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RBe 2/4 1010 "Flèche du Jura" |
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Auch wenn der
Triebwagen
nach den Gesichtspunkten der
Roten Pfeile
aufgebaut worden war, konnte er mit diesen nicht verglichen werden. So kam
für den Kasten eine selbsttragende Konstruktion zur Anwendung. Das Chassis
verschwand und auch der Aufbau war anders, denn der Kasten war mit
Übergängen auf angehängte Wagen versehen worden. Damit war klar, es
sollten zusätzliche Wagen mitgeführt werden können.
Danach
kam noch ein Abteil mit 32 Plätzen für die Leute, die nicht rauchten. Im
Datenblatt waren zudem noch 30 Stehplätze zugelassen. Es fanden also 86
Reisende einen Platz in dem mit rund 23 Meter recht kurz geratenen
Triebwagen.
Es konnte eng werden.
In das Fahrzeug gelangte man über die
Einstiegstüren,
die sich jeweils beidseitig hinter den
Führerständen
befanden. Es wurden Schiebetüren eingebaut, die durch den Lokführer
geschlossen werden konnten. Damit war der
Triebwagen
auch für die neuen
Tramzüge
geeignet. Die grossen Fenster rundeten das Bild ab. Optisch ergab es
jedoch ein eigenständiges Fahrzeug, das so kaum zu den
Roten Pfeilen
gehörend erkannt wurde. Abgestellt wurde der Kasten auf zwei Drehgestelle. Diese wurden mit Drehzapfen versehen und teilten sich in das hintere Laufdrehgestell und die vordere Ausführung mit Triebachs auf. Die Kraft der Fahrmotoren wurde mit Tatzlagerantrieben übertragen. So konnte eine Anfahrzugkraft von 4 500 kg erzeugt werden. Während einer Stunde konnte eine Zugkraft von 2 360 kg aufgebaut werden. Das reichte nur für wenigen Wagen.
Wenn wir uns die
Drehgestelle
genauer ansehen, dann ist zu erkennen, dass die
Achsen
mit den
Rädern
mit 900 mm in Einachslaufwerken mit
Rollenlager
lagerten. Diese Gestelle wurden mit einer Deichsel innerhalb des
Drehgestells verbunden, Das erlaubte eine radiale Einstellung der
Radsätze
in engen
Kurven.
Da es im geraden
Gleis
keine Einbussen bei der
Laufeigenschaft
gab, konnte eine
Höchstgeschwindigkeit
von 110 km/h benannt werden.
Dank
dem
Laufwerk
konnte dort der Verschleiss deutlich verringert werden. Dennoch konnte in
geraden Abschnit-ten auch etwas schneller gefahren werden. Es war eine
komplizierte Konstruktion, die sich so nicht durchsetzen konnte. Da der Triebwagen eine besondere Vorgeschichte hatte, wurde er nicht nach den Normen der Schweizerischen Bundesbahnen SBB gefärbt und beschriftet. Die hier verwendete Farbe war Apfelgrün. Auf
der Seite wurde in grossen Buchstaben «Flèche du Jura» angeschrieben. Der
Besitzer war daher kaum zu erkennen und das wurde dann später geändert. Es
war ein spezielles Fahrzeug, das aber nur hier speziell war. Wenn wir zu den Bremsen kommen, dann wird der Trieb-wagen wieder normal. Es gab eine automatische Bremse und eine direkte Bremse. Auf die abenteuerliche Lösung der Roten Pfeile wurde verzichtet.
Von diesen stammte jedoch die
elektrische
Bremse, die auch hier aus einer mit
Gleichstrom
betriebenen
Widerstandsbremse
bestand. Die benötigten
Widerstände
wurden dabei im doppelt aufgebauten Dach nicht sichtbar eingebaut.
Die in 20 Stufen regulierbare
Widerstandsbremse
verlor jedoch bei tiefen Tempi an Wirkung. Diese fehlende
Bremskraft
wurde automatisch mit der
direkten Bremse
des
Laufdrehgestells
kompensiert. Daher blieb die Bremskraft nahezu gleich und es konnte mit
der
elektrischen
Bremse bis kurz vor dem Stillstand gearbeitet
werden. Ein Vorteil bei der Bedienung, die in den von den
Roten Pfeilen
abgeleiteten Kabinen erfolgte.
