|
Die Mehrsystemlokomotiven |
|||||
|
Mehrsystemlokomotiven waren schon immer der grosse Wunsch und der Traum
der Eisenbahnen. Bei den Dampflokomotiven war das kein Problem und diese
konnten ohne Probleme in anderen Netzen verkehren. Selbst
Diesellokomotiven
sind dazu in der Lage. Bei den elektrischen
Lokomotiven ergeben sich aber
Probleme, weil nicht überall die gleichen
Fahrleitung
aufgebaut wurden. An den Grenzen war dann sehr oft Schluss.
Sicherlich zu den damaligen Wundern kann der
Triebzug RAe TEE II
gezählt werden. Dieser konnte mit vier unterschiedlichen Strom-systemen
arbeiten. Im übrigen galt das auch für die Rangierloko-motive
Ee
3/3 IV, die wohl noch mehr überrascht. Der Aufwand für diese Schritte war jedoch sehr hoch und die Fahr-zeuge hatten nur sehr bescheidene Leistungen zur Verfügung. Deshalb beschränkte man sich nur auf wenige spezielle Lokomotiven und Triebzüge.
Die
Fahrzeuge, die mit mehreren
Stromsystemen
arbeiten konnten, wurden so zu Exoten. Es gab sie wirklich in allen
Ländern und gerade in Frankreich waren sie sogar im eigenen Land
erforderlich gewor-den.
Lokomotiven werden vom Personal oft auch
nur Maschinen genannt. So benutzt ein Lokführer immer wieder «seine»
Maschine und nicht «seine»
Lokomotive. Daher hat sich
auch der Begriff Mehrsystemmaschine bei den Bahnen durchgesetzt. Wer es
genau nimmt, hat damit gar nicht unrecht, denn die Modelle für mehrere
Stromsysteme
sind wirklich Maschinen und keine normale Lokomotive mehr.
Bevor wir loslegen können, müssen wir uns zuerst einmal überlegen, welche
Stromsysteme
denn überhaupt das Interesse wecken könnten. Diese Überlegung stellen
nicht nur wir an, sondern war ein langwieriger Prozess. Letztlich blieben
aber vier übliche Systeme übrig. Bezeichnet man eine
Lokomotive als
Mehrsystemmaschine kann sie mindest zwei der in der folgenden Tabelle
aufgeführten Stromsysteme befahren.
|
|||||
| System | Spannung | Frequenz | |||
| Wechselstrom | 15'000 Volt | 16.7 Hertz | |||
| Wechselstrom | 25'000 Volt | 50.0 Hertz | |||
| Gleichstrom | 1'500 Volt | ||||
| Gleichstrom | 3'000 Volt | ||||
|
Der
Aufbau von Mehrsystemlokomotiven war bis zur Einführung der IGBT nicht in
allen Konfigurationen gleich schwer. Wenn wir nun aber in der Schweiz
bleiben, haben wir keine so grosse Auswahl. Sicherlich der
Triebzug
RAe TEE II
kann hier mithalten, aber die grösste Anzahl von
Lokomotiven in der Schweiz
benötigten nur ein
Stromsystem.
Daher müssen wir für die früheren Lösungen ein anderes Land besuchen.
Damit stellt sich uns die Frage, wie man denn das Problem in Frankreich
löste und das war sogar noch ganz einfach. Man baute
Lokomotiven für
Gleichstrom
und solche für Wechsel-strom und das war es. So einfach ist es nicht, denn die Netze wechselten oft an mehreren Stellen und dort immer die Lokomotive zu wechseln war auch nicht sinnvoll. Daher griff man zu einer anderen einfachen Lösung. Man
baute in Frankreich damals einfach Gleichrichterloko-motiven, diese
konnten dann mit allen
Fahrleitungen
betrieben werden. Auch wenn man es noch nicht wusste, es waren Mo-delle
für mehr als ein
Stromsystem.
Diese wollen wir aufgreifen, denn auch wenn ich als Beispiel Frankreich
wählte, es war eine grosse Verbreitung vorhanden, denn mit der Lösung des
Gleichrichters konnte man mit wenig Aufwand die beiden
Stromsysteme
abdecken. Beim Muster war das Wechsel- und
Gleichstrom.
Aber was ist, wenn wir mit zwei Stromsystemen für Gleichstrom arbeiten
würden? Wir wissen, dass man sich dort nicht mit einem Transformator
helfen konnte.
