Bedienung der Lokomotive |
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Somit kommen wir nun zur Bedienung der
Lokomotive
und damit eigentlich auch der Steuerung. Dabei wurde dem betroffenen
Lokomotivpersonal
bei der Schulung mitgeteilt, dass der Schritt zu dieser Maschine mit jenem
der Kollegen von der Dampflokomotive zur elektrisch betriebenen Maschine
entspräche. Dabei musste sich das Personal nicht nur an die neue Technik,
sondern auch gleich an einen neuen
Führerstand
gewöhnen.
Die neue
Lokomotive
sollte einen neuen Führerstand
erhalten. Die vor wenigen Jahren abgelieferten
RBDe 4/4 zeigten
deutlich, dass der von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB mit den
RBe 4/4 eingeführte
Einheitsführerstand
mit der modernen Technik nicht mehr vereint werden konnte. Schon bei der
Re 450 wählte man einen auf den Betrieb der
S-Bahn
abgestimmten Führerstand. Bei der Lok 2000 sollte auch der Lokführer über
einen modernen Arbeitsplatz verfügen.
War man bisher immer der Ansicht, dass man dem
Lokomotivpersonal
einen
Führerstand
hinstellt und dieses dann damit arbeitet, beschritt man nun einen neuen
Weg, denn erstmals konnte das Lokpersonal direkten Einfluss auf die
Gestaltung des Arbeitsplatzes nehmen. Die Grundkonzeption wurde von
Designer Emmerich Horvath gestaltet. Dabei handelt es sich nicht um einen
Mann, der keine Ahnung hatte, denn als ehemaliger Lokführer wusste er
genau, wo die Problempunkte zu finden waren.
So entstand ein
Führerstand,
der eher einem Cockpit von Flugzeugen, als der Bedieneinheit einer
Lokomotive
entsprach. Die bisherigen Anschriften in drei Landessprachen wurden
durch farbige Taster und Meldelampen mit Symbolen ersetzt. Dadurch
erschien der in einem dunkeln Grauton gehaltene Führerstand recht
bunt. Ergänzt wurde dieses Cockpit noch mit einem modernen Stuhl. Die
zentralen Bedienelemente waren neben dem Stuhl angeordnet worden.
Damit hatte es die wichtigsten Arbeiten im
Maschinenraum
abgeschlossen und es folgten lediglich noch die Kontrollen der
Absperrhähne
und im Elektronikschrank ob Abtrenn-ungen vorhanden sind. Im Gegensatz
zu den älteren
Lokomotiven
waren hier nicht viele Aufgaben auszuführen. Nach Abschluss der Arbeiten im Maschinenraum betrat der Lokführer den Führerstand wieder. Dort musste er nun die weiteren Arbeiten zur Inbetriebnahme vornehmen. Dazu setzt er sich auf den Stuhl bei seinem Arbeitsplatz.
Damit das möglich war, musste er den rechten Bedienarm zur
Seite schwenken. Danach konnte der Lokführer auf seinen Platz
schlüpfen. Anschliessend wurde der Schwenkarm wieder an den Sitz
gezogen.
Durch Drehen des Schlüssels, der auf der
Lokomotive
nur einmal vorhanden war, wurde der
Leittechnik
mitgeteilt, welcher
Führerstand
besetzt wurde. Die Elektronik schaltete daher der hier vorhandene
Monitor zu und führte bei den Lampen und Schaltern im
Führertisch
einen Lampentest durch. Der Lokführer konnte so erkennen, ob auch alle
Lampen ordnungsgemäss funktionierten. Erst danach begann die Arbeit um
die Lokomotive in Betrieb zu nehmen.
Es dauerte einen Moment, bis die
Leittechnik
vollständig aufgeschaltet war. Erkannt wurde das, wenn auf dem
Bildschirm
der Schriftzug „bitte warten…“ verschwunden war. Nun wurden die
Informationen vom
Zugdatenbus
angezeigt. Das heisst, dass jetzt alle am
Zugbus
angeschlossenen
Lokomotiven
erschienen. Diese wurden vom besetzten
Führerstand
aus mit Nummern versehen. Daher war die bediente Maschine immer „Lok
1“.
