Neue Computernummern

1989 kamen dann die schweizerischen Bundesbahnen SBB auf die Idee, das alte System mit all seinen Fehlern teilweise zu ersetzen. Eine neue Bezeichnung sollte geschaffen werden. Die Hauptprobleme lagen auf der Hand, denn neue Lokomotiven wurden mit vier Triebachsen auf vier Achsen elektrisch nach Reihe R gebaut und so zur Re 4/4. Eine Unterscheidung der einzelnen Baureihen erfolgte nur noch beim Index. So war man bei den SBB schon bei V angelangt und die VI war auch schon bestellt.

Man wollte mit einem neuen System nicht warten, bis man die Re 4/4 XXIII im Bestand hatte. Daher führte man zusammen mit der neuen Bezeichnung auch neue Nummern für die einzelnen Lokomotiven ein. Der Grund war simpel, denn die bisherigen von drei über vier auf fünf Stellen erweiterten Nummern reichten einfach nicht mehr aus, um die Lokomotiven anhand der Nummerngruppen zu unterteilen.

Anfänglich waren die neuen Nummern nur bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB vorgesehen. Es wurden bei den ersten Entwürfen für das neue Nummernsystem noch Lokomotiven mit Laufachsen erwähnt.

Hier sollte die Ziffer 9 den bisherigen Bruchstrich ergeben. Die bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB vorgesehene Lokomotive sollte zur Ae 497 werden. Jedoch war klar, dass die Lokomotive schnell verschwinden würde und dann hatte man keine Laufachsen mehr.

Um auch die Lokomotiven der Privatbahnen zu unterscheiden, wurde das Nummerierungsschema wieder geändert und auf die Privatbahnen ausgeweitet. So verkehrte eine Zeit lang bei den SBB ein Traktor mit der Bezeichnung Tm 235.

Mit der Aufnahme der BLS in das neue Nummernschema wurde dieser Traktor umbezeichnet. Der Grund war einfach, denn die Ziffer fünf war für die BLS reserviert worden und so konnte sie nicht an einem Fahrzeug der schweizerischen Bundesbahnen SBB stehen.

Spannend beim neuen System war, dass man die Bezeichnung mit den Buchstaben nicht antastete. Vielmehr verschwand der Bruch und wurde zu einem Teil der Nummern.

Die Lokomotiven sollten nun mit einer sechsstelligen Nummer versehen werden. Dabei sollten die letzten drei Ziffern den laufenden Nummern vorbehalten sein. Die Codierung der Baureihen erfolgte in den ersten drei Ziffern. Daher lohnt es sich, wenn wir diese ersten drei Ziffern etwas genauer ansehen.

 

Nummerncode

  1. Ziffer 2. Ziffer 3. Ziffer
0 Sonderfahrzeuge 8 Schneeschleudern Bauart
1 Brünigbahn 0 HGe, 1 De, 2 Tem, 3 Tm, 4 Tea DB-tauglich / Bauart
2 Traktoren 0 Ta, 1 Te, 2 Tem, 3 Tm, 4 Tea Zweistrom / Bauart
3 E-Lok mit 3 Triebachsen Die römischen Ziffern am Schluss der bisherigen Bezeichnung Dreistrom / Bauart
4 E-Lok mit 4 Triebachsen Vierstrom / Bauart
5 Triebzüge / Triebwagen Diverse verschiedene Fahrzeuge BLS
6 E-Lok mit 6 Triebachsen 1 Ae, 2 Re Übrige Privatbahnen der Schweiz, teilweise auch BLS
7 Reserve Reserve
8 Diesellokomotive Anzahl Triebachsen
9 Rangierlokomotiven Reserve

 

Sie sehen, dass man versuchte mit den einzelnen Ziffern eine Codierung einzubauen. Das funktionierte überraschend gut, nur entstand eine Tabelle, die sehr kompliziert zum Lesen ist. Die Anzahl der Achsen, war nicht bei allen Fahrzeugen an der gleichen Stelle und Laufachsen waren nun auch nicht mehr vorgesehen. Das führt dazu, dass wir uns ein paar Beispiele ansehen müssen. Doch vorher noch ein paar Worte zu den Privatbahnen.