Bei
reinem
Gleichstrom
wird es spannend, denn Modelle, die für 3000
Volt
gebaut wurden, konnten auch mit 1500 Volt arbeiten. Das war sogar
erforderlich, weil früher die Netze dieser Bahnen noch nicht so gut
ausgebaut waren und es daher in den
Fahrleitungen
zu grossen Verlusten kommen konnte. Auch in Italien konnte es daher Orte
geben, die mit einer geringen
Spannung
betrieben wurden. Chiasso war so ein Ort.
|
|||||
|
Die Zweisystemlokomotive |
|||||
|
Sie
werden es vermutlich bereits erahnen. Die
Lokomotiven, die für zwei
unterschiedliche
Stromsysteme
geeignet sind, nennt man idealerweise Zweisystemlokomotive. Solche
Lokomotiven sind recht oft im Einsatz und man bemerkt eigentlich gar
nicht, dass es sich um Lokomotiven für zwei Systeme handelt. Trotzdem
lohnt es sich, wenn wir auch diese Lokomotiven ansehen, denn die
Bezeichnung ist sehr ungenau.
Schon hatten wir eine
Lokomotive, die mit zwei
Stromsystemen
für
Wechselstrom
fahren konnte. Es waren jedoch Lokomotiven, die keine grossen Leist-ungen
im Vergleich zum Gewicht hatten. Die andere Möglichkeit bestand darin, dass man den beliebigen Wechselstrom aus der Fahrleitung zu einem Gleichrichter leitete und dann nach den Methoden für Gleichstrom die Fahrmotoren versorgte.
Solche
Lokomotiven gab es schon
früh und sie funk-tionierten nicht so schlecht, wie man meinen könnte.
Gerade in Frankreich fanden sie eine grosse Verbreit-ung, denn man war
wegen den zwei Systemen dazu genötigt. Der grosse Nachteil bei Lokomotiven für Gleich- und Wechselstrom waren die Anfahrwiderstände, denn diese mussten auch bei Wechselstrom benutzt werden. Jedoch lösten sich die Probleme etwas mit der Choppersteuerung. Auch die Lösung mit der Feldschwächung war bei solchen Lokomotiven sehr weit verbreitet. Doch wir sind bei modernen Lokomotiven und da werden nur Modelle für zwei bestimmte Systeme angeboten.
Zweissystemlokomotiven in der modernen Bauweise umfassen immer nur die
Stromsysteme
für
Wechselstrom.
Eines davon mit
Gleichstrom
kombiniert wird von den Herstellern nicht angeboten, denn der Aufwand
dafür ist zu gross und noch fehlt uns die ganz spezielle
Zweisystemlokomotive, die sogar gar nicht als solches erkannt werden kann
und sie wird von niemandem so bezeichnet. Das bis zum jetzigen Zeitpunkt.
Das
zweite
Stromsystem
ist in der oben aufge-führten Tabelle gar nicht enthalten und das macht
die Sache noch spannender, denn es stellt sich die Frage nach dem zweiten
Stromsystem, das be-fahren wird.
Lokomotiven
der Schweizerischen Bundesbahnen SBB sind in der Lage auch mit der
Spannung
von 11 000
Volt
und 16.7
Hertz
zu arbeiten. Diese wird bei der Rhätischen Bahn RhB verwendet. Dabei
verkehren die normalspurigen Lokomotiven auf der Strecke mit drei
Schienen
über Chur hinaus bis nach Domat-Ems. Die dazu erforderliche
Systemschutzstrecke
befindet sich noch im
Bahnhof
der Hauptstadt Chur.
Möglich wird das, weil bei den
Lokomotiven der Wert für die
Minimalspannung sehr tief angesetzt wurde. Erst bei einer
Spannung
von 9 500
Volt
löst der Hauptschalter aus. Daher ist in dem Bereich die
Fahrleitung
der Rhätischen Bahn RhB sehr gut ausgebaut worden, denn ein nur geringer
Abfall würde den Einsatz verhindern. Doch nun der Grund, warum ich diese
unechte Lokomotive für zwei
Stromsysteme
hier erwähnt habe.
Mit
modernen Modellen ist das nicht so leicht. Damit diese Modelle auf der
Strecke fahren können, muss eine spezielle Konfiguration gewählt werden,
die so diesen Einsatz erlaubt. Da wir jedoch wissen, dass diese Modelle
auch 25 000
Volt
haben, sind drei
Stromsysteme
vorhanden, die aber mit zwei
Frequenzen
betrieben werden und diese sind das Kriterium und nicht die
Spannung
wie wir nun erfahren haben, aber speziell ist es schon. |
|||||
|
Die Dreisystemlokomotive |
|||||
|
Lokomotiven für drei
Stromsysteme
konnte man schnell erschaffen. Man kombinierte die Technik mit dem
Gleichrichter mit den zwei Stromsystemen unter
Gleichstrom.
