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Betriebseinsatz |
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Der
Versuchsbetrieb mit
Drehstrom begann mit der Betriebseröffnung des
Tunnels. Dabei standen die
vertraglich verlangten fünf
Lokomotiven bereit. Neben den drei aus Italien
gekommenen Exemplaren, waren noch die zwei neu gebauten Maschinen
vorhanden. So konnte mit den vier geplanten Zügen gearbeitet werden. Wobei
immer nur zwei auf der Strecke verkehren konnten. Die
Leistung der
Kraftwerke reichte auch nicht für viel mehr.
Die
Normallasten der fünf
Lokomotiven wurden wie geplant festgelegt. So waren je nach gefahrener
Geschwindigkeit 300 oder 400 Tonnen schwere Züge vorhanden. Mit den
meistens von Hand gebremsten
Güterzügen fuhren die Maschinen mit 34 km/h.
Bei den
Reisezügen und der Anwendung der
Druckluftbremse konnte mit einem
Tempo von 68 km/h gefahren werden. Damals liessen die
Weichen nur 40 km/h
zu, so dass diese wirtschaftlich befahren wurden.
Mit der Betriebsaufnahme des
Tunnels wurde auch der legendäre Simplon-Orient-Express eingeführt. Dieser
verkehrte bis Brig mit einer Dampflokomotive, dann wurde im Tunnel mit
Drehstrom gefahren um in Iselle wieder auf eine Dampflokomotive zu
wechseln. Die vom Direktorium in Lausanne befürchteten viele Halte waren
daher vorhanden. Trotzdem waren mit Dampf betriebene Fahrzeuge im Tunnel
wirklich nur selten anzutreffen.
Am 24. September 1907 traf mit
der Nummer 366 die erste für den Simplontunnel entwickelte
Lokomotive in
Brig ein. Sie wurde zuerst einigen Versuchen unterzogen. Ausgedehnte
Testfahrten gab es jedoch nicht, denn die Strecke bot dafür kaum die
erforderlichen Lücken im
Fahrplan. Es war schon früh klar, dass der
Tunnel
ausgebaut werden sollte. Als schliesslich am 25. Februar 1908 mit der
Nummer 367 die zweite Maschine eintraf, gab es erste Anpassungen.
Die Hauptlast wurde von den
Lokomotiven der Reihe
Fb 4/4 übernommen. Diese wurden mit den von der BBC
gebauten Maschinen der Reihe Fb 3/5 ergänzt. Die mietweise verkehrenden
Lokomotiven blieben oft nur noch als Reserve vorhanden, denn der Bestand
war ausgesprochen knapp bemessen worden und so blieb es vorerst auch. Wir
wollen uns nun eine Fahrt mit den neuen Lokomotiven und dem Orient-Express
ansehen.
Doch auch
hier half die Erfahrung mit, denn mit
Dreh-strom fuhren längst nicht alle
Lokführer des
Depots Brig. Es waren also Spezialisten mit den Maschinen
beschäftigt und die fanden den Trick schnell. Mit dem Wendeschalter wurde die Fahrrichtung gewählt. Damit konnten nun die erforderlichen Polumschalter akti--viert werden. Die Fahrmotoren begannen zu drehen und der Zug setzte sich in Bewegung.
Ab dann konnte hochgeschaltet werden, bis die
Spannung
bei den
Fahrmotoren 3000
Volt betrug. Danach mussten die Pole bei den
Motoren umgeschaltet und weiter zugeschaltet werden. Die Umschaltung der
Pole ergab immer einen leichten Ruck, der im Zug gespürt wurde.
Auch wenn sich die
Angelegenheit schnell gelesen hat. In der Praxis war das anders. Es wurde
mit den
Lokomotiven recht gemütlich losgefahren und es dauerte sehr lange,
bis synchron gefahren werden konnte. Danach blieb diese Geschwindigkeit
und es musste nur eine tiefere
Fahrstufe gewählt werden, wenn das Tempo
nicht gehalten werden konnte. Im anderen Fall war jedoch während der Fahrt
nicht mehr viel zu machen.
Wenn der Zug im
Tunnel den
Gefällsbruch passierte, musste auch keine Handlung vorgenommen werden. Die
Fahrmotoren wechselten nun in den generatorischen Betrieb und sorgten so
dafür, dass die Geschwindigkeit eingehalten werden konnte. Eine
Verzögerung war jedoch mit den Fahrmotoren nicht möglich, denn dazu musste
die
Zugkraft abgeschaltet und der Polumschalter geöffnet werden. Die
Lokomotive war nun im Leerlauf.
