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Ce 6/6 14 101 "Röthenbach Säge" |
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Die für die Erzbahn zwischen Kiruna und Narvik gebaute
Lokomotive
wurde von den Schweden nicht übernommen und so stand die Maschine zum
Verkauf. Das traf sich mit den Schweizerischen Bundesbahnen SBB, die
damals wirklich jedes verfügbare Modell für den Betrieb mit
Wechselstrom
suchten. Wie gut diese Panikkäufe waren, zeigt diese Lokomotive sehr gut
auf, denn was an der Grenze angeliefert wurde, passte nicht.
Es war also ein Kauf nach dem Motto, so wie gesehen. Als
Sondertransport wurde der Neuling aus Deutschland von Schaffhausen in die
Hauptwerkstätte
Zürich überstellt und dort umgebaut.
In der
Hauptwerkstätte
Zürich wurde das Dach der Loko-motive tiefer gesetzt und die
Beleuchtung
angepasst. Die bisherigen Scheinwerfer ersetzt man durch die damals
üblichen Laternen. Dabei wurden diese aber nicht mehr mit
Petrol
erhellt, sondern mit einer darin eingebauten
Glühbirne.
Es sollte noch mehrere Jahre mit dieser Lösung gearbeitet werden. Hier war
es einfach eine schnell Aktion mit Lampenteilen aus dem
Lager. Neue Schienenräumer wurden zum Schutz des Laufwerks montiert. Diese wurden ebenfalls aus dem Bestand genommen, was hier aber durchaus üblich war, denn Schienenräumer mussten oft ersetzt werden. Schliesslich wurden auf den Dach noch zwei Stromabnehmer nach den Normen der Schweizerischen Bundesbahnen SBB aufgebaut. Wobei das nicht so genau zu nehmen ist, denn es passte einfach zur ersten Strecke.
Gerade die notwendigen Anpassungen beim Kasten zeigten, wie schwer es war,
eine
Lokomotive aus dem Ausland zu beziehen. Die grosszügigeren Werte in
Schweden passten einfach nicht zur beengten Schweiz. Auch der Aufbau der
Lokomotive sollte nicht so passen, denn man konnte der Maschine die
Herkunft ansehen. Wir haben hier damit eigentlich eine Lokomotive, wie sie
damals in Deutschland durchaus üblich war.
Damit kein Regen in die Maschine gelangte, wurde der Durchgang
über der
Kurzkupplung
mit einem
Faltenbalg abgedeckt. Wir können uns daher
bei der weiteren Betrachtung auf einen Teil beschränken. Der Antrieb für die drei Achsen wurde über einen Stangenantrieb ausgeführt. Dabei wurde die Kraft von der nahezu senkrechten Schubstange auf eine Blindwelle zwischen dem beiden mittleren Achsen übertragen.
An
dieser Welle waren dann die einzelnen
Achsen mit
Kuppelstangen
angeschlossen worden. Gerade die Lösung mit der sehr steilen Schrägstange
war in der Schweiz bei nicht so vielen
Lokomotiven anzu-treffen. Die Triebachsen hatten einen Durchmesser von 1100 mm erhalten und waren daher vergleichsweise klein. Laufachsen waren nicht vorhanden und sie liefen in den damals üblichen Gleitlagern.
Gerade bei der
Schmierung
sollte diese Maschine durch einen sehr grossen Aufwand auffallen. Es gab
unzählige Schmierstellen, die betreut werden mussten. Neben den üblichen
Verdächtigen wie den
Achslagern, war die
Kurzkupplung ein guter Kandidat.
Zur Abbremsung war eine übliche einlösige Knorrbremse eingebaut worden.
Diese wirkte von einem
Bremszylinder auf die
Klotzbremse jeder
Triebachse.
Die
Bremse war bei
Güterzügen noch nicht so oft verbreitet, jedoch
gehörten die schweren Erzzüge in Schweden dazu. In der Schweiz sollte
diese Bremse noch ein paar Jahre auf die
Lokomotive wirken.
Reisezüge
sollte diese Lokomotiven sicherlich nicht ziehen.
Der Schutz des Personals wurde damals nicht
so gross geschrieben wie heute. Bereits kleine Kolli-sionen zerlegten den
Führerstand vollständig. Zum Glück wurde das nie überprüft. Im Kasten eingebaut war der grosse und elf Tonnen schwere Fahrmotor. Dieser ragte sogar in den Führerstand und er war langsam laufend. So konnte das Drehmoment ohne ein Getriebe auf die Trieb-achsen übertragen werden.