Jedoch hatte man bei dieser Lösung das Problem, dass man die Fahrmotoren
und der niederen
Gleichspannung
von 1 500
Volt
nur mit halber
Leistung
betreiben konnte. Daher kam es sehr selten zu solchen Lösungen, denn
Leistung war bei Lokomotiven in allen Systemen gefragt.
Benötigt wurden diese
Lokomotiven im Grenzver-kehr
von Frankreich nach Deutschland und der Schweiz. Daher wurden die dafür
passenden Loko-motiven in Frankreich entwickelt und kamen auch so in den
Betrieb. Die bei Wechselstrom benötigten Transformatoren hatten bei Bahnen mit 50 Hertz die maximale Leistung, da der Wandler optimal funktionierte. Sie verloren aber Leistung, wenn sie unter 16 2/3 Hertz betrieben wurden.
Der Grund lag beim nun beschränkten
magnetischen Fluss. Hinzu kam, dass unter
Gleichstrom
der schwe-re Transformator mitgeführt werden musste. Die
Achslasten
erlaubten also nur geringe
Leistungen. Daher gab es nur sehr wenige dieser Lokomotiven und die funktionierten nicht immer ganz optimal, was aber nicht heissen soll, dass sie nicht viele Jahre eingesetzt werden konnten. Die Bahnen nutzen den Vorteil der drei Systeme und man nahm die Einbusse bei der Leistung in Kauf. Modelle für diesen Einsatz gab es überall in Europa und sie wurden im Bereich der Grenzen eingesetzt. Der Grund war, die teure Technik, die eingebaut werden musste.
Die Dreisystemlokomotive war eigentlich nur
ein Nebenprodukt, das man aus Gewichts- oder Kostengründen wählte. Die
drei
Stromsysteme
hatten aufgezeigt, dass es eigentlich auch möglich war,
Lokomotiven und
Triebzüge
für alle vier in Betracht gezogenen Stromsysteme zu bauen. Die Umrichter
lösten das Problem, das man früher mit einer aufwendigen Technik zu lösen
versuchte. Doch nun wird es sehr speziell.
Dazu wurden drei
Stromsysteme
benötigt. Das waren zwei für
Wechselstrom
und eines für 3000
Volt
Gleichstrom.
Der Grund waren die
Schnellfahrstrecken
in Italien, die mit 25 000 Volt Wechselstrom und 50
Hertz
elektrifiziert wur-den. Wenn wir nun in das Datenblatt dieses Triebzuges sehen, dann erkennen wir, dass er nur für diese Stromsysteme ausgelegt worden ist. Das gilt zum Beispiel auch für die im Grenzbereich zwi-schen der Schweiz und Italien eingesetzten Triebzüge RABe 524 und gerade diese müssen wir näher ansehen. Sie zeigten, was das grosse Problem dieser
Dreisystem-lokomotiven war. Das auch wenn wir uns
Triebzüge
an-sehen. Elektrisch waren diese mit den Lokomotiven zu verglei-chen. Aber als der erste RABe 524 auf der Strecke zwischen Genève und La Plaine gesichtet wurde, fragte man sich.
Bei dem
Triebzug
wandte man eine spezielle Schaltung an und so konnte er auch mit 1500
Volt
Gleichstrom
fahren. Wir wissen aber, dass bei Gleichstrom der Zwischenkreis direkt
versorgt wird. Wie kann denn das ohne sehr grosse Verluste gehen?
Moderne Dreisystemlokomotiven sind im Grunde
ganz normale Modelle für vier
Stromsysteme.
Technisch können sie also mit allem fahren, auch wenn das nicht immer in
den Fachbüchern zu erkennen ist. Im Fahrzeug werden einfach die nicht
benötigten Systeme nicht freigeschaltet. Damit erkennen wir aber, dass es
vom Gewicht her keinen Vorteil mehr bringt, wenn man auf eines der vier
Stromsysteme verzichtet. |
|||||
|
Die Viersystemlokomotive |
|||||
|
Letztlich war auch der Schritt zur
Viersystemlokomotive schon sehr früh getan. Die
Lokomotive konnte
unter den vier üblichen Systemen aus der Tabelle eingesetzt werden. Die
Leistung
bei den unterschiedlichen Systemen konnte man dank einer geschickten
Lösung etwas ausgleichen. Gelöst hatte man das mit der Lösung, dass man
spezielle Motoren für
Gleichstrom
verwendete. Beim
Wechselstrom
griff man zum Gleichrichter.
