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Entwicklung und Beschaffung |
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Die klassische Entwicklung und die Beschaffung, wie es sie bei anderen
Baureihen
gab, waren hier nicht vorhanden. So zeichnete sich bei den
Staatsbahnen
kein Bedarf ab und auch der Verwaltungsrat musste nicht um die
finanziellen Mittel gebeten werden. Im Gegenteil, die Schweizerischen
Bundesbahnen SBB hatten mit der eigentlichen Entwicklung nur am Rand zu
tun. Trotzdem kamen von der Bahn einige Regeln ins Spiel.
All das stand unter der Tatsache, dass die
Staatsbahnen
so ein Fahrzeug schlicht nicht benötigten und es daher kei-nen Bedarf gab.
Trotzdem wollte man, dass gewisse Regeln eingehalten wurden. Hier war der Ursprung der Idee direkt bei der Industrie zu finden. Es war die BBC, die unbedingt einen Versuchs-träger für die Gasturbine benötigte.
Um mit diesem aber auch Fahrten ausführen zu können, wurde eine
Bahngesellschaft
benötigt. Diese sollte prak-tischer Weise gleich vor der Haustüre zu
finden sein und daher boten sich die Schweizerischen Bundesbahnen SBB an.
Es hätte aber auch ein anderes Land sein können.
Das hatte zur Folge, dass der Erbauer eigentlich ganz genau wusste, was
für ein Fahrzeug entstehen sollte. Wir haben einen
Versuchsträger,
der eigentlich den Schwei-zerischen Bundesbahnen SBB aufgezwungen wurde.
Diese machten aus dieser Tatsache noch das Beste, als sie effektiv tun
konnte. Mit dem
Pflichtenheft
sollten die Erbauer in die Schranken gewiesen werden, denn das Fahrzeug
musste auf die
Infrastruktur
passen.
Die Idee bei der Firma BBC war klar, auf das Jubiläum hin sollte eine
Sensation geschaffen werden. Wie das schon bei der Maschine nach dem
Baumuster Ae 8/14 getan wurde. Dort sprach die Fachwelt nur noch von der
stärksten
Lokomotive der Welt. Ganz genau genommen hatte sie aber nur eine
grosse
Leistung. Bei der
Anfahrzugkraft
konnte die Nummer 10 851 nicht übertroffen
werden. Nun lag es an der BBC auch in diese Liga aufzusteigen.
Eine grosse Ausnahme davon haben wir hier nicht. Wobei
genau genommen nicht so viele Merkmale gefunden werden mussten. Der
Versuchsträger
mit einer
Gasturbine
war wirklich sehr neu, auch wenn es
schon ein Muster gab. Auf das grosse Jubiläum der Firma BBC, war diese Lokomotive ideal. Mit viel Aufwand wurde daher auch das Ziel angegeben, dass diese Maschine bis zu dem Termin erbaut sein sollte. Doch dabei hatten die Leute bei der BBC die Rech-nung ohne die Schweizerischen Bundesbahnen SBB gemacht.
Die
Staatsbahnen
hatten ebenfalls eine Vorstellung, was auf die
Schienen
gestellt werden sollte. So kam es, dass dafür ein
Pflichtenheft
erstellt
wurde.
Ein Blick in dieses
Pflichtenheft lohnt sich, denn bereits bei der darin
enthalten Einleitung war vieles klar. In der Regel wurde die Einleitung
dazu genutzt, das neue Fahrzeug zu umschreiben und die allgemeine
Stossrichtung vorzugeben. Hier war das nicht der Fall, da es sich ja auch
nicht um ein Fahrzeug nach den Wünschen der Schweizerischen Bundesbahnen
SBB handelte. Sie war nur die Bahn, die für die Fahrten benötigt wurde.
So wurde von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB klar gestellt, dass das
Fahrzeug von der BBC auf eigene Rechnung gebaut werden muss und es deshalb
im Besitz des Herstellers bleiben sollte. Die
Staatsbahnen
sahen sich so
von den Risiken beim Bau entbunden. Man hatte also aus dem Debakel mit der
Ae 8/14
und der Nummer 10 852 etwas gelernt. Dort baute die Industrie und
behauptete dann einfach, sie sei bestellt worden.
Nach den erforderlichen
Probefahrten mit dem Fahrzeug musste dieses jedoch
den Schweizerischen Bundesbahnen SBB kostenlos für einen Betriebseinsatz
zur Verfügung gestellt werden. Man räumte dabei dem Besitzer das Recht
ein, das Fahrzeug auch für Vorstellungen aus dem Betrieb zu nehmen. Zudem
sollten die Leute der BBC Zugang zum Fahrzeug erhalten. Insbesondere bei
Fahrten sollten aber Beschränkungen gelten.
