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Die Versuchsstrecke |
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Im Vorfeld der Eröffnung
machten sich die Fachleute Gedanken um den späteren Betrieb im
Simplontunnel. Durch den frühen Verzicht auf die zweite Röhre und damit
verbunden der Bau einer Tunnelstation, führten zu anderen Verhältnissen.
Die bei der Planung im Hinblick auf die Erfahrungen am Gotthard geplanten
Massnahmen konnten nicht nach der Planung arbeiten, denn diese sah Züge in
gleicher Richtung vor.
Entweichen konnte sie nur, wenn der
Druck über den Richtstollen abgebaut wurde. Das konnte aber nicht so gut
erfolgen, also strömte mehr Luft am Zug vorbei und die frische Luft wurde
mit Rauch und Dampf durchsetzt. Nach der Kreuzung änderte sich die Situation. Die Züge zogen nun die Luft von der Station mit nach draussen. Mit anderen Worten, die mit Dampf und Rauch durchsetzte Luft gelangte wieder in die Tunnelröhre.
Daher wurde der Rauch nur noch
schlecht abgeführt und der
Tunnel sorgte selber noch dafür, dass sich der
Dampf nur sehr schlecht auflösen konnte. Im feuchten Tunnel herrschten
28°C und daher war es schwül warm im Simp-lontunnel. Die künstliche Belüftung konnte nur wirksam werden, wenn die beiden Züge den Tunnel verlassen hatten. Das war jedoch nur eine kurze Zeit, denn die nächsten Züge standen vor den Portalen bereits wieder bereit.
Wirklich niemand konnte sich daher
vorstellen, wie dieser
Tunnel mit Dampf-lokomotiven zu befahren sei. Auch
ohne die Erkenntnisse wegen dem gefähr-lichen
Kohlenmonoxyd, sah man das
Problem. Der Nebel verhinderte die Sicht auf Signale.
Speziell war aber die neu
geschaffene Tunnelstation. Diese besass
Weichen und Signale und die
mussten bedient werden. Aus diesem Grund war es vorgesehen, dass die
Station mitten im Simplon dauerhaft mit Personal besetzt werden musste.
Wohl eine Arbeit, die den nicht so angesehenen Mitarbeitern übertragen
werden könnte. Aber das war nur ein kleiner Punkt, denn die Arbeit wäre
ausgesprochen gefährlich gewesen.
Die schlechte Verbrennung produzierte
mehr
Koh-lenmonoxyd und diese wurde nun zum Personal in der Mitte des
Tunnels gepresst. Hätte man damals das Unglück im Rickentunnel bereits
gekannt, wäre das schlicht Mord gewesen. Die Dampftraktion war daher nicht ratsam. Man musste andere Lösungen finden und das waren elektrische Lokomotiven. Diese gab es, aber so richtig geeignet waren sie nicht.
Gleichstrom wäre wegen dem langen
Tunnel nicht ratsam gewesen und die
neuen Modelle für
Wechselstrom bockten im Raum Seebach mehr, als dass sie
wirklich fuhren. Das Problem waren die
Telegrafen und die neuen
Fahrmotoren, die auch nicht optimal waren. Gerade die Versuche der MFO im Raum Seebach bleiben nicht ungesehen. Dabei schauten nicht alle mit freudigen Augen auf den Betrieb.
Die in Baden ansässige Firma Brown Boveri
und Co war auch im elektrischen Sektor tätig und man musste zusehen, dass
man auch im Bereich der Bahnen Fuss fassen konnte. Erste Netze mit
Drehstrom waren entstanden und nun fehlte eigentlich nur noch eine
passende
Versuchsstrecke.
Als man bei der BBC von den
erwarteten Problemen im Simplontunnel hörte, sah man eine Lösung. Die MFO
war seinerzeit mit der Idee bei der
Gotthardbahn gescheitert, jetzt könnte
man sich ja bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB darum bemühen. Diese
waren ja schon bei den Anlagen in Seebach der neuen Technik wohlwollend
gegenüber gestanden. Daher wurde in Baden ein Schriftstück zu Händen der
Staatsbahnen erstellt.