Hier wurden sogenannte Doppelmotoren
eingebaut, die mit 1500 und 3000
Volt
betrieben werden konnten. Schwere Motoren die nur we-nig
Leistung
erbrachten. Bei den Triebzügen RAe TEE II wurde bis zuletzt ein Bordmechaniker mitgegeben. Nur so konnte man bei Störungen richtig reagieren, die Lokführer der einzelnen Länder wären mit der komplizierten Schalt-ung überfordert gewesen.
Sie sehen es war wirklich ein sehr grosser
Aufwand erforderlich und daher blieben die Modelle Exoten. Eine geringe
Verbreitung und geringe Stückzahlen sorgten zudem für einen sehr hohen
Preis.
So gehörten diese
Lokomotiven und
Triebzüge
für vier
Stromsysteme
lange Zeit nur ein Traum vieler Direktoren. Mit der modernen Technik
ändert sich hier jedoch einiges. Mit den neuen Umrichtern konnte man nun
auch vier Systeme abdecken. Nur mit dem Lösungen mit GTO war jedes Modell
eine spezielle Anfertigung und daher war auch der Preis sehr hoch.
Durchsetzen konnte sich daher diese Lösung noch nicht.
Erst mit den IGBT gelang es, die Technik so
weit zu verbessern, dass die vier
Stromsysteme
ohne Probleme möglich wurden. Die Hersteller führten daher in ihren
Programmen Baumuster ein. Es gab nun Modelle im Handel für
Gleichstrom,
Wechselstrom
und für vier Stromsysteme. Ob diese auch wirklich benötigt werden ist
schlicht egal, denn es bringt wirklich keinen wirtschaftlichen Vorteil,
wenn auf ein System verzichtet wird.
Heute hängt es wirklich nur noch am Wunsch des
Kunden, die
Lokomotive ist
einfach für die beiden Systeme gebaut oder nicht. Die Hersteller sind in
der Lage, die Technik nach Wunsch des Kunden anzupassen und so kostet eine
Lokomotive gleich viel. Auch wenn die Mehrsystemlokomotiven heute zum Stand-ard wurden, ein Problem konnte noch nicht restlos gelöst werden und das ist das Gewicht. Maschinen für vier Stromsysteme und einer Leistung von 6 400 kW erreichen nahezu ein Gewicht von 90 Tonnen. Damit kommen in Europa noch nicht alle
Strecken klar. Es ist jedoch nicht leicht zehn Tonnen abzuspecken, da muss
eine neue Technik her, die wir aber 2026 noch nicht ken-nen. Damit sind wir nun am Ende der elektrischen Lokomotive angelangt. Wir haben die Technik kennen gelernt und auch erkannt, dass es mehrere Schritte gab.
Von der ersten
Lokomotive für
einphasigem
Wechselstrom
mit Umformer zur modernen Maschine für vier
Stromsysteme
mit Umrichter vergingen rund 100 Jahre und der Unterschied scheint nicht
gross zu sein. Vom Umformer zum Umrichter in der Zeit ist ein Wunder.
Wenn Sie draussen nun eine moderne
Lokomotive sehen,
dann können Sie schnell erkennen, was Sie sehen. Zählen Sie die
Stromabnehmer.
Die Anzahl gibt in der Regel die Anzahl der
Stromsysteme
an. Noch benötigt man die zur
Fahrleitung
passenden Stromabnehmer. Wobei dort auch erste Schritte im Gang sind. Die
Zeit wird zeigen, was wir von den elektrischen Lokomotiven noch zu
erwarten haben. Am Ziel ist man noch nicht und die Eier legenden
Wollmilchsau wird kommen.
|
|||||
| Zurück | Navigation durch das Thema | ||||
| Home | Depots im Wandel der Zeit | Die Gotthardbahn | |||
| News | Fachbegriffe | Die Lötschbergbahn | |||
| Übersicht der Signale | Links | Geschichte der Alpenbahnen | |||
| Die Lokomotivführer | Lokführergeschichte | Kontakt | |||
|
Copyright 2026 by Bruno Lämmli Lupfig: Alle Rechte vorbehalten |
|||||