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Fb 3/5 Nr. 364 - 365 |
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Baujahr |
1906 |
Erbauer |
SLM/BBC |
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Länge über Puffer |
12 524 mm |
Anzahl Fahrmotoren |
2 |
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Achsstand |
9 700 mm |
Polzahl |
8/16 |
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Durchmesser TA |
1 640 mm |
Anfahrzugkraft |
80 kN |
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Durchmesser LA |
850 mm |
Stundenleistung |
780 kW / 1060 PS |
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Dienstgewicht |
62 t |
Geschwindigkeiten |
37 und 75 |
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Adhäsion |
44 t |
V max. |
75 km/h | ||||||||
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Wenn wir zu den
Lokomotiven
mit den Betriebsnummern 364 und 365 kommen, dann haben wir eigentlich nur
einen Nachbau der Maschinen aus Italien erhalten. Jedoch würden wir es uns
zu einfach machen und auch die Hersteller verunglimpfen. Es war eigentlich
umgekehrt und daher müssen wir etwas genauer hinsehen, denn die BBC konnte
in so kurzer Zeit keine neue Lokomotive entwickeln und diese auch noch
bauen.
Als es um die
Lokomotiven
der FS ging, nahm auch die BBC mit einem Entwurf an der Ausschreibung
teil. Dabei wurde jedoch das Angebot aus der Schweiz nicht in die Auswahl
genommen, sondern der Auftrag an eine andere Firma vergeben, die dann ein
zum Modell der BBC sehr ähnliches Fahrzeug lieferte. Beim
Versuchsbetrieb
im Simplontunnel trafen diese dann zusammen und so könnte man meinen, dass
es ein Nachbau war.
Es wurde das Modell genommen, das bei der Ausschreibung für das
Veltlin unterlegen war. So konnte man sich die Zeit für eine neue
Konstruktion ersparen. Da die BBC keine mechanische Werkstätte unterhielt,
wurde dieser Teil der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM
übergeben. Eine Kombination, die in den nachfolgenden Jahren immer wieder
vorkommen sollte, denn die beiden Firmen arbeiteten gut zusammen.
Von der BBC, die für den
Versuchsbetrieb
im Simplontunnel verantwortlich war, und die auch als Besitzer der
Lokomotiven
galt, wurde der elektrische Teil geliefert. Diesen werden wir später
ansehen, denn zuerst wenden wir uns dem mechanischen Aufbau zu und dieser
wurde im Auftrag erstellt. Die Pläne stammten dabei zum Teil von der BBC.
Eine Lösung, die damals neu war, aber die schon bei der MFO umgesetzt
wurde.
Der grundsätzliche Aufbau wurde übernommen. So war auch hier ein
Plattenrahmen
als stabiles Bauteil vorhanden. Wenn sich jemand fragt, warum kein
Barrenrahmen
verbaut wurde, kann ich sagen, dass die damit ausrüsteten Dampflokomotiven
der
Gotthardbahn zu diesem Zeitpunkt schlicht noch nicht bestellt
worden waren. Daher war diese Bauform in der Schweiz auch nicht bekannt.
Wobei hier wirklich nur Plattenrahmen geeignet waren.
Mittig waren nur die
Zugvorrichtungen
vorhanden. Auch hier bestanden diese aus dem
Zughaken,
der daran montierten
Schraubenkupplung
und der damals benötigten
Notkupplung. Einen Unterschied gab es bei den Aufbauten. Der Kasten in der Mitte mit den beiden Führerständen entsprach den Modellen aus Italien. Es war also auch hier keine Rückwand vorhanden und die Kabinen auch nicht besser abgedichtet worden.
Es war somit auch hier recht zugig und wegen der fehlenden
Heizung
im Winter bitterkalt. Im
Tunnel
war es warm, aber auch feucht, sicherlich für das Personal alles andere
als angenehm.
Deutlich geändert wurden jedoch die beiden
Vorbauten.
Diese waren auch hier vorhanden, jedoch wurden sie gegen den
Stossbalken
kaum herunter gezogen. Das sorgte dafür, dass diese beiden
Lokomotiven
im Vergleich etwas bulliger wirkten. Nachteilig war, dass die Sicht vor
die Lokomotive nicht mehr so gut war, wie bei den Modellen aus Italien. So
konnten die Maschinen leicht voneinander unterschieden werden.
Die
Plattform
mit dem Geländer war auch hier vorhanden. Das galt auch für das am
Stossbalken
montierte
Übergangsblech.
