Internationale Fahrzeuge

Mit dem Wechsel ins neue Jahrhundert änderte sich vieles bei den Bahnen. So wurden im Reiseverkehr immer mehr Triebzüge eingesetzt und diese machten nicht mehr immer an der Grenze halt. Die Züge verkehrten über die Grenzen hinweg in mehreren Ländern. Es dauert danach nur wenige Jahre, bis diese Durchläufe auch im Güterverkehr einzug hielten. Das führte dazu, dass die Züge immer internationaler wurden.

So ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass die Lokomotiven, aber auch Triebzüge immer öfters im internationalen Einsatz anzutreffen sind. So haben sich vermutlich schon öfters deutsche Touristen gefragt, ob sie wirklich schon in der Schweiz waren, wenn Sie auf dem Foto von Wassen eine Lokomotive der Deutschen Bahn DB geknipst haben. Selbst italienische Triebzüge waren auf der Strecke zu sehen und ab und zu fährt eine andere Lokomotive durch.

Sie reisten mit dem TGV von Zürich nach Paris und benutzten den ICE von Interlaken nach Hamburg. Dort sahen Sie dann die Lokomotive mit dem silbrigen Kreuz auf einem roten Wappen. Was sucht aber eine Re 421 der schweizerischen Bundesbahnen SBB in Hamburg? Nun, ich denke, sie war mit Arbeit beschäftigt, aber sie war im Ausland. Das war ja die Lokomotive der DB in der Schweiz auch. Beispiele wie diese gibt es viele.

Schon sind wir bei einem Problem, denn die BR 185 der Deutschen Bahn AG kann mit dem von mir beschriebenen System der Schweiz nicht identifiziert werden. Machen wir es trotzdem, nur weil es ein lustiges Ergebnis gibt.

Die Buchstaben machen keinen Sinn, die lassen wir weg und schauen uns 185 genauer an, denn wir wissen nun, dass die ersten drei Ziffern einen Code enthalten. Den Schlüssel dazu haben wir auch, also entschlüsseln wir 185.

Nach dem Schema der Schweiz würde es sich bei dem Fahrzeug um ein neues Fahrzeug für die Brünigbahn (1) handeln. Es handelt sich um eine Schneeschleuder (8), die der BLS (5) gehört.

Alles klar, eine Schneeschleuder der BLS auf der Brünigbahn, die der Zentralbahn gehört. Am Fahrzeug angeschrieben steht DB.

Nicht sinnvoll, denn es war eine Lokomotive am Gotthard. Lassen wir es dabei und suchen eine andere Lösung für unser Problem mit den internationalen Lokomotiven.

Die Lösung ist relativ einfach, und ist wie beim Auto. Sie müssen ja nicht die Nummer wechseln, wenn Sie über die Grenze fahren, Sie behalten einfach die Nummer ihrer Heimat.

Es gibt aber eine Ausnahme. In Italien müssen alle Lokomotiven und Triebwagen eine Italienische Nummer tragen. Warum? Da fragen Sie besser jemanden in Italien, der diese Idee hatte. So kommt es, dass zum Beispiel der vierteilige RABe 524 in Italien zum ETR 150 mutierte und der sechsteilige Zug als ETR 524 verkehrt. Die SBB-Nummer muss aber bleiben, weil es ja ein Schweizer Fahrzeug ist.

Es lag deshalb auf der Hand, dass man sich um einen internationalen Standard bemühte. Dieser Standard sollte von der UIC definiert werden. Das geschah auch und so wurde im Jahre 2007 die UIC-Bezeichnung für Triebfahrzeuge eingeführt. Die UIC-Nummer wurde bis dahin nur bei Wagen angewendet und kam nun auch bei Lokomotiven zur Anwendung. Die Nummer setzt sich aus drei Blöcken zusammen. Daraus ergibt sich dann eine Nummer mit 11 Ziffern und der zusätzlichen Kontrollziffer.

Die ersten 4 Ziffern gehören zum internationalen Block, danach folgt dann der nationale Block mit 7 Ziffern. In der Schweiz, wo die Nummern 6 Stellen hatten, wurde einfach die fünfte Ziffer der UIC-Nummer so angepasst, dass die Kontrollziffer nicht geändert werden musste. Zumindest war das so vorgesehen, konnte aber nicht immer umgesetzt werden. Den nationalen Teil kennen wir, denn daran wurde nichts geändert. Daher befassen wir uns nun mit dem internationalen Teil.

