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Verkauf nach Kanada |
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Die betriebliche Geschichte der
Triebzüge
endete im Jahre 1974. Entweder passten sie nicht mehr zum Erfolg, man
wollte sie nicht auf einer Strecke, oder aber die neue
Fahrleitung
erlaubte elektrische Züge. Nach einem Einsatz von 15 Jahren war dann
Schluss. Ein Auto schmeisst man nach dieser Zeit auf den Schrott. Ein Zug
ist nach dieser Zeit gerade so richtig eingelaufen und ein Abbruch wäre
nicht der richtige Weg gewesen.
Auf
Nebenbahnen
wirkte ein
TEE-Zug
nicht gerade am richtigen Ort. Die nun 17 Jahre alten Züge soll-ten daher
verkauft werden. Eine extrem seltene Sache, denn selten gab es so gut
erhaltende Occa-sionen bei den Bahnen. Per Inserat wurden die vier Triebzüge international zum Verkauf angeboten. Danach hiess es dann warten. Es mag überraschen, aber die Nachfrage war nicht gerade berauschend. Einige Interessenten sprangen ab, als der Preis ge-nannt wurde und wieder andere sprangen ab, bevor es zu ersten ernsten Kontakten kam.
Dabei wurden immer wieder Sorgen geltend ge-macht, die angeblich
nicht gelöst werden konnten. Einige sehen wir uns an.
Der Verkauf nach Dänemark scheiterte wegen den
Kupplungen.
Nicht jene im Zug sah man als Problem, sondern die automatische
Scharfenbergkupplung.
Das Problem waren extreme Gefällsbrüche, die es in Dänemark gab. Besonders
wenn der Zug auf eine Fähre fuhr, mussten die
Gelenke
beweglich sein. Scheinbar war man nicht in der Lage die Kupplung zu
wechseln. Eine Arbeit von wenigen Stunden, aber eine gute Ausrede.
Für Interessenten, die sich auch ein Bild von den Zügen machen
wollten, wurden sowohl in der Schweiz, als auch in den Niederlanden,
Vorführfahrten durchgeführt. Dazu fuhren die Schweizerischen Bundesbahnen
SBB mit den internationalen Gästen von Zürich nach Romanshorn. Doch die
Bedenken konnten nicht ausgeräumt werden und dabei war die
Kupplung
noch eine der eleganteren Ausreden gewesen, denn man zog alle Register.
Der feine Wüstensand kommt in jede Ritze und wenn der durch Wind aufgewirbelt wird, wirkt er auf den Lack wie ein Gerät zum Sandstrahlen.
Auch hier war der Aufwand für die Käufer schlicht zu gross. Man
kann jedoch eher annehmen, dass es der Preis war, denn billig waren
TEE
nicht zu ha-ben. Auch nach Ägypten konnten die Triebzüge nicht verkauft werden. Im Land der Pharaonen gab es Probleme mit den Bahnsteigen. Die Trittbretter konnten mit den Kanten kollidieren. Es stellt sich hier die Farge, ob man bei der Anfrage nicht wusste, was das Lichtraumprofil nach UIC genau bedeutete.
Jedoch kann auch hier eher der Preis angenommen werden. Die beiden
Besitzer wollten die Einheiten nicht unter Wert verkaufen.
Grosses Interesse gab es aus Nordamerika. Es waren Bahnen, die mit
den Zügen in den USA fahren wollten. Das war kein Problem, denn die
Spurweite
stimmt und eine
Fahrleitung
wurde ja nicht benötigt. Hier war bei drei Vertretern das Interesse sehr
gross. nach der Vorführfahrt verlangte einer davon sogar noch eine
Demonstration der Beweglichkeit in den
Kurven.
Ein Punkt, der bei
Triebzügen
immer wieder für Probleme sorgte.
Um eine gute Demonstration zu erhalten, wurde in Zürich ein
Anschlussgleis
befahren. Dabei war es nicht nur ein Anschluss, denn es war jenes zur
Firma Intermill und das hatte nicht nur enge
Kurven.
Mit dem
Gleis
wird auch eine Hauptstrasse mit den Geleisen der
Strassenbahn
gekreuzt. Es ist schlicht das Anschlussgleis, das heute viele Touristen
erfreut, denn der schwere
Güterzug
mitten im Trendquartier ist eine Attraktion.
Dass der
TEE
die ganze Zeit auf der Strasse stand und für einen Stau sorgte, ist klar.
Nur eben, wer ein spezielles Bild will, muss sich das Hupkonzert gefallen
lassen. Der Zug zeigte, dass er ohne Schaden durch enge Kurven kommt. Nur zum Verkauf kam es nicht. Die Händler aus den USA machten sich Sorgen, wegen den Massen.
