Umbauten und Änderungen |
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Bei einem so komplex aufgebauten Fahrzeug ist es spannend, wenn
man die damit verbundenen Probleme und die daraus resultierenden
Änderungen ansieht. Dabei begann die Schwierigkeiten schon sehr früh.
Diese Kinderkrankheiten mussten schnell behoben werden. Beim
Triebzug
RAe TEE II lohnt es sich, wenn wir die Anpassungen und Umbauten in einer
chronologischen Reihenfolge ansehen, denn so erkennt man, wann es zu den
Problemen kam.
Ein Sorgenkind, das noch vor der Inbetriebnahme der ersten Züge
erkannt wurde, waren die
Umformer
für die
Hilfsbetriebe.
Schon während dem Bau liess die MFO auf eigene Initiative einen fünften
Umformer herstellen. Damit konnten die Züge zwar komplett in Betrieb
genommen werden, jedoch erfolgte schnell ein erster Defekt. In der Folge
musste diese
Umformergruppe
umgebaut und so verbessert werden. In der Folge reduzierten sich die
Störungen.
Im Wagen machte sich das mit dem lautstarken Klir-ren der Teller
und Gläser bemerkbar. Daher wurde eine Reduktion auf 75 km/h auf der
benannten Strecke verfügt und der Lärm im
Speisewagen
so reduziert.
Technisch mehr Sorgen bereiteten jedoch die
Radsätze.
Deren Achswellen waren zu schwach konzipiert worden. In der Folge
ereignete sich bereits 1961 eine
Entgleisung
deswegen. Die vorhandenen
Achsen
wurden daher schnell durch solche mit stärkeren Wellen ersetzt. So konnte
eine Verbesserung erreicht werden, auch wenn die Achsen des
Triebzuges
immer wieder Anlass zu Sorge geben sollten. Ein Problem, das daher nie
richtig behoben wurde.
Noch schlimmer waren jedoch die
Triebdrehgestelle.
Deren Rahmen war zu schwach konstruiert worden. Dadurch traten bereits bis
1964 viele Brüche auf. Dabei zeigte sich, dass die Bauteile stärker
belastet wurden, als man angenommen hatte. In der Folge mussten daher die
betroffenen Bereiche verstärkt ausgeführt werden. Die Besserung trat damit
ein, so dass bei den Triebdrehgestellen solche Brüche mit den Jahren nicht
mehr in Erscheinung traten.
Im gleichen Zeitraum wurde auch der
Schleuderschutz
verbessert. Diese Einrichtung wurde im Hinblick auf die Baureihe
Re 4/4 II mit neuen Merkmalen
versehen. Daher wurden diese auch gleich bei den bestehenden Fahrzeugen
umgesetzt. So blieb der Schleuderschutz auf dem aktuellen Stand, was
wichtig war, weil die
Triebachsen
hier immer wieder dazu neigten zu schleudern. Ein Umstand, der jedoch der
geringen
Achslast
geschuldet wurde.
Verbesserungen bei der Blasung des
Hauptschalters
sollten das Problem beseitigen. Die verstärkte Blasung sollte verhindern,
dass der
Lichtbogen,
der bei
Gleichstrom
kräftiger ist, besser ausgeblasen wurde. Zwar wurde eine Verbesserung
erwirkt, aber so richtig gelöst wurde das Problem bei den Schnellschaltern
jedoch nicht. Hier war sicherlich die Unerfahrenheit die Ursache, denn die
Elektriker der Schweiz bauten selten Fahrzeuge für Gleichstrom.
Trotz all dieser anfänglichen Probleme funktionierte der
Triebzug
überraschend zuverlässig. Viele Störungen die im Betrieb in Erscheinung
traten, waren sehr oft Fehler des Personals. Gerade die Lokführer im
Ausland hatten ein gänzlich anders aufgebautes
Triebfahrzeug
erhalten. An deren Bedienung musste sich dieses zuerst gewöhnen. Das
einheimische
Lokomotivpersonal
hatte damit weniger Mühe, da hier die Philosophie bekannt war.
Trotz dieser anfänglichen Probleme, konnten die Züge geführt
werden und sie erfreuten sich einer grossen Beliebtheit. Dieser bei neuen
Fahrzeugen erwartete Effekt, konnte erwartet werden. Jedoch waren gerade
die Züge am Gotthard schon sehr früh gut ausgelastet. Neben dem Komfort
war hier die Beschleunigung ein wichtiger Punkt, denn der Zug schaffte den
Weg in deutlich kürzerer Zeit, was zum Erfolg beitrug.
Daher wurde schon sehr früh eine obligatorische Platzreservation einge-führt. Trotzdem war der Triebzug ge-rade am Gotthard zu klein geraten.