Diese Lösung war von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB nicht direkt
gefordert worden, jedoch galt auch hier, dass ein Zugang vom Zug vorhanden
war. Eine Lösung, die so bei den Dampflokomotiven nie möglich war. Es
sollte aber noch länger so bleiben, auch wenn der Durchgang kaum genutzt
wurde.
Die blanken Bauteile waren auch hier vorhanden und diese Lösung
wurde von den Dampflokomotiven übernommen. Damit können wir uns dem
Laufwerk
zuwenden und dieses war von der SLM ebenfalls verändert worden. Im Grundaufbau entsprach das Fahrwerk den Modellen der FS. Auch hier wurden die äusseren Triebachsen mit der Laufachse in einem Drehgestell der Bauart Zara verbun-den.
Diese Lösung war noch aus dem Angebot für die
Loko-motiven
für das Veltlin vorhanden. Für eine Anpassung fehlte schlicht die Zeit,
denn es war eine sehr kurze Bau-zeit vorgesehen. Trotzdem gab es eine
kleine Anpassung, die wir ansehen müssen.
Die mittlere
Triebachse
war nicht starr in den
Gleitlagern
geführt worden. Sie konnte sich seitlich verschieben. So verschob sich der
Drehpunkt der
Lokomotive
auf die bei-den äusseren Triebachsen, was einen etwas stabileren Lauf im
geraden
Geleise
erlaubte. Das waren die Anpassungen, denn bei den verwendeten Gleitlagern
und der
Federung
gab es keine Unterschiede. Gerade in diesem Punkt wurden damals keine
Neuerung umgesetzt.
Die
Speichenräder
waren also auch hier gut zu erkennen und daran änderte sich auch nicht
viel mit dem geänderten
Antrieb.
Als Unterschied können jedoch die hier von Beginn an montierten
Schienenräumer
erwähnt werden. Diese entsprachen den Modellen, wie sie schon bei den
Dampflokomotiven verwendet wurden und so konnten deren Ersatzteile auch
hier verwendet werden. Doch damit kommen wir zum Antrieb.
Dieser war leichter ausgeführt worden und er sollte wenige Jahre
später auch bei der
Baureihe
Fb 5/7 der BLS
verwendet werden. Die dort vorhandenen Probleme gab es hier jedoch noch
nicht. Vom Dreiecksrahmen wurde das Drehmoment mit einfachen Kuppelstangen auf die beiden äusseren Triebachsen übertragen. Die bei einem Stangen-antrieb üblichen Gleitlager mit einer Nadelschmier-ung gab es auch hier und der seitliche Versatz blieb ebenso.
Es war also nur der leicht geänderte
Dreiecksrah-men
neu. So konnten die beiden
Lokomotiven
effektiv nur anhand der beiden
Vorbauten
von den Modellen aus Italien unterschieden werden.
Auch hier wurde
Druckluft
benötigt. Diese umfasste nicht nur die
Bremsen,
sondern auch Bauteile der elektrischen Ausrüstung. Daneben waren auch die
Lokpfeife
und die
Sandstreueinrichtung
angeschlossen worden. Aus diesem Grund wurden auch hier zwei
Kompressoren
verbaut und diese wurden wegen dem grösseren Platz auch in den
Vorbauten
eingebaut. Das galt zudem auch für die
Luftbehälter,
die nicht mehr auf das Dach kamen.
Die so erzeugte
Druckluft
wurde jedoch zu einem grossen Teil für die
Bremsen benötigt. Wie von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB gefordert
wurde, wurde die Doppelbremse von
Westinghouse eingebaut. Dabei wirkten
sowohl die direkte
Regulierbremse, als auch die
Westinghousebremse
mit
einer
Klotzbremse
nur auf die drei
Triebachsen. Es war daher die
identische Bremsausrüstung der
Lokomotiven
aus Italien vorhanden.
Dieser konnte manuell mit einem
Seilzug aus dem
Führerstand geöffnet werden. Jedoch wurde dieser auch
geöffnet, wenn mit der
Westinghousebremse
eine
Schnellbremsung eingeleitet
wurde.
Nicht mehr verwendet wurden die bei den
Lokomotiven
aus Italien
verwendeten Doppelmotoren. Es wurden einfache
Asynchronmotoren mit
Schleifringen ver-wendet. Die beiden erforderlichen
Fahrstufen wurden
jedoch nicht mit den Schaltungen in Kaskade, oder als Single verwendet.
Die BBC verwendete eine andere Lösung dieser Motoren. Dabei wurden die
Wicklungen der
Statoren anders angeschlossen und die Anzahl Pole
verändert.