Wohl eher wegen der Fairness, als aus einer Notwendigkeit heraus, wurde im
Pflichtenheft
klar erwähnt, dass der
Versuchsträger
von den
Schweizerischen Bundesbahnen SBB käuflich erworben werden könnte. Eine
direkte Verpflichtung diesbezüglich gab es jedoch nicht und auch die
Bestellung einer Serie wurde klar verworfen. Es sollte bei einem Fahrzeug
bleiben, das der BBC gehörte, zumindest, bis die
Staatsbahnen
es kaufen
wollten.
Neben diesen eher rechtlichen Vorgaben, gab es im
Pflichtenheft
aber auch
sehr konkrete Hinweise zu den technischen Punkten. Der
Versuchsträger
musste also auch gewisse Punkte erfüllen und dabei war klar umschrieben
worden, wo man sich den Einsatz dieses besonderen Fahrzeuges vorstellen
konnte. Das waren in erster Linie
Nebenstrecken, die noch nicht mit einer
Fahrleitung versehen worden waren und wo man so etwas brauchen konnte.
Mit der Vorgabe der
Nebenstrecken
waren auch die
Achslasten festgelegt
worden. So war wegen dem
Oberbau auf diesen Strecken nur eine maximale
Achslast von 16 Tonnen zugelassen. Das beschrankte die Erbauer, denn so
war klar, dass kein zu schweres Fahrzeug erstellt werden durfte. Da sich
die
Staatsbahnen
auch bewusst waren, dass es die Hersteller mit den
Achslasten oft nicht so genau nahmen, wie man das wünschte, gab es eine
Toleranz.
Wurde die
Achslast überschritten, war im
Pflichten-heft
klar geregelt worden, dass es
keine
Zulassung zu den
Probefahrten
geben wird. Mit anderen Worten, war
das Teil zu schwer, fuhr es auch nicht. Bei der Festlegung der Höchstgeschwindigkeit waren die Staatsbahnen noch gnädig. So musste mit dem Fahrzeug ein Wert von 110 km/h erreicht werden. Die damals von den roten Pfeilen gefahrenen Tempi waren also nicht verlangt worden.
Gerade in diesen Jahren wurde die neue
Zugreihe R
eingeführt und diese auch bei der Reihe Ae 4/6 er-wartet. Für die
Lokomotive
mit der
Gasturbine
waren diese Hürden schlicht nicht zu nehmen. Das führte jedoch dazu, dass wir bereits die Typen-bezeichnung haben. Wegen dem Tempo und dem motorischen Antrieb war klar, es sollte eine Am ent-stehen.
Wobei diese gar nicht so sicher war, denn bei der Vorstellung
der neuen
Lokomotive
mit einer
Gasturbine
im Nachrichtenheft der SBB wurde
von der Reihe Ae 4/6 gesprochen. Wir halten uns an die offiziellen Angaben
und benutzen das kleine m für den
Dieselmotor, den es hier jedoch so nicht
gab.
Das war doch ein hoher Wert, der aber klar erwartet
werden durfte, wenn die BBC ihren Versprechen gerecht werden wollte. Die
Gasturbine
wurde ja mit einer hohen verfügbaren
Leistung
beworben. Sehr speziell war aber in Bezug der Leistung auch ein Hinweis zu den Bedingungen der Umgebung. Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB waren sich durchaus der Tatsache bewusste, dass die Leistung der Gasturbine bei unterschiedlichen Höhen und Temperaturen unterschiedlich war.
Daher war im
Pflichtenheft
festgelegt worden, dass diese
Leistung
bei einer Temperatur
von 20°C und bei einem
Luftdruck von 720 Hektopascal zu erbringen sei. Um diese Leistung bei der vorhandenen Achslast auch auf den Boden zu bringen, wurden vier Triebachsen benötigt. Da damals zur optimalen Führung im Gleis noch führende Laufachsen benötigt wurden, war auch die Achsfolge klar.
Das von der BBC zu bauende Fahrzeug sollte also die Typenbezeichnung
Am 4/6 erhalten, wobei das natürlich noch nicht definitiv war, denn mit
Laufachsen
konnte auch die
Achslast
verringert werden. Die Einreihung der Lokomotive sollte in das Nummernsystem der Staatsbahnen erfolgen. Da diese bei den Diesellokomotiven vierstellige Nummern benutzten, war klar, dass auch bei der neuen Maschinen eine solche Nummer entstehen soll.