Mehr gab es nicht und die
Spannung
wurde unter das Fahrzeug geführt. Denn das Dach war dank der Abdeckung
sonst frei von Aufbauten. Die
Widerstände
verschwanden ja im Dach des Fahrzeuges. Der Transformator war unter dem Boden aufgehängt worden. Er bildete zu-sammen mit der Hüpfersteuerung eine einzige Baugruppe. Dank den Hüpfern und den hier benötigten Drosselspulen konnten elf Fahrstufen zur Regelung der Drehzahl erzeugt werden.
Es waren daher nur wenige Stufen, die bei der Beschleunigung kaum
schnell zu schalten sein würden. Es war damit ein gemütliches Fahrzeug
entstanden, das sehr leicht sein musste.
Gewicht wurde auch bei den
Fahrmotoren
gespart. So wurden lediglich zwei
Achsen
damit versehen und auch die
Kühlung
derselben war mit einer
Eigenventilation
sehr leicht aufgebaut worden. Gerade bei den leichten und schnellen
Triebwagen
war das geringe Gewicht wichtig und bei den
Roten Pfeilen
funktionierte diese Kühlung nicht so schlecht, dass man hier auf einer
andere und damit schwerere Lösung hätte setzen müssen.
Dementsprechend einfach konnten die
Hilfsbetriebe
aufgebaut werden. Es war nur ein
Kompressor,
die
Ölpumpe
für den
Transformator
und die
Umformergruppe
vorhanden. Die
Führerräume
wurden zusammen mit den Abteilen erwärmt. Dabei war der
Umformer
für die Ladung der
Batterien
und die Versorgung der Steuerung ausgelegt worden. Die hier benutzten
Spannung
entsprachen längst den üblichen Normen.
Etwas umfangreicher war die Steuerung. Denn diese musste im
Gegensatz zu den
Lokomotiven
auch die
Beleuchtung
der Abteile übernehmen. Deswegen musste auch die
Kapazität
der
Batterien
sehr oft ver-doppelt werden. Ein Umstand, der auch hier vorgesehen werden
musste. Das obwohl in jedem Bereich gespart wurde, wo es nur ging. Man
merkte das schmale Budget dem
Triebwagen
an jeder Stelle an und es gab nur eine Ausnahme.
Im Gegensatz zu den zahlreichen
Roten Pfeilen
wurde dieser
Triebwagen
mit einer
Vielfachsteuerung
versehen. Diese hatte jedoch einen praktischen Nutzen. Auf dem für das
Fahrzeug vorgesehenen Streckennetz gab es eine
Spitzkehre.
Um dort nicht umfahren zu müssen, sollte ein
Steuerwagen
benutzt werden. Dafür war die Anlage ausgelegt worden und die Vorrichtung
passte schlicht zu keinem der anderen Fahrzeuge und auch der Steuerwagen
gab es nicht.
Wenn wir diesen
Triebwagen
zusammenfassend ansehen, dann ist klar, es wurde an allen Ecken und Enden
gespart. Diesmal war es aber nicht einmal das Gewicht. Es war der Preis
der dafür zu bezahlen war, denn dieser wurde von der Stiftung beglichen
und die Schweizerischen Bundesbahnen SBB hatten wirklich schon genug
Exoten im Bestand. Von dieser Regel sollte der nun fertige Triebwagen
keine Ausnahme machen. |
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Betriebseinsatz |
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Der neue
Triebwagen
wurde am 28. November 1938 ausgeliefert. Er kam sofort ins
Depot
Biel/Bienne, denn das Konzept für das dieses Fahrzeug gebaut worden war,
wurde bereits umgesetzt. So konnte der alte bisherige Triebwagen abgelöst
werden. Auf umfangreiche
Testfahrten
wurde verzichtet, das Teil sollte verkehren und nicht noch lange geprüft
werden. Bezeichnet wurde das Modell nun mit Ce 2/4 und der Nummer 701.
Wegen
der bescheidenen
Leistung
durften lediglich 24 Tonnen mitgeführt werden. Damals war daher nur ein
zweiachsiger Rei-sezugwagen auf den Steigungen zugelassen. Bei den
Tramzügen
war mit Mitgabe von Wagen sogar verboten worden. Es war von Beginn an klar, der Triebwagen war nicht passend. Bereits die Einheit, die den Beginn machte, zeigte, dass durch den nun dichteren Fahrplan mehr Leute den Zug benutzten.