Mit anderen
Worten, die Schweizerischen Bundesbahnen SBB sollten durch den Aufbau
keine Kosten tragen. Das war ähnlich, wie dies schon bei der MFO zwischen
See-bach und Wettingen erfolgt war. Als Entschädigung wäre der Fahrdienst übernommen worden. Dieser wäre durch die Staatsbahnen ausgeführt worden. Die BBC stellten dabei die Anlagen und die Lokomotiven mit dem Personal zur Verfügung.
Dieses hätte jedoch eingemietet werden
müssen. Es ist ja klar, die Investitionen wollte man sich auf irgend eine
Weise vergütet haben. Der Fahrdienst ist dabei eine will-kommene Lösung für
das Problem mit dem Geld.
Nach Abschluss der Versuche
würde die BBC die Anlagen wieder auf eigene Kosten abbauen. Im Gegensatz
zum Abschnitt Seebach – Wettingen, wo der Rückbau auch erfolgte, wurden
die Anlagen der BBC von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB übernommen.
Doch bis das erfolgen konnte, sollte es noch ein paar Jahre dauern, denn
wir haben erst ein Angebot der Firma BBC und dieses könnte immer noch
abgelehnt werden.
Zur Situation in Seebach muss
noch erwähnt werden, dass dort die Anlagen von den
Staatsbahnen sicher
übernommen worden wären. Aber der
Versuchsbetrieb zwischen Spiez und
Frutigen machten sie überflüssig und daher erfolgte der Rückbau vor dem
Entscheid der Schweizerischen Bundesbahnen, die so die Strecke auf eigene
Rechnung mit einer
Fahrleitung versehen musste. Nun aber musste man in
Bern das Angebot der BBC prüfen.
Mit solchen Angeboten konnte man
leicht abklären, ob sich ein System bewährt und so einen richtigen
Entscheid treffen. Was nicht klappt, wird dann einfach wieder auf Kosten
des Herstellers abgebaut. Besser geht es kaum mehr. Wie in solchen Fällen üblich, wurde die betroffene Kreisdirektion nicht übergangen und darüber informiert. Schon nach kurzer Zeit, wurde jedoch von Kreis I ein Widerspruch eingelegt.
Dieser kam so schnell, dass man sich fragen will,
ob das Dossier wirklich geprüft wurde. Vielmehr kann angenommen werden,
dass man von diesem Teufelszeug gehört hatte und so diesem grundsätzlich
kritisch gegenüber stand.
In Lausanne fürchtete man sich
um die Vorräte beim Wasser. Diese könnte im eher trockenen Kanton Wallis
ein Problem darstellen, denn wird dieses für die Erzeugung von
Strom
genutzt, kann es danach nicht mehr in die Dampflokomotiven eingefüllt
werden. Was wir heute wissen, kann nicht mit den Ängsten von damals
verglichen werden. Man wusste, dass man Wasser für die Erzeugung
benötigte, nicht aber, dass man dieses danach nutzen kann.
Der zweimalige
Lokwechsel in
Brig und Iselle wäre für den Betrieb hinderlich. Ein Lokwechsel würde viel
Zeit beanspruchen, die man einplanen müsste. Längere
Fahrzeiten sind die
Folge. Jedoch musste in Brig die
Lokomotive so oder so gewechselt werden,
denn die Vorräte hätten sonst in Italien befüllt werden müssen. Damit war
eigentlich klar, dass einmal die Lokomotive gewechselt werden muss, nun
aber ein zweites Mal dazu kam.
Damals wusste man noch nicht so
genau über die gefährlichen
Gase im Rauch bescheid. An Kopf-schmerzen
stirbt man nicht. In dem Fall jedoch schon und das wissen wir heute, wo
niemand mehr so ein Todeskommando losschicken würde. Der Einspruch wurde von der Generaldirektion in Bern geprüft. Dort war man der neuen Technik freundlicher gesinnt. Daher wurden die Einwände aus Lausanne nach intensiver Prüfung abgelehnt.
Die Vorräte beim Wasser würden reichen, der
Wechsel der
Lokomotive könnte mit einer schnel-leren Fahrt im
Tunnel
aufgefangen werden. Auch jetzt wurde das Personal nicht erwähnt. Dieses
hät-te man in den sicheren Tod geschickt.
