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Eigentlich könnte man sich diesen Teil bei der Baureihe Ae 4/7 ersparen.
Viele Bauteile stammten von der etwas älteren Baureihe Ae 3/6 I und waren
damit bereits betrieblich erprobt worden. Natürlich waren einige Neuerung
umgesetzt worden, aber grundsätzlich gesehen, war die neue Maschine nichts
anderes, als eine um eine
Triebachse
erweiterte
Lokomotive der Baureihe Ae 3/6 I. Eine
Behauptung, die sicherlich berechtigt ist, aber in Details Fehler hat.
Im elektrischen Bereich gab es bei der Steuerung deutliche Ver-änderungen, die nicht erprobt waren.
Daher waren die ersten Gehver-suche auch bei dieser Baureihe für die
Konstrukteure eine spannende Sache. Zwar hatte man im Werk viel Erfahrung,
aber man konnte nie wissen. Nachdem die SLM, wie vertrag-lich vereinbart, die ersten bei-den Kasten mit dem fertig mon-tierten Laufwerk und den ange-bauten Antrieben nach Buchli mit einem Zug von Winterthur nach Münchenstein überstellt hatte, lag es beim Elektriker, daraus eine Lokomotive zu ma-chen.
Seit dem Bau von elektrischen
Lokomotiven bei der BBC, war dies der übliche
Weg. Jedoch stellte der Kasten das dar, was jeder Elektriker bekommen
sollte.
Dabei ahnte damals noch niemand, dass die grössten Probleme der Baureihe
Ae 4/7 bereits eingebaut gewesen waren, als die beiden Kasten bei der BBC
in Münchenstein eingetroffen waren. Bei der Überfuhr bemerkten vermutlich
die Lokführer, dass bei einem Modell mehr
Zugkraft
benötigt wurde. Nur, wenn noch ein
Güterzug
angehängt war, kämpfte man so oder so gegen die Wagen an und da bemerkte
man von der neuen
Lokomotive nicht viel.
Die beiden ersten Maschinen absolvierten die ersten Gehversuche im
Jahre 1926 anfänglich noch im Werksgelände der BBC. Dabei wurde
hauptsächlich die Funktion der Bauteile und der neuartigen
Stromabnehmer
getestet. Gingen diese auch nach 50 Versuchen noch nach oben oder klemmten
sie. Informationen, die geprüft werden mussten, denn wenn sich diese nicht
heben liessen, war der Kunde schlicht nicht zufrieden.
Die ersten Versuche im Werk der BBC stimmten die verantwortlichen
Leute der BBC zuversichtlich, so dass die erste
Lokomotive den Schweizerischen Bundesbahnen SBB
für die anstehenden Versuche übergeben werden sollte. Der Kunde zierte
sich hingegen bei der Übernahme der beiden
Prototypen,
denn man vertraute in Bern den neuen
Stromabnehmern
nicht. Diese waren bisher auf dem geraden
Geleise
im Werk getestet worden.
Die Änderungen bei der Bau-reihe Be 4/6 führten zu schwe-ren Problemen und häufigen Entgleisungen bei den Strom-abnehmern.
Die
Folge waren beschädigte
Fahrleitungen
und kosteninten-sive Arbeiten zur Reparatur. Dieses Desaster wollte die
Staatsbahn
mit diesen komischen Dingern schlicht nicht mehr erleben.
Ob
die
Lokomotive die ersten Fahrten über die
Weichen
des
Bahnhofes Münchenstein mit dem neuen
Stromabnehmer
ohne defekte
Fahrleitung
geschafft hat, ist nicht zuverlässig übermittelt worden. Jedoch waren bei
den
Testfahrten
grosse Probleme vorhanden. Diese lagen in den Bereichen Lage zum
Fahrdraht,
aber auch bei der Sicherheit des Kontaktes. Punkte, die für einen sicheren
Betrieb erforderlich sind und die noch nicht erbracht wurden.
Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB fürchteten um die neuen
Fahrleitungen
und daher war man nicht sonderlich über fehlerhafte Lösungen erfreut. Beim
Hersteller war man jedoch davon überzeugt, denn auch der zweite
Prototyp
hatte diese
Stromabnehmer
bekommen und auch er funktionierte damit nicht zuverlässig. Mit optimaler
Einstellung, hätten auch
Kurven
geschafft werden können. Die Antwort aus Bern war kurz und deutlich
verfasst worden. NEIN!