Wie in Mitteleuropa üblich, verwendeten die Hersteller metrische
Masse und Liter für die Füllmenge. In den USA arbeitete man jedoch mit
Zoll und Gallonen. Das dortige Personal konnte vermutlich nicht rechnen
und auch passendes Werkzeug gab es nicht, auch wenn dieses zum Zug
gehörte.
Es war wirklich ein hoffnungsloses Unterfangen. Die beiden
Staatsbahnen
begannen sich damit abzufinden, dass es wohl kein Weg gab, die Züge noch
zu retten. Doch bevor man den Schrotthändler des Vertrauens anruft, machte
man für eine Delegation der Ontario Northland Railway im Oktober 1975
weitere
Versuchsfahrten.
Danach stellte man sich auf die üblichen Ausreden ein. Auch Kanada kannte
damals die metrischen Masse noch nicht.
Ob die Ontario Northland Railway wirklich an den Zügen so
interessiert war, wie sie sagten, ist nicht klar. Das Geschäft, das
letztlich zu Stande kam, wurde nicht direkt über die Bahnen abgewickelt.
Hier hatten die Politiker die Hand im Spiel und wenn die etwas wollen,
dann können die Bahnen zusehen, wie sie das Chaos wieder in den Griff
bekommen. Entsprechende und äusserst zweifelhafte Erfahrungen hatten die
Schweizerischen Bundesbahnen SBB schon oft gemacht.
Vor Wahlen versprechen Politiker oft, dass man nach der Wahl im
Geld schwimmen kann. Sind sie dann gewählt, wollen sie davon nichts mehr
wissen. Unterschiede zwischen den Ländern gibt es nicht. In Kanada war das Problem jedoch, dass erneut Wahlen anstanden. Wollte man diese wieder gewinnen, musste endlich etwas bei den Bahnen gehen. Da die Zeit drängte, war ein Neubau von Fahrzeugen schlicht unmöglich.
So griffen die Politiker nach jedem Strohhalm. Die vier in Europa
erhältlichen Züge waren dafür gerade richtig. Daher wurde die Delegation
der ONR nach Europa ge-schickt. Das mit dem Wissen, dass die nichts
ausrichten können.
Das Geschäft konnte schliesslich erfolgreich angeschlossen werden.
Schon spannend, wie man das Problem mit den Masseinheiten lösen kann, wenn
es um Wahlen der Regierung geht. Die nun als Nothlander bezeichneten Züge
sollten zwischen Toronto und Timmins eingesetzt werden. Dabei sollten sie
aber nicht mehr mit dem
TEE
Anstrich verkehren. Da zudem die Lackierung erneuert werden musste, kam es
zu einem Neuanstrich.
Die vier
Triebzüge
sollten in den Niederlanden aufbereitet und nach den Angaben des Käufers
bemalt werden. Es war abgemacht worden, dass betriebsbereite Züge
geliefert würden. Es war ja klar, wenn man die Wahlen gewinnen will,
müssen die Züge fahren und nicht in einem
Depot
stehen, wo sich der Arbeiter die Frage stellt, was das für Angaben sind,
die in den Handbüchern stehen. Da es diese in französisch gab, war die
Sprache kein so grosses Problem.
Eine Rückkehr in die Schweiz war jedoch nicht mehr vorgesehen. Die
Zeit der mit einem
Diesel-motor
versehenen
Triebzüge
in der Schweiz war nun endgültig vorbei. Es gab schlicht keine mehr, da
das Land unter einer
Fahrleitung
war.
Nach den Arbeiten erfolgte eine
Probefahrt,
die unter der Aufsicht der ONR erfolgte. War diese erfolgreich, wurde der
Zug getrennt, denn für den Transport nach Nordamerika mussten die
Einheiten in ein Frachtschiff verladen werden. In den Niederlanden konnte
das direkt in das Schiff erfolgen, dass dann die Fahrt über den Atlantik
machte. Man konnte dann nur noch hoffen, dass die Fahrt erfolgreicher war,
als jene der Titanic.
Der letzter
Triebzug
verliess Europa im Dezember 1977. Damit endete die Zeit dieser Züge und
auch der bisher vorhandene Pool wurde aufgelöst. Der verbliebene Gewinn
wurde zwischen den Bahnen im Verhältnis drei zu eins geteilt. Schliesslich
war es ein Zug der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, der bei Aitrang den
schweren Unfall hatte, der auch zum Niedergang der RAm TEE I führte. Nur
der
Index
bei den RAe TEE II erinnert
an die Züge.
Auf Hinweise zum Einsatz in Kanada verzichte ich. Es kann jedoch
angenommen werden, dass es dort die gleichen Probleme mit den
Maschinenwagen
gab, wie das schon in Europa der Fall war. Bestätigt wird das durch die
Tatsache, dass dieser durch ein amerikanisches Modell ersetzt wurde. Die
Wagen blieben und der
Triebkopf
wurde abgebrochen. Ein Punkt, der auch in Europa den Zug hätte retten
können, doch die Zeit war vorbei.
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