Steuerung der Lokomotive |
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Beim Aufbau der Steuerung wurde von den Schweizerischen
Bundesbahnen SBB gefordert, dass mögliche Ersatzteile aus dem vorhandenen
Bereich entnommen werden konnten. Das führte unweigerlich dazu, dass bei
der Versorgung der Steuerung nicht so viel verändert wurde, wie man das
meinen könnte. Doch beginnen wir auch hier am Anfang und somit bei der
Versorgung der Steuerung mit Energie.
Es ist logisch, dass auch diese
Lokomotive mit einer von der
Fahrleitung
unabhängigen Quelle arbeiten musste. Die Steuerung musste in jeden Fall
über eine gesicherte Quelle verfügen. Dazu wurde der Maschine eine
Gleichspannung
in der Höhe von 36
Volt
zur Verfügung gestellt. Diese
Spannung
stammte dabei bei ausgeschalteter Lokomotive von zwei in Reihe
geschalteter
Bleibatterien.
Daher konnte man die bei Bahnen üblichen
Batterien
verwenden.
So war gesichert, dass der Steuerstrom immer zur Verfügung stand.
Trotzdem gab es bei der Lok 2000 eine Beschränkung der Steuerung, die
nicht unerwähnt bleiben sollte und die durchaus so schwer war, dass man
einen Schutz vorgesehen hatte. Wenn die Steuerung längere Zeit über die Batterien arbeiten musste, waren diese stark belastet. Im Vergleich mit älteren Lokomotiven war die Belastung sogar noch höher ausgefallen. Der Grund waren die auf der Lok 2000 verwendeten Rechner.
Diese benötigten mehr Energie, als die Schalter und
Relais
der klassischen
Lokomotiven. Daher musste man die
Batterien
der Lokomotive vor einer zu tiefen Entladung schützen. Bei Ausfall der Batterieladung, konnte sich die Lokomotive daher noch während gut 20 Minuten in Betrieb halten. Sank die Spannung in den Batterien auf einen kritischen Wert, remisierte sich die Maschine automatisch.
Sie musste danach wieder vollständig in Betrieb genommen werden.
Auf der Fahrt war die zur Verfügung stehende Zeit viel kürzer und reichte
nur gerade um sich in den nächsten
Bahnhof
zu retten.
Wurde die
Lokomotive in Betrieb genommen, begann die Steuerung mit der
Arbeit. Unmittelbar nach dem Öffnen der
Hauptluftbehälterhahnen
begannen die
Ölpumpen
der
PMS
den Druck im System auf den erforderlichen Wert zu erhöhen. Zudem
starteten die Rechner im Hintergrund auf und bereiteten so die
Inbetriebnahme vor. Noch war die Steuerung aber erst in einem
Vorlaufbetrieb und erwartete die Befehle von der
Vielfachsteuerung
oder von einem
Führerstand.
Die Steuerung der
Lokomotive übernahmen Mikroprozessoren und nicht mehr direkt
betätigte Schalter. Diese durch die ABB entwickelte
Leittechnik
arbeitete mit dem Typ MICAS-S2 und war für damalige Verhältnisse schon
recht leistungsfähig. Über dieses
Bussystem
liefen wirklich alle Befehle, Steuerungsvorgaben und Diagnosen. Da somit
keine eigentlichen
Stromkreise
mehr vorhanden waren, konnte man auf Kabel aus Kupfer verzichten. Die
Leitungen der Leittechnik waren
Lichtwellenleiter,
die nicht so anfällig auf Störungen waren.
Dazu musste ein
Führerstand
durch Drehen des ent-sprechenden
Schlüsselschalters
besetzt werden. Der Schlüssel war nun gefangen und die Steuerung erkannte
den besetzten Führerstand, damit waren auch die Anzeigen der Steuerung
aktiv. War der Fahrzeugrechner gestartet, wurde dem Lokführer die Anzahl am Zugbus angeschlossenen Lokomotiven angezeigt.
