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Betriebseinsatz Am 4/6 |
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Nach den
Probefahrten während der vorher behandelten
Inbetriebsetzung
verblieb die spezielle
Lokomotive im Besitz der BBC. Der nächste Schritt
war der im
Pflichtenheft vereinbarte
Probebetrieb. Das Fahrzeug der BBC
sollte mit Zügen der Schweizerischen Bundesbahnen SBB den Beweis
erbringen, dass sie betrieblich erfolgreich eingesetzt werden konnte. Da
diese Fahrten mit planmässigen Zügen erfolgte, sind sie hier.
Während 297 Tagen wurde dabei
eine Distanz von rund 50 000 Kilometern zurückgelegt. Damit belegen die
Zahlen auch, dass mit diesem Fahrzeug nicht sehr oft gefahren wurde, denn
dazu war die Anzahl der Einsatztage viel zu klein ausgefallen. Mit der Lokomotive gefahren wurde eigentlich nur, wenn auch genug Brennstoff vorhanden war. Wegen dem immer noch andauernden Krieg musste dieser auf mühsamen Wegen ins Land transportiert werden.
Das Hauptproblem
war, dass die
Brücken über den Rhein gesprengt wurden und so der Fluss für
die Schifffahrt blockiert war. Das dringend benötigte
Heizöl musste mit
der Bahn über Frankreich eingeführt werden. Der Probebetrieb war für die Bestimmung der Tauglichkeit nicht sehr aussagekräftig. Die gewählte Strecke hatte keine längeren und anhaltende Steigungen.
Hinzu kam, dass auf dieser klassischen
Nebenstrecke kaum
ansehnliche Züge geführt werden konnten. Das mit der geringen
Geschwindigkeit kombiniert, führte dazu, dass man eigentlich keine Ahnung
hatte, was mit der
Gasturbine für
Leistungen abgerufen werden konnten.
Spannend ist eigentlich dabei nur, dass die nagelneue
Lokomotive
ausgerechnet auf einer Strecke verkehrte, die in der Nähe des Rheins und
damit auch in der Nähe der Grenze verkehrte. Es kam dabei nicht zu
Angriffen auf diesen Zug. Vermutlich glänzte die Maschine in der Sonne
noch so stark, dass jeder Kampfpilot annehmen musste, dass damit keine
Truppen befördert wurden. Trotzdem gab es von den Alliierten keine
Angriffe auf die Am 4/6.
Dabei war jedoch spannend, dass sich die Schwei-zerischen Bundesbahnen SBB anfänglich noch gegen die Ideen der BBC stellten.
Im
Pflichtenheft war
klar aufgeführt worden, dass es von Seiten der
Staatsbahnen keine
Verpflichtung gab. Ziel war aber eher, dass der Preis gedrückt werden
sollte.
Die Verhandlungen konnten am 01. Oktober 1944 abgeschlossen werden. Ab
diesem Tag war die
Lokomotive der
Baureihe Am 4/6 offiziell im Besitz der
Schweizerischen Bundesbahnen SBB. Jedoch konnte sich die BBC ein
Mitspracherecht aushandeln. So richtig frei konnten also die
Staatsbahnen
mit ihrem neuen Besitz nicht umgehen. Die BBC musste dabei nicht
befürchten, dass die
Gasturbine mit samt der Lokomotive verschwinden
könnte.
Nachdem die Maschine den Besitzer gewechselt hatte, sorgte dieser dafür,
dass die Zuteilungen erfolgten. Die bisher in Winterthur hinterstellte
Lokomotive wurde daher nach Basel verschoben und dem dortigen
Depot
zugeteilt. Das war für die BBC nicht so schlecht, befand sich das Werk in
Münchenstein in unmittelbarer Nähe zur Stadt Basel. Damit bekam diese
besondere
Diesellokomotive erstmals auch ein Depotschild.
Der schwere Unterhalt wurde nun auch durch die Schweizerischen
Bundesbahnen SBB organisiert. Dabei sollte diese Maschine der
Hauptwerkstätte in Zürich zugeteilt werden. Auch das hatte einen wichtigen
Grund, denn die Leute der BBC, die über das Fachwissen in Bezug der
Gasturbine verfügten, waren so in der Nähe. Bekanntlich verkehren zwischen
diesen beiden Städten schon seit dem Jahr 1847 durchgehende
Reisezüge.