Als einzige Privatbahn bekam die BLS eine eigene Ziffer. Die anderen Bahnen mussten sich die verblieben Ziffern teilen. Die Rhätische Bahn RhB hätte hier den Kürzeren gezogen. Daher muss erwähnt werden, dass es sich hier um ein System handelt, das von den schweizerischen Bundesbahnen SBB eingeführt wurde. Dieses wurde auf die normalspurigen Privatbahnen ausgedehnt. Einzige schmalspurige Bahn war die Brünigbahn, die damals noch zur SBB gehörte.

Daher kam die Rhätische Bahn RhB bei diesem System gar nicht vor und wird vermutlich auch nie darin eingebaut werden, denn auch dieses System hatte seine Tücken, die dazu führten, dass man eine weitere Lösung über die Nummern einführte, aber die war dann international und wir werden Sie später noch ansehen, denn nun wollen wir ein paar Beispiele betrachten, mit der Tabelle oben und den Hinweisen sollten Sie die Nummern verstehen.

 

Muster der neuen Nummern

Neue Nummer Bisherige Bezeichnung der Fahrzeuge
Xrotm 080 Hinter dieser Nummer verbirgt sich eine Schneeschleuder.  Zurzeit noch nicht verwendet.
HGe 101 Brünigbahnlokomotive HGe 4/4 II. Die HGe 100 waren die zwei alten Lokomotiven HGe 4/4, die mittlerweile ausrangiert wurden.
Tm 234 Traktor mit reinem Dieselantrieb in der vierten Unterbauart.
Re 465 Die Re 460 der BLS
RBDe 561 Deutschland tauglicher NPZ (RBDe 560)
Re 620 Lokomotive Re 6/6
Am 841 Vierachsige Diesellok der zweiten Unterbauart.
Ee 934 Viersystem-Rangierlok oder ehemalige Ee 3/3 IV in Chiasso und Genf.
Re 482 Zweisystemlokomotive der achten Unterbauart

 

Auch dieses System hatte Lücken. So mussten sich die vielen normalspurigen Privatbahnen der Schweiz die Ziffern 6 bis 8 teilen. Eine individuelle Unterscheidung war teilweise nur noch in den verblieben drei Ziffern zu verwirklichen. Daher rutschte die vierte Ziffer immer mehr in die Nummern hinein und so konnten dort noch einmal einzelne Bahnen unterschieden werden. Das System konnte also ergänzt werden. Doch es gab ein grösseres Problem.

Nur bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB konnten anhand des neuen Nummernschemas Mehrsystemfahrzeuge unterschieden werden. Bei Privatbahnen war das nicht möglich. Jedoch war die Erkennbarkeit der Mehrsystemlokomotiven nicht gegeben.

Besonders bei der BLS führte das zu Problemen mit den Nummern. Man behalf sich mit der Ziffer sechs, die vorher dem Regionalverkehr Mittelland RM zugeschlagen worden war. Dieser gehörte mittlerweile zur BLS AG und so konnte man auf diesen Trick zurückgreifen.

Es gab nun aber baugleiche Fahrzeuge bei unterschiedlichen Bahnen, die plötzlich unterschiedliche Typenbezeichnungen hatten.

Die Re 430, der schweizerischen Bundesbahnen SBB und die Re 436 der ehemaligen RM, sind dafür ein gutes Beispiel. Man kann anhand der Nummer erkennen, dass es sind zwei unterschiedliche Loktypen sind.

Sieht man nun über kleine unwichtige Details hinweg, kann man aber klar sagen, es sind die gleichen Lokomotivtypen, nur der Anstrich unterscheidet sich.

Noch schlimmer wird es bei den modernen Lokomotiven von Bombardier. So gibt es die Re 481 (Ex Re 486 à  6 für MThB), Re 482 und die Re 484 für die SBB, aber nur die Re 485 und Re 486 für die BLS. Das heisst also, dass die Re 486 der BLS und die Re 486 der ehemaligen MThB identisch sind. Muss so sein, denn sie tragen eine identische Codierung, obwohl es grundverschiedene Lokomotiven waren. Die baugleichen Re 485 und Re 482 kann man anhand der Nummer nicht genau erkennen.