Das erfolgte auch, wenn nur eine
Lokomotive vorhanden war. Der Lokführer musste dann zur
Bestätigung die Enter-Taste auf der vorhandenen Tastatur drücken. Die
Leittechnik
der Lokomotive war einsatzbereit. Jetzt konnte mit den Tasten die
gewünschten Signale erteilt werden, die wurden letztlich vom Rechner
umgesetzt.
Teilte der Lokführer der
Leittechnik
mit, dass er den
Stromabnehmer
heben will, wurde diese Handlung vom
Fahrzeugrechner
ausgeführt. Stellte der Rechner nun fest, dass dazu nicht genügend
Druckluft
vorhanden war, steuerte der Fahrzeugbus ohne weitere Handlung des
Bedienpersonals den
Hilfsluftkompressor
an. Neu war dieser Hilfsluftkompressor eigentlich nicht. Neu war hingegen
der automatische Start.
Ein mit
Leittechnik
aufgebautes Netz für die Steuerung, konnte von Personal nicht mehr direkt
beeinflusst werden. Während sich die Steuerung der Lok 2000 beim vorher
geschilderten Fall mit dem
Hilfsluftkompressor
selber helfen konnte, war das bei anderen Baugruppen nicht mehr möglich.
Daher mussten solche Störungen mit einer Handlung des Lokführers behoben
werden. Doch musste dieser die Störung auch erkennen können.
Daher wurde die Lok 2000 mit einem
Diagnosesystem ausgerüstet. Dieses war
so fortschrittlich, dass es auch viele Jahre später von einer
Lokomotive
nicht mehr erreicht wurde. Die von der
Leittechnik
erkannte Störung wurde
auf einem im besetzten
Führerstand vorhandenen Display angezeigt.
Zusätzlich wurde eine Pannenlampe im Führerstand angesteuert, die begann
nun rot zu leuchten und machte das Fahrpersonal auf die Störung
aufmerksam.
Die
Leittechnik
führte so die
entsprechenden Handlungen aus und teilte dem Lokführer mit einer Anzeige
allenfalls geltende Einschränkungen für die weitere Fahrt mit. Daher
musste das Fahrpersonal keine Schaltautomaten betätigen. Die Pannenlampe
leuchtete nun dauernd und zeigte so die behobene Störung an. Mit einer Codenummer versehen, wurde diese Störung vom Fahrpersonal den Werkstätten auf üblichem Weg gemeldet. In der Werkstatt konnte man einen externen Computer an die Leittechnik anschliessen und so die Daten der Steuerung abrufen.
Dort waren schliesslich die Störung und die Behebung
der selbigen aufgeführt worden. Dadurch konnte die fehlerhafte Baugruppe
schnell gefunden und repariert werden.
Diese Reparatur konnte auch über den
Zugbus
ausgeführt werden. Daher
konnten in jeden Fall Störungen auch beim rollenden Zug behoben werden.
Ausserordentliche Halte waren bei der
Lokomotive nicht vorgesehen.
Angehalten wurde daher in
Bahnhöfen. Eine Lok 2000 sollte auf der Strecke
wirklich nur bei sehr schweren Störungen liegen bleiben. Damit kommen wir
nun zu der vorhandenen Vielfachsteuerung.
Die Re 460 der Schweizerischen Bundesbahnen SBB wurde, wie das bei den
neueren
Lokomotiven
üblich war, mit einer
Vielfachsteuerung ausgerüstet.
Dabei musste man für die Lok 2000 eine komplett neue Vielfachsteuerung
entwickeln und einbauen. Die veralteten Systeme der
Staatsbahn konnten bei
einer so modernen Lokomotive nicht mehr verwendet werden. Die Re 460
erhielten daher eine Vielfachsteuerung, die in Bezug auf die
Bedienerfreundlichkeit keinerlei Zweifel kannte.