Wenn wir etwas ketzerisch sein
wollen. Der
Dampf-betrieb im Simplon hätte den neun Menschen 1926 im
Rickentunnel das Leben gerettet. Wie viele Opfer beim Personal der Betrieb
im Simplontunnel gefordert hätte, kann nicht beziffert werden. Zum Glück
müssen wir das auch nicht, denn nun war es klar, der Simplontunnel sollte
mit neuen
Lokomotiven befahren werden. Diese sollten mit
Drehstrom
betrieben werden und die BBC war verantwortlich.
Der ausgearbeitete Vertrag war
ein umfangreiches Gebilde. In dem Fall wurden aber auch die Anforderungen
der Schweizerischen Bundesbahnen SBB benannt. Jeden Punkt des Vertrages
wollen wir uns jedoch nicht ansehen. Daher werden nur ein paar wichtige
Bereiche vorgestellt. Wir blicken in den Vertrag, der in gewissen
Bereichen durchaus mit einem
Pflichtenheft verglichen werden konnte.
Dieses gab es jedoch nicht.
Dabei wurden in diesem Teil jedoch die
Anforderungen an die Fahrzeuge festgelegt. Diese sollte ein
Traktionsprogramm fahren, denn es sollten ja planmässige Züge elektrisch
geführt werden und das verlangt nach einem
Fahrplan für die Regelung. Für den Abschnitt von Brig nach Iselle wurde die Steigung bis zu Mitte des Tunnels genommen. Bei den Reisezügen sollte mit 68 km/h gefahren werden und diese sollten dabei rund 300 Tonnen schwer sein.
Eine durchschnittliche Angabe, die aus dem Betrieb
mit Dampf-lokomotiven genommen wurde. Auch wenn diese oft deutlich
schneller fahren konnten, der Durchschnitt war überraschend tief und nun
wurde dieser benannt.
Ähnlich war das bei den
Güterzügen. Diese sollte bei einem Gewicht von 400 Tonnen eine
Geschwindigkeit von 34 km/h erreichen. Auch hier war es ein Durchschnitt.
Diese Züge waren damals noch handgebremst und kaum schneller als 40 km/h.
Da aber nicht so oft angehalten werden musste, sank der Durchschnitt nicht
so stark, wie bei den
Reisezügen. Ein Effekt, der auch heute noch seine
Gültigkeit hat, denn mit jedem Halt geht viel Zeit verloren.
Bei der anderen Fahrrichtung
galten etwas höhere Steigungen. Daher wurde für alle Züge eine
Geschwindigkeit von 34 km/h angenommen. Dabei galt diese jedoch bei den
Reisezügen nur bis zur Tunnelmitte. Das Gefälle sollte somit schneller
befahren werden. Die mitgeführten Lasten wurden jedoch nicht verändert und
blieben daher bei 300, beziehungsweise bei 400 Tonnen. Für eine
Dampflokomotive wäre es ein knackiges Programm.
Somit war also klar, dass der Fahrplan vorsah, dass sich die Züge in der Tunnelmitte begeg-nen sollten. Dazu war ja die Station gebaut worden.
Es war jedoch nicht vorge-sehen, dass sich ein Zug in der
Steigung befand, wenn zwei losfahren würden. Wegen der einspurigen
Bauweise war das schlicht nicht möglich. Artikel 2 Absatz 5: Im Artikel zwei ging es um die Lokomo-tiven und deren Ausrüstung.
Hier
wollen wir nicht jeden Punkt aufzählen, denn diese waren oft nur
allgemeine Hinweise. Jedoch wird es spannend, wenn wir uns dem Absatz fünf
zuwenden, denn dort wurde niedergeschrieben, dass die
Lokomotiven mit
einer Doppelbremse nach
Westinghouse versehen sein müssen. Spannend war
das, weil damals noch nicht alle Züge damit verkehrten.
Neben der Bremsausrüstung war
aber auch erwähnt worden, dass für den Betrieb im Simplontunnel von der
BBC mindestens fünf
Lokomotiven gestellt werden mussten. Das war der
grosse Unterschied zu Anlage in Seebach, denn dort waren keine solchen
Angaben gemacht worden. Hier sollte jedoch nicht eine
Nebenbahn, sondern
eine
Hauptstrecke ausrüstet werden. Zudem hatten die Schweizerischen
Bundesbahnen SBB genaue Vorstellungen.
