|
Umbauten und Änderungen |
|||||||||||
| Navigation durch das Thema | |||||||||||
|
Ob man sich schon bei der Bestellung nicht sicher war, dass die
Züge gut würden? Es war immer klar, dass diese von einem
Bordmechaniker
begleitet werden sollten. Die dabei angedachte Arbeit war die Behebung von
Störungen in kleinerem Umfang. Eine defekte
Sicherung sollte ausgewechselt
werden. Es sollte anders kommen, denn der Bordmechaniker führte während
der Fahrt umfangreiche Arbeiten aus, die eine Werkstatt verlangten.
Solche Grundsätze werden
oft ins Feld geführt und dann vom Endprodukt widerlegt. In diesem Punkt
stellten die hier vorgestellten
Triebzüge aber eine Ausnahme dar. Der
Start sollte nicht so richtig ge-lingen und so war das Vertrauen weg.
Eines der ersten Probleme, das man lösen musste, fand sich bei der
Steuerung. Die Kommunikation zwischen dem
Steuerwagen und den
Triebkopf
funktionierte nicht. Der Grund war eine falsche Verkabelung. Diese konnte
schnell mit einem provisorisch durch den Zug geführten Kabel behoben
werden. So hatte man Zeit, die fehlerhaften Kabel neu zu verlegen und dann
auf diese Notlösung zu verzichten. Probleme, die es eigentlich nicht geben
sollte.
Das Problem bei der Verkabelung war schnell gefunden. So wurden
die Wagen in der Schweiz gebaut und die
Maschinenwagen in den
Niederlanden. Das führte zwischen den beteiligten Firmen zu sprachlichen
Problemen. Auch wenn in der Niederlanden eine vergleichbare Sprache
gesprochen wurde, der Schweizer konnte schnell einen wichtigen Hinweis
falsch verstehen. Für den
Triebzug waren die Folgen jedoch sehr
dramatisch.
Wie gross die sprachlichen Probleme waren, ist nicht restlos klar. Sie
führten später aber dazu, dass bei der
Baureihe
Re 4/4 II Modelle aus den
drei Werken in der
Vielfachsteuerung erprobt wurden. Hier war das nicht so
leicht, denn der Wagensatz passte schlicht nicht zum
Motorwagen. Dieser
wiederum kam erst in die Schweiz, als der Zug formiert worden war. Die
damals gemachten Schuldzuweisungen lassen wir hier weg.
Zumindest so lange,
bis bei der ersten Kontrolle des
Lauf-werkes stark abgenützte
Spurkränze
festgestellt wurden. Das war nicht gut, denn so konnten die verlangten
Lauf-leistungen mit diesen
Triebzügen nicht erreicht werden. Es wurde schnell erkannt, dass die langen Triebdrehge-stelle in den engen Kurven nicht mehr optimal liefen. Durch die grossen Winkel wurde der Spurkranz regelrecht abgeraffelt. Schäden wurden dabei auch am Gleis festgestellt. Diese schlug man aber der Baureihe Ae 6/6 zu, die als Schie-nenmörder bekannt wurde.
Der RAm TEE war in diesem Punkt kein
bisschen besser. Wie bei der erwähnten
Lokomotive gab es hier die gleiche
Lösung.
Wegen den hohen
Achslasten musste die
Spurkranz-schmierung optimiert
werden. War diese bisher eher sparsam eingestellt, kam nun eine Lösung zur
Anwendung, die deutlich intensiver schmierte. So konnte das Problem
gemildert werden und in der Folge davon, sollte das Thema mit der
intensiven Spurkranzschmierung in der Schweiz nicht verschwinden.
Besonders die
Zulassung der
Baureihe
Re 4/4 II war eine Folge davon.