Der schwache
Triebwagen
musste diese dann nun über eine ech-te
Bergstrecke
schleppen und das war wirklich kein guter Start und es sollte nicht mehr
besser werden. Zumindest bei der Tal-fahrt konnte er dank der
elektrischen
Bremse Vorteile bringen. Der zunehmende Verkehr während der Kriegsjahre bekam dem Triebwagen nicht gut. So war er immer wieder sehr stark aus-gelastet. Besonders dann, wenn auch Truppen in den Jura verschoben wurden.
Es war bereits zu erkennen, dass das Fahrzeug nicht gebaut wur-de
um auch eine Zunahme des Verkehrs zu bewältigen. Immer wieder musste der
Ersatz gestellt werden und da kam dann eine
Lokomotive
zum Zug, die auch nicht ideal war.
Von den Leuten im
Depot
Biel/Bienne wurde viel improvisiert. Wenn der
Triebwagen
nicht mehr mochte, griff man zu einer
Ae 3/6, die von Bern gekommen
im Depot die Reserve stellte. In den Jura ging es dann wieder ohne
elektrische
Bremse
und das war auch nicht gut. In der nun gewonnen Zeit wurde dann der
Triebwagen wieder so weit hergestellt, dass er am Abend wieder auf die
Reise geschickt werden konnte. Aber die Reserve fehlte.
Wir müssen wissen, dass es bei der
Betriebsführung
kaum zu genauen Werten gekommen war. Auf diese war der
Triebwagen
aber angewiesen. Es ging dann nur noch schleppend den Berg hoch und wenn
auf der einspurigen Strecke angefahren werden musste, war Schluss. Besonders die Winter setzten dem Triebwagen zu. Im Jura konnten durchaus auch Schneehöhen auftreten, die man in den Alpen vermuten würde. In dem Fall lief der Trieb-wagen in einem Kanal, der viel Flugschnee hatte.
Dieser kam mit der
Ventilation
in die
Fahrmotoren
und das war nicht gut, denn diese sollten nun optimal gekühlt wer-den. So
wurden sie zu heiss, das Wasser sorgte dann für den Knall und dann war
Schicht im Schacht. Das Depot Biel/Bienne ersuchte daher die Direktion um einen Abzug. Dieser konnte jedoch nicht erfolgen, denn der Triebwagen war an den Einsatz gebunden. Das war dem Vertrag mit der Stiftung im Jura zu verdanken.
Der
Triebwagen
musste im Jura verkehren, auch wenn er nicht zum Betrieb passte. Wirklich
keine gute Situation und daher musste das
Depot
Biel/Bienne nach einer Lösung für das anstehende Problem suchen.
So war der
Triebwagen
mit Beschränkungen unterwegs. Er wurde nur noch unter der Woche eingesetzt
um den
Ausflugsverkehr
nicht zu bewältigen. Zudem schickte man den schwachen Triebwagen nun auf
den weniger steilen Strecken in den Jura. Während der Ruhe am Wochenende
konnte die Mannschaft des
Depots
die Schäden wieder beheben. Auch die neue Bezeichnung RCe 2/4 mit der
Nummer 621, erfolgte 1951 am Wochenende.
Das sollte sich nicht mehr ändern und die letzte Anpassung betraf die Nummer, denn Triebwagen wurden mit vierstelligen Num-mern versehen. In
der Aktion für alle kam hier die Nummer 1010 an das Fahrzeug. Eine
Massnahme, die wirklich die ganze Flotte der
Staatsbahnen
be-traf. Nachdem sich die Aktion mit Umbezeichnung-en etwas beruhigt hatte, sorgte der Trieb-wagen 1961 selber wieder für Schlagzeilen. Bei einem Zusammenstoss wurde die schwa-che Konstruktion beschädigt.
Der leichte Falten aufweisende
Triebwagen
musste in die
Hauptwerkstätte
überstellt wer-den. Dort nahm man sich dem eher unge-liebten Triebwagen an
und er hatte wirklich grosses Glück, dass es nicht zur
Ausrangierung
kam.
Wegen der anstehenden Landesausstellung in Lausanne wurden bei den
Staatsbahnen
alle Fahrzeuge hergerichtet, die selber fahren konnten. Dazu gehörten auch
etwas zerknitterte
Triebwagen.