Bedingt durch den Krieg waren viele
Lokomotiven entweder von den Deutschen abgezogen worden, oder aber durch
die Bomben zerstört. Hinzu kam, dass die in Frankreich blok-kierte
Lokomotive der Reihe C 5/6 auch nicht fahren konnte. Da die SNCF dringend neue Lokomotiven mit hoher Leistung benötigte, war ein grosses Interesse an der Am 4/6 mit Gasturbine vorhanden. Daher kam es zwischen dem 29. November 1945 und dem 01. Dezember 1945 zu einer Präsentation der Maschine in Paris.
Dort musste die
Lokomotive bei den
Fachleuten einen guten Eindruck hinterlassen haben. Die von der BBC
erhoffte Bestellung kam jedoch nicht zu Stande. In Frankreich sollte es jedoch eine grössere Verbreitung von Fahrzeugen geben, die mit einer Gasturbine angetrieben wurden.
Besonders erwähnt
werden soll dabei der
Versuchszug, der letztlich zu den elektrischen
TGV
geführt hatte. Gebaut wurden aber keine dieser Fahrzeuge in der Schweiz
und auch der Gast konnte seinen Aufenthalt in Frankreich nicht mehr
fortsetzen, denn er musste mit einem Defekt überführt werden.
Nach einer Fahrleistung von 10 000 Kilometern kam es im
Wärmetauscher zu
einem Brand. Dieser beschädigte die Leitungen so schwer, dass nur noch ein
Aufenthalt in der
Hauptwerkstätte half. Noch ahnte man dort nicht, dass es
damit grössere Probleme geben könnte und so wurde der Wärmetauscher wieder
geflickt und die
Lokomotive nach getaner Arbeit wieder nach Basel
überführt. Dort wurde sie sogar sehnsüchtig erwartet.
Es drohten ausgedünnte
Fahrpläne
und Störungen im Verkehr, da die
Spannung ausgefallen war. Die festen
Anlagen konnten einfach mit den neuen
Fahrleitungen nicht mithalten. Die
Hoffnung waren nun die ther-mischen
Lokomotiven. Die Lokomotive Am 4/6 war daher bei der Betriebs-führung willkommen und die bisher eher spärlich eingesetzte Maschine kam in einen regelmässigen Dienstplan. In der Not nimmt man, was auf die Schnelle zu be-kommen war und da war der Exot gut genug. Schnell wurde die Anzahl geeigneter Lokführer gesucht und diese mit einem Heizer ergänzt.
So konnte der Aufwand für die
Schulung deutlich ge-mildert werden und die
Lokomotive lief im
Titular-system.
Im
Dienstplan enthalten waren nahezu ausschliesslich
Schnellzüge. Diese
wurden ab Basel bespannt und erreichten dabei die Orte Bern, Luzern und
Zürich. Dabei war die Rückfahrt ab Luzern die grosse Herausforderung, denn
diese Züge mussten die recht steile
Rampe von Emmenbrücke nach Rothenburg
befahren. Die Am 4/6 konnte so die
Fahrzeit nur noch knapp halten, aber
immerhin fuhr der Schnellzug und das war wichtig.
Die jährliche Leistung der
Lokomotive lag dabei bei 50 000 Kilometer. Das
war ein recht hoher Wert, der nahezu ausschliesslich mit
Schnellzügen
erbracht wurde. Für die
Güterzüge konnte man die grossen und kräftigen
Dampflokomotiven der Reihe
C 5/6 besser gebrauchen. Die Am 4/6 war daher
keine optimal einsetzbare Maschine, die klar bereinigte Dienste bekommen
musste, da das Personal nicht freizügig eingesetzt werden konnte.
An den immer noch recht heissen Metallen
ent-zündete er sich und es kam zum Brand. Wurde das nicht rechtzeitig
bemerkt, musste die
Gasturbine repariert werden. Es hiess dann, dass ein
Aufenthalt in der
Hauptwerkstätte in Zürich anstand. Die Fachleute in der Hauptwerkstätte führten dabei nicht nur Reparaturen durch. Es wurden an der Gas-turbine auch Anpassungen vorgenommen. Beson-ders das Problem mit den Bränden sollte beseitigt werden.