Während es schnell gelang die Probleme mit den
Spurkränzen in den Griff zu
bekommen, waren die Schwierigkeiten bei den
Dieselmotoren deutlich
grösser. Das Problem waren hier die
Zylinderköpfe. Diese waren einer
grossen Belastung ausgesetzt und sie waren schlicht undicht. Man vermutete
mangelhafte Dichtungen und ersetzt diese, ohne einen wirklichen Erfolg zu
erzielen. Es lohnt sich, wenn wir uns dem Problem annehmen.
Das austretende Wasser drang in diesen ein und führte bei der Verdichtung zu einem höheren Druck, da es in der Hitze verdampfte.
Kam es dann zur Zündung zerriss es den
Zy-linderkopf, oder aber
es kam zu einer schlechten Verbrennung und
Dieselöl lief in Abgasleitung. Man nannte diesen Effekt auch Wasserschlag. Dieser wirkte auf die Zylinderköpfe so stark, dass diese Risse bekamen. Der betroffene Zylinder konnte kei-ne Arbeit mehr verrichten. Die geringere Leistung war sicherlich ein Problem, der nicht verbrannte Treibstoff in den Leitungen ein anderes.
In Kombination mit den heissen
Abgasen der an-deren
Zylinder konnte dieses
Dieselöl in Brand ge-raten. Erfolgte keine schnelle Reaktion brannte der
Triebkopf.
So war der
Bordmechaniker dauernd mit der Kontrolle der Motoren
beschäftigt. Trotzdem konnte das Problem nicht gelöst werden. Aus diesem
Grund wurden auf dem
Triebzug zwei zusätzliche
Zylinderköpfe mitgeführt.
Diese wurden dann während der Fahrt durch den Bordmechaniker eingebaut.
Der
Dieselmotor konnte dann wieder genutzt werden. Wie oft der Zeitdruck
wegen einer anstehenden Steigung gigantisch war, ist nicht überliefert
worden.
Auf jeden Fall das für ihn gedachte Bett, wurde vom
Bordmechaniker selten
bis nie genutzt. Eine kleine im
Maschinenraum vorhandene Kammer diente dem
Studium der Handbücher. Ob dort erwähnt wurde, wie bei einem Motor der
Zylinderkopf ersetzt wird, mag bezweifelt werden. Es war also immer sehr
viel Improvisation gefragt und oft wurde das Studium der Unterlagen wieder
durch einen Hilferuf aus dem
Führerstand unterbrochen.
Immer wieder musste der Bordmechaniker sein gesam-tes Wissen aufbringen, um dem Motor doch noch ein paar PS zu entlocken.
Gelang ihm
das nicht, musste für die Steigungen eine
Hilfslokomotive gestellt werden.
An den
Fahrplan dachte in dem Fall niemand, man wollte einfach das Ziel
er-reichen. Die Reserve bei den Zylinderköpfen liess es bereits er-kennen, die thermische Ausrüstung war nicht sehr stabil. Zudem bestand immer wieder die Gefahr, dass der Maschinenwagen nach so einem Vorfall in Brand geraten konnte.
Niemand mochte daran denken, wenn das im dümmsten Moment passiert.
Der Brand eines Zuges der FS im Simplontunnel gefiel den verantwortlichen
Stellen gar nicht, denn auch der RAm TEE verkehrte in
Tunnel.
Als dann noch bekannt wurde, dass der mit
Diesel-motoren versehene
Triebzug
die ganze Zeit unter einer
Fahrleitung verkehrte, kamen Ideen auf. Eine
davon sah vor, dass der
Maschinenwagen einem kompletten Umbau unterworfen
werden sollte. Dabei sollten die anfälligen Dieselmotoren verschwinden und
eine neue elektrische Ausrüstung eingebaut werden. So hätte man zwei
Fliegen mit einer Klappe schlagen können.
Die Idee wurde durch die von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB
betriebenen RAe TEE II befeuert. Diese zeigten, dass es durchaus möglich
war, einen
Triebzug für vier unterschiedliche
Stromsysteme zu bauen. Bei
den RAm TEE I benötigte man davon nur drei und das war nun wirklich kein
so grosses Problem mehr. Zumal die NS solche
Lokomotiven im Bestand hatte
und auch von Belgien aus mit solchen Modellen in die Schweiz gefahren
wurde.