Es kamen die Dreiecks- und die
Sternschaltung zur Anwendung. Bei diesen
beiden Schaltungen wurden die einzelnen Pole des
Stators mit zwei
unterschiedlichen
Spannungen versorgt. Da zudem die Anzahl Pole verändert
wurde, blieb die
Leistung. Jedoch änderte sich die Drehzahl der beiden
Fahrmotoren
und wir haben daher auch hier zwei feste
Fahrstufen erhalten.
Diese beiden Stufen müssen wir uns nun aber genauer ansehen.
Wurden die
Fahrmotoren
in der
Sternschaltung betrieben, waren insgesamt 16
Pole vorhanden. Diese ergaben eine Drehzahl, die für eine Geschwindigkeit
von 37 km/h in der Stunde ausreichte. Damit haben wir nun die langsamere
Geschwindigkeit erhalten und diese konnte dauerhaft betrieben werden.
Damit haben wir eine synchrone Drehzahl erhalten. Um schneller zu fahren,
mussten die Pole anders geschaltet werden.
Somit wurde hier nahezu mit der
Höchstgeschwindigkeit der
Lokomotive
gefahren, was eine deutliche Steigung gegenüber den aus Italien
stammenden Lokomotiven war und die auch den Vorteil der Schaltung
aufzeigte. Auch hier konnte nicht mit den beiden Schaltungen direkt losgefahren werden. Es mussten auch hier Anlasswider-stände verbaut werden. Diese wurden manuell durchg-eschaltet und auch sie wurden dabei stark erwärmt.
Wie schon bei der Nummer 363 wurden auch hier Metall-widerstände verwendet,
die mit Luft gekühlt werden konnten. Diese
Kühlung wurde mit einem
Ventilator bewerkstelligt, der die Luft über die
Lüftungsgitter bezog.
Sowohl für den
Ventilator, als auch für die beiden
Kompressoren
wurde eine
eigene
Spannung benötigt. Diese wurde jedoch nicht direkt an der
Fahrleitungs-spannung angeschlossen und daher war auch hier ein
Transformator
vorhanden. Dieser ergab eine Spannung von 110
Volt und es
waren ebenfalls keine
Anzapfungen für andere Spannungen vorhanden. So war
hier vieles wieder mit den Modellen aus Italien identisch aufgebaut
worden.
Ab dem
Transformator
wurde auch jetzt die
Beleuchtung versorgt. Damit fiel
auch diese aus, wenn die
Stromabnehmer
gesenkt wurden. Aus diesem Grund
kamen diese elektrischen Lampen auch nur im
Maschinenraum zu Anwendung.
Deutlicher kann nicht gezeigt werden, wie nahe Verwandt diese Maschinen
wirklich waren, denn es sollten die letzten elektrischen
Lokomotiven
sein,
die mit dieser Lösung versehen worden waren.
Aus diesem Grund musste für die
aussen montierten Lampen eine andere Lösung gefunden werden. Da-bei griff
man zu den Laternen der mit Dampf be-triebenen Maschinen. Die bei solchen Maschinen in der Schweiz verwen-deten Laternen mit einer Füllung aus Kalziumkarbid und Wasser durften auf Geheiss der italienischen Behörden nicht verwendet werden. Dabei war je-doch nicht das erzeugte Gas das Problem, sondern das damit erzeugte grelle Licht.
Daher mussten hier
Laternen verwendet werden, die mit
Leuchtpetrol befüllt wurden. Deren
Licht war nicht ganz so hell, was die Arbeiter weniger blendete.
Weiteren Luxus gab es also immer noch nicht. Je-doch konnte gut erkannt
werden, dass diese beiden
Lokomotiven
sehr nahe mit den Modellen der FS
verwandt waren. Mit dem Wissen, dass es trotz zwei Herstellern die
gleichen Grundideen waren, zeigt wie schnell die Lokomotiven bereit stehen
mussten, denn der Bau in wenigen Monaten war schon sehr knapp bemessen
worden. Aber die fünf Maschinen standen bereit.
Erst nach diesen beiden
Lokomotiven
konnte man sich auf die Entwicklung
von Modellen machen, die für den Simplon ausgelegt worden waren. Als
Unterschied kann erwähnt werden, dass diese beiden Lokomotiven nach der
weiteren Ablieferung von passenden Lokomotiven in der Schweiz blieben und
auch weiterhin für die Züge eingesetzt wurden. Doch damit stellt sich uns
die Frage nach den Modellen für den Simplontunnel.
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