Von den fünf
Lokomotiven
verkehren zwei im
Tunnel. Diese ergaben sich auch aus dem
Traktionsprogramm im ersten Artikel. Mit zwei weiteren Lokomotiven
bespannt sein sollten die vor dem Tunnel wartenden Züge. Diese sollten
losfahren, wenn jene aus dem Tunnel angekommen waren. Zu diesen vier
Lokomotiven wurde dann noch eine Maschine gerechnet, die als Reserve und
für den regelmässigen Unterhalt vorgesehen war.
Daneben noch Möglichkeiten um die
Lokomotive umzusetzen und für
die Fahrten in den Unterhalt. Eine vollständige Ausrüstung war daher weder
vor-gesehen, noch wurde diese erlaubt. Der im Bahnhof Brig anstehende Rangierdienst wur-de jedoch nicht mit den neuen Lokomotiven ausge-führt. Diesen besorgten die Schweizerischen Bun-desbahnen SBB mit den vorhandenen Dampflokomo-tiven.
Daher war klar, die Anlagen für den
Versuchs-betrieb
sollten so gering wie nur möglich ausfallen. Das war in Seebach nicht
anders, nur waren dort die Anlagen nicht so umfangreich, wie das in Brig
der Fall war.
Auch wenn die
Staatsbahnen den
Versuchen offen gegenüber standen. Hier war klar zu erkennen, dass man
nicht zu viel will. Das was benötigt wird, darf gebaut werden, den Rest
übernehmen wir und auch die Ausstattung der Anlagen sollte nicht verändert
werden. Auch wenn später die Ausrüstung massiv erweitert wurde, im Vertrag
war diese
Option schlicht nicht vorhanden. Dafür gab es aber eine andere
sehr spannende Idee.
Artikel 15:
Im Auftrag der Schweizerischen Bundesbahnen SBB musste die Firma BBC ein
Angebot einreichen. Diese betraf nicht direkt die
Staatsbahnen, denn im
Vertrag wurde vorgesehen, dass auch die Strecke zwischen Iselle und
Domodossola mit dem
Drehstrom versehen werden sollte. Das Angebot musste
aber an die FS gerichtet werden, denn diese war für die Strecke
verantwortlich. Ob und wie das erfolgte, ist nicht bekannt.
Neben den
Versuchen mit
Wechselstrom bei Seebach, wur-den nun die Versuche im Simplon
mit
Drehstrom beschlos-sen. Doch noch fehlt uns ein wichtiger Punkt, denn
der Start war wichtig. Im Vertrag wurde die Aufnahme des Betriebes auf den 01. Mai 1906 festgelegt. Das waren nicht einmal sechs Mona-te, die für den Bau der Kraftwerke, der Anlagen und der Lokomotiven zu Verfügung stand.
Alleine der Bau der
Lokomotiven benötigte
diese Zeit, denn noch waren die Werke nicht so gut ausgebaut, wie das
heute der Fall ist. Es versteht sich, dass dieses Datum schlicht nicht
gehalten werden konnte, denn das war knapp.
Begonnen hatte der
Versuchsbetrieb mit
Drehstrom im Simplontunnel effektiv am 01. Juni 1906.
Trotz der kurzen Zeit, gelang es der BBC die Anlagen und die
Lokomotiven
mit nur einem Monat Verzögerung bereit zu stellen. Wobei die Anzahl
Maschinen nicht vorhanden waren. Aber auch dann, war der zeitliche Rahmen
knapp und nur einen Monat zu spät, kann wirklich als hervorragende
Leistung der beteiligten Stellen angesehen werden.
Es bleibt noch zu erwähnen,
dass die Anlagen von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB nach Abschluss
der Versuche übernommen wurden. Pech bei der ganzen Sache war, dass sich
die Lötschbergbahn für das System MFO entschieden hatte und so die Ideen
der BBC nicht mehr aktuell waren. Gewonnen hatte der
Wechselstrom, doch
wir sollten uns nun die Anlagen bei
Drehstrom etwas genauer ansehen, denn
diese waren auch spannend.
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