Eine Arbeit, die
durchaus einen längeren Aufenthalt zur Folge hatte und welche durch
Fachleute der BBC begleitet wurde. Es zeigte sich, dass die Technik bei
diesem
Versuchsträger noch nicht aus-gereift war und daher nur leidlich
funktionierte.
Im Jahre 1949 wurde von der BBC eine
Lokomotive mit
Gasturbine für England
gebaut. Da diese für Britisch Rail BR gedachte Maschine mit der Nummer
18 000 in der Schweiz gebaut wurde, fanden die
Versuchsfahrten damit auch
in der Schweiz statt. So konnte die Lokomotive bei Schäden schnell wieder
zum Hersteller geschickt werden. Eine Methode, die auch heute noch
angewendet wird, besonders dann, wenn es vom
Lichtraumprofil geht.
Anlässlich dieser
Versuchsfahrten bestellte die BBC auch die
Lokomotive
der Reihe Am 4/6. Es sollten Vergleiche zwischen den beiden Modellen
angestellt werden. Dabei muss aber erwähnt werden, dass sich die Technik
verbessert hatte und die Maschine der BR über deutlich mehr
Leistung
verfügte. Daher kann angenommen werden, dass es um den Verbrauch bei den
Brennstoffen ging, denn die
Gasturbine war durstig.
Es sollten
anschliessend Fahrten zur Erkundung der Eignung der
Gasturbine
durchgeführt werden. Daher wurde der Gast aus der Schweiz ins Betriebswerk
Treuchlingen überstellt. Ab dort sollte die Am 4/6 planmässig eingesetzt
werden. Der für die Lokomotive erstellte Dienstplan sah einen ansehn-lichen Umlauf vor. So wurden damit die Orte Würzburg und München erreicht. Das hatte zur Folge, dass an einem Tag zwischen 563 und 841 Kilometer zurückgelegt wurden.
Selbst der regelmässige Unterhalt wurde in Deutschland
durch-geführt. Eher
nebensächlich war, dass dabei die Maschine aus der Schweiz mit ihrer
angestammten Bezeichnung geführt wurde.
Beendet wurde der Einsatz in Deutschland am 30. Oktober 1950. Dabei stand
nun aber die
Hauptrevision an und diese wurde in der
Hauptwerkstätte
Zürich vorgenommen. Als Folge der Fahrten in Deutschland, sollte es dazu
kommen, dass auch dort Fahrzeuge mit
Gasturbinen ausgerüstet wurden. Zu
einem Nachbau der Reihe Am 4/6 kam es jedoch auch dort nicht, der
Versuchsträger war einfach zu anfällig.
Nach der
Revision kam die
Lokomotive wieder ab Basel in den planmässigen
Verkehr. Jedoch gab es immer öfter Reklamationen der Fahrgäste in den
Schnellzügen. Besonders im Sommer, wo bei den Wagen die Fenster geöffnet
waren, drangen die
Abgase in die Abteile. Dabei hatten diese einen
unangenehmen Geruch, den man von den elektrischen Modellen nicht gewohnt
war. Zudem war auch den Leuten klar, dass immer unter
Fahrleitung gefahren
wurde.
Auch
jetzt wurde meistens unter der
Fahrleitung gefahren. Der Unterschied
bestand dabei nur darin, dass es im
Güterverkehr keine Reisenden gab, die
mit bösen Briefen an die Generaldirektion gelang-ten. Speziell erwähnt werden muss der Einsatz mit einem TEEM Zug. Diese neuen schnellen Züge des Güterverkehrs wurden eingeführt und mit einem solchen wurde auch der Bahnhof von Erstfeld er-reicht.
Die
Lokomotive der Reihe Am
4/6 kam so erstmals auf einem Abschnitt der
Gotthardbahn zum Einsatz. Auf
die
Bergstrecke durfte jedoch nicht gefahren werden, denn auf dieser war
eine
elektrische
Bremse vorgeschrieben und die gab es nicht. Lange konnte dieser Dienstplan jedoch nicht ge-fahren werden. Da die BBC immer noch über ein Mitspracherecht verfügte, gab diese bei den Güter-zügen ein Veto.