Diese konnte in dem
kurzen
Triebzug schlicht nicht umgesetzt werden. Daher blieb es beim alten
Modell und der
Bordmechaniker bekam Erfahrung beim Wechsel der
Zylinderköpfe. Wenn wir bisher den Dieselmotor behandelt haben, für die Probleme war er nicht alleine verantwort-lich. Auch die von der BBC gelieferte elektrische Ausrüstung war nicht über alle Zweifel erhaben.
Dabei war diese recht
einfach aufgebaut worden und es gab wirklich nur einen Punkt, der Probleme
machen konnte. Das war die in den
Drehgestellen verbauten
Seriemotoren für
den Betrieb mit
Gleich-strom, denn auch die waren nicht standfest.
Es kam auch mit den
Fahrmotoren immer wieder zu Problemen. Zu den
Störungen gehörten die gefürchteten
Bürstenfeuer. Diese sorgten dafür,
dass es zur Bildung von Wärme beim
Kollektor kam. Wegen den Funken, konnte
es auch hier zu einem grösseren Brand kommen. In den meisten Fällen kam es
nur zu einem schweren Schaden am Fahrmotor. Dieser musste dann ausgebaut
und gewartet werden. Keine gute Sache für den
Triebzug.
Um den schlimmsten Vorfall mit dem
Bürstenfeuer zu dokumentieren, ein
Beispiel. Der Funkenwurf im
Kollektor war so gross, dass der
Lichtbogen
dazu ausreichte, die
Brücke mit den Kohlebürsten zu verschweissen. Das
Rad
blockierte und um den Zug in den Unterhalt zu schleppen, musste die
Kontaktbrücke mit einem Schweissbrenner gelöst werden. So behandelt,
konnte der
Fahrmotor nicht mehr gerettet werden und es gab einen grösseren
Unterhalt.
Anders gesehen, war nun auch klar, wo man
diesen wichtigen Mitarbeiter findet. Wenn er nicht gerade den
Dieselmotor
flickte, sah er nach, ob es bei einem Motor ein
Bürstenfeuer gab. Das Problem mit dem Bürstenfeuer war so gross, dass man Abklärungen anstellte. Im Laufe dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass es kurz vor dem Auftreten zu sehr hohen Drehzahlen kam.
Die
Achse verlor die
Adhäsion und der
Seriemotor begann sich immer schneller zu drehen. Das
be-günstigte das Feuer und wenn das
Rad wieder griff, kam es zu schweren
Stössen gegen die Kohle-brücken. Die fiel dann auf den
Kollektor. Die
Folgen sind bekannt.
Eine Lösung für das Problem gab es. Es war der bei den Schweizerischen
Bundebahnen SBB verwendete
Schleuderschutz. Bei diesem war auch eine
Funktion vorhanden, die verhinderte, dass das
Rad durchdrehen konnte. So
gut diese Vorrichtung auch war, hier konnte sie wegen dem erbitterten
Widerstand der NS nicht eingebaut werden. Diese
Triebzüge sollten daher
nie einen funktionierenden Schleuderschutz erhalten. Die Motoren büssten
es.
Gigantisch waren auch die Personalkosten. Auf dem
Triebzug fuhr viel
Personal mit. Um Kosten zu sparen, sollte der Bestand verringert werden.
Gesichert war dabei nur der
Bordmechaniker. Der Kondukteur verschwand und
auch dem Heizer sollte an den Kragen gehen. Dort war jedoch das Problem,
dass diese ohne bauliche Massnahmen nicht entfernt werden konnten. Es
wurde daher ein erster Umbau an der Technik vorgenommen.
