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Die
Lokomotive
Am 4/6 wurde an drei verschiedenen Orten gebaut. Der bei der SLM erstellte
mechanische Teil rollte auf den eigenen
Rädern
nach Münchenstein in das dortige Wert der BBC. Die von der BBC gebaute
Gasturbine
kam jedoch aus Baden und dort wollte man sicher gehen, dass das Bauteil
auch den Anforderungen gewachsen war. Unsere
Inbetriebsetzung
findet daher nicht in Münchenstein, sondern in Baden statt.
Auch wenn es nie erwähnt wurde, auch die SLM machte mit den neu gebauten mechanischen Teilen Versuche und Abnahmen.
Doch spannender war da schon die in Baden aufge-baute
Gasturbine,
die in eine
Lokomotive
eingebaut werden sollte. Am 20. Mai 1941 konnte die Gasturbine im Werk der BBC erstmals erfolgreich gestartet werden. Damit war klar, dass die Anlage funktionierte und auch die verlangten Leistungen abgegeben werden konnten.
Die Abteilung in Baden hatte daher die Arbeit getan und nun konnte auch
dieser Teil der
Baureihe
Am 4/6 in das Werk Münchenstein überstellt werden. Dank dem Hilfsrahmen
war das gar nicht so schwer.
Den Transport übernahmen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB. Verladen
wurde die
Gasturbine
in Baden auf einem speziellen Wagen. Danach ging die Fahrt ohne weitere
Probleme mit normalen
Güterzügen
in den
Bahnhof
von Münchenstein. Im dortigen Werk der BBC wurde die
Gasturbine
abgeladen und anschliessend in die anderen Bauteile gehoben. Die
Lokomotive
Am 4/6 befand sich damit in der Endmontage.
Während der Sommermonate 1941 wurde im Werk Münchenstein die
Lokomotive
Am 4/6 montiert. Dabei müssen wir bedenken, dass sich Europa in dieser
Zeit im Krieg befand und in der Schweiz kaum Arbeitskräfte verfügbar
waren. Die wehrfähigen Männer des Landes waren damit beschäftigt, das Land
vor einem Angriff zu schützen. Für die BBC hatte das zur Folge, dass man
mit einem reduzierten Bestand arbeiten musste.
Dabei fanden die ersten Versuche mit dem neuen Fahrzeug im Bereich des Werkes statt. Viel weiter, als bis Laufen kam man dabei nicht. Das
war auch nicht nötig, denn die Fahrten verliefen ohne jegliche Störung. Es
zeigte sich, dass die Tests sinnvoll waren.
Nach den ersten Fahrten, wurde die
Lokomotive
jedoch wieder ins Werk gerufen. Es kann angenommen werden, dass noch ein
paar Nacharbeiten ausgeführt werden mussten. Damit stellt sich die Frage,
ob wirklich alles so reibungslos funktionierte, wie das die Fachleute der
BBC übermittelten. Auch wenn man es ihnen gönnen mag, so leicht waren die
ersten Fahrten vermutlich gar nicht, denn es stimmten noch nicht alle
Einstellungen.
Am Freitag dem 05. September 1941 war dann der offizielle Start der
Testfahrten.
Diese fanden unter der Leitung der BBC statt und nur das
Fahrpersonal
wurde von den
Staatsbahnen
gestellt. Start der Fahrten sollte Basel sein, denn das war das zum Werk
nächste
Depot
der Schweizerischen Bundesbahnen SBB und daher immer wieder Anlaufstelle
für die neuen
Lokomotiven,
die in Münchenstein gebaut worden waren. Nun war es einfach ein spezielles
Modell.
Der Fahrweg der ersten Fahrt führte von Basel über Laufenburg und Koblenz
nach Eglisau. Dort erfolgte ein Richtungswechsel um dann nach Schaffhausen
und von dort über Stein am Rhein nach Romanshorn zu fahren. Dort sollte
der erste Tag enden, denn Sie müssen bedenken, dass sich die
Versuchslokomotive
auf den einspurigen Strecken den Weg zwischen den anderen Zügen suchen
musste. Vorrang hatte der
Fahrplan
und nicht die
Sonderfahrt.
Andere Quellen berichteten jedoch, dass es beim Wechsel der Richtung in
Eglisau zu einer nicht geplanten Ver-zögerung kam. Ob dies Probleme mit
der Technik, oder mit der noch ungewohnten Bedienung waren, wurde jedoch
nicht überliefert. Wie knapp die Lokomotive fertig gebaut wurde, zeigt sich in der Tatsache, dass die Versuche nur kurze Zeit unter-brochen wurden. Die neue Maschine mit Gasturbine wurde zu den 50 Jahr Feierlichkeiten der BBC nach Baden ge-rufen.