Der Betrieb war daher
sehr wirtschaftlich und gerade die durchgehend gehaltenen
Geschwindigkeiten für den
Fahr-plan von Vorteil. In der Tunnelstation
musste daher nur ein Zug kurz stoppen. Trotz der langsamen Beschleunigung, der Betrieb mit Drehstrom sorgte für sehr viel Aufsehen. Das auch auf Grund der Tatsache, dass die MFO in jenen Jahren zwi-schen Spiez und Frutigen die neue Versuchsstrecke für Wechselstrom aufbaute.
Dieser sollte in wenigen Jahren bis Brig geführt werden. Damit sollten
dort die beiden Systeme aufeinander treffen. Bis es jedoch soweit war,
bildete der Betrieb eine Insel zwischen den Dampfzügen. Mit dem zuverlässigen Betrieb der beiden neuen Loko-motiven konnte auf die Miete der Maschinen aus Italien verzichtet werden. Diese wurden daher wieder an die FS zurück gegeben.
In der Schweiz verkehrten nur noch einheimische
Loko-motiven.
Diese waren wirklich gut gelungen, auch wenn die Bedienung nicht leicht
war, die Technik war solide aufgebaut worden und die Motoren verziehen
auch einen Fehler des Bedieners.
Mit der Rückgabe der
Lokomotiven nach Italien konnten die
Normallasten angepasst werden. Schon
früh im Betrieb zeigte sich, dass die Werte sehr konservativ gewählt
wurden. Mit den gemieteten Lokomotive wollte man zudem nicht zu viel
riskieren. Jetzt war das anders und daher sollten ab dem Jahr 1912 neue
Normallasten angewendet werden. Das war ein guter Beweis, wie zuverlässig
auf der Strecke gefahren wurde.
Wichtig war hier jedoch dass die maximalen Werte
bei der Geschwindigkeit erreicht wurden. Bei den
Güterzügen mussten jedoch
die beiden
Baureihen erstmals unterschieden werden, denn hier war mehr die
Zugkraft verlangt. Mit der Reihe Fb 3/5 konnten von Brig her 600 Tonnen schwere Güterzüge geführt werden. In der Gegenrichtung waren es jedoch nur noch 430 Tonnen. Die neueren Maschinen mit einer Triebachse mehr konnten in Richtung Süd mit 660 Tonnen und in Richtung Nord mit 450 Tonnen belastet werden.
Das waren durchaus Werte,
die damals bei den Zügen üblich waren. Jedoch konnten auch schwerere Züge
an die
Bahnhöfe kommen.
Damit stellt sich automatisch
die Frage nach den
Vorspanndiensten. Diese waren schlicht nicht möglich,
denn es gab dafür einfach nicht genug
Lokomotiven und auch die
Leistung der
Kraftwerke reichte nicht für drei fahrende Lokomotiven aus. Zudem
mussten auch technische Probleme erwartet werden, denn mit
Drehstrom war
das nicht so einfach, wie man allgemein annehmen könnte, denn es gab feste
Geschwindigkeiten.
Diese konnten sich zwischen den
einzelnen
Lokomotiven unterscheiden. Auch wenn zwei typengleiche genommen
wurden. Der Grund war, dass die Abnützung bei den
Bandagen einen Einfluss
darauf hatte. Würde man nun mit zwei Lokomotiven arbeiten, käme es dazu,
dass eine ziehen würde und die andere in den Bremsbetrieb wechselte. Der
Grund waren die nicht synchronen Drehzahlen der
Fahrmotoren, denn diese
war wichtig.
Aber auch die
gleiche Drehzahl war vorhanden. Gerade in diesem Punkt lagen letztlich auch die Vorteile
der Ma-schinen, die mit
Wechselstrom verkehrten. Dort gab es ja eine neue
Lokomotive mit sehr viel Kraft. Als im Sommer 1913 die Lötschbergstrecke in Betrieb genommen wurde, war es Tatsache geworden. In Brig trafen die beiden Systeme zusammen. Dabei durften die Fahrleitungen auf keinen Fall verbunden werden.