Da die Anschriften gelesen werden mussten, konnte auf der
Tastatur die Sprache umgestellt werden. Bei Lok 2000 standen alle
befahrenen Landessprachen zur Verfügung. Wobei die Strecke bis Chur
auf Deutsch befahren wurde. Der Lokführer musste Bestätigung die
Enter-Taste drücken und die
Leittechnik
führte die
Zugtaufe
anhand des Vorschlages durch. Jetzt konnten mit den Tasten die Signale
erteilt werden.
Bei der Bedienung logisch folgende Tasten waren immer
beisammen und in
Gruppen
angeordnet. Da bedeutete, dass die Taste für den
Stromabnehmer
neben jener für den
Hauptschalter
lag. Diese beiden Schalter wurden zur Inbetriebnahme genutzt. Der
Lokführer drückte einfach auf die Taste für den Stromabnehmer und
dieser wurde durch die
Leittechnik
gehoben. Welcher das effektiv war übernahm in der Regel die Steuerung
der
Lokomotive.
Dieser wurde im Maschinenraum ange-ordnet. Dort konnte schliesslich der ge-wünschte Stromabnehmer ausgewählt wer-den.
In der Regel stand der Schalter auf der Position „N“ und die
Lokomotive
hob auto-matisch den hinteren
Stromabnehmer. Bei in Vielfachsteuerung angeschlossen Lo-komotiven änderte die Steuerung die An-steuerung der Stromabnehmer. Mit Aus-nahme der letzten Lokomotive wurden nun bei allen Maschinen die vorderen Strom-abnehmer gehoben.
So waren auch hier die empfindlichen
Front-scheiben
von den glühenden Teilen vom
Schleifstück
geschützt. Der Wechsel erfolgte sogar automatisch, wenn die
Vielfachsteu-erung
eingerichtet wurde und die
Lokomotiven
in
Parkstellung
waren.
Der
Hauptschalter
konnte erst eingeschaltet werden, wenn die
Spannung
vorhanden war. Bisher erfolgte das immer auf gut Glück. Bei der Lok
2000 wurde dem Lokführer jedoch unmittelbar nachdem der
Stromabnehmer
die
Fahrleitung
berührte, die Spannung in der Fahrleitung angezeigt. Man wusste daher,
ob Spannung vorhanden war oder nicht, wenn man den Hauptschalter
einschaltete. Damit war die Maschine in Betrieb genommen.
Um die obligatorische
Bremsprobe
vor der Fahrt durchzuführen, konnten Tasten benutzt werden. Die in den
Tasten vorhandene Lampe zeigte an, ob eine
Bremse
der
Lokomotive
angezogen war. Mit der anderen Lampe wurde der gelöste Zustand der
Bremsen angezeigt. Das funktionierte auch bei ferngesteuerten
Lokomotiven. Der Lokführer hatte also immer eine direkte Rückmeldung,
ob wirklich alle
Achsen
gebremst wurden.
Aussen befand sich der Schieber für die direkte
Bremse
der
Lokomotive.
Zog man den Hebel ge-gen sich, wurde die Bremse angezogen. Hier musste
der Lokführer hingegen keine zusätz-lichen Handlungen vornehmen. Das Führerbremsventil für die automatische Bremse wurde zuerst gegen sich in die „Fahr-stellung“ gezogen. Damit füllte sich durch den Bremsrechner gesteuert die Hauptleitung.
Danach konnte auch hier mit dem ziehen des
Schieberegler
die Bremsung eingeleitet werden. Schob man den Hebel jedoch an den
vorderen Anschlag, wurde der
Hochdruckfüllstoss
aktiviert. Dieser führte der
Hauptleitung
einen Stoss von bis zu acht
bar
zu. Am Manometer zur Kontrolle war dieser Druck zu erkennen.
Die korrekte Funktionsweise der
Bremse
konnte natürlich auch mittels der vorhandenen Manometer kontrolliert
werden. Dort sah der Lokführer die Drücke in der
Hauptleitung
und im
Bremszylinder.
Diese waren auch aktiv, wenn die Funktion „Bremsprobe“
genutzt wurde. Doch wenden wir uns wieder dem
Führerbremsventil
zu, denn dieses konnte abgesperrt werden. Dazu wurde die Klappe am
Griff gelöst. So konnte das
Ventil
nun in die
Abschlussstellung
verbracht werden.
