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Be 3/5 12 201 "Zuger Bertha" |
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Wenn wir diese
Lokomotive
als Exoten bezeichnen, dann nicht nur, da es keine Serie gab. Der
Einzelgänger sollte ein sehr langes Leben haben und viele Versuche ihn
loszuwerden abwehren. Alleine das macht ihn zum Exoten, denn andere in der
Lage, wären abgebrochen worden. Es lohnt sich, wenn wir uns die Lokomotive
der
Baureihe
Fb 3/5 ansehen. Man kann auch sagen, es ist die kleine Schwester der
Fb 5/7 der
Lötschbergbahn.
Da wir hier eine klassische
Rahmenlokomotive
hatten, wurde ein tragender Rahmen aufgebaut. Es wurden 25 Millimeter
dicke Bleche verwendet. Nötig war dies, weil hier gegenüber dem Muster für
die BLS massiv abgespeckt werden musste, denn es fehlten zwei
Triebachsen
und zudem benannten die Schweizerischen Bundesbahnen SBB noch geringe
Achslasten,
da die angedachte Strecke nach älteren Normen gebaut worden war.
Bei der neuen Strecke über den Lötschberg konnte man mit 20 Tonnen
Achslast
arbeiten, denn dafür war die Strecke ausgelegt worden. Auf der gut 30
Jahre älteren Gotthardstrecke galten damals noch 18 Tonnen, denn so leicht
konnte die Last nicht erhöht werden, denn dazu mussten auch
Brücken
verstärkt gebaut werden und das war während dem Betrieb nicht so leicht.
Die Fb 3/5 musste als deutlich leichter werden. Der Antrieb der mit einem Durchmesser von 1350 mm versehenen drei Triebachsen erfolgte wie bei der Baureihe Fb 5/7. Zwei Fahrmotoren trieben über ein Getriebe die beiden Vorgelegewellen an. Im Gegensatz zum Muster wurde hier das Ritzel mit einer tangentialen Federung versehen. So sollten die Auswirkungen der bei diesen Seriemotoren häufig auftretenden Drehmomentpulsation vermindert werden, was Schäden verhindert.
Gerade diese
Drehmomentpulsation war bei den grossen und schweren Motoren
nach dem Muster der MFO sehr ausgeprägt. Noch wusste man nicht, dass auch
die Grösse einen Einfluss haben kann. Mit der tangentialen
Federung konnte
das Problem etwas entschärft, aber immer noch nicht gelöst werden. An
einer verlässlichen Lösung wird auch heute noch gesucht. Damit war die MFO
gut beraten diese Federung der Ritzel einzufügen.
Bei der mittleren
Achse kam ein Gleitstein zum Einbau. Es
war schlicht die verbes-serte Ausführung der
Baureihe
Fb 5/7, welche zudem
um zwei
Triebachsen ver-mindert wurde. Die führenden
Laufachsen entsprachen
mit dem Durchmesser von 950 mm der üblichen
Bauart.
Auf diesem Rahmen mit dem
Laufwerk
wurde der Kasten aufgebaut. Dieser
gliederte sich in die beiden
Führerstände und den
Maschinenraum. In diesem
waren mehrere Sektionen vorhanden, die zu einem richtig gut gefüllten
Maschinenraum führten. Dazu trug auch die elektrische Ausrüstung bei, die
durchaus modernen Standards entsprach. Bevor wir dazu kommen einen kurzen
Blick auf die
Bremsen, denn eine davon fehlte.
Um die
Lokomotive abzubremsen war eine normale
Doppelbremse nach der
Bauart
Westinghouse vorhanden. Diese umfasste die Regulier- und die
automatische Bremse. Nicht vorhanden war die im
Pflichtenheft aufgeführte
elektrische
Bremse. Zwar war diese bei den Konstruktionsplänen noch
enthalten. Jedoch war klar, dass es keine Serie gibt und da ersparte man
sich den Aufwand. Warum man sich nicht gleich die ganze Arbeit sparte, ist
nicht bekannt.
Die elektrische Ausrüstung der
Lokomotive war zweiteilig ausgeführt
worden. Jede Hälfte konnte alleine betrieben werden und verbunden wurden
sie nur mit der
Dachleitung. Damals kannte man zwar das Prinzip, aber
nicht den Begriff von heute. Die
Redundanz kam erst, als es diese
Lokomotive nicht mehr gab und das sollte wirklich eine lange Zeit sein.
Wir können uns daher auf eine Seite beschränken, denn auch das ist
speziell.
