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Baujahr: | 1894 | Leistung: | 880 - 1 029 kW / 1 100 - 1 400 PS | |
Gewicht: | 100 - 104 t | V. max.: | 90 km/h | |
Normallast: | 120 t bei 40 km/h | Länge: | 16 695 mm | |
Der Bau der
Gotthardbahn
kostete die
Bahngesellschaft
sehr viel Geld. Insbesondere die Probleme mit dem langen
Tunnel
zwischen Göschenen und Airolo führten dazu, dass man die Krise nur mit
Sparmassnahmen abwenden konnte. So wurden beim Bau der Strecke grosse
Abstriche gemacht. Darunter befanden sich auch der einspurige Ausbau der
Zufahrten und der Verzicht auf gewisse Abschnitte. Das ist heute allgemein
bekannt.
Dadurch war es bei der Eröffnung nur schwer möglich für den Verkehr passende Maschinen anzuschaffen. Auch dann nicht, wenn es diese gegeben hätte.
Hinzu kamen die Streitigkeiten um den besten Typ für eine
Bahnlinie,
die kaum mit anderen Strecken verglichen werden konnte. Muster für die
Lokomotiven gab es nicht und so musste man neu entwickeln.
Jedoch waren die Probleme bei der
Gotthardbahn
noch grösser. Gestritten wurde um die Bauform. Sollten die Lokomotiven die Vorräte buckeln, oder einen separaten Kohlenwagen mitführen. Jeder, der etwas zu sagen hatte, hatte seine Meinung und davon wollte er nicht abweichen.
Die Experten waren sich darin einig, dass man uneinig war. Die
Folge waren
Lokomotiven, die man durchaus als universell einsetzbare
Maschinen bezeichnen konnte. Die aber kaum an den Gotthard passten.
Mit der Betriebsaufnahme zeigten sich dann die ersten Probleme.
Die beschafften
Lokomotiven konnten dem Ansturm schlicht nicht mehr gerecht
werden. Kaum stand die Strecke bereit, standen auch schon die ersten Züge
an den Grenzen. Alle und ich meine wirklich alle, wollten den Gotthard
benutzen. Die
Bahngesellschaft
hatte aber nur bescheidene Mittel zur Verfügung und so fehlte es schlicht
an den Lokomotiven.
Aus der Not heraus wurden weitere Maschinen der vorhandenen
Baureihen beschafft und so die Triebfahrzeuge dem immer umfangreicheren
Verkehr angepasst. An neue Typen konnte man schlicht nicht denken, denn zu
schnell benötigte man die neuen Maschinen auf dem Netz. Es waren
funktionierende Maschinen, daher bestellte man diese immer wieder und
vergrösserte so den Bestand immer mehr.
Zudem genügte die
Infrastruktur
schlicht nicht. Daher flossen die Gelder zuerst in den Ausbau der Strecke.
Der Betrieb musste daher hinten anstehen. Man benötigte Platz um die Züge
führen zu können. Erst dann konnte man sich um neue
Lokomotiven bemühen. Diesen Effekt kannte man bisher bei keiner
Bahnlinie
in der Schweiz. Die
Gotthardbahn
stellte daher schnell neue Massstäbe an die wirtschaftliche
Betriebsführung.
Die grösseren Lasten wurden mit mehreren
Lokomotiven geführt. Ein Problem, das man mitnehmen musste,
weil man sich schlicht nicht anders zu helfen wusste. Die Entscheidungen
der Leute vor der Eröffnung konnte man schlicht als falsch bezeichnen,
denn nur sehr wenige Typen passten wirklich auf die Strecke am Gotthard.
Nur, wer sollte ihnen das zum Vorwurf machen, man konnte doch nicht
erwarten, dass die Strecke gestürmt würde.
Dort kamen die langsamen aber kräftigen Ma-schinen zum Einsatz. Insbesondere die Typen C und D konnten sich bei der Gotthardbahn sehr gut in Szene setzen.
Immer mehr von diesen
Lokomotiven kamen daher in den Bestand, so dass deren Anzahl
mit 33 und 36 Stück durchaus sehr umfangreich wurde. Bei den Güterzügen stand nicht die Geschwindigkeit im Vordergrund. Die immer schwerer werdenden Züge konnten mit mehreren Lokomotiven befördert werden.