Bei der Lok 2000 wurde jedoch gleichzeitig die
Zugsicherung
und
ZUB 121
überbrückt. Benötigt wurde das, wenn die
Lokomotive
bedient war und nicht an der Spitze des Zuges verkehrte. Um die
Dichtheit der
Hauptleitung
zu prüfen, durfte diese Funktion jedoch nicht benutzt werden. Daher
erfolgte das über eine entsprechende Taste. Drückte man diese,
erfolgte keine
Nachspeisung
mehr und die Hauptleitung war isoliert.
Die
Lokomotive
besass nicht mehr die eigentlichen P- und
G-Bremsen.
Der
Bremsumschalter
konnte von N auf L oder auf EP gestellt werden. In der Stellung N, war
die schnellere
Personenzugsbremse
mit
R-Bremse
vorhanden. In der Stellung L wurde die R-Bremse nicht aktiviert und
die
Bremseinrichtungen
der Maschine arbeitete langsamer. Die dritte und letzte Stellung
sollte gewählt werden, wenn Züge mit
EP-Bremsen
abgebremst wurden. Diese gab es damals aber bei den Schweizerischen
Bundesbahnen SBB noch nicht.
Nachdem die
Bremsen korrekt funktionierten und diese auch richtig
eingestellt worden waren, wurde die
Lokomotive mit der
direkten Bremse
gesichert. Durch Drücken einer Taste, konnte die
PMS gelöst werden. So
lange die rote Lampe leuchtete, war die Bremse angezogen. Begann die grüne
Taste zu leuchten waren auch gelöste vorhanden. Erst wenn auch die rote
Lampe löschte, waren alle PMS gelöst worden.
Das gewünschte
Signalbild wurde mit Tasten auf der rechten Seite erstellt.
Dabei beeinflusste der Lokführer nicht nur die Lampen beim besetzten
Führerstand, sondern auch jene des letzten Führerstandes. Innenliegende
Führerstände blieben hingegen dunkel. Durch Drücken des entsprechenden
Schalters, waren die gewünschten Signalbilder bei der
Beleuchtung zu
erkennen und die
Lokomotive war fahrbereit.
Mit der Lok 2000 wurde mit der
Geschwindigkeitssteuerung, die sowohl die
Zugkraft, als auch die elektrische
Bremskraft regelte, gefahren. Daher
musste in jedem Fall eine Geschwindigkeit eingestellt werden, denn sonst
fuhr die Maschine schlicht nicht. An einer beim
Geschwindigkeitsmesser
vorhandenen Skala in Form eines Zeigers konnte der ausgewählte Wert
erkannt werden. Eine Rastrierung der möglichen Geschwindigkeiten war
jedoch nicht vorhanden.
Danach musste nur noch die gewünschte
Zugkraft eingestellt werden und die
Lokomotive beschleunige auf den eingestellten Wert und behielt diesen dann
in jedem Fall bei. Diese Regelung konnte bei der Lok 2000 nicht
ausgeschaltet werden und war immer aktiv. Wollte der Lokführer, die
Regelung der Steuerung ausschalten und die Zugkraft manuell regeln,
verbrachte er die Marke einfach auf 230 km/h und fuhr dann manuell.
Lag eine pneumatische Bremsung an, konnte mit der Lokomotive jedoch keine
Zugkraft ausgeführt werden. Dazu war eine
Fahrsperre eingebaut worden.
Diese verhinderte in jeden Fall, dass der Lokführer eine gebremste
Lokomotive mit Zugkraft überlasten konnte. Die Fahrsperre wurde dem
Lokführer als Information am Display angezeigt. Die Aufhebung der
Fahrsperre konnte nur erfolgen, wenn die Bremseinrichtungen vollständig
gelöst wurden.
Hier gab es jedoch eine Spezielle Regelung, denn für die
direkte Bremse
gab es bei sehr tiefen Geschwindigkeiten keine
Fahrsperre. Damit konnte
mit der
Lokomotive auch gesichert losgefahren werden. Vielmehr ging es
jedoch darum, dass beim Andrücken an Wagen die Maschine mit
aufgeschalteter
Zugkraft gebremst werden musste. Eine Fahrsperre hätte
hier für Probleme gesorgt, daher wurde diese nicht programmiert.
Drückte der Lokführer nicht wie verlangt auf das vor seinem Stuhl
vorhandene
Pedal wurde der
Schnellgang aktiviert. Es ertönte ein Horn um
den Lokführer zu warnen und anschliessend die
Zwangsbremsung. Als Wachsamkeitskontrolle war bei der Sicherheitseinrichtung der Langsamgang vorhanden. Seine Funktion unterschied sich nicht von den anderen Lokomotiven.