Man hatte Bedenken bei einem Einsatz im
Güterverkehr. Nun waren
es aber die vier
Fahrmotoren. Diese besassen eine
Eigenventilation, die
bei langsamen Fahrten nicht mehr optimal arbeitete. Daher wurden Schäden
an den speziellen Motor befürchtet und der Einsatz beendet.
Um die
Lokomotive wieder vor
Reisezügen einsetzen zu können, wurde die
Maschine zu einem Umbau in die
Hauptwerkstätte nach Zürich überstellt.
Dort sollten die Probleme mit dem
Abgasen mit speziellen auf dem Dach
montierten Aufbauten behoben werden. Dadurch sollte die
Gase über den Zug
und nicht mehr entlang desselben geleitet werden. So erhoffte man sich,
dass die Abgase weniger in die Wagen gelangten.
Nach
wenigen Stunden war die Am 4/6 wieder dort, wo sie gerade hergekommen war.
Die
Hauptwerkstätte stellten die besondere Maschine wieder her und danach
klappte auch die Rückführung nach Basel ohne Probleme. Der neue Dienstplan sah wieder Schnellzüge vor. Dabei wur-den an den Wochenenden auch grössere Strecken zurück-gelegt. So wurden die Bahnhöfe Landquart und Chur ange-fahren.
Speziell dabei war, dass der Ausgangspunkt
Basel oftmals nur noch mit fast leeren
Tanks erreicht wurde. Auch hier war
daher die Reichweite beschränkt, was aber bei allen Modellen mit
Verbrennungsantrieb der Fall war, denn diese führten die Vorräte mit. Immer mehr zeigten sich aber auch Probleme bei der Stellung des Personals. Da die Am 4/6 kompliziert in der Bedienung war, musste sie mit zwei Mann besetzt werden.
Diese waren zudem handverlesen und gerade beim
Heizer kam
es oft vor, dass sich dieser zum Lokführer ausbilden liess und in der
neuen Funktion nicht mehr auf diese besondere
Lokomotive kam. Das führte
dazu, dass es immer wieder an geeignetem Personal scheiterte.
So kam es den Schweizerischen Bundesbahnen SBB gelegen, dass die Maschine
wieder im Auftrag der BBC nach Frankreich entsandt wurde. Dort sollten nun
Vergleiche angestellt werden. Es waren daher nur wenige Fahrten absolviert
worden und die Maschine kehrte in die Schweiz zurück, wo sie wieder in den
speziellen
Dienstplan kam. Immer mehr zeigte sich aber, dass dank neuen
elektrischen
Lokomotiven der Einsatz beschränkt war.
Dort angekommen stand dann die
Nachtruhe an und die
Gasturbine konnte auskühlen. Ein Vorgang, der immer
wieder erfolgte, nun aber nicht gut enden sollte, denn die Pumpe war nicht
repariert worden. So kam es, dass der Startversuch am folgenden Tag mit der kalten Gasturbine nicht klappte. Das führte nun aber dazu, dass es an der Gasturbine zu Schäden kam. Diese konnten nur durch die Hauptwerkstätte behoben werden.
Daher wurde in Basel die Maschine für die
Schleppfahrt
vorbereitet und der Havarist auf die Reise nach Zürich geschickt. Niemand
ahnte dabei, dass es nicht mehr zu einer Rückkehr kommen sollte.
Als am 08. September 1954 die
Lokomotive in der
Hauptwerkstätte ange-kommen
war, wurde der Schaden aufgenommen und die Kosten berechnet. Das Personal
in Basel hatte dabei sehr gute Arbeit geleistet, denn die Beheb-ung wurde
mit 150 000 Schweizer Franken veranschlagt. Das war für die
störungsanfällige Lokomotive jedoch zu viel. Daher wurde nach wenigen
Jahren die
Ausrangierung der Am 4/6 verfügt. Die Gasturbine, die ja auf einem Hilfsrahmen montiert worden war, wurde in der Folge verkauft. Damit verlor auch die BBC das Interesse an den Überresten. Die noch verbleibenden Teile gingen daher in den Besitz der Schweizerischen Bundesbahnen SBB über. Obwohl die Ausrangierung verfügt worden war, kam es jedoch nicht zum Abbruch. Die Lokomotive mit der Nummer 1101 wurde daher im Gelände der Hauptwerkstätte abgestellt.
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