Die mit einer
Leistung von 1104 kW versehene 103 Tonnen schwere
Lokomotive konnte eine Anfahr-zugkraft von 21 800 kg erzeugen. Während der
Dauer einer Stunde war noch eine
Zugkraft von 11 680 kg vorhanden.
Die
Höchstgeschwindigkeit musste auf 60 km/h festgelegt werden. Das war
genug, da mit
Güterzügen selten schneller als 40 km/h gefahren wurde. Das
führte dazu, dass die
Lokomotive mit der Bezeichnung Fc 2x 3/3 versehen
wurde. Wir sollten nun aber auch noch den elektrischen Teil genauer
ansehen, denn der war sehr einfach aufgebaut worden. Schwere Güterzüge
waren bekanntlich keine Sprinter und das war zu bemerken.
Mit der verbauten
Hüpfersteuerung konnten lediglich neun
Fahrstufen
erzeugt werden. Bei schweren Anfahrten musste daher nicht so oft
nachgeschaltet werden. Dabei müssen wir aber klar erkennen, dass diese Art
von Zügen damals noch nicht so oft anzutreffen waren. Es waren Werte, die
für die schweren Erzzüge in Schweden geschaffen wurden und die nicht so
sehr in die Schweiz passen sollten. Das zeigte auch die Reihe
Fc 2x 3/4.
Die
Hilfsbetriebe wurden mit 110
Volt betrieben und sie umfassten die
üblichen Baugruppen. Dazu gehörte in jeder Hälfte ein
Kompressor für die
Bereitstellung der
Druckluft. Angeschlossen war eine
Umformergruppe für
die Steuerung, die aber nur diese übernahm und nicht für die Ladung der
Batterien genutzt wurde. Die bei der Steuerung vorhandene
Spannung war
zudem mit 18 Volt sehr tief angesetzt worden und das war besonders.
Eine der damals eingeführten einheitlichen
Bleibatterien reichte aus, da
diese die passende
Spannung anbot. Wegen der fehlenden Ladung mussten
diese
Batterie jedoch in regelmässigen Abständen ausgewechselt werden.
Damit man im Betrieb keine bösen Überraschungen erlebte, war an der Seite
eine Anzeige mit der vorhandenen
Kapazität angebracht worden. So richtig
in den üblichen Fuhrpark passen sollte die Maschine daher nicht.
Speziell war die Steuerung, denn die beiden Hälften der
Lokomotive liefen
in einer
Vielfachsteuerung, die jedoch nicht getrennt werden konnte. So
war es aber möglich bei einem Defekt mit nur einer Hälfte zu fahren. Das
funktionierte sogar, wenn nur der hintere Teil in Betrieb war. Ein Ausfall
der Lokomotive war daher kaum zu erwarten, denn irgendwie konnte man sich
immer ins
Depot retten. Zumindest dann, wenn die
Batterien nicht leer
waren.
Da die Maschine für den
Güterverkehr gebaut wurde, kam keine
Zugsheizung
zum Einbau. Diese war damals gar noch nicht festgelegt worden, denn die
Wagen hatten
Dampfheizungen und diese sollte von den elektrischen
Lokomotiven nicht mehr angeboten werden. Wir jedoch sollten nun ansehen,
wie sich die die Lokomotive für die Erzbahn in der Schweiz bewährte und
das kann nur der Betriebseinsatz zeigen und da gibt es Überraschungen.
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| Betriebseinsatz |
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Am 16. Juli 1919 konnte die nun als Fc 2x 3/3 mit der Betriebsnummer
12 200 bezeichnete
Lokomotive dem Betrieb übergeben werden. Sie kam daher
nach Bern und wurde im dortigen
Depot stationiert. Eine grosse Auswahl gab
es nicht, denn es gab noch keine andere Strecke. Dabei traf die sonderbare
Maschine im Depot bereits auf die ersten Vertreter der für den Gotthard
gebauten Lokomotiven und darunter auch die spätere
Ce 6/8 II.
Für den Fall,
dass keiner bereit stand, hätte auch eine Dampflokomotive ein-springen
können, denn diese waren da-mals noch sehr zahlreich vorhanden. Jetzt ging
es aber mit der Fc 2x 3/3 auf die nicht so grosse Reise. Die Lokomotive übernahm dabei den Gü-terverkehr auf der Strecke zwischen Bern und Thun.
Neben den
Nahgüterzügen waren dabei auch die Züge in
Richtung BLS vorhanden. Die täglichen
Leistungen schwankten stark.