Mit der Nummer 1101 war nicht nur klar, dass es eine neue
Gruppe war, es war auch klar, dass es von der
Baureihe Am 4/4 nicht mehr
als 100 Fahrzeuge geben sollte. Nur war die Am 4/6 eigentlich keine
Diesellokomotive.
Mit diesem
Pflichtenheft
wurden also die Spielregeln definiert. Beim Bau
dieses Fahrzeuges war somit nur die BBC involviert. Sie musste auch mit
allenfalls benötigten Drittfirmen verhandeln. So sollten weltweit die
erste
Lokomotive
mit
Gasturbine
der Welt entstehen, die über elektrische
Fahrmotoren verfügte. Damit war klar, dass die
Turbine nicht direkt für
den
Antrieb
benutzt werden würde, sondern dass diese einen
Generator
antrieb.
Es war ein elektrischer
Antrieb
vorhanden,
dessen Energie von einer neuen
Gasturbine
erzeugt wurde. Eine passende
Bezeichnung im System der
Staats-bahnen
gab es deshalb gar nicht. Om man
nun von Am 4/6, oder von Ae 4/6 sprach so richtig war man nie.
Eine dieser Zulieferfirmen war die Schweizerische Lokomotiv- und
Maschinenfabrik SLM in Winterthur. Die BBC unterhielt keine eigene
mechanische Werkstätte, so dass dieser Teil in Winterthur gebaut wurde. So
hatte auch dieser
Versuchsträger
ein Teil seiner Wurzeln bei der SLM. Die
SLM war zudem für die Vergabe der Rahmennummer verantwortlich. Die hier
vorgestellte Maschine sollte mit der Nummer 3722 versehen werden.
Wegen den Forderungen der Schweizerischen Bundesbahnen nach der Einhaltung
der
Achslasten, musste der mechanische Teil so leicht wie möglich gebaut
werden. Aus den Berechnungen der Planer war der Anteil hier auf 37.5
Tonnen bestimmt worden. Die SLM hatte daher einen Hinweis, wie schwer sie
bauen durfte und das tat sie wirklich gut, denn der mechanische Teil der
Lokomotive
sollte rund 800 Kilogramm leichter werden.
Für den Bau der
Gasturbine
zeichnete sich jedoch die BBC verantwortlich.
Da es sich hier nicht um einen klassischen Bereich für den Lokomotivbau
handelte, war diese Abteilung des
Konzerns als weiterer Zulieferer
aufgeführt worden. Eine spezielle Situation, die aber bei so grossen
Firmen noch sehr oft angewendet wurde. So gab es keine Probleme mit der
Abrechnung. Wir müssen daher an die Wirkstätte dieser Abteilung gehen.
Mit anderen Worten, die Baugruppen wurden in Baden gebaut, geprüft und erst nachher zu den mechanischen Teil in das Werk bei Münchenstein geliefert.
So konnte dort
die Endmontage erfolgen, was bei Mo-dellen der BBC schon immer der Fall
gewesen war. Spe-ziell war hier nur die Abteilung in Baden. Beim Aufbau der Turbine musste auch der Treibstoff definiert werden. Auch wenn diese Anlagen nicht so heikel sind, wie Verbrennungsmotoren, ist der Treibstoff sehr wichtig.
Da es sich bei der
Gasturbine nicht um einem
motorischen
Antrieb
handelte, konnte diese mit
Heizöl betrieben wer-den.
Als alternativer
Brennstoff wurde aber auch Teeröl genannt. Dieses
spezielle
Öl war zähflüssig, brannte nur bei hohen Temperaturen und musste
daher vorgewärmt werden.
Der Grund für diese Auswahl bei den
Brennstoffen ist, dass es während dem
Bau zu grossen Problemen mit dem Rohstoff gekommen war. Metalle wie Stahl,
oder Kupfer wurden für den Krieg benötigt, und waren daher nur sehr schwer
zu bekommen. Im Gegensatz zu den eigenen
Baureihen, sahen die
Schweizerischen Bundesbahnen SBB hier keine Dampflokomotiven als Lieferant
für Rohstoffe vor. Die Hersteller musste diese also auf den freien Markt
beziehen.
Es wird Zeit, dass wir uns die
Lokomotive
mit der Bezeichnung Am 4/6 etwas
genauer ansehen. Wie bei den anderen
Baureihen
beginne ich mit dem
mechanischen Teil und wie bei den
Diesellokomotiven gibt es einen
thermischen Teil, der jedoch ganz anders aufgebaut worden war. Es lohnt
sich wirklich, wenn wir bei der Lokomotive mit
Gasturbine
etwas genauer
hinsehen. Zuerst stellen muss sich dabei die SLM mit dem mechanischen
Teil. |
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