Damit sollte er ein Unikat werden, denn diese besondere
Bauform gab es bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB bei zwei
Transformatoren und beide fanden den Platz in diesem
Maschinenraum. Auch
das wurde von der Reihe
Fb 5/7 übernommen und angepasst. Geregelt wurde die Zugkraft über einen Stufenschalter. Diese konnten zusam-men 23 Stufen erzeugen. Damit konnte eine Anfahrzugkraft von 17 000 kg erzeugt werden. Während der Dauer einer Stunde sank der Wert auf 8 650 kg.
Für drei
Triebachsen war das eine ansehnliche
Leistung. Auch hier war
klar die kleine Schwester der
Fb 5/7 zu erkennen und daher war der Aufwand
der MFO nicht so gross, denn man baute einfach etwas nach, was lief.
Für die
Hilfsbetriebe wählte man eine Versorgung mit 100
Volt. Noch war
man weit davon entfernt, dass standardisierte Werte benutzt wurden.
Versorgt wurden von den Hilfsbetrieben die beiden
Kompressoren und nicht
weniger als drei
Ventilatoren. Diese waren für die
Transformatoren und die
Fahrmotoren. Eigentliche Kanäle dafür waren jedoch nicht vorhanden. Was
vorhanden war, war hingegen die Ladung der hier benötigten
Batterien.
Besonders war, dass die
Lokomotive mit einer
Zugsheizung
ausgeliefert
wurde. Das war zwar nicht so neu, aber die hier angebotene
Spannung von
1000
Volt war es schon. Die bei anderen
Baureihen übliche Umstellung auf
andere Spannungen war gar nicht mehr verbaut worden. Bei der MFO erkannte
man scheinbar, dass sich die Bahnen in diese Richtung entscheiden sollten.
Beim Einsatz mussten daher passende Wagen gesucht werden.
Nur, wenn
niemand sicher weiss, was denn dazu passen könnte, der kann die Maschine
nicht mit dieser Einrichtung einsetzen. Jedoch liefert die MFO eine Idee
dazu, die auch diesen Exoten etwas begründen konnte. Mit der Vielfachsteuerung sollten mit der ebenfalls von der MFO gelieferten Reihe Be 4/6 Gespanne gebildet werden. Jeweils eine Lokomotive der der Reihe Fb 3/5 und Fb 2x 2/3 sollten in Vielfachsteuerung auf der Bergstrecke verkehren.
Damit wäre die hier vorgestellte Maschine als
zusätzliche Berglokomotive vor-gesehen gewesen. Die die Maschine nach der
Fahrt an den ursprünglich Ort verkehrte, war nicht benannt worden. Hier muss vielleicht die Idee der MFO etwas genauer erörtert werden. Mit zwei dieser Lokomotiven konnte die damals zulässige Zughakenlast geführt werden. Mit zwei identischen Lokomotiven war man zu hoch.
Mit der
Vielfachsteuerung sollte auf die zweite Besatzung verzichtet werden. Die
Umsetzung der nicht so schlechten Idee scheiterte daran, dass beide
Ma-schinen in diesem Artikel auftauchen und daher nie in Serie gingen.
Die mit 75 km/h durchaus recht flotte Maschine wurde während der Karriere
umgebaut. Dabei wurde das grösste Problem eliminiert. Nie so richtig
funk-tionieren sollte der
Stufenschalter der MFO, daher wurde die
Lokomotive auf eine andere Regulierung mit
Hüpfer
umgebaut. Mit der
Hüpfersteuerung
sollten die Probleme vermindert werden. Damit ist das
Fahrzeug erneuert worden und das lässt vermuten, das eine lange Karriere
bestand.
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Betriebseinsatz |
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Am 16. April 1919 wurde diese
Lokomotive den Schweizerischen Bundesbahnen
SBB übergeben. Sie kam unverzüglich nach Bern, wo auf den Tag gewartet
wurde, bis die
Fahrleitung unter
Spannung gesetzt wurde. Damit war die aus
Verzweiflung gebaute Maschine rechtzeitig bereit. Das konnte nur erreicht
werden, wenn kaum in eine Entwicklung investiert wurde. Das sinnlose
Modell wurde mit einer Idee der MFO doch noch spannend.
Die
Lokomotive übernahm mit der Einschaltung der
Fahrleitung die
Reisezüge
zwischen Bern und Spiez. Auch wenn es damals üblich war in Thun zu
wechseln, kam es dazu, dass bei in Spiez endigenden Zügen die Maschine bis
zum
Endbahnhof lief. Damit war auch erkennbar, dass die neue
BLS-Gruppe
mit den
Staatsbahnen ganz gut arbeiten konnte. Die oft zitierte Rivalität
war sicherlich zu Beginn der elektrischen Traktion Fehlanzeige.