An
Tagen, wo mit den langsamen Nahgüterzügen gefahren wurde, schaffte es die
Maschine nicht so oft über die Strecke. Sie wurde gerade zu Beginn sehr
intensiv eingesetzt und das machte den Kauf erklärbar.
Wenn es die
Versuchsfahrten auf der Lötschbergstrecke erlaubten, kamen in
den
Dienstplan aber auch die beiden
Prototypen für den Gotthard. Es sollte
jedoch nur ein Jahr dauern, bis die erste Umbezeichnung erfolgte. Nun
wurde die Maschine als Ce 6/6 mit der Nummer 14 101 geführt. An dieser
sollte sich bis zum Ende der
Lokomotive nichts mehr ändern. Das auch, weil
sie nicht so alt werden sollte, wie man sich erhofft hatte.
Vom Personal war die Maschine jedoch mit dem Namen «Röthenbach Säge»
versehen worden. Ein so spezieller Name muss erklärt werden. Röthenbach
war eine Gemeinde im holzreichen Emmental. Neben der Landwirtschaft fand
man dort auch sehr viele Sägereien. Die
Kompressoren der Ce 6/6 sollten
sich wie eine er dort damals zahlreichen Sägemühlen angehört haben.
Wahrlich ein Geräusch, das man auf einer
Lokomotive nicht erwartet.
Da war wirklich jedes kleine Dorf als Kandidat vorhanden. Wir können da-her annehmen, dass der Urheber in irgend einer Verbindung zu dieser Ge-meinde stand.
Jemand schuf den Begriff und er blieb. Die «Röthen-bach Säge» war
geboren und auch damit war die Maschine sonderbar. Der Start des Betriebes war durchaus erfolgreich, so konnten in einem Jahr rund 27 000 Kilometer erreicht werden.
Das obwohl damals der
Nahgüterzug
wegen den umfangreichern
Manövern mehrere Stunden für die Fahrt über die
Strecke benötigte. Damit war ein intensiver Einsatz vorhanden, der klar
zeigte, dass man die
Lokomotive benötigte. Die
Prototypen für den Gotthard
absolvierten ihre
Versuchsfahrten oft auf der Lötschbergbahn.
Bei den Fahrten von und zum
Depot Bern, konnten sie daher nicht den
langsamen
Nahgüterzug nehmen. Sie fuhren mit einem Zug für den Lötschberg
und machten damit dann gleich die
Versuchsfahrten. Am Abend zurück wurde
dann auf die gleiche Weise verfahren. So hatte die Reihe Ce 6/6 den
Nahgüterzug für sich gebucht und das wirkte sich negativ auf die
Laufleistungen aus, denn diese schwankten immer noch von Tag zu Tag.
Probleme bereitete die
Hüpfersteuerung. Diese war so gut, dass ein
Besenstiel zum wichtigsten Werkzeug wurde. Mit diesem konnte einem
störrischen
Hüpfer wieder Beine gemacht werden. Auch die
Laufeigenschaften
waren nicht optimal, da es hier keine führenden
Laufachsen gab. In dem
Punkt gab es daher keinen Unterschied zur
Baureihe
Ce 6/6 der
BLS-Gruppe.
Noch wurden für optimales Verhalten führende Laufachsen benötigt.
Der Grund waren nicht grosse Probleme, sondern die Tatsache, dass nun immer neue Lokomotiven in Betrieb kamen und daher diese die Leistungen übernehmen konn-ten.
Das obwohl die Modelle für den Gotthard bereits abgezogen wurden.
Alle gingen nicht und eine bessere Maschine reichte aus.
Noch war die Strecke zwischen Bern und Thun das Eldorado für
Neuankömmlinge. Darunter befanden sich nun auch erste für das
Flachland
gebaute
Lokomotiven. Diese wiederum verdrängten in Bern gebliebene Modelle
der ersten Lieferung vor den
Reisezügen, da sie schneller waren. Eine
Maschine der Reihe Be 4/6 konnte sich auch vor dem Stücker nützlich
machen. Das lärmige unhandliche Teil blieb daher im
Depot stehen.
Es ist spannend, dass diese durchaus zugkräftige
Lokomotive nicht auch den
Weg an den Gotthard antrat. Dort hätte sie die hohe
Zugkraft besser
umsetzen können, als mit den leichten
Nahgüterzügen auf der Strecke
zwischen Bern und Thun. Wirklich verlassen sollte die Maschine das
Depot
Bern nur, wenn es in den Unterhalt ging und der fand in Bellinzona statt.