Nach nur sechs Monaten mit Versuchen wurde auch bei der BBC
erkannt, dass die neuartigen Stangenstromabnehmer die erhofften
Verbesserungen schlicht nicht erbrachten. Im Gegenteil, es traten immer
wieder Bügelentgleisungen auf. Auch mit Optimierungen gelang es nicht das
Teil unter dem
Fahrdraht
zu halten. Auch die
Spannung
wurde nicht immer sicher übertragen. Fazit war, dass die Konstruktion
schlicht nicht durchdacht war.
Es muss erwähnt werden, dass die
Entgleisungen
des
Stromabnehmers
nicht nur eine Folge der falschen Lage dazu waren. Befand sich der
Fahrdraht
am Ende des
Schleifstückes,
wurde dieses durch die Kraft weggedrückt. Der Draht rutschte über das
Notlaufhorn
und der Bügel verhängte sich mit der
Fahrleitung.
Wenn nicht mehr rechtzeitig angehalten werden konnte, war die Fahrleitung
ebenso Schrott, wie der neue Stromabnehmer.
Wobei vorerst nur ein
Prototyp
fertig umgerüstet worden war. Aber endlich konnte die neue Maschine
übergeben werden und das war ein sehr wichtiger Schritt, bei der
Inbetriebsetzung,
die eigentlich so einfach sein sollte. Am 16. März 1927 übernahmen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB von der BBC die erste Lokomotive der neuen Baureihe Ae 4/7. Seit den ersten Gehversuchen dieser Maschine, war die Lokomotive mit der Nummer 10 901 nach nahezu einem Jahr fertig im Werk endlich dem Kunden übergeben wor-den.
Nur schon diese Tatsache zeigt, wie schwer man sich bei der
Entscheidung der
Stromabnehmer
tat und letztlich auch hier der Kunde gesiegt hatte.
Der auffälligste Unterschied zu den zahlreichen Maschinen der
Reihe Ae 3/6 I, die damals übergeben wurden, war die zusätzliche
Achse.
Diese hätte jedoch leicht übersehen werden können. Daher war es eher der
grüne Farbauftrag, den die neue Baureihe bekommen hatte. Es kam so, dass
neben braunen Maschinen der Reihe Ae 3/6 I die ersten beiden grünen
Modelle der Reihe Ae 4/7 erschienen. Auf jeden Fall sie war endlich da.
Die nagelneue
Lokomotive wurde sofort von Münchenstein nach Bern
überführt, wo sie unverzüglich mit den
Versuchsfahrten
zwischen Bern und Thun begann. Da bisher alle Lokomotiven der
Schweizerischen Bundesbahnen SBB auf dieser Strecke erprobt wurden, konnte
man sehr schnell Vergleiche mit anderen Baureihen anstellen. Eine Lösung,
die später mit mehreren Strecken und
Bahnhöfen
ausgebaut wurde. So kam es zu den zahlreichen
Versuchsstrecken
der Schweiz.
Die
Lokomotive funktionierte von der ersten Sekunde her ganz
gut und es zeigten sich kaum Mängel an der neuen Maschine. Dies war
sicherlich eine direkte Folge der Erfahrungen mit der Baureihe Ae 3/6 I.
Jedoch kann man auch behaupten, dass die Nummer 10 901 lange genug im Werk
der BBC getestet werden konnte. So stimmten alle Einstellungen und dann
sind Versuch keine grosse Schwierigkeit. Vergleiche sollte erst der zweite
Prototyp
ermöglichen.
Bei
der Anfahrt in den Steigungen der
Nordrampe,
zeigten sich erste Schwie-rigkeiten. Die vom
Pflichtenheft
geforderten
Normallasten
konnten schlicht nicht erreicht werden. Mit 360 Tonnen am Haken überhitzte
die Maschine zu schnell oder kam nicht vom Fleck. Spannend ist hier, dass nur vor wenigen Jahren die BLS ähnliche Probleme mit der neuen Baureihe Be 6/8 hatte. Nur diese konnte man belasten, wie man wollte, es waren schlicht keine Ergebnisse im warmen Zustand zu erhalten.