Gerade der mit
Lokomotiven der Baureihe C eingeführte
Schiebedienst
zeigte, dass man damit durchaus schwere Züge den Berg hoch brachte. Zwar
fuhr man gemütlich, aber es ging und das war letztlich wichtig. Wie lange
das dauerte war damals noch nebensächlich.
So ein schwerer Zug wurde meistens mit jeweils einer Maschine der
Baureihen D und C bespannt. Hinten schob dann noch eine weitere
Lokomotive der Baureihe C. Das Gewicht des Zuges stieg dabei
ohne Lokomotiven auf bis zu 410 Tonnen an. Damals waren das gigantische
Züge, die da den Gotthard hoch geschleppt wurden. Solche Bespannungen mit
drei Lokomotiven verteilt im Zug, waren neu und wurden eigentlich nur am
Gotthard benötigt.
Damit waren von den
Lokomotiven der Reihe C zwei Maschinen eingespannt worden.
Diese hätten auch vor den
Reisezügen auf der
Bergstrecke
Verwendung gefunden. Notfalls ersetzte man die hintere Lokomotive durch
eine der Reihe D. Das war zwar nicht effizient, aber der Zug fuhr. Auf den
flachen Abschnitten reichte dann die Baureihe D durchaus um auch die
schweren Züge zu befördern.
Das Problem war der Berg und das wusste man in
Luzern.
Ein Blick auf die
Reisezüge zeigt jedoch ein anderes Bild. Die kleinen
beschafften
Tenderlokomotiven
der Baureihe B I waren für die immer länger werdenden Züge zu schwach
konstruiert worden. Immer wieder wurde auch auf den flachen Strecken eine
Maschine der Baureihe C eingesetzt. Dadurch waren die Züge aber langsam
unterwegs und konnten daher auch 1885 kaum als
Schnellzüge
bezeichnet werden.
Wobei die
Schnellzüge
nicht so regelmässig verkehrten. Vielmehr handelte es sich um zwei Züge.
Davon fuhren einer am Tag und ein zweiter in der Nacht. Der Zug am Tag
musste dabei in Göschenen einen Halt einlegen, so dass die Fahrt damit
acht Stunden und 20 Minuten betrug. Der Zug in der Nacht war wegen dem
fehlenden Mahl in Göschenen eine Stunde schneller von Luzern nach Chiasso
gefahren.
Diese
Expresszüge
benötigten auf der
Bergstrecke
ebenfalls zwei
Lokomotiven der Baureihe C. So gesehen, fehlte es überall an
der Lokomotive der Baureihe C. Daher überrascht es kaum, dass davon eine
grössere Stückzahl nachbestellt wurde und man diese Baureihe immer wieder
verbesserte. Nur so konnte man mit den Typen möglichst viele Züge auf der
ganzen Strecke abdecken. Nur, es war eine alte Konstruktion.
Als die Sturm- und Drangjahre endlich etwas vorbei waren, konnte
man sich bei der
Gotthardbahn
um neue Baureihen bemühen. Dabei war, wie könnte es am Gotthard auch
anders sein, der
Güterverkehr
zuerst an der Reihe. Mit einer neuen
Lokomotive für
Güterzüge
hätte man die etwas schnelleren Maschinen der Reihe C aus dem Güterverkehr
abziehen können. Dazu sah man die zweite Lokomotive an der Spitze als
ideal an. Die „Neue“ musste einfach mehr ziehen können.
Dazu hatte man nun das Geld und daher konnte man sich eine wirklich gigan-tische Lokomotive leisten.
Die D6 sollte in der Lage sein, die schwersten Züge alleine die
Rampen hoch zu schleppen. Damit hätte man weniger
Vorspannlokomotiven
benötigt. Die Folge dieser Anforderungen war sicherlich die grosse und schwere Lokomotive nach Bauart Mallet, die mit der Bezeichnung D6 versehen wurde und die sechs Triebachsen hatte.
Die Maschine konnte wegen
eines konstruktiven Mangels nie richtig überzeugen. Der zu klein geratene
Kessel
war schlicht mit den vier
Dampfmaschinen
überfordert. Mit
Tender
und grösserem Kessel, hätte daraus eventuell eine gute
Lokomotive werden können.
Daher oblag im
Güterverkehr
die Hauptlast den Baureihen C und D, die neu als C3t und D4t bezeichnet
wurden. Freigestellt wurde damit keine Maschine. Nur bedingt konnte man
zumindest die Reihe C3t in den steilen Rampen auch für schwere
Reisezüge benutzen. Sie waren einfach sehr langsam
unterwegs. Der Spruch "Das pflücken der Blumen während der Fahrt ist
verboten" hatte seine Berechtigung. Das passte schlicht nicht zur
erfolgreichen
Gotthardbahn.