Danach konnten die
Lokomotiven
normal in Betrieb
genommen werden. Am Display erschienen nun die vorhandenen Lokomotiven und
die
Vielfachsteuerung war eingerichtet. Soweit konnte man auch bei den bisherigen Systemen arbeiten. Neu war jedoch die Tatsache, dass die Lokomotive eine Parkstellung erhalten hatte. Verbrachte man die Lokomotive in diese Stellung, konnte der Führerraum ausser Betrieb genommen werden, ohne dass die Lokomotive ausgeschaltet wurde.
Die
Vielfachsteuerung konnte nun gekuppelt werden. Man musste also
die Maschinen nur in den unbesetzten Modus schalten, jedoch nicht
ausschalten.
Beim Einrichten der
Vielfachsteuerung spielte es keine Rolle, ob beide
Lokomotiven
im gleichen Zustand waren, die Lokomotiven glichen sich
automatisch dem höheren Zustand an. Nachdem die
Zugtaufe
erfolgreich
abgeschlossen war, hatte der Lokführer sämtliche Funktionen, die er von
der ersten Lokomotive her kannte, auch von der zweiten Lokomotive. Das
galt insbesondere für die
Bremsprobe und die Diagnose.
Die
Leittechnik
merkte, dass mehrere
Lokomotiven
am
Zugbus
angeschlossen wurden. Da es nun durch die
Kupplungen eine Beschränkung der
zugelassenen
Zugkräfte
gab, reagierte die Leittechnik entsprechend. Das
heisst, dass nicht mehr die rechnerische Zugkraft zur Verfügung stand und
maximal 550 kN Zugkraft aufgebaut wurden. Der Lokführer musste sich daher
nicht um die Beschränkung kümmern.
Grundsätzlich war
die Lok 2000 bei der Ablieferung nicht für die
Fernsteuerung ab einem
Steuerwagen
vorgesehen. Diese wäre technisch aber möglich gewesen, einzig
der Steuerwagen hätte im
Zugbus
ebenfalls erscheinen müssen. Die Parkstellung erlaubte auch, dass die Lokomotive unbeaufsichtigt stehen gelassen werden konnte. Fiel die Spannung der Fahrleitung kurz aus und kam nach geringer Zeit wieder, schaltete sich die Lokomotive automatisch wieder ein.
Diese Funktion war jedoch nur aktiv, wenn der
Schlüsselschalter
in allen
Führer-ständen
auf 0 stand. Im anderen Fall ging
die
Leittechnik
davon aus, dass der Lokführer anwesend ist und den
Hauptschalter
selber bedienen konnte.
Im Gegensatz zur Re 460 der Schweizerischen Bundesbahnen SBB bestand das
Netz der Lötschbergbahn aus einer verhältnismässig kurzen Strecke. Das
hatte unwei-gerlich zur Folge, dass die
Lokomotiven gemischt wurden. Daher
wurden seinerzeit auch die grossen
Ae 8/8 mit einer
Vielfachsteuerung
ausgerüstet. So versteht sich, dass die BLS eine zusätzliche Ausrüstung
für die Vielfachsteuerung mit konventionellen Maschinen wünschte.
Aus diesem Grund wurde die Re 465 mit einer Dolmetscherschaltung
ausgerüstet. Diese konnte die Signale vom
Zugbus
zu den Stromimpulsen der
klassischen
Vielfachsteuerung umwandeln. Die am
Stossbalken angebrachten
Steckdosen passten sowohl zur Vielfachsteuerung der restlichen
BLS-Lokomotiven, als auch zum System
IIId der Schweizerischen Bundesbahnen
SBB. Damit konnte die Re 465 mit nahezu jeder
Lokomotive
kombiniert
werden.