Erste Probleme ergaben sich mit den von der BLS übernommenen SBB Lokomotiven Re 420. Da die Nummer Re 425 bei der BLS schon belegt war, musste die vierte Ziffer hergenommen werden. So verkehren diese Lokomotiven neu als Re 420'5. Warum das nun wieder? Ganz einfach, das Bundesamt für Verkehr BAV erlaubte die Variante der BLS nicht, so dass diese Lösung gefunden werden musste. Mittlerweile regelten die Nummern nämlich nicht mehr die Bahnen.

Die BLS wollte die ehemaligen SBB Lokomotiven als Re 425’0xx bezeichnen. Ihre ursprünglichen Lokomotiven wären dann die Re 425’1 gewesen.

Plötzlich wäre nun die SBB-Lokomotive von der Bezeichnung her näher mit der BLS Lokomotive verwandt gewesen, als mit den Schwestern bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB.

Das zeigt deutlich auf, dass jedes System und sei es noch so gut, seine Fehler hat, die nicht ausgeschlossen werden können.

Nun, sind wir mit der Bezeichnung nach diesem System durch. Wie, Sie haben noch eine Frage? Ach so, diese durch einen Strich getrennte Ziffer bei den Anschriften, die Sie beobachtet haben.

Es ist eine Kontrollziffer und sie gehört eigentlich nicht primär zur Loknummer. Dabei wird diese Kontrollziffer nach einer ganz bestimmten Rechnungsmethode berechnet.

Diese ist so kompliziert, dass sie eigentlich nur der Computer bestimmen kann. Doch es geht auch manuell.

Dabei gehen wir wie folgt vor: Wir nehmen eine Lokomotive, deren Kontrollziffer gefunden werden soll. Meine Wahl fiel auf die Re 460'038. Es hätte jede andere Lokomotive sein können, aber für uns soll es eine Re 460 sein. Es ist nur ein Muster und ginge auch mit einer anderen Lokomotive. Jetzt wird die Nummer in die einzelnen Ziffern aufgeteilt und mit einer bestimmten Methode berechnet. Wie das geht, sehen Sie in der Tabelle.

 

 

Berechnung der Kontrollziffer

 
  Loknummer 4 6 0 0 3 8    
  Rechnung x 1 x 2 x 1 x 2 x 1 x 2  
  Ergebnis = 4 = 12 = 0 = 0 = 3 = 16  
  Ziffern 4 + 1 + 2 + 0 + 0 + 3 + 1 + 6 = 17  

 

Sie sehen, es wird jede Ziffer multipliziert. Mit 2, wenn die Ziffer an einer ungeraden Stelle steht und mit 1, wenn sie an einer geraden Stelle steht. ACHTUNG: Man rechnet in diesem Fall von Rechts nach Links. Warum? Ganz einfach, es können ja auch längere Nummern vorkommen, wie zum Beispiel bei den Wagen. So funktioniert diese Rechenmethode auch bei einem Wagen. Doch mit der Berechnung alleine ist es noch nicht getan.

Die einzelnen Ziffern jedes Ergebnisses der ersten Rechnung werden nun zusammengezählt. Bei unserem Beispiel muss somit aus 12 1 und 2 werden und einmal 16 zu 1 und 6. Daraus ergibt sich eine Zahl. Im Beispiel die 17, die rechts unten in der Tabelle steht. Mit dieser Zahl kann man noch nichts anfangen, denn schliesslich ist es ja nur eine einzelne Ziffer. Die angeschriebene Ziffer ist einfach die Differenz zur nächst höheren Zehnerzahl. Bei 17 ist das 20. Die Differenz beträgt nun 3.

Somit haben wir die Kontrollziffer für unsere Lokomotive gefunden. Unsere Lokomotive muss mit 460’038-3 angeschrieben werden. Versuchen Sie es doch einmal selber. Es geht, so verblüffend das sein mag, nicht nur an Fahrzeugen der Schweiz, sondern auch bei Lokomotiven und Wagen im Ausland. Damit kommen wir aber zu den neuen internationalen Bezeichnungen an den Fahrzeugen, denn mittlerweile muss man international arbeiten können.

 

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