Die Reisenden erwarteten schlicht einen etwas schneller fahrenden
Zug. Langsame Züge waren nur noch etwas für
Nebenbahnen,
aber nicht für eine internationale
Hauptstrecke.
In Europa ging auf solchen Strecken schlicht die Post ab. Immer schneller
wurden die Züge. Schnell war die Marke von 100 km/h erreicht. Am Gotthard
war man froh, wenn es etwas mehr als 30 km/h war. Kein Vergleich zu den
Maschinen der Bahnen im Ausland.
Das Problem war hingegen, dass es am Gotthard auch bei den
Reisezügen keine leichten Züge mehr gab.
Daher waren diese
Lokomotiven der ersten Stunde schon nach wenigen Jahren
überfordert. Wenn wir uns einen internationalen Schnellzug ansehen, dann fällt als ersten auf, dass man kaum von schnell reden konnte. Der Zug kroch nach Luzern mit gemächlichem Tempo nach Erstfeld. Dort
wurde er verstärkt und nahm es den Berg hoch noch gemütlicher. In
Göschenen war man mit dem Zug bereits so lange unterwegs, dass man einen
längeren Halt zur Verpflegung einplanen musste. Der Suppenhalt wurde daher
weltberühmt.
Damit konnte man nach zehn Jahren auch auf der
Gotthardbahn
keinen Blumentopf mehr gewinnen. Die Züge mussten beschleunigt werden. Ein
Schnellzug
sollte schnell fahren und mit mehr
Leistung
hätte man Göschenen eher erreicht, zudem hätte man den Zügen einen
Speisewagen
mitgeben können. Dadurch war man viel schneller in Mailand. Man hatte
daher erstmals eine konkrete Idee bei der Gotthardbahn.
Mit der zweiten Generation Dampflokomotiven für die
Gotthardbahn
wollte man den Fehler bei den
Reisezügen bereinigen. Die Gotthardbahn hatte
sich von einer maroden
Bahngesellschaft
zu einem Vorzeigeunternehmen mit hervorragenden Arbeitsbedingungen
entwickelt. Neue Konstruktionen konnte man sich problemlos leisten, denn
jetzt flossen die Gelder und man musste diese investieren, wollte man
keine zu grossen Gewinne abwerfen.
Daher standen nach dem Fehlschlag im
Güterverkehr
die Verbesserungen bei den
Reisezügen auf dem Programm. Dort waren die
Lokomotiven der ersten Stunde schlicht überfordert. Sie waren
zu schwach, zu langsam und bereits nach wenigen Jahren stark beansprucht.
Daher musste man sich an die Beschaffung einer neuen Lokomotive für
schnelle Reisezüge machen. Nach wenigen Jahren drängte bereits die Zeit.
Die
Bergbahn
über den Gotthard stellte daher schon sehr früh spezielle Ansprüche an die
Lokomotiven und deren
Leistung.
Vergleichbare Unternehmen gab es in Europa schlicht nicht mehr. Zwar
kannte man schnell fahrende Lokomotiven bereits, aber die konnten mit der
Zugkraft
schlicht nicht am Gotthard eingesetzt werden. Geschwindigkeiten von über
100 km/h strebte man so oder so nicht an. Etwas gemütlicher durfte es
schon sein.
Hilfe der anderen Bahnen in der Schweiz konnte man nicht
beanspruchen, denn diese hatten diese Probleme nicht, denn dort gab es
kaum solche steilen
Rampen
zu erklimmen, wie am Gotthard. Zudem hatten die keine
Lokomotiven, die mit bis zu 90 km/h verkehren konnten.
Das war damals bei der
Gotthardbahn
jedoch eine erstrebenswerte Geschwindigkeit. Gerade im Tessin konnte man
zwischen Biasca und Bellinzona diese Geschwindigkeit erreichen.
Die neuen Maschinen fuhren 1890 planmässig mit 90 km/h. Damit waren es schlicht die schnellsten Lokomotiven im Land und erregten daher auch das entsprechende Aufsehen.
