Jedem Zug seine Bremse

Wenn wir nun jedem Zug die passende Bremse verpassen, wird es nicht so einfach wie man meinen könnte. Wir haben klar zwei Bremsen, die vom Namen her klar zugeordnet werden können. Also ist es einfach, denn diese passen zum Zug. Das würde sogar stimmen, gäbe es nicht ein Problem. Güterzüge fahren mit den für die Reisezüge gedachten Bremsen. Wenn wir hier eine klare Sache erhalten wollen, dann müssen wir hinsehen.

Genau genommen hängt es vom Gewicht ab, nach welcher Bremse ein Güterzug fährt und dabei kann es auch nur teilweise Umstellungen geben.

Bevor wir aber zu den speziellen Regeln kommen, betrachten wir einfach die Geschichte, die wird für klare Verhältnisse sorgen.

Es geht also wieder in die Zeit der Westinghousebremse zurück und die Vakuumbremse lassen wir weg, denn dort musste keine Unterscheidung vorgenommen werden.

Bei der Westinghousebremse handelte es sich um eine Bremse, die für die Reisezüge eingeführt worden war. Gerade bei diesen erhoffte man sich schnellere Züge, da nicht mehr mit Bremser gearbeitet werden musste.

Für diese wurde daher noch keine Unterscheidung erforderlich. Es gab die Regulierbremse und die automatische Bremse. Mehr sollte es auch nicht sein, denn die Bauteile waren teuer und bedeuteten auch eine Zunahme beim Gewicht.

Jedoch war die Druckluftbremse so gut, dass schnell auch der Gedanke aufkam, dass diese Bremse auch bei Güterzügen eingebaut werden soll. Bei diesen galten aber andere Regeln für die Zusammensetzung der Züge, denn beladene Wagen wurden mit leeren kombiniert und die grössere Länge liess die Erbauer befürchten, dass es zu Zerrungen kommen könnte, die den damals verwendeten Kupplungen gefährlich werden konnten.

Aus diesem Grund wurde basierend auf der Westinghousebremse eine andere Lösung für Güterzüge entwickelt. Man wollten den Zerrungen zu leibe rücken und das ging nur, wenn die Absprechzeiten deutlich verzögert wurden. Die Trennung war damit klar und das für den Laien heute vorhandene Chaos kam erst, als bessere Güterwagen kamen. Wir jedoch sehen uns diese beiden Lösungen getrennt an und dann erklärt sich vieles von selbst.

 

Personenzugsbremse
       

Ich beginne mit der Personenzugsbremse. Es ist schlicht die älteste Druckluftbremse. Der Name ist selbst erklärend, denn sie wurde für die Züge mit Personenbeförderung entwickelt. Zu den Reisezügen passend ist diese Bremse für eine Geschwindigkeit von 100 km/h ausgelegt worden. Hier verwende ich die Regeln für die Schweiz, wo später mit leichten Anpassungen sogar mit bis zu 110 km/h gefahren wurde.

Die Personenzugsbremse wird oft auch als P-Bremse bezeichnet. Bei den Anschriften an den Umstellvorrichtungen wird sie mit P/V, oder einfach nur mit RIC bezeichnet.

Diese Bremse sollte bei Reisezügen rasch wirken. Dazu mussten die Fahrzeuge gleichmässig besetzt sein und sie sind straff zu kuppeln.

Das soll Zerrungen im Zug verhindern. Sind diese Bedingungen erfüllt, können auch Güterzüge mit dieser Bremse arbeiten.

Bei einer Bremsung ist die Bremswirkung nach einer Zeit von drei bis fünf Sekunden erreicht. Wenn die Bremsen gelöst werden sind die Bremsen nach 10 – 20 Sekunden wieder gelöst.

Das ist eine schnelle Wirkung und daher können die Züge mit den in der Schweiz verbauten Anlagen mit Geschwindigkeiten von 100 km/h fahren.

Sie werden später noch erfahren, dass es durchaus möglich sein kann den Wert von 120 km/h zu be-kommen.

