Letztlich gehört jedoch noch der Eintrag ins Beiblatt.

Kenntnisse von Lokomotiven bleiben nicht ewig erhalten. In der Schweiz gelten fünf Jahre als Massstab. Wurde so lange kein vergleichbares Modell bedient, erlischt die Kenntnis und es muss eine erneute Schulung erfolgen. Wie problematisch das sein kann, zeigt die Tatsache, dass Fahrten mit der Baureihe Re 4/4 II reichen um die Kenntnisse der Lokomotive Re 6/6 zu behalten. Wer die Lokomotiven kennt, weiss, dass das praktisch zu Problemen führen kann.

Um eine Kenntnis wieder zu erneuern, ist nicht mehr das ganze Programm nötig. Man geht schliesslich davon aus, dass noch etwas Wissen vorhanden ist. Diese nutzt man und versucht, das noch vorhandene Wissen unterstützend zu erneuern. Meistens reicht es, wenn man das Fahrzeug in Begleitung des Ausbilders bedient. So hat man Hilfe, wenn es mit der Lokomotive Probleme gibt. Danach gelten wieder die fünf Jahre.

Die Streckenschulung: Die Strecken werden, wie die Triebfahrzeuge, nur bei Bedarf geschult. Man nennt diese Fahrten Instruktionsfahrten. Lokführer lieben Abkürzungen und so machen sie nur IF. Sie melden sich immer wieder bei einem Kollegen mit den Worten, „Du ich mache dann noch IF“. Solche Fahrten sind nötig um die Kenntnis über diese Strecke zu erlangen oder diese bei Bedarf zu behalten.

Wenn Sie nun mit dem Gedanken spielten, sich einfach als Lokführer auf IF auszugeben, muss ich Sie enttäuschen. Lokführer, die mit einem Kollegen zusammen IF machen, besitzen einen speziellen Ausweis.

Darin werden die Züge und die Strecken genau notiert und die Fahrt mit Unterschrift protokolliert. So hat man auch gleich die Kontrolle, ob man wirklich alle benötigten Fahrten absolviert hat.

Kennt ein Lokführer die Strecke noch nicht, muss er diese viermal in beiden Richtungen befahren. Eine Fahrt davon muss nach Möglichkeit in der Nacht erfolgen. Erst nach diesen vier Fahrten kann der Lokführer alleine auf der neuen Strecke fahren.

Nach drei Jahren, oder nach einem grundlegenden Umbau erlischt die Kenntnis der Strecke jedoch wieder. Sie sehen, dass wir hier eine kürzere Frist haben, als bei den Lokomotiven.

Einfache Strecken können auch nur per Video vermittelt werden. Welche das sind legt das BAV und nicht das Unternehmen fest. Diese Erneuerung der Kenntnisse kann mit einer Fahrt in beiden Richtungen oder per Video erfolgt.

Es geht bei der Erneuerung nur darum, dass gewisse Punkte wieder in Erinnerung gerufen werden. Wo stand das Signal schon wieder und wie orientiere ich mich in der Landschaft. Man kennt so nahezu jede Ecke.

Für eine neu erlangte Kenntnis einer Strecke gibt es keine Prüfung. Die Verantwortung, dass die Fahrten ausreichten liegt beim Lokführer. Auch die Erneuerung lange nicht befahrender Strecken obliegt der Eigenverantwortung. Jedoch kann das Unternehmen auch festlegen, dass eine Strecke zu erlöschen hat. Das kann der Fall sein, wenn ein Standort diese nicht befährt. Damit erlischt die Streckenkenntnis.

Zudem ist es erlaubt, bei Störungen unbekannte Strecken zu befahren. Der Lokführer kann dabei aber Bedingungen definieren. Diese Möglichkeit besteht aber nur für Lokführer der Kategorie B und ist nicht auf allen Strecken und in allen Bahnhöfen erlaubt. Dabei legt die Infrastruktur fest, bei welchen Anlagen eine Kenntnis vorausgesetzt wird. Dazu gehören zum Beispiel die Rangierbahnhöfe von Olten und Biel.

Die Bergprüfung ist eine Ausnahme beim erlangen neuer Streckenkenntnisse. Sie ist nur auf gewissen Strecken vorgeschrieben und gilt nur, wenn man die Strecke mit Güterzügen befahren will. Wie es der Name schon sagt, bei der Bergprüfung werden die neu erlangten Streckenkenntnisse durch einen Prüfungsexperten geprüft. Jedoch erfolgt kein spezieller Eintrag im Beiblatt des Führerausweises.