Das bedeutet, dass er
nicht nur mit dem
Pedal, sondern mit der Regelung der
Zugkraft, der
Bremse
und neu auch durch Drücken der
Scheinwerfer zurückgestellt werden konnte.
Doch bei der
Sicherheitseinrichtung gab es noch zwei weitere Neuerungen, die
bei der Lok 2000 eingeführt wurden.
Die wegabhängige Lösung bisheriger
Lokomotiven konnte bei den hohen
Geschwindigkeiten dieser Maschine nicht mehr umge-setzt werden, daher
wählte man bei der Lokomotive zusätzlich noch eine zeitabhängige Lösung
für die Wegmessung. Die Umstellung war so gewählt worden, dass der
Lokführer kaum einen Unterschied bei der Reaktionszeit feststellen konnte.
So funktionierte die
Sicherheitssteuerung der Lokomotive passiv und
weiterhin nicht aktiv.
Eine weitere Zusatzeinrichtung der
Sicherheitssteuerung der Lok 2000 war
der Doppelklick mit dem
Pedal. Führte der Lokführer diesen Doppelklick
aus, wurde die im
Zugdatenbus vor der Fahrt eingetragene Zuglänge abgemessen
und das Ende mit einem Signalton gemeldet. Diese Einrichtung erleichterte
dem Lokführer die Arbeit bei
Langsamfahrstellen oder anderen
Einschränkungen, die abgefahren werden mussten.
Während
dieser Zeit konnte der Lokführer die
Sicherheits-steuerung mit einem
Druckknopf im Zugkraftregler bedienen. Man konnte also auch auf der Fahrt
die Beine einmal durch-strecken. Auch sonst achtete man auf zeitgemässe Bedingungen im Führ-erstand. Dazu gehörte, dass die schnell fahrende Lokomotive druckdicht ausgeführt wurde. Damit sollte das Gehör vor den Druckwellen, die besonders im Tunnel auftraten, geschützt werden.
Jedoch hatte die druckdichte Ausführung auch
einen Nachteil, denn in der Kabine konnte es ohne Lüftung erstickend heiss
wer-den. Wurde eine der Luken geöffnet, war die Kabine nicht mehr
druckdicht.
Deshalb mussten spezielle Massnahmen für die klimatischen Bedingungen des
Lokführers getroffen werden. Er war in einer Art geschlossenen Kabine, die
keine Fenster hatte, die geöffnet werden konnten. Daher musste zwingend
eine künstliche Belüftung mit
Klimaanlage
eingebaut werden. So konnte die
Kabine ausreichend gekühlt werden. Geregelt wurde sie mit einem einfachen
Drehschalter. Jedoch war keine Temperatursteuerung vorhanden. Die Kabinen
kühlten zunehmend aus.
Da der Lokführer keine Seitenfenster mehr hatte, die er öffnen konnte, war
er nicht mehr in der Lage den angehängten Zug zu kontrollieren. Zudem war
er durch den Schwenkarm an seinen Stuhl gebunden. Daher wurden beidseitig
beheizte
Rückspiegel eingebaut. Dank diesen Spiegel konnte der Lokführer
von seinem Sitz aus den Zug beidseitig kontrollieren. Letztlich sorgte
diese
Lokomotive auch dafür, dass Rückspiegel in der Schweiz üblich
wurden.
Eine Spiegelsteuerung des
Fahrzeugrechners half dem Lokführer beim Ausklappen der
Spiegel. So
wurde bei kleineren Geschwindigkeiten der Spiegel mit einem Klick auf das
Fusspedal ausgeklappt. Sie blieben so, bis entweder die Geschwindigkeit
erhöht wurde oder der Lokführer erneut auf den Fussschalter drückte. Bei
hohen Geschwindigkeiten blieben die
Rückspiegel so lange aufgeklappt, wie
der Lokführer den Schalter drückte.
Durch den Schwenkarm war der Lokführer an seinem Fluchtweg gehindert.
Dieser war jedoch bei Kollisionen wichtig. Daher wurde der Schwenkarm so
ausgeführt, dass der Lokführer bei der Flucht den Schwenkarm nach aussen
an den Anschlag stiess. Dadurch wurde automatische eine
Schnellbremsung
ausgeführt. Zudem wurden die Dichtungen der Türen entlüftet. Der Weg in
den
Maschinenraum war somit frei.
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