Züge vom Lötschberg nach dem Simplon
mussten mit einer Dampflokomotive von einer zur anderen
Fahrleitung
ge-zogen werden. Ein komplizierter Betrieb, der gerade hier noch ein paar
Jahren anhalten sollte. Mit der Ankunft der Fb 5/7 in Brig war die Reihe Fb 4/4 nicht mehr die stärkste Lokomotive auf dem Platz. Der Rekordhalter wurde von der stärksten Lokomotive der Welt abgelöst.
In diesem Punkt hatte die MFO nun die Nase vorne. Was natürlich
nicht gerade im Interesse der BBC war. Man wollte mit den
Drehstrom wieder
an die Spitze. Das war zudem ein Problem, da eine Landesausstellung in
Bern angesetzt wurde.
Noch waren die Aufträge für
elektrische
Lokomotiven rar. Die MFO konnte ein paar Exemplare für
Wechselstrom verkaufen. Bei Anlagen mit
Drehstrom war es sogar noch
ruhiger. Wollte man sich an der Landesausstellung zeigen, musste etwas
gewaltiges her. Die MFO klaute dazu einfach eine im Betrieb stehende
Maschine der BLS und stellte diese aus. Die BBC konnte in Brig jedoch
nicht zugreifen, denn dort reichte der Bestand knapp.
Es war aber abzusehen, dass
diese noch gebaut werden könnte. Für die bis zu 27‰ steilen
Rampen musste
jedoch
Leistung her. Dabei sollte der Titel für das Kraftmonster wieder an
die BBC gehen und das war wichtig. Dass man schlicht keinen Auftrag dafür hatte, blendete man aus. So stand dann in Bern an der Landesausstellung die nagelneue Fb 4/6, die jedoch noch keinen Meter in eigener Kraft fuhr.
Das hatte die anderen elektrische
Lokomotive schon
geschafft. Wichtig war, die BBC hatte nun die stärkste Lokomotive der Welt
und die fuhr mit dem
Drehstrom, der wirklich viele Vorteile hatte, aber im
Betrieb auch zu viele Nachteile.
Während die Kraftprotze in Bern
neben der grössten Dampflokomotive der Schweiz eher klein aussahen, stellt
sich die Frage nach den
Dampfmaschinen im Simplon. Planmässig wurden sie
nicht eingesetzt. Wenn es notwendig war, übernahm die elektrische
Lokomotive die Traktion und die Dampflokomotiven setzte nur noch den
Schmierdampf ein. So konnte ohne Feuer durch den
Tunnel gefahren werden,
bei einem
Güterzug konnte das über 30 Minuten dauern.
Mit dem Ende der
Landesausstellung wurde dann die
Lokomotive
Fb 4/6 nach Brig überstellt.
So hatte man dort wieder die fünf Maschinen. Wobei gefahren werden konnte
schlicht nicht mehr. Fuhr die neue Maschine los, schalteten die
Kraftwerke
schlicht aus. So konnten nur Fahrten ausgeführt werden, wenn sonst keine
andere Lokomotive verkehrte. So waren Fahrten wirklich selten und erst die
neuen Werke brachten eine Besserung.
Die Werkstatt musste
derweil die dadurch entstan-denen Schäden beheben. Wirklich glücklich mit
der neuen Maschine war niemand. Die hatte viele Muskeln bekommen, bockte
jedoch gewaltig. Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges nahm der Verkehr im Simplontunnel deutlich ab. Italien befand sich im Krieg und wer durch den Tunnel fuhr befand sich im Kriegsgebiet.
Das wirkte sich in erster Linie auf die Kilometer-leistung der Reihe
Fb 4/6
aus. Die hier erfassten Werte bewegten sich zwischen ein paar wenigen
Kilometern und null. Für den noch vorhandenen Verkehr reichten meistens
die Modelle der Reihe
Fb 4/4. Auch wenn der Betrieb im Simplontunnel mit Dreh-strom zuverlässig und solide war. Die gigantischen Preise für die importierten Kohlen beschleunigten den Entscheid der Schweizerischen Bundesbahnen SBB.
Wegen der einfacheren
Fahrleitung und
der besseren Regulierbarkeit der
Fahrmotoren sollten die Strecken mit
Wechselstrom elektrifiziert werden. Damit war eigentlich klar, das Netz
mit
Drehstrom war schon bald Geschichte.