Die Ausrüstung dieser Dolmetscherschaltung erlaubte es, dass man mit einer
dazwischen eingereihten Re 465 von einer
Lokomotive
der Lötschbergbahn
aus, eine weitere Maschine der Schweizerischen Bundesbahnen SBB
fernzusteuern. Das funktioniert sogar, wenn die dazwischen eingereihte Re
465 ausgeschaltet und geschleppt war. Damit war diese Schaltung sehr
freizügig einsetzbar. Die grosse Menge Re 460 verhinderte dies bei den
Staatsbahnen.
Wie alle
Lokomotiven, die fern- oder vielfachgesteuert werden können,
musste auch die Lok 2000 mit einem wirksamen
Schleuderschutz
ausgerüstet
werden. Dieser orientierte sich in seiner Funktion an den Einrichtungen
der älteren Lokomotiven. Die ersten drei Stufen, also blinken der
Meldelampe, anlegen der Schleuderbremse und Reduktion der
Zugkraft
funktionierten dabei identisch. Nur wurde die reduzierte Zugkraft bei
besserem Zustand wieder erhöht.
Der sehr fein arbeitende
Schleuderschutz wurde mit dem
Überdrehzahlschutz
ergänzt. Dieser lag hier natürlich sehr weit oben und betrug 230 km/h plus
10%, was eine Geschwindigkeit von 253 km/h entsprach. Dabei schaltete der
Überdrehzahlschutz die
Zugkraft
ab. Zur Auslösung des
Hauptschalters kam
es bei der
Lokomotive
jedoch nicht. So stand auch in dieser Situation die
elektrische
Bremse der Maschine vollumfänglich zur Verfügung.
Dort wurden die Signale ausgewertet und dem
Lokführer entsprechend gemeldet. Die
Lokomotive
hatte daher auch eine
Haltauswertung, die das Vorbeifahren an roten Signalen verhinderte. Soweit entsprach die Zugsicherung dem bei der Bestellung massgebenden Standard. Die Lokomotive wurde jedoch auch mit ZUB 121 ausgerüstet. Diese mit einer steten Überwachung der Bremskurven Zugsicherung war neu und wurde bei der Lok 2000 erstmals bereits bei der Ablieferung eingebaut.
Der
Grund war, dass dieses System, das bisher in einem beschränkten Rahmen
verwendet wurde, auf dem ganzen Netz installiert werden sollte. Da ZUB 121 die Zugdaten zur Berechnung der Bremskurven benötigt, musste die Lokomotive mit einem Terminal ausgerüstet werden. Dazu verwendet man das Bediengerät des Funkgerätes.
Verwendet wurde hier das neue System
Zugfunk 88
und VZFK 90. Ergänzend dazu gab es bei den Re 465 der Lötschbergbahn
auch noch das
Funkgerät
des alten
Funkes der BLS-Gruppe. So gesehen hatte
diese Maschine zwei Funkaus-rüstungen erhalten.
Die Re 465 der Lötschbergbahn wurde im Gegensatz zu den Re 460 der
Schweizerischen Bundesbahnen SBB zusätzlich mit einer Brandschutzanlage
ausgerüstet. Diese sammelte in einem Staurohr die Luft des
Maschinenraumes
und überprüfte diese auf Rauch. Stellte sie Rauch fest, wurde dem
Lokführer eine Meldung über das
Diagnosesystem übermittelt. Er konnte mit
der
Lokomotive
noch an einen sicheren Ort fahren, denn zu einer
Fahrsperre
oder gar zu einer
Zwangsbremsung
führte diese Meldung nicht.
Konnte die
Lokomotive
nicht mehr betrieben werden, konnte sie geschleppt
überführt werden. Auch hier wurde darauf geachtet, dass viele Aufgaben
durch die Technik übernommen wurden. So muss der Lokführer nur noch zwei
Schlepphahnen betätigen und die Lokomotive war für die
Schleppfahrt
bereit. Damit der Lokführer diese Hahnen nicht versehentlich betätigte,
wurden sie speziell markiert und deren korrekte Bedienung angeschrieben.
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