Der Internationale Teil teilt sich in zwei Bereiche mit je zwei Ziffern auf. Die ersten beiden Ziffern gehören zum Bauartcode. Danach folgt der UIC-Ländercode, der ebenfalls zwei Stellen besitzt. Betrachten wir uns deshalb mal den Bauartcode, denn der gibt viele Auskünfte darüber, was für ein Fahrzeug es ist. Der Bauartcode wurde bei den Wagen als Austauschregime geführt. Somit mussten hier Ziffern verwendet werden, die es bei den Wagen nicht gab.

 

Code Zuordnung
90 Nicht anderweitig erfasstes Triebfahrzeug
91 Elektrische Lokomotive mit Höchstgeschwindigkeit 100 km/h oder mehr
92 Diesellokomotive mit Höchstgeschwindigkeit 100 km/h oder mehr
93 Elektrischer Triebwagen mit Höchstgeschwindigkeit 190 km/h oder mehr
94 Elektrischer Triebwagen mit  Höchstgeschwindigkeit weniger als 190 km/h
95 Dieseltriebwagen
96 Beiwagen (Antriebloser Teil eines Triebwagens)
97 Elektrische Lokomotive mit Höchstgeschwindigkeit kleiner 100 km/h
98 Diesellokomotive mit Höchstgeschwindigkeit kleiner 100 km/h
99 Fahrzeuge des Bahndienstes

 

Haben Sie etwas erkannt? Nicht, dann schauen sie sich die Tabelle noch einmal an. Genau, sämtliche Lokomotiven beginnen mit einer 9 am Anfang. Nur warum ist das so? Ganz einfach, die Nummer ähnelt so schon stark den Nummern von Wagen, und dort sind die Ziffern 1 bis 8 schon belegt worden, es blieb für Triebfahrzeuge nur noch die 9. Wir haben damit erstmals eine einheitliche Nummerierung der Lokomotiven und der Wagen in Europa, beziehungsweise bei den Bahnen, die bei der UIC angeschlossen sind.

Diese Länder finden sich bei den Ziffern drei und vier. Diese beiden Ziffern hatten bisher die Bahnen angegeben und wurden nun zum Ländercode. Das heisst, die bisher den Staatsbahnen zugewiesenen Ziffern wurden zum Ländercode. Die Privatbahnen, die ähnliche Nummern hatten, mussten ihre Fahrzeuge nun anpassen. Daher verschwanden die individuellen Codes in der Schweiz und schweizer Fahrzeuge tragen den gleichen Ländercode. Doch nun zu den Ländercodes nach UIC.

 

Code Land Code Land Code Land
10 Finnland 43 Ungarn/Österreich 78 Kroatien
20 Russland 50 Bosnien / Herzegowina (Bosnisch-kroatischer Teil) 79 Slowenien
21 Weissrussland 80 Deutschland
22 Ukraine 51 Polen 81 Österreich
23 Moldawien 52 Bulgarien 82 Luxemburg
24 Litauen 53 Rumänien 83 Italien
25 Lettland 54 Tschechien 84 Niederlande
26 Estland 55 Ungarn 85 Schweiz
27 Kasachstan 56 Slowakei 86 Dänemark
28 Georgien 57 Aserbaidschan 87 Frankreich
29 Usbekistan 59 Kirgisistan 88 Belgien
30 Nordkorea 60 Irland 90 Ägypten
31 Mongolei 65 Mazedonien 91 Tunesien
32 Vietnam 70 Grossbritannien 92 Algerien
33 China 71 Spanien 93 Portugal
40 Kuba 72 Serbien 95 Israel
41 Albanien 73 Griechenland 96 Iran
42 Japan 74 Schweden 97 Syrien
43 Bosnien / Herzegowina (Serbischer Teil) 75 Türkei 98 Libanon
76 Norwegen 99 Irak

 

So, jetzt ist sie komplett, die internationale Nummer nach UIC, denn den nationalen Teil kennen wir ja von den Schweizer Nummern. Nur wie sieht das nun genau aus. Am besten nehmen wir uns ein Beispiel zur Hand und betrachten das ganze mal ganz genau. Diesmal fällt meine Wahl auf die Lokomotive Re 421’391-4. Warum diese? Einfach, es ist eine international verkehrende Lokomotive, sie gehört den schweizerischen Bundesbahnen SBB. So erfahren Sie auch gleich den Ländercode für die Schweiz.