Dort war dann die festlich geschmückte
Lokomotive
zu bewundern und wer wollte, konnte auch eine Fahrt damit geniessen. Diese
starteten jedoch in Zürich und führten nach Baden und über Baden weiter
bis Olten. Als die letzten Besucher der Feierlichkeiten noch ihren Rausch ausschliefen, ging es bereits zum ersten Umbau. Die Gasturbine wurde seit der Auslieferung mit Dieselöl betrieben.
In jenen Jahren waren die preislichen Unterschiede zum
Heizöl
nicht so gross, wie das heute der Fall ist, wo auf
Treibstoffen
eine Steuer erhoben wird. Trotzdem sollte der Betrieb nun mit Heizöl
erfolgen. Der Umbau war nötig, weil es sich nicht um das heute übliche
Produkt handelte.
Es war keine Forderung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB. Die BBC
erhoffte sich nach dem Umbau auch Aufträge, die in den Export gingen. Dort
herrschte bekanntlich Krieg und
Dieselöl
wurde für die Fahrzeuge und Panzer benötigt. Da wollte niemand diesen
Treibstoff
in einer
Lokomotive
verheizen. Wenn die
Turbine jedoch mit
Heizöl
betrieben werden konnte, sah die Sache schon ganz anders aus, denn das
wurde nicht so teuer.
Neue
Lokomotiven
wollte nun wirklich niemand mehr. Zum grossen Erfolg mit der
Gasturbine
sollte es auch nicht kommen, da die
Dieselmotoren
mit dem neuen
Abgasturbolader
der Firma Sulzer mehr
Leistung
erzeugen konnten. Noch nicht erfolgt waren die Testfahrten zur Bestimmung der Leistung und des Verbrauchs. Diese fanden auf der Strecke zwischen Zürich und Chur statt.
Dabei wurde der
Dynamometerwagen
mitgeführt und so die
Leistung
erfasst. Zusammen mit dem verbrauchten
Brennstoff
konnte dann berechnet werden, wie hoch der Verbrauch bei der
Gasturbine
war. Spannend war das gerade im Vergleich mit den Dampflokomotiven. Mit dem 488 Tonnen schweren Zug wurde ein durchschnittlicher Verbrauch von 19 Gramm Brennstoff pro Tonne Zugsgewicht und einem Kilometer Strecke errechnet.
Im Vergleich mit den Dampflokomotiven war zu erkennen, dass die
Gasturbine
recht durstig war und auch der Verbrauch bei der Luft ex-trem gross war.
Da diese im Gegensatz zum Wasser der
Dampfmaschine
gratis bezogen werden konnte, war die
Turbine leicht besser.
Auch die bei solchen Fahrten immer wieder vorgenommen Überschreitungen bei
der
Höchstgeschwindigkeit
gab es natürlich. So wurde mit der
Lokomotive
Am 4/6 zwischen Walenstadt und Sargans eine Geschwindigkeit von 128 km/h
erreicht. Wie das Fahrverhalten beurteilt wurde, ist jedoch nicht
ausreichend bekannt geworden. Spannend war dieses im Hinblick auf die
Baureihe
Ae 4/6, die in diesem Punkt eher
schlecht war.
Das Problem war die Führung der
Lokomotive
bei hoher Geschwindigkeit. Geriet das
Drehgestell
ins Schlingern, brauchte es wohl sehr viel Mut, um auf diese hohe
Geschwindigkeit zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit wurde in der Folge bei 110 km/h belassen und die Reihe Am 4/6 sollte nicht nach der Zugreihe R verkehren. Daher fanden diese Fahrten auch nicht zur Erlangung einer Zulassung statt.
Man wollte einfach nur wissen, wann es auch für den mutigsten Lokführer zu
viel wurde und er mit der Ver-zögerung begann. Gerade wenn es schüttelte
und rüttelte, war die Gefahr einer
Entgleisung
sehr hoch und daher war es eine Frage des Mutes.