Das blaue Band gehörte in diesen Jahren an den Gotthard. Die
Maschine zeigte sogar, dass sie auch noch schneller fahren konnte. Eigentlich wäre die ideale Maschine nach Bauart Mallet schon vorhanden gewesen. Diese mit etwas grösseren Triebachsen versehen und ein passender Kessel hätte mit einem Tender vermutlich eine gigantische Lokomotive bedeutet.
Mit führender
Laufachse
hätte so eine
Lokomotive durchaus die Ränge an der Spitze der Welt
durchmischt. Nur, der Schock mit der D6 sass tief und so suchte man
verzweifelt nach anderen Lösungen.
Nur als Spielerei wollen wir so eine
Lokomotive aufbauen. Die
Achsfolge
müssten wir mit (1C) C1 angeben. Die rückwärtige
Laufachse
hätte letztlich den grossen
Kessel
erlaubt. Mit
Tender
versehen, wäre die Lokomotive schlicht zu lange für jede Drehscheibe
geworden. Mit 90 km/h und einer
Leistung
von nahezu 2 000 PS hätte diese Maschine schlicht alle Rekorde gesprengt.
Doch lassen wir die Spielerei und die Phantasien an eine nie verwirklichte
Baureihe.
Die Gesellschaft der
Gotthardbahn
sah daher nach zehn Jahren Betrieb bei den
Reisezügen grossen Handlungsbedarf.
Klar war, dass man die bisherige Idee, die Reisezüge mit leichten
Tenderlokomotiven
zu führen, nicht mehr länger halten konnte. Diese
Lokomotiven, die selbst im
Flachland kaum mehr verwendet wurden, waren für eine
Bergstrecke
völlig ungeeignet, denn die
Schnellzüge
sollten fahren und nicht ständig Wasser fassen.
Die neuen schnellen
Expresszüge,
die durch halb Europa rasten, machten auch vor dem Gotthard nicht halt.
Die schnelle
Verbindung
durch die Schweiz war sehr beliebt. Nur, diese Züge sollten lange Strecken
ohne Halt zurücklegen und da war mit den
Tenderlokomotiven
kaum etwas zu erreichen. Diese
Schnellzüge
verlangten nach grossen
Lokomotiven mit den entsprechenden Vorräten, was nur mit
separatem
Tender
zu erreichen war.
Doch diese
Lokomotive war für den Gotthard schlicht zu schwach und
hätte gegenüber den bisherigen
A2 kaum eine Steigerung der
Leistung
gebracht. Die Stellung von
Vorspannlokomotiven
hätte man nicht verhindern können. Die Lokomotive für den neuen Express am Gotthard sollte auch in den Steigungen eine Geschwindigkeit von etwa 40 km/h erreichen und sie sollte den Express möglichst ohne Hilfe von zusätzlichen Lokomotiven führen können.
Das bedeutete aber, dass die
Schnellzugs-lokomotiven
mit 120 bis 150 Tonnen alleine klar kommen musste. Nur so konnte man
verhindern, dass eine der langsamen Güterlokomotiven vorgespannt werden
musste.
Es musste also eine um eine
Triebachse
vergrösserte A2t her. So hätte man eine passende
Lokomotive gehabt. Jedoch waren Dampflokomotiven mit
drei Triebachsen im Jahr 1890 selten und in den meisten Fällen nicht sehr
schnell.
Schnellzüge
in Europa wurden damals mit zwei Triebachsen befördert. Am Gotthard
reichten diese, wie man nach wenigen Jahren bereits wusste, schlicht nicht
mehr aus.
So eine
Lokomotive gab es jedoch in der Schweiz schlicht noch
nicht. Die verlangte
Leistung
war nur mit drei
Triebachsen
zu erreichen. Daher war klar, die erste echte
Schnellzugslokomotive
der
Gotthardbahn
sollte drei Triebachsen haben, einen grossen
Kessel
besitzen und dabei durchaus auch 90 km/h erreichen. Mit einem
Tender
versehen, bedeutete das, dass diese Maschine notgedrungen als A3t
bezeichnet werden sollte.
Zwar gab es solche
Lokomotiven bei anderen Bahnen bereits, aber diese
Lokomotiven hatten zu kleine
Zylinder
und
Kessel,
was bei einer Dampflokomotive auch betrachtet werden musste. Die
Gotthardbahn
hatte ja bereits Erfahrungen mit einer falsch kombinierten Lokomotive
gemacht und war daher in dieser Beziehung vorsichtiger geworden. Die neue
Maschine war also schwerer zu bauen und man kam nicht um eine neu
konstruierte Maschine herum.
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