Diese Prüfung ist notwendig, wenn man mit Güterzügen über den Gotthard fahren will. Ich muss hier präziser werden. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, war man gerade dabei, die Bergprüfung wieder einzuführen. Diese wurde einst abgeschafft, es kam danach jedoch zu schweren Zwischenfällen bei der Talfahrt am Gotthard. Gerade die Leventina mit den langen Gefällen, erfordert gewisse Kenntnisse.

Es ist zudem ein Bedürfnis der Lokführer, dass diese Bergprüfung wieder eingeführt wird. Ich erlangte diese spezielle Prüfung automatisch, denn bei der Abschlussprüfung eines Lokführer aus Erstfeld gehört eine Fahrt mit einem Güterzug über den Gotthard dazu. Auch ich finde, dass die Bergprüfung wichtig ist, denn schwere Züge am Gotthard sind nicht leicht zu führen und erfordern viele Kenntnisse in Bezug auf die Bremsen.

Jedoch birgt gerade die Leventina ein zusätzliches Problem. Diese ist zwar nicht auf diese Strecken beschränkt, aber es ist ein Problem das als Beispiel gut verwendet werden kann. Nördlich von Gotthard spricht man deutsch, südlich italienisch. Der Lokführer muss diese Kenntnisse in der Sprache besitzen. Daher müssen wir bei der Weiterbildung noch einen Punkt ansehen, denn dieser ist ebenso wichtig.

Die Sprachschulung: Seit 2008 müssen Lokführer über eine minimale Sprachkenntnis der befahrenen Regionen verfügen. Wenn Sie einen Landesteil mit anderer Sprache befahren wollen, müssen Sie die Sprache sowohl im Wortlaut, als auch in Schrift verstehen. Solche Kurse werden von vielen Schulen angeboten und können von jedermann genutzt werden. Lokführer die neu beginnen, müssen daher über diese Kenntnisse verfügen.

Für die Lokführer war das nicht einfach, denn keiner hatte je eine passende Sprachschule besucht und war deshalb nicht unbedingt auf dem notwendigen Level. Es mussten deshalb Sprachkurse besucht werden, damit die Bedingungen erfüllt wurden. Diese Sprachkurse umfassten nicht nur die normalen sprachlichen Begriffe, sondern auch die Begriffe der Eisenbahn. So wurde vermittelt, was mit einem Begriff gemeint ist.

Zudem wurden Handbücher mit bestimmten Regewendungen ins Leben gerufen. Dort ist geregelt, wie man der anderen Stelle ein Problem vermittelt. So war man wieder in der Lage, die Züge über die Sprachgrenzen hinweg zu  führen. Nur, wie steht es mit der Erhaltung in diesem Fall? Wenn der Lokführer eine gewisse Zeit eine Sprachregion nicht befuhr, darf er dann noch in diesem Teil des Landes fahren?

Bedenklich sind die vom BAV durchgeführten Kontrollen der Sprachkenntnisse. Diese könnte man als willkürlich bezeichnen. Der vom Lokpersonal verlangte Level, erlaubt nur einfache Sätze. Ein behördliches Gespräch ist aber umfangreicher und übersteigt die Kenntnisse eines Lokführers bei weitem. Wer möchte schon mit minimalen Kenntnissen ein Gespräch führen, das ihm buchstäblich Kopf und Kragen kosten kann?

Werden dann noch Begriffe durch den Beamten erfunden, die es in den Vorschriften gar nicht gibt, hat der Lokführer verloren, bevor er auch nur ein Wort in der fremden Sprache sagen konnte. Die Folgen waren daher klar, die Sprachen sind im Beiblatt eingetragen, daher müssen regelmässig Prüfungen der Sprache absolviert werden. Zudem erwartet man den perfekten dreisprachigen Lokführer. Dass das nicht funktioniert ist klar.

Bei Sprachkenntnissen ist eine Auffrischung sicherlich sinnvoll, denn wer nur die sprachlichen Begebenheiten der Eisenbahn benötigt, verlernt schnell einige grundlegende grammatikalische Kenntnisse. Es darf jedoch nicht so weit führen, dass eine Nachschulung, also eine Auffrischung mit einer erneuten Prüfung in Abhängigkeit steht. Diese Prüfung der Sprache kann einem Lokführer durchaus die Stelle kosten.

 

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