Weitere
Versuchsfahrten
fanden mit der
Lokomotive
auch am alten Hauenstein statt. Dort konnte man die Steigungen des
Gotthards nutzen um die Eignung in den
starken Gefällen
zu erproben. Während es in den Steigungen um die
Leistung
der
Gasturbine
ging, wurde diese während der Talfahrt abgestellt und die Lokomotive mit
der
Regulierbremse
gehalten. Eine Fahrt, die natürlich den
Bremsklötzen
nicht gut bekam.
Wegen diesem Verschleiss wurde die Diskussion über den Einbau einer
elektrischen
Bremse in die Wege geleitet. Sollte die
Lokomotive
auf Strecken mit
starken Gefällen
verkehren, war diese besonders auf den sehr langen Abschnitten im Gebirge
vorgeschrieben worden. Das Problem hier waren jedoch die
Achslasten,
die nicht ohne weiteres erhöht werden konnten. Daher kam es vorerst nicht
zum Einbau dieser besonderen
Bremse.
Die hohe Leistung bei der elektrischen Traktion führte dazu, dass in den Steigungen schneller ge-fahren werden konnte.
Solche Strecken waren in der Schweiz nicht selten. Als Ersatz für die
alten Dampflokomotiven konnte die
Gasturbine
daher nicht genommen werden. Ein weiteres Problem bei Lokomotiven mit einer Verbrennung waren die Abgase. Seit dem schweren Zugsunglück im Rickentunnel vom 01. März 1916 war das Problem in der Schweiz sehr präsent.
Daher wollte man auch in diesem Punkt ein Ver-gleich der
Gasturbine
mit den Dampflokomotive an-stellen. Die dazu erforderlichen Fahrten fanden
am 22. Dezember 1942 auf der Strecke zwischen St. Ursanne und Courgenay
statt.
Dabei wurde festgestellt, dass der Ausstoss von
Koh-lenmonoxyd
bei der
Gasturbine
deutlich geringer war. Dieses
Gas
war besonders gefürchtet, das es auf den Menschen wirkte und diesen
einschlafen liess. In der Folge verstickte dieser und konnte bei zu später
Rettung versterben. Der geringere Ausstoss war jedoch eine Folge davon,
dass ein Feuer mit
Kohle
sehr viel Kohlenmonoxyd erzeugt. Bei den
Brennstoffen
der Gasturbine war das besser.
Auch wenn nur das
Kohlenmonoxyd
getestet wurde, das grosse Problem bestand auch bei der
Gasturbine.
Diese hatte einen grossen Ausstoss von Kohlendioxyd, das auch nicht gesund
war, weil es schwerer als Sauerstoff war und in
Senken ebenfalls schwere Folgen auf den Menschen
hatte. In beiden Fällen konnte das zum Tod führen. Ein Punkt mehr, dass es
in der Schweiz keiner grosse Verbreitung von thermisch geführten Zügen
kommen sollte.
Je nach der Länge des
Bremsweges
stimmten die Be-rechnungen. Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB hatten
daher die Strecken für solche Versuche definiert. Diese Probefahrten erfolgten somit auf bestimmten Strek-ken und hier war dazu das Aaretal zwischen Bern und Thun gewählt worden. Der Grund für diese Wahl war, dass hier bereits planmässig mit 110 km/h gefahren wurde und man so die Bremswege leicht vergleichen konnte.
Die Reihe Am 4/6 schnitt dabei nicht schlecht ab. Die guten
Bremsgewichte,
die berechnet wurden, konnten umgesetzt werden, was für die erlaubte
Geschwindigkeit wichtig war. Da die Lokomotive vorerst nicht in den Bestand der Schweizerischen Bundesbahnen SBB aufgenommen wurde, erfolgten keine Zuteilungen und auch keine Planung des Unterhaltes.
So fehlten die sonst an den
Lokomotiven
angebrachten Depotschilder. Der schwere Unterhalt der Maschine mit
Gasturbine
wurde von der BBC übernommen. Daher kehrte die Reihe Am 4/6 dazu in das
Werk Münchenstein zurück. Kleinere Arbeiten blieben jedoch einem
Depot
überlassen.
Zum Schluss der
Inbetriebsetzung
der Reihe Am 4/6 muss noch erwähnt werden, dass der vorgeschlagene Einbau
einer
elektrischen
Bremse verworfen wurde. Dabei war vermutlich das
zusätzliche Gewicht die Ursache, denn auf den
Nebenstrecken
waren die
Achslasten
damals noch sehr oft auf 16 Tonnen begrenzt. Dort gab es oft auch keine
Fahrleitung
und daher waren das Strecken, die von der
Versuchslokomotive
befahren wurden.
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