Zumindest dann kam die Lokomotive der Erzbahn über den Gotthard.
Als auch in Bern weitere Strecken mit
Fahrleitung versehen wurden, kam die
Ce 6/6 wieder in den Einsatz. Neben der bisherigen Strecke nach Thun,
kamen nun auch Ausflüge nach Olten in den
Dienstplan der
Lokomotive. Nur
so sicher war dieser auch wieder nicht, denn wirklich geliebt wurde die
sonderbare Lokomotive in Bern von niemandem. Sie lief unruhig und auch der
Besenstiel war immer griffbereit, wenn es auf die Reise ging.
Dabei auch
Lokomotiven für
Reisezüge,
die durchaus auch einen leichten
Nahgüterzug bespannen konnten. Für
Exoten wurde die Luft damit immer dünner. Die Lokomotive Ce 6/6 war ein
Exot in jeder Beziehung und das sollte sie immer wieder spüren. Auch wenn man sich in Bern durchaus eine Ver-setzung wünschte, es gab niemanden, der auf dieses Ungetüm scharf war. Besonders dann, als die ersten Modelle der neuen Baureihe Ce 6/8 III in Betrieb ka-men.
Die
«Röthenbach Säge» blieb daher dem
Depot Bern erhalten. Doch auch dort
stellte man die Maschine in der hintersten Ecke ab, dass auch wirklich
niemand auf die Idee kam, mit den Teil zu fahren. Es blieb bei wenigen
Kilometern. Die neue Lokomotive für Güterzüge konnte deutlich mehr leisten, als der Exot aus Deutschland. Trotzdem so richtig von ihm trennen wollte man sich noch nicht.
Daher ging das Leben seinen Lauf, auch wenn es immer wieder
an Arbeit mangelte. Es gab Jahre, da erreichte die Maschine noch
Leistungen von 150 Kilometer und das in einem Jahr. Die
Lokomotive Ce 6/6
war einfach wegen dem Lärm und der Gerumpel nicht beliebt.
Am 29. April 1932 reiste die
Lokomotive für eine
Revision nach Bellinzona.
Dabei traf sie auf die
Prototypen einer gigantischen
Baureihe, die nun
wirklich alles, was es gab in den Schatten stellte. Die Reihe
Ae 8/14
konnte es auch mit den neusten Modellen der Erzbahn in Skandinavien
aufnehmen. Die schon zu Beginn zu schwache Maschine hatte schlicht das
Nachsehen und so ging die Reise wieder nach Bern und ins dortige
Depot.
Zu diesen
glücklosen Modellen gehört auch die ur-sprünglich für Schweden gebaute
Lokomotive der Reihe Ce 6/6. Aus Deutschland gekommen, passten nun
wirk-lich keine Teile auf das Modell und so musste sehr viel improvisiert
werden.
Die grossen Serien bei den
Baureihen
Ae 3/6 I und
Ae 4/7 sorgten zudem
dafür, dass erste Modelle vom Gotthard wieder nach Bern kamen und dort
nach Arbeit suchten. Dort trafen sie auf einen alten bekannten, der immer
wieder in der hintersten Ecke stand und ab und zu auch in der Grube der
Schiebebühne. Ob mit Absicht um den schnellen Abgang zu ermöglichen, kann
wohl ausgeschlossen werden, es war einfach ein Missgeschick.
Im Jahre 1933 trat die Maschine erneut die Reise nach Bellinzona an, es
sollte die letzte Fahrt in den Süden sein. Dort wurde die kaum mehr
bewegte
Lokomotive der
Ausrangierung zugeführt. Der Abbruch besiegelt den
Betriebseinsatz der Maschine nach einem Einsatz von gerade einmal 13
Jahren. Die für die Erzbahn in Schweden gedachte
Baureihe passte
nun wirklich nicht in die Schweiz. Einer der grössten Exoten im damaligen
Bestand war damit für immer verschwunden.
Gerade die
Baureihe Ce 6/6 muss sich das Prädikat Panikkauf gefallen
lassen. Sie stand weit weg in Berlin und konnte nicht nach Schweden
reisen. Neu und kaum bewegt, traf sie auf einen Einkäufer, der nun
wirklich jeden Schrott mit dem passenden
Stromsystem suchte. Schrott war
die
Lokomotive der Erzbahn, die das Glück in der Schweiz suchte, nun
wirklich. Es war nur ein kurzes Glück, aber deshalb darf man die
«Röthenbach Säge» nicht vergessen.
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