Da es sich dabei um eine Lokomotive der schweizerischen Bundesbahnen SBB handelt, die schneller als 100 Km/h fährt, bedeutet das, dass die Ziffern 1 bis 4 91(Bauart) 85 (Land) lautet. Dazu kommt noch die Nummer der Lokomotive. Mit der erweiterten Ziffer und unserer bekannten Berechnung berechnen wir die fehlende Füllziffer. Die Berechnung ergibt eine vier. Und so sieht die internationale Nummer unserer Lokomotive aus:

91 85 4 421 391 – 4

Eine wahrhaft lange Nummer, deshalb wird bei den Lokomotiven an der Front nur der nationale Teil nach der entsprechenden Norm angeschrieben. Die Erweiterung auf die ganze Nummer wird seitlich angebracht. Nicht alle Bahnen scheinen es jedoch damit eilig zu haben, so dass noch einige Jahre die nationale Anschrift zu sehen sein wird. Damit man den im jeweiligen Land üblichen Teil besser erkennen kann, sind die Ziffern nicht gleich geschrieben. Daher würde unsere Lokomotive so angeschrieben werden:

91 85 4 421 391 – 4

Ach ja, noch etwas will ich Ihnen an der internationalen Nummer aufzeigen. Dazu nehmen wir zwei Fahrzeuge zum Vergleich. Eine Lokomotive, der Einfachheit halber die Lokomotive Re 421 von oben und einen beliebigen Wagen. Dabei verändern wir die Nummer der Lokomotive ein wenig. Die Ziffern bleiben gleich, einfach die Leselücken werden anders angeordnet. Sie sehen schon, wie ich das meine, den Wagen schreiben wir so, wie er angeschrieben ist.

Die Lok: 91 85 44 21 391 – 4

Der Wagen: 50 85 21-95 181- 6

Bemerkten Sie den Unterschied? Nicht, bei der Lokomotive habe ich den nationalen Teil der Nummer unterstrichen und ein wenig anders geschrieben, die Wagennummer ist so im Original an einem Zweitklasswagen angeschrieben. Fällt wirklich nichts auf? Dann helfe ich ein wenig. Bei beiden Fahrzeugen ist nur ein Teil der Nummer unterstrichen. Ja, die Ziffern an den Stellen 3 und 4 sind gleich, weil beide Fahrzeuge aus der Schweiz sind. Die ersten beiden Ziffern sind nur anders, weil es ein Wagen ist.

Immer noch nichts aufgefallen? Dann hier die Lösung. Bei beiden Fahrzeugen ist der nationale Teil unterstrichen worden, und bei beiden Fahrzeugen umfasst er sieben Stellen. Der kleine Bindestrich erleichtert nur die Lesbarkeit bei den Wagen, da hier im nationalen Teil schon international genormte Elemente enthalten sind. Diese gibt es bei der Lokomotive aber nicht, so dass man dort die unterschiedliche Färbung der Nummer verwendete und wirklich nur den richtigen Landesteil verwendete.

Was wir noch wissen müssen, ist die Tatsache, dass nur die Nummer angepasst wurde. Noch immer werden die Buchstaben der jeweiligen Länder verwendet. So wird es in Deutschland zur BR, in der Schweiz zur Re und in Italien zur E. Doch kommen wir wieder zur Lokomotive der Deutschen Bahn AG. Die, die zur Schneeschleuder der Brünigbahn wurde. Genau die Lokomotive, die uns auf den Weg zu diesen Nummern brachte.

Mit Hilfe der UIC-Nummer passiert uns der Fehler nicht mehr. Die Lokomotive bekäme bei den ersten vier Ziffern die Ziffern 91 und 80. Mit dem Ländercode 80 wissen wir aber, dass die nachfolgenden Ziffern nach dem in Deutschland üblichen Code angeschrieben worden ist. Der Fehler vom Anfang kann uns nicht mehr passieren. Jetzt bleiben eigentlich nur noch die Buchstaben, die seit 1920 nicht mehr verändert wurden und so wirklich lange Bestand gehabt haben.

 

Zurück Navigation durch das Thema Weiter
  Home Depots im Wandel der Zeit Die Gotthardbahn
News Fachbegriffe Die Lötschbergbahn
Übersicht der Signale Links Geschichte der Alpenbahnen
Die Lokomotivführer Lokführergeschichte Kontakt

Copyright 2015 by Bruno Lämmli Erstfeld: Alle Rechte vorbehalten