|
Inbetriebsetzung |
|||||||||||
| Navigation durch das Thema | |||||||||||
|
Nach den Schwierigkeiten
und Verzögerungen beim Bau der
Triebzüge
musste die
Inbetriebsetzung
derselben extrem beschleunigt werden. Der Grund war die geplante
Betriebsaufnahme zum Wechsel des
Fahrplans
im Frühjahr 1957. Niemand glaubte zu Beginn des Jahres daran, dass dieser
Termin gehalten werden kann. Für uns bedeutet das, dass wir eine spannende
Inbetriebsetzung bekommen. Dabei waren die Wagen schneller fertig
geworden, als die
Triebköpfe.
Es fehlte nur noch der Triebkopf und dieser wurde in den Niederlanden gebaut. Dort sollten die Züge auch formiert und dann getestet werden. Eine übliche Vorgehensweise beim Bau von Triebzügen. Nur die Distanz war nun etwas grösser.
Am Ziel sollte bei Werkspoor in Utrecht die Endmontage für die
neuen Züge erfolgen. In der Schweiz musste man sich daher in Geduld üben,
denn im Land der Berge war man sich nicht sicher, ob der
Maschinenwagen
aus den Niederlanden passte. Mit dem Wort passen, haben wir bereits das
erste Problem beim Bau angesprochen. Der
Triebzug
waren keine leichte Sache, das galt für den Besteller und erst recht für
die Erbauer.
So begannen die
Versuchsfahrten
in den Niederlanden am 07. März 1957. Die erste Fahrt führte mit dem
Maschinenwagen
von Utrecht nach Arnhem. Das war schon eine grosse Überraschung, denn in
der Regel werden solche Fahrten mit dem fertigen Zug durchgeführt. Es
musste ein Problem gegeben haben und dies war noch recht simpel, denn es
gelang nach der Formation nicht, den Maschinenwagen vom
Steuerwagen
aus in Betrieb zu nehmen.
Bei den Abklärungen über die Ursache wurde festgestellt, dass die
Verkabelung der Wagen nicht stimmt. Die vom Hersteller in den Niederlanden
erstellten Unterlagen, wurden in der fernen Schweiz vom
Wagenbauer
scheinbar falsch verstanden. Auch wenn die Sprachen nahe verwandt sind,
bei komplexen Anweisungen kann es zu grösseren Problemen damit kommen. Das
hatte man nun bei der Formation des ersten Zuges festgestellt.
Es sollte anders kommen, denn die ersten
TEE
wurden mit einem notdürftig zusammen gesetzten Zug gefahren. Wie das Kabel
auf die Fahrgäste wirkte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall es sollte
länger dauern, bis es verschwand. Nur schon die Tatsache, dass es nicht gelang bis zur Betriebsaufnahme die Kabel richtig anzuordnen zeigt, wie komplex das Problem war. Die Steck-dosen waren schlicht komplett falsch verdrahten.
Wer nun die Pläne nicht richtig lesen konnte, lassen wir so weg,
denn das hatten die beiden Firmen vermutlich schon selber herausgefunden.
So kurz vor der Betriebsaufnahme war das Problem nicht zu beheben. In den Monaten März und April fanden mit dem ersten Triebzug ausgedehnte Versuche in den Nie-derlanden statt.
Dabei kam es auch zu kurzen Abstechern nach Luxemburg und Belgien.
Wobei dort keine grossen Versuche ausgeführt wurden. Der Zug fiel nicht
von den
Schienen.
Es zeigte sich gerade hier sehr schön, dass die Zeit drängte, denn zum
Fahrplanwechsel
in Juni sollte der fahrplanmässige Verkehr aufgenommen werden.
Während der beiden Monate mit
Versuchsfahrten
kamen keine neuen Züge in Betrieb. Man kann jedoch durchaus annehmen, dass
diese fertig gebaut waren. Sie standen einfach im Werk und warteten darauf
ausgeliefert zu werden. Probleme damit hatten eigentlich nur die
Schweizerischen Bundesbahnen SBB, denn diese benötigten einen Zug für
Versuche in der Schweiz. Das lange warten begann und die Stimmung der
Bahnen besserte sich nicht.
Während sich die Nummer 502 auf die lange Reise in die Schweiz machte, ging es in den Niederlanden plötzlich schnell.
Die
Triebzüge
wurden jetzt nahezu täglich ausge-liefert. Am 08. Mai war mit der Nummer
1001 das Modell aus den
Versuchsfahrten
an der Reihe. Nur einen Tag später, also am 09. Mai 1957 wurde mit der Nummer 501 der zweite Triebzug für die Schweiz fertig. Wir haben innerhalb von fünf Tagen drei Züge erhalten. Danach flachte die Lieferung etwas ab.