Der Kasten wurde gerichtet, eine
Revision
ausgeführt und der nun normal gefärbte Triebwagen auch nach den Normen der
Schweizerischen Bundesbahnen beschriftet. Die Zeit des «Flèche du Jura»
war damit vorbei und das war klar.
Im Jura hatte man ein Einsehen, dort sollten nun längere Züge
eingesetzt werden. Diese waren zudem besser dem Verkehr gewachsen, denn es
war klar, dass der Jura bei der Bevölkerung im Berner Seeland eine
beliebtes Ausflugsziel war. In den Regionen konnte gut gewandert werden
und dann kamen sie in Scharen. Das war auch der Grund, warum der
Triebwagen
bisher an den Wochenende Ruhe verordnet bekam.
Seine neue Heimat fand er ab 1962 im
Depot
Rorschach und damit am Bodensee. Seine Arbeit sollten die Züge zwischen
Kreuzlingen und Konstanz sein. Man kann ge-trost sagen, dass es nur wenige
Meter waren. Am Tag wurden 34 Kilometer notiert. Lange war nicht Ruhe und so reiste der Triebwagen 1967 ins Depot Winterthur. Dort sollte der Triebwagen zwi-schen Bauma und Wetzikon eingesetzt werden. Die nun vorhandenen Steigungen entsprachen jenen im Jura. Die
von der Einstellung bedrohte Strecke hatte kaum so viel Verkehr, dass der
Triebwagen
diesen nicht hätte be-wältigen können. Es war ein kurzer Einsatz, denn
lange konnte sich die Strecke nicht mehr halten. Nur ein Jahr später wurde er nach dem Depot Olten ver-setzt. Dort stand die Strecke über Läufelfingen auf dem Programm. Scheinbar konnte er sich dort auch nicht bewähren. Nach
einem weiteren Jahr hatte man in Olten genug. Der Exot reiste wieder an
den Bodensee. Es machte fast den Anschein, dass er nie so richtig heimisch
werden sollte. Das Fahrzeug war für den Jura gebaut worden und war nun
weit davon entfernt.
Ab dem
Depot
Rorschach wurden die Hafenzüge dem
Triebwagen
übergeben. Das waren Züge, die zwischen Rorschach und dem Hafen
verkehrten. Die Differenz bei der Höhe betrug wenige Meter und so war die
Steigung für den Triebwagen flach genug. Ab und zu bekam er aber etwas
mehr Auslauf und das bekam ihm nicht immer gut. Als es 1971 zu einem
Schaden an einem
Fahrmotor
kam, stand es wieder auf Messers Schneide.
Es scheint wirklich so, dass dieses Modell nicht zu killen war.
Auch der defekte
Fahrmotor
würde zu einem Ab-bruch führen. Besonders in dem Alter und als Exot. Da
zieht man schnell einen Strich über die Nummer. Der Strich wurde schliesslich im Jahre 1977 gezogen. Nach einem Einsatz von 39 Jahren wurde der RBe 2/4 mit der Nummer 1010 der Ausrangierung zugeführt. Er war bereits arg angeschlagen und angezählt war er schon oft.
Nun aber sollte auch dieser Exot verschwinden. Der historische
Wert war nicht vorhanden, da der
Triebwagen
ja den Schweizerischen Bundesbahnen SBB aufgedrängt wurde und daher nie so
richtig viele Freunde hatte. Nachdem man die noch brauchbaren Teile entnommen hatte, wurden die Reste versteigert. Was auch dort nicht verschwand wurde schliesslich im Depot Rorschach abge-brochen und dem nächsten Schrotthändler verkauft.
Die Zeit des Flèche du Jura endete damit am Bodensee und das hatte
man sich bei der Stiftung vermutlich nicht so vorgestellt. Nur wirklich
gelungen war dieses Fahrzeug nun wirklich nicht und man merkte die
Sparmassnahmen.
Die Idee der Stiftung war nicht schlecht. So sollte der Betrieb im
Jura angekurbelt werden. Nur stellt sich die Frage, ob man selber nicht an
den Erfolg glaubte, denn das bestellte Fahrzeug war für den bisher eher
bescheidenen Verkehr ausgelegt worden. Niemand rechnete mit einer Zunahme
beim Verkehr und als dieser kam, war der
Triebwagen
überfordert. Da aber auch die
Roten Pfeile
in dem Punkt versagten, passte er gut in den Bestand.
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