Obwohl der Entscheid gegen die
BBC lief, war man dort nicht erbost. Man hatte damit gerechnet und so
offerierte man auch
Lokomotiven für den
Wechselstrom. Bei den
Staatsbahnen
stellte sich nun die Frage nach der
Fahrleitung in der zweiten Röhre, die
kurz vor der
Inbetriebnahme war. Dort sollte mit
Drehstrom gefahren werden
und zu dem verlängerte man die Fahrleitung im Wallis bis nach Sion. Die
Südrampe blieb auf Dampf.
Es war klar mit der längeren Strecke und dem
dop-pelspurigen
Tunnel wurden alle fünf vorhandenen Ma-schinen benötigt. Ein
Ersatz war schlicht nicht mehr vorhanden. Daher sollten noch zwei weitere
Fb 4/4 beschafft werden. Im Januar 1920 stellten die Eisenbahnen in der Schweiz die Bezeichnungen für die elektrischen Loko-motiven um. Die drei Baureihen in Brig wurden daher neu als Be 3/4, Be 4/4 und Ce 4/6 bezeichnet.
Der Exot bekam das C, weil zur gleichen Zeit
seine
Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h reduziert wurde. So erhoffte man
sich einen etwas besseren Betrieb der nicht gerade gelungenen Maschine,
die nun ihren Titel abgeben musste.
Während in Münchenstein bereits
Lokomotiven der
Baureihe
Be 4/6 gebaut wurden, entstanden auch die beiden
letzten Maschinen für den Einsatz im Simplontunnel. Diese kamen gerade
noch rechtzeitig auf die Eröffnung der zweiten Röhre in Betrieb. Damit
waren erstmals sieben Lokomotiven vorhanden, was auch gleich der höchste
Bestand war. Der Grund war, dass zur gleichen Zeit der elektrische Betrieb
am Gotthard aufgenommen wurde.
Die neuen Bezeichnungen konnten
sich nicht lange halten. Diese wurden im Jahre 1921 zu
Ae 3/5,
Ae 4/4 und
Ce 4/6 geändert. Die besser laufenden Maschinen bekamen den neuen
Buchstaben A, weil deren
Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h angehoben
werden konnte. Bei der
Lokomotive
Ce 4/6 änderte nur, dass sie nun
vermehrt eingesetzt wurde. Wirklich glücklich war man damit zwar nicht,
aber so ging es immerhin.
Eigentlich hätte es mehr
Lokomotiven vertragen, aber die
wurden nicht mehr bestellt, denn die Elektrifizierung hatte begonnen und
am 12. Dezember 1923 erreichte der erste elektrische Zug von St. Maurice
kommend mit
Wechselstrom den
Bahnhof Sion.
Eine Ausdehnung im Rhonetal war daher nicht mehr möglich und bei der Südrampe war man sich immer noch nicht einig. Es blieb daher bei einer Streckenlänge von 73 Kilometern.
Die
intensiv eingesetzten
Lokomotiven erreichten dabei in einem Jahr eine
Laufleistung von 103 000 Kilometer. Das war mehr, als mit der Reihe
Be 4/6
am Gotthard erreicht wurde. Die Maschinen mit den
Asynchronmotoren waren
also wirklich sehr gut.
Es war also klar, dass die
Umstellung kommen würde. Dabei wurde die Anlage nicht in einem Schritt
ausser Betrieb genommen. Ab dem Jahr 1927 verkehrten die Züge mit
Drehstrom nur noch im Simplontunnel. Dort wurde die
Fahrleitung
schliesslich im Jahre 1929 abgeschaltet und die Umstellung des
Tunnels
vorgenommen. Der 1908 übernommene
Versuchsbetrieb der BBC wurde daher von
den Schweizerischen Bundesbahnen SBB 1929 beendet.
Die zum Teil noch nahezu
fabrikneuen
Lokomotiven wurden abgestellt und in der Folge bis auf die
Nummer 365 abgebrochen. Ein erhoffter Verkauf nach Italien kam nicht zu
Stande, da man dort das Netz mit
Gleichstrom elektrifizierte. Das Problem
war wirklich die
Fahrleitung und die Regelung der
Fahrmotoren. Da half es
nichts, dass der
Asynchronmotor nicht zu killen war. Jedoch war da noch
die Nummer 365, die von der BBC übernommen wurde.
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