Sollten Sie sich nun gewundert haben, dass in der Schweiz mit Reisezügen deutlich schneller gefahren wird, dann ist das alleine mit der Personenzugsbremse nicht zu schaffen. Bereits die vorher erwähnte Steigerung auf 110 km/h war mit leicht höheren Luftdrücken in den Bremszylindern erkauft worden. Genau die bei schneller Fahrt erlaubten höheren Bremskräfte, bewogen die Erbauer dazu, eine Ergänzung zu entwickeln.

Diese Entwicklung der Bremse ist als Zusatz zu Personenzugsbremse vorgesehen. Sie kann nur aktiviert werden, denn vorgängig die P-Bremse eingestellt wurde. Zudem ist diese Anpassungen bei der Bremsen nur erforderlich, wenn mit Klotzbremsen und Bremssohlen aus Grauguss gefahren wird. Bei allen anderen Bauarten ist diese Lösung nicht erforderlich. Wir werden später noch sehen, dass das jedoch nur bedingt angewendet wird.

R-Bremse: Kommen wir zur R-Bremse und da gibt es nun wirklich nur noch die Abkürzung. Hier kann bei höheren Geschwindigkeiten die Bremskraft ver-stärkt werden.

Diese wird bei Lokomotiven automatisch einge-schaltet, wenn schneller als 60 km/h gefahren wird. Bei den Reisezugwagen erfolgt diese Umstellung bei 80 km/h.

Die normale P-Bremse war unter 50, beziehungs-weise 70 km/h aktiv und auch jetzt erfolgte die Umstellung automatisch.

Dank der R-Bremse konnte in der Schweiz die Geschwindigkeit bei den bestehenden Anlagen auf bis zu 160 km/h gesteigert werden. Schneller darf mit Aussensignalen nicht gefahren werden.

Auf Strecken, die mit ETCS Level 2 befahren wer-den, gilt diese Regel nicht und das System errechnet die Bremswege anhand der verfügbaren Bremsen. Dort ist es theoretisch möglich mit der P-Bremse mit über 200 km/h zu fahren.

Die Welt der Bremsen wäre so schön, wenn es nicht noch die O-Bremse gäbe. Auch jetzt gibt es nur eine Abkürzung.

Angewendet wird die O-Bremse nur von einer Bahngesellschaft und dort auch nur auf einer Strecke. Es ist die Südostbahn auf den Strecken über den Sattel. Dort sind die Signale näher aufgestellt und das erst noch bei starken Gefällen von bis zu 50‰. Man musste also auch dort nach kräftigen Bremsen Ausschau halten.

Die O-Bremse ist eigentlich nur eine R-Bremse mit anderen Werten. Die Umschaltung erfolgte bei 30 bis 40 km/h und das bei allen Fahrzeugen. Zudem sind andere Bremsreihen definiert worden. Diese werden wir uns später noch ansehen. Bei der O-Bremse wurde die Geschwindigkeit auf 80 km/h beschränkt. Das erfolgte, weil auf dem erwähnten Abschnitt nicht schneller gefahren wurde und die O-Bremse wirklich nur dort gültig war.

Güterzugsbremse
       

Kommen wir zur Güterzugsbremse. Sie wird vom Namen her nur bei Güterzügen verwendet. Das stimmt, aber nicht ganz, denn Güterzüge können auch mit der P-Bremse verkehren. Jedoch gilt das nicht für alle und daher müssen wir auch bei der Güterzugsbremse genauer hinsehen, denn sie war speziell auf diese Züge ausgelegt worden und funktionierte auch bei unterschiedlichen Beladungen in einem Zug.

Eisenbahner lieben Abkürzungen. Die G-Bremse war langsam wirkend und das zeigte sich bei den Zeiten. Die An-sprechzeit, also die Zeit, bis die Bremse wirkt ist nun mit 18 bis 35 Sekunden deutlich länger.

Die Güterzugsbremse ist jedoch nach einer Zeit von 45 bis 60 Sekunden wieder vollständig gelöst.

Mit dieser Bremse waren jedoch nur Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h zugelassen worden. So wurde die lang-samere Wirkung kompensiert.

Bevor Sie wutentbrannt in die Tasten greifen. Güterzüge fahren heute mit Tempi von bis zu 120 km/h und das auch mit der Güterzugsbremse.