Hier war die
Staatsbahn
sicherlich besser, auch wenn man eigentlich nicht diese Ergebnisse
erwartet hatte. Mit 320 Tonnen am Haken blieb die Baureihe Ae 4/7 im
erlaubten Rahmen bei der Temperatur.
Die
Normallast
musste daher reduziert werden. Im Direktorium in Bern drückte man deswegen
gegenüber dem Hersteller das Bedauern aus. Etwas weniger schön
ausgedrückt, man war schlicht nicht zufrieden, denn es handelte sich um
eine Forderung, die schon sehr früh im
Pflichtenheft
gestellt worden war. Damit hatte die Industrie in diesem Punkt die
Hausaufgaben nicht gemacht. Wobei damals mit vier
Triebachsen
nicht mehr möglich gewesen war.
Zwei Monate später konnte die zweite Maschine mit der Nummer
10 902 übergeben werden. Damit waren beide
Prototypen
im Einsatz. Da die zweite Maschine jedoch die Reise nach Zürich antrat,
begegneten sie sich nur selten. Die zweite
Lokomotive kam auch nicht mehr in das intensive
Programm des ersten Modelles. Unterschiede dazwischen gab es lediglich im
Bereich des
Fahrwerkes
und deren Ergebnisse konnte man schnell erkennen.
Es zeigte sich, dass in engen Kurven bewegliche Fahr-werke von grossem Vorteil sind. Bei höheren Geschwin-digkeiten neigten diese jedoch zum Schlingern. Die langen Radstände bewirkten jedoch das gegenteilige Verhalten.
Im geraden
Geleise
fuhr die Maschine ruhig, jedoch bei enger werdenden
Kurven
begann das Teil immer mehr zu klemmen. In der Folge, war ein minimaler
Radius von 105 Metern zugelassen, was jedoch Einschränkungen bedeu-tete.
Bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h spielte dieses un-ruhige
Fahrverhalten keine so grosse Rolle, so dass das
Java-Drehgestell weiter verbaut wurde. Gerade das hier verbaute
Java-Drehgestell war nicht über alle Zweifel erhaben. Die Verbesserungen
nach Weiss, sollten bei der Serie ein etwas besseres Verhalten an den Tag
legen. Nur, bei den beiden
Prototypen
klemmte und schüttelte es. Abhängig davon mit welcher Maschine wo gefahren
wurde.
Genau hier liegen die Unterschiede, die zur Beantwortung einer oft
gestellten Frage führt. Die Reihe Ae 3/6 I erreichte Geschwindigkeiten bis
zu 110 km/h. Die Baureihe Ae 4/7 mit dem vermeintlich längeren Radstand,
durfte jedoch nie schneller als 100 km/h fahren. Der Grund war schlicht,
denn um die engen
Kurven
zu schonen, wurde auf das
Fahrwerk
mit dem
Java-Drehgestell gesetzt. Da nun alle gleich schnell waren, fuhren
alle Maschinen der Reihe Ae 4/7 nur 100 km/h.
Nach kurzer
Inbetriebsetzung
wurden die beiden
Lokomotiven überraschend schnell dem
Betriebsdienst übergeben. Dort sollten sie zeigen, ob sie wirklich so gut
waren, wie man erwartet hatte. So überraschend, wie man meinen könnte, war
die Sache eigentlich gar nicht, denn die nahe Verwandtschaft mit der
Baureihe Ae 3/6 I liess keine grösseren Probleme erwarten. Daher ging es
gleich mit den ersten Zügen auf die Reise.
Das zeugte aber auch vom Vertrauen, das die Schweizerischen
Bundesbahnen SBB gegenüber den Herstellern hatte. Das war verwunderlich,
denn nach den Jahren mit der Notelektrifizierung hätte man nun wirklich
viel Zeit gehabt, die
Lokomotive ausgiebig zu testen. Später sollten
die
Staatsbahnen
diese Praxis jedoch bitter bezahlen, was letztlich auch zu einer Änderung
der Praxis führte. Hier war aber der Erfolg mehr oder weniger garantiert.
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