Um
die einmännige Bedienung zu ermöglichen, wurde daher eine
Sicherheitssteuerung eingebaut. Diese arbeitete nach den Inter-national
geltenden Regeln und konnte daher nicht mit den be-kannten Lösungen
verglichen werden. Neue Einsatzpläne führten zu einem Umbau, der eigentlich zu erwarten war. Mit den Triebzügen sollte nach München gefahren werden. Dazu wurde von der Deutschen Bahn der Einbau einer Zugsicherung verlangt.
Die
Triebzüge
wurden daher mit der Einrichtung
Indusi versehen und konnten in der Folge
auf den Strecken in Deutschland eingesetzt werden. Eine Massnahme, die
wirklich sinnvoll war, da sich diese Systeme durchgesetzt hatten. Auch wenn nun mit der Indusi eine zweite Zugsicherung vor-handen war. Auf den Einbau der Systeme in der Schweiz und in den Niederlanden wurde hingegen verzichtet.
Die
Triebzüge RAm TEE I sollten nie mit der
Zugsicherung
Integra-Signum versehen werden. Scheinbar gab es zwischen den
Bahnen Probleme wegen dem mittig montierten Magnet. Noch kannte man die
Lösung mit einem schaltbaren Modell nicht, oder vielleicht doch?
Im Betrieb wirkte sich das jedoch negativ aus. Mit anderen Worten, die
Möglichkeit auf den
Heizer zu verzichten verspielte man leichtsinnig. Zwar
war in den Jahren eine
Sicherheitssteuerung eingebaut worden, aber wegen
der immer noch fehlenden
Zugsicherung musste der Heizer weiterhin
mitgenommen werden. Eine Lösung für dieses Problem sollte es jedoch nie
mehr geben. Der Grund war, dass die
TEE vom Erfolg her zu klein waren.
Man
löste die Problem auf sehr pragmatische weise. Wie oft die mitgeführten
Ersatzteile am Ziel der Fahrt noch vorhanden waren, ist nicht bekannt.
Sel-bst die Frage nach an einen
Bahnhof gelieferten
Zylinderköpfen stellt
sich. Das grösste Hindernis einer nachhaltigen Sanierung der Triebzüge waren jedoch die beiden Besitzer. Diesen gelang es nicht im Lauf der Jahre ihre Differenzen in Bezug auf die Zugsicherung und einen wirksamen Schleuderschutz zu bereinigen.
Gerade die
Bürstenfeuer zeigten aber, dass
eine einfache
Meldelampe, die im
Führerstand aufleuch-tete nicht unbedingt
als
Schleuderschutz bezeichnet werden konnte. Der
Bordmechaniker wusste
sich zu helfen.
Wurden all diese administrativen Probleme der beiden Bahnen noch mit den
ernsten Störungen kombiniert, konnte kein guter Zug entstehen. Als dann
noch die Nachfrage nach mehr Sitzplätzen entstand, war es zu spät. Es gab
zu wenig
Triebzüge um in
Doppeltraktion zu fahren. Ein RAe TEE II wurde
dann plötzlich besser und die Modelle mit
Dieselmotor nach nur wenigen
Jahren im Einsatz auf ein
Abstellgeleise gestellt und verkauft.
Wie unzuverlässig der
Maschinenwagen war, zeigte sich, als die
Triebzüge
nach Kanada verkauft wurden. Dort wurde dieser nach wenigen Jahren durch
Modelle aus amerikanischer Produktion ersetzt. Die Wagen konnten sich noch
halten, was für die SIG sprach, die aber in diesem Punkt extrem viel von
den
Einheitswagen der Schweizerischen Bundesbahnen SBB genommen hatte. Die
Zeit für den Einsatz ist nun gekommen.
|
|||||||||||
| Letzte |
Navigation durch das Thema |
Nächste | |||||||||
| Home | SBB - Lokomotiven | BLS - Lokomotiven | Kontakt | ||||||||
|
Copyright 2025 by Bruno Lämmli Lupfig: Alle Rechte vorbehalten |
|||||||||||