Nach am 14. Mai 1957 die Nummer 1002 ausge-liefert wurden, endet
der Bau von
Triebzügen
RAm TEE am 23. Mai 1957 mit der Nummer 1003 und damit mit einem DE IV.
Weitere sollten nicht mehr in Betrieb kommen.
Während in den Niederlanden die Auslieferung einsetzte traf der
erste
Triebzug
in der Schweiz ein. Die Versuche begannen am 07. Mai 1957 mit einer Fahrt
im Norden des Landes. Dabei wurde die Strecke von Schaffhausen nach
Neuhausen am Rheinfall befahren. Speziell dabei ist nicht der Ort, sondern
die Strecke, denn es war jene der Deutschen Bundesbahn DB. Genutzt wurde
die Fahrt für Bilder ohne
Fahrleitung,
denn in der Schweiz ging das kaum.
Der Fototermin war der Auftakt für die
Versuchsfahrten
in der Schweiz. Diese wurden sehr intensiv ausgeführt, denn man wollte
wissen, was geliefert wurde. Zumal die Schweizerischen Bundesbahnen SBB
mit dem Hersteller kaum Erfahrungen hatten. Verfügbar war dabei nur der
Monat Mai, denn danach sollte der Betrieb aufgenommen werden. Wenig Zeit,
um alle Punkte wirklich genau zu untersuchen. Immerhin hatte man zwei
Züge.
In der Schweiz gab es viele und natürlich auch enge
Kurven
und diese Versuche waren nicht so erfolgreich, wie das vor dem Beginn von
den Fachleuten erwartet wurde. Bei engen Bögen fiel auf, dass der Maschinenwagen dazu neigte zu klemmen. Auch die vom Laufwerk hörbaren Geräusche waren furchteinflössend. Die Untersuchungen ergaben, dass die Führungskräfte im Gleis sehr hoch waren.
Für die
Zulassung
zur
Zugreihe R
waren die Kräfte zu hoch. Als Ursache vermutete man die hohe
Achslast
und nicht die langen
Drehgestelle.
Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB hatten diesbezüglich mit der Reihe
Ae 6/6 Erfahrungen gemacht. Um den Einsatz nicht zu gefährden, wurden keine Anstreng-ungen unternommen das Problem zu beheben. Der Triebzug wurde in der Schweiz nur für die Zugreihe A zugelassen.
Bei dieser
Zugreihe
war damals die
Höchstgeschwindigkeit
auf 110 km/h beschränkt worden. Die technisch erlaubten 140 km/h sollten
in der Schweiz nie erreicht werden. Auch hier gilt, es wurde getestet, es
kam kein gutes Ergebnis zu Stande, also bliess man es.
Jedoch muss auch gesagt werden, dass kaum die notwendige Zeit für
ausgedehnte
Versuchsfahrten
gab. Der Start mit den
TEE
Zügen war klar festgelegt worden und diese sollten mit dem kommenden
Fahrplanwechsel
eingeführt werden. Das neue Angebot und der Komfort der neuen Züge musste
davon noch bekannt gemacht werden. So wurde ein Zug auf die Promotiontour
geschickt. Der andere versuchte immer noch etwas besser dazustehen.
Diese gnädigen Herren liessen sich gerne persönlich von einem
neuen Fahrzeug überzeugen und so wurde eine Fahrt ins Blaue unternommen.
Der
Triebzug
kam dabei auch auf Strecken, die er so schnell nicht wieder sehen sollte. Nur zwei Tage später kam dann der grosse Tag. Der in der Schweiz startende Triebzug wurde auf die Reise nach Paris geschickt. Die Fahrt, die auch gleich der Schulung diente, hatte wichtige Kundschaft.
Die Minister der Schweiz reisten an eine in Paris statt-findende
Konferenz. Das erfolgte diesmal standesgemäss mit einem Zug von den
Schweizerischen Bundesbahnen SBB, auch wenn man das am Zug kaum erkennen
konnte, denn es war nur klein angeschrieben.
Spannend bei dieser Fahrt war eigentlich nicht das Ziel. Diese
Triebzüge
sollten auch später Paris anfahren. Je-doch sollten sie dann aus den
Niederlanden und nicht direkt aus der Schweiz kommen. Es war also wirklich
eine
Versuchsfahrt
und den Würdenträgern in den Abteilen wurde natürlich verschwiegen, dass
vorne in der Kabine ein Fahrschüler am Werk war. Man musste wirklich jede
Fahrt dazu nutzen, denn es war knapp.