Die war sogar so gut, dass die
Lokomotive sogar bis nach Brig vorstossen
konnte. Zumindest war das am 11. Dezember 1920 so. Mit den Zügen 140 und
137 führte die Reise von Bern bis ins Wallis. Jedoch war es für das
Personal keine entspannende Fahrt, weil es immer wieder mit Störungen am
Stufenschalter zu kämpfen hatte. Das Teil wollte von Beginn an nicht so
richtig funktionieren. Es war Neuland und die fehlende Erprobung, rächte
sich.
Wobei das wirklich nicht alltäglich war. Da die ungewollte Maschine
arbeiten musste, hatte sie mit vielen Störungen zu kämpfen. Auch damals
war es nicht leicht eine Maschine von Beginn weg zum laufen zu bringen.
Die zahlreichen Defekte konnten aber schnell dem
Stufenschalter
zugeschlagen werden. Diese waren damals in der Entwicklung und auch hier
konnte das Bauteil seine Tauglichkeit nicht unter Beweis stellen.
Trotzdem konnte die
Lokomotive im verbliebenen Jahr 1919 mit 65 000
Kilometer ein ansehnliches Programm fahren. So schlecht war die Maschine
der MFO wohl nicht gelungen. Die Störungen waren leicht zu beheben, da man
sich einfach mit der halben Maschine ins
Depot rettete. Dort war dann das
fehlerhafte Teil schnell getauscht. Es konnte wieder auf die Reise gehen
und diese umfassten die
Schnellzüge auf der Strecke.
Das schnelle Aaretal
wurde von der
Baureihe
Ae 3/6 I über-nommen. Damit konnte mit 100 km/h
gefahren werden. Die nun Be 3/5 genannte Maschine war schlicht zu langsam
unterwegs. Neue
Fahrleitungen in Zürich erlaubten die Ver-setzung. In Zürich konnte die Lokomotive im Nahverkehr unter neuen Fahrleitungen eingesetzt werden. Ein Einsatz, der zu einer bescheidenen Leistung von nur 20 000 Kilometer geführt hatte. Es fehlten im Dienstplan einfach die langen Fahrten ohne Halt, die viel Weg brachten.
Mit jedem Halt ging viel
Zeit verloren und ein Tag hatte nun mal nicht so viele Stunden, dass die
alten
Leistungen er-reicht werden konnten. Es war kein Problem der
Loko-motive. So wirklich glücklich war man mit dem Zuzug von Bern nicht. So kam es im Jahre 1928 zur erneuten Versetzung. Das Ziel war nun das Depot Luzern.
Dort hatte man mit der Reihe Be 2/5 einen wirklich sensationellen Exoten
und der sollte ersetzt werden. Mit anderen Worten, die bisher noch nicht
mit einem Namen versehene Maschine sollte «Viktor» ablösen, der nun
wirklich überall in Ungnade gefallen war und auch diese Arbeit verlor.
Damit kam die
Lokomotive auf dem bekannten Dreieck zwischen Luzern, Zug
und Arth-Goldau zum Einsatz. Da dieser
Dienstplan sehr viele
Leistungen
zwischen Luzern und Zug hatte, wurde die Maschine schnell vom Personal mit
dem Namen «Zuger Bertha» versehen. Es war eine Anspielung auf den Einsatz
nach Zug und die neue Bezeichnung Be, die zu Bertha erweitert wurde.
Damals schrieb man das wirklich noch mit einem H.
Ab 1934 kann dann die Versetzung der
Lokomotive zur
Haupt-werkstätte in Yverdon. Mit den zunehmenden
Fahrleitungen wurden die
Aufgaben immer mehr auf mehrere Hauptwerk-stätten verteilt und der als
Prototyp für den Gotthard ge-dachten Exot, sollt diesen nie sehen. Ein Antrag der Hauptwerkstätte Yverdon lies im Jahre 1942 aufhorchen. Dieser benannte eine grosse Abnützung des Kol-lektors. In einem Schreiben hielt man die sehr aufwändige Re-paratur einer Ausrangierung gegenüber.
Das
war so geschrieben, dass man den Abbruch erwartete. Die Rechnung machte
man aber nicht mit dem
Kreis, denn dieser sah die Reparatur nicht als so
dringlich an und ordnete den Erhalt der
Lokomotive
an.
