CH-Nummern ab 2008

In der Schweiz gab es zudem ein weiteres Problem mit der Bezeichnung. Immer mehr Fahrzeuge wechselten ihren Besitzer und mussten danach umbezeichnet werden. So kam plötzlich eine Lokomotive der schweizerischen Bundesbahnen SBB zur BLS oder ein Nahverkehrszug von einer kleinen Bahngesellschaft zur anderen. Die Baureihen wurden daher wild durchmischt. Man hatte zwar eine Regelung für das Problem eingeführt, die so aber kaum umzusetzen war. Ich nehme hier einmal ein Beispiel.

Die Re 420 der schweizerischen Bundesbahnen SBB, die zur BLS wechselten, sollten dort zuerst zu Re 425 umgezeichnet werden. Das entsprach den geltenden Normen, aber leider war diese Bezeichnung bereits vergeben. Deshalb beabsichtigte man bei der BLS die ehemaligen SBB Maschinen zu Re 425’00x werden zu lassen. Grundsätzlich blieb aber das Problem, denn die Re 425’00x wäre von der Bezeichnung her plötzlich näher zur bestehenden BLS Lokomotive verwandt gewesen, als zu den Schwestern bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB.

Das BAV intervenierte daraufhin und verlangte, die Bezeichnung der Lokomotive müsse zu Re 420’5xx geändert werden. So war klar, dass die Lokomotive einer Maschine der schweizerischen Bundesbahnen SBB entsprach und so der Typ genau zugeordnet werden konnte.

Nur, stellt sich jetzt die Frage, ob dann die als Re 436 geführten Re 4/4 III der Crossrail, nicht auch zu Re 430‘6xx geändert hätten werden müssen. Denn die Re 436 entsprach der Re 430.

Daher wurde veranlasst, dass das System der Schweiz neu überarbeitet werden sollte. Eine Logik im System für die Bezeichnung wurde gewünscht. So wurden die Diskussionen um ein neues System angeregt.

In diesen Diskussionen schien sich jedoch jeder einzubringen, der von sich überzeugt war und der natürlich als einziger die Patentlösung hatte. Somit war klar, es wird wohl eine Zeit dauern, bis endlich eine Lösung zu erwarten sein würde.

Die Lösung, die daraus entstand, verwunderte selbst Fachkreise. In der Schweiz gilt eigentlich nur noch, dass ein Fahrzeug genau identifiziert werden muss.

Ob das nun Buchstaben, Zahlen oder andere Merkmale sind, ist nicht wichtig. Wie, Sie verstehen das nicht ganz? Da gehören Sie einer grossen Gruppe an. Doch ich will Sie nicht enttäuschen, und bringe ein Beispiel. Auch wenn das vermutlich die Fragezeichen nicht entfernen wird.

Meine Wahl fiel dabei auf eine Lokomotive der schweizerischen Bundesbahnen SBB. Ich hätte jedoch auch eine baugleiche Lokomotive der BLS nehmen können. Sie kennen diese Lokomotive vielleicht schon, sie trägt die Nummer 482’024-7. Die schweizerischen Bundesbahnen SBB gaben ihr diese Nummer, aber genau genommen wurde die Lokomotive zur Re 482’024-7. Wie diese Maschine in Zukunft in der Schweiz genannt werden dürfte, zeigt sich an der kurzen Auflistung:

Bisher:         Re 482‘024-7

Alt:              Re 4/4 XIII 10‘724

UIC:             91 85 4 482 024-7

Hersteller:   TRAXX F140 AC

Soweit meine kleine Liste. Nur, wer sich bei TRAXX F140 AC eine Re 482 der SBB vorstellt, hat vermutlich vergessen, dass es auch eine BR 185 oder eine Re 485 sein könnte. Der Phantasie sind hier sicherlich keine Grenzen mehr gesetzt. Auf jeden Fall können wir uns auf wunderbare Bezeichnungen freuen, denn irgendwann, wird es ein Genie schaffen, seinen eigenen Namen zur Baureihe werden zu lassen. Was jedoch einheitlich geregelt war, war die Einführung der UIC-Nummern.

Wir wollen eines den Verantwortlichen gutschreiben, denn es macht tatsächlich schnell Sinn, wenn man die Lokomotive als TRAXX F140 AC bezeichnet, denn sie ist klar zu erkennen, egal ob sie nun der DB, den schweizerischen Bundesbahnen SBB oder der BLS gehört. Es ist eine Lokomotive, die klar zu unterscheiden ist. Nur, die Lokomotive ist hingegen nicht mit der TRAXX F140 MS verwandt. Zumindest lässt einen das die Bezeichnung vermuten. So klar war das doch wieder nicht gelöst worden.

Es ist, wie es immer war, auch das ausgeklügeltste Bezeichnungssystem hat seine Schwachstellen, das war 1902 schon so, und wird sich vermutlich nicht so schnell ändern. Die Zukunft wird vermutlich ein noch besseres und noch genaueres System entwickeln, das dann durch den Ideenreichtum der Nutzer schnell wieder fehlerhaft sein wird. Waren es 1920 noch die elektrischen Lokomotiven, ist es nun die Vielfalt der Möglichkeiten, die es bei den Lokomotiven gibt.

Nun, eines werden Sie vermutlich nicht so schnell fürchten müssen, denn die Bezeichnung mit Buchstaben ist in den elektronischen Systemen nicht einfach zu handhaben. Erst recht dann, wenn diese Systeme auf Zahlen basieren. So wird es in absehbarer Zukunft immer Nummern geben und das wird wohl die Nummer nach UIC sein. Für uns gilt es einfach zu wissen, es kann alles verwendet werden, das Fahrzeug muss nur einfach klar einem Bautyp zugeordnet werden können.

Zum Schluss noch an Sie, haben Sie sich noch nie dabei ertappt, wie Sie genau das System vom BAV benutzten? Nicht? Das glaube ich Ihnen nun nicht, denn wenn wir ehrlich sind, arbeiten wir schon lange mit Buchstaben. Wir sprechen vom NPZ, vom ICN und lassen uns auf Wortspiele wie Flirt, Nina oder Komet ein. Fahrzeuge, die fachlich nicht so bezeichnet wurden, aber im Volk und auch in der Fachwelt der Inbegriff dieses Fahrzeuges ist. Wer nimmt es uns übel, denn Bezeichnungen wie RABe, RBDe oder gar RABDe sind schwer zum lesen, da lässt man sich schnell im ICN auf einen Flirt mit Nina ein.

Wir haben nun die Bezeichnungen der Lokomotiven kennen gelernt. Auf der folgenden Seite wird die Bezeichnung der Wagen zum Thema werden. Dort gibt es schon lange eine internationale Lösung, die sogar immer noch funktioniert. Auch wenn man dabei eigentlich auf eine echte Typenbezeichnung für die Wagen verzichtete. Daher sollten sie nicht mehr lange warten und gleich zu den Wagen wechseln.

 

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