Um die langsamere Wirkung der Bremse zu kompensieren, werden die G-Bremsen grundsätzlich mit dem Faktor 0.8 ge-rechnet.

Die Welt der Bremsrechnungen werden wir uns im Anschluss ansehen. Mit dem erwähnten Faktor konnte die Be-grenzung der Geschwindigkeit aufge-hoben werden.

Die Anschriften bei der G-Bremse lauten G/M und diese ist nicht mehr bei allen Steuerventilen vorhanden. Sind Wagen in Güterzügen eingereiht, bei denen die Güterzugsbremse vorgeschrieben ist, müssen die Bremsen der betroffenen Wagen ausgeschaltet werden. Eine spezielle Regelung erlaubt es jedoch Reisezugwagen auch an der Spitze von schweren Güterzügen einzureihen. Dabei müssen die Bremsen nicht bei allen Wagen ausgeschaltet werden.

Steuerventile ohne G-Bremse in Güterzügen sind grundsätzlich kein Problem mehr, denn diese Züge fahren heute mit der Personenzugsbremse. Jedoch gilt das nicht für alle. Je nach Gewicht müssen einzelne Fahrzeuge, oder der ganze Zug auf die G-Bremse umgestellt werden. Diese müssen wir uns ansehen, denn es wird nicht so einfach werden, wie Sie vermutlich gehofft hatten, denn oft war auch die Formation ein Kriterium.

Bei Güterzügen mit einem Gewicht von bis zu 600 Tonnen wird mit der P-Bremse und allenfalls sogar mit der R-Bremse gearbeitet.

Sie sind daher genau so gebremst, wie das bei den Reisezügen der Fall ist. Je-doch beginnen die Probleme, wenn das Gewicht überschritten wird.

Beträgt die Anhängelast mehr als 600 Tonnen müssen die Triebfahrzeuge an der Spitze auf die G-Bremse umgestellt werden. Ist das nicht möglich, gilt nur noch die P-Bremse.

Übersteigt das Gewicht der Anhänge-last den Wert von 1200 Tonnen, müssen die ersten fünf Bremseinheiten umgestellt werden.

Es gibt Güterwagen mit zwei eigenen Steuerventilen, daher kann nicht mit der Anzahl Wagen gerechnet werden, denn genau genommen ist die Anzahl der Steuerventile vorgeben worden.

Diese müssen nun mit der G-Bremse arbeiten. Man spricht auch von der langen Lokomotive. Ist die Stellung nicht vorhanden, muss ausgeschaltet werden.

Bei Güterzügen aus nicht einheitlichem Wagenmaterial, muss bei einem Gewicht von mehr als 1600 Tonnen der ganze Zug auf die G-Bremse umgestellt werden. Bei Zügen, die aus einheitlichem Wagenmaterial bestehen und die vollständig beladen sind, gilt diese Regel nicht. Bei diesen müssen nicht alle Wagen auf die G-Bremse umgestellt werden. Massgebend sind dabei jedoch die effektiven Gewichte der Fahrzeuge und das ist Fachkunde.

Einen Sonderfall bildeten die Züge der Rola. Bei diesen wird wegen den Niederflurwagen unabhängig vom Gewicht mit der G-Bremse gearbeitet. Das gilt auch für die speziellen Begleitwagen. Dazu wurde deren Bremse umgebaut, denn normalerweise besitzen Personenwagen keine G-Bremse. Befinden sich an der Spitze normale Reisezugwagen müssen die Wagen an den Positionen eins, drei und fünf ausgeschaltet werden. Bei zwei und vier wirkt in dem Fall die P-Bremse.

Wir haben nun erfahren, dass bei Reisezugwagen und Triebzügen nicht alle Stellenungen möglich sind. Lokomotiven können das und unabhänging von der Art des Zuges. Bei den Güterwagen ist es umgekehrt, denn diese haben nicht immer eine R-Bremse. Das mit unterschiedlichen Bauarten der Einrichtungen verbunden sorgt dafür, dass es unterschiedliche Bremskäfte gibt. Die Folge davon ist, dass wir mit den Bremsen rechnen müssen und daher wartet ein spannendes Thema auf uns.

 

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