Im Jahre 1950 liess sich dann die Aufarbeitung der
Kollektoren nicht mehr
aufschieben. Die vorher angebotene
Ausrangierung war nun vom Tisch und
daher wurden die Arbeiten in Angriff genommen. Mit neuen Kollektoren kam
die Maschine wieder auf der angestammten Strecke in den Einsatz. Von allen
Exoten von 1919 konnte sie sich noch halten und das obwohl es eigentlich
keine Strecke gab, die passte.
Es sollten ein paar ruhige Jahre folgen. Bis zum 13. August 1959 waren
dank der neuen
Hüpfersteuerung
kaum Klagen zu hören. Der Tag sollte aber
zu einer schweren Kollision in Rotkreuz führen. Daran beteiligt war auch
die «Zuger Bertha», die dabei beschädigt wurde. Solche Händel waren für
Exoten oft kein gutes Zeichen, denn man konnte sich so elegant von dem Teil
verabschieden. Zumal nun viele neue Modelle bereit standen.
Diese wollte in
Lausanne eine Landesausstellung ausrichten. Das führte dazu, dass die
Schweizer-ischen Bundesbahnen SBB jedes Fahrzeug suchten, das sich aus
eigener Kraft bewegen konnte und das konnte die Be 3/5 immer noch.
Notdürftig in Stand gestellt kam die Maschine ab 1960 wieder in den
Betrieb. So lange wie erhofft war dieser aber nicht, denn ein Schaden an
einem Motor brachte die Maschine in den Unterhalt. Dort erinnerte man
sich, dass mit einem Motor die normale Geschwindigkeit gefahren werden
konnte. Jedoch war eine Reduktion der
Anhängelast erforderlich. Das wurde
akzeptiert und so ging es mit einem Motor auf Reisen.
Mit dem Ende der Landesaustellung konnten nun auch Probleme gelöst werden.
Die
Baureihe Be 3/5 stand daher wieder einmal auf der Liste. Der Exot mit
nur einem Motor war kaum mehr einsetzbar. Die «Zuger Bertha» wurde daher
erneut an einen anderen Ort versetzt. Das Ziel sollte nun das
Depot
Biel/Bienne sein. Dort kam sie vor den
Hilfswagen, auch keine Arbeit die
sonderlich beliebt war, denn es wurde selten gefahren.
Auf die Aufarbeitung des zweiten Motors wurde verzichtet, daher wurde
gerade im Jura eine Beschränkung der
Anhängelast verfügt. Diese war so
umfangreich, dass nur noch der
Hilfswagen gezogen werden durfte. Keine
gute Angelegenheit, da dort oft Züge geborgen werden mussten. So lange es
bergab ging war das aber kein so grosses Problem und der Einsatz konnte
bewältigt werden. Lange sollte er jedoch nicht bestehen bleiben.
In diesem bescheidenen Einsatz wechselte
die alte Dame immer wieder den Standort. Es war klar, es konnte mit der
nun schon recht alten
Lokomotive mit nur einem
Fahrmotor nicht mehr viel
angestellt werden. Es gab nun genug neuer Modelle im Bestand.
So kam es, dass es auch um die
Heizlokomotive geschehen war. Am 30.
November 1966 wurde daher die
Ausrangierung verfügt. Damit endete die
Karriere nach einem Einsatz von 47 Jahren. Für einen eher ungeliebten
Exoten war das viel, aber die
Lokomotive galt als
Prototyp und die hatten
immer wieder ein langes Leben, auch wenn sie nicht zur Serie passten. Hier
gab es diese jedoch nicht und so ist die Be 3/5 ein Exot.
Es kam jedoch nicht zum Abbruch. Die bedauernswerte
Lokomotive wurde
erneut verändert. Es wurde ein Objekt für die Aufgleismannschaften. In der
Westschweiz sollte sie nun alle erdenklichen Szenarien über sich ergehen
lassen. Von einer Lokomotive konnte daher nicht mehr gesprochen werden.
Jedoch existierte sie immer noch und damit übertraf sie die meisten
anderen Exoten im Bestand der
Staatsbahnen.
Als Schliesslich im Jahre 1973 und damit nach 54 Jahren eine Überführung
anstand, wurde die
Lokomotive untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass
sie nicht mehr lauffähig war. Damit war nun klar, dass die Maschine auch
dem Abbruch zugeführt werden musste. Damit verschwand die Be 3/5, oder die
«Zuger Bertha» endgültig aus den Büchern. Für einen ungeliebten Exoten
hatte sie ein durchaus erfolgreiches Leben gehabt.
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