Wie knapp es war zeigt die Tatsache, dass nicht überliefert worden
war, ob die
Vielfachsteuerung
im Rahmen der
Inbetriebsetzung
geprüft wurde. Dazu mussten zwei Züge so nahe sein, dass die
Kupplungen
arbeiten konnten. In der Zeit waren sie jedoch in halb Europa verteilt
worden. Niemand kam dann auf die Idee, dass man ja noch diese
Fernsteuerung
prüfen sollte. Betrieblich wurde sie nicht benötigt, also liess man es
sein.
Als Unterschied kann jedoch angesehen werden, dass diese Fahrt am 23. Mai 1957 noch einmal wiederholt wurde.
Jedoch war auch hier klar, es musste dabei das Personal geschult
werden, denn immer noch waren einzelne
Triebzüge
damit beschäftigt, ihre
Versuchsfahrten
abzuschliessen.
Es muss noch einmal erwähnt werden. Die
Versuchsfahrten
brachten einige Probleme an den Tag. So liessen die schlechten
Laufeigenschaften in der Schweiz erwarten, dass es zu Problemen mit den
Spurkränzen
kommen könnte. Auf die Suche nach einer Lösung machte sich jedoch niemand.
Man beschloss einfach, der
Triebzug
dürfte nur nach der
Zugreihe A
fahren. Man muss sich fragen, ob die Ergebnisse ausgewertet wurden.
Warum blieben die Massnahmen aus. Da war in erster Linie der Druck
vorhanden, denn der Start war klar und vermutlich wollte man in der
Schweiz die Fachleute in den Niederlanden nicht verärgern. Der Grund dafür
war, dass die Ergebnisse in der Schweiz deutlich andere Werte zeigten, als
das in den Niederlanden der Fall war. Bei den anderen befahrenen Ländern
konnte nicht einmal eine saubere Fahrt ausgeführt werden.
Eine einfache Rechnung. Befahren werden sollten fünf Länder, dazu
hatte man fünf Züge beschafft. In jedem Land musste das Personal geschult
werden. Auch wenn es nur wenige spezialisierte Lokführer waren, sie
benötigten dafür einen
Triebzug.
Entweder waren alle abgestellt für Schulungen, oder die einzelnen Länder
mussten warten. So knapp vor dem
Fahrplanwechsel
wartete niemand gerne mit der Schulung des Personals.
Alle verkehrten auf den geplanten Strecken nur die zeit-liche Lage
war verschoben, so dass sich die
TEE
auch treffen konnten. Damit waren aber auch die Versuche abgeschlossen
worden und man hatte gute
Bordmechani-ker. Nach der Betriebsaufnahme gab es kaum mehr Versuche. Die Züge wurden benötigt. Kurze Tests wurden aber nach Revisionen vorgenommen. Diese dienten jedoch eher der Frage, ob man wirklich alle Kabel richtig verdrahtet hatte.
Ausgedehnte Fahrten waren das daher nicht, sie waren einfach nicht
mit
TEE
belegt worden. Diese standen dann nach der Fahrt wieder an und eine
Änderung dort führte zu Versuchen, die hier erwähnt werden müssen. Für den geplanten Einsatz vor dem TEE «Bavaria» mussten Versuche durchgeführt werden. Diese Verbindung von Zürich nach München, passierte dabei auch einen Abschnitt in Österreich.
Viel von diesen Fahrten ist nicht bekannt, jedoch wurde eine davon
so spannend, dass wir nicht darum herum kommen diese Fahrt genauer
anzusehen. Der Start erfolgte in Zürich und das Ziel befand sich in
München, ein Abschnitt mit viel Potential.
Am 24. April 1969 startete der
Triebzug
und die Fahrt nach München dauerte dabei nur vier Stunden und zehn
Minuten. Eine Sensation, die auch nur möglich war, weil nicht überall
gehalten wurde. Sie müssen bedenken, dass heute mit
Fahrleitung
und
Neigetechnik
kaum viel kürzere
Fahrzeiten möglich sind. Immer noch kämpft man um die magische Grenze
von vier Stunden. 1969 wurde sie von einem RAm TEE I beinahe geknackt.
|
|||||||||||
| Letzte |
Navigation durch das Thema |
Nächste | |||||||||
| Home | SBB - Lokomotiven | BLS - Lokomotiven | Kontakt | ||||||||
|
Copyright 2025 by Bruno Lämmli Lupfig: Alle Rechte vorbehalten |
|||||||||||