Doppelführungen waren auch nicht möglich, da dazu der benötigte
Trieb-zug
schlicht nicht vorhanden war. Nicht unbedingt betrieblich eine Ver-besserung betraf 1966 die Ansage im Zug. Diese wurde mit einem Tonband-gerät ergänzt. Damit konnten vorge-fertigte Ansagen, aber auch Informa-tionen zur Strecke einheitlicher ange-spielt werden.
Die Durchsagen der nächsten Halte wurden somit vereinheitlicht.
Ein Vor-teil für die Reisenden, die immer gleich gut übermittelte
Informationen hatten. Diese Ansagen erfolgten in mehreren Sprachen.
Gerade das Thema mit den vielen Sprachen war bei diesem
Triebzug
ein ungeahntes Problem. Zwar wurde der
Führerstand
mit den drei damals in der Schweiz und im Netz der
Staatsbahnen
vorhandenen Landessprachen versehen, aber auch nicht mehr. Die
niederländischen Kollegen mussten sich mit Deutsch, Französisch oder
Italienisch herumschlagen. Hinzu kam, dass die helvetischen Begriffe in
anderen Ländern so exotisch klangen, wie deren Begriffe in der Schweiz.
Man entschloss sich dazu, die bestehenden vier Züge mit einem
zusätzlichen Zwischenwagen zu verlängern. Durch den zusätzlichen
Zwischenwagen, der auf der Seite des einzelnen
Steuerwagens
eingereiht wurde, war der Zug jedoch nicht mehr in der Lage die Strecke
des Arlbergs in alleinige Fahrt zu meistern. Für den Gotthard reichte es
aber immer noch, nur fehlten damit immer noch die dringend benötigten
Reserven.
Die bisherigen Anpassungen waren daher bei die-sem Zug ab der
Auslieferung vorhanden. Zudem er-hielt er noch ein paar zusätzliche
Anpassungen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollten, da sie deutliche
Besserungen brachten.
So wurde 1967 ein neuer
Überspannungsableiter
in der Ausrüstung für
Gleichstrom
eingebaut. Es hatte sich gezeigt, dass dort immer wieder bei der hohen
Spannung
in Italien Schäden auftraten. Die Nachforschungen zeigten, dass die
Spannung dabei bis auf 4000
Volt
ansteigen konnte. Die Folgen war klar, die
Fahrmotoren
erhielten diese Spannung in dem Fall, wenn sämtliche Stufen geschaltet
waren. Damit knallte es dort immer wieder.
Dieser
Überspannungsableiter
wurde nun zum Schutz im Bereich des Schnellschalters eingebaut und über
den Leiter auf dem Dach zur Erde abgeführt. So konnte die elektrische
Ausrüstung besser vor diesen Schwankungen geschützt werden. Der im
Überspannungsableiter entstehende
Lichtbogen
wurde in der Folge durch den ausgelösten Schnellschalter sicher gelöscht.
Der Zug musste anschliessend einfach wieder eingeschaltet werden.
Die Verbesserungen beim
Schleuderschutz
brachten keinen Erfolg. Die Abklärungen ergaben, dass bei den anderen
Baureihen der Lokführer durchdrehende
Achsen
oft mit der
Sandstreueinrichtung
abfangen konnte. Daher wurde diese Einrichtung ab 1968 ebenfalls auf den
Triebzügen RAe TEE II eingebaut. Die
Triebachsen
erhielten daher nach dem Muster der Baureihe
Re 4/4 II bei der
vorlaufenden Triebachse beidseitig einen
Sander.
Immer noch Sorgen hatte man mit dem
Lokomotivpersonal.
Dieses war in vielen Fällen mit der komplizierten Technik überfordert. In
der Folge kam es zu Abtrennungen, die gar nicht nötig gewesen wären. Wurde
der Zug jedoch wegen einer nicht vorhandenen Störung aus dem Betrieb
genommen, fehlte er. Zudem kam es bei Störungen oft auch vor, dass diese
deutlich weniger Abschaltungen erlaubt hätten. Das konnte dem Lokpersonal
jedoch schlecht vermittelt werden.
Daher führte man auf den Zügen einen
Bordmechaniker
ein, der einfache Störungen bereits auf der Fahrt beheben konnte. Bei der
neu eingeführten Funktion handelte es sich um speziell geschultes
Personal, das aus den Bereichen des
Lokomotivpersonals
und der Werkstätten bestand. Wichtig war, dass diese Leute auch die
Auswirkungen auf die Fahrt einschätzen konnten. Der Bordmechaniker
bestimmte in der Folge, wie weitergefahren wurde.
Zudem beliess man diesen Mechaniker auf dem ganzen Umlauf auf dem
Zug. Das heisst, hatte dieser einen mehrtägigen Umlauf, war der
Bordmechaniker
mehrere Tage unterwegs. So konnten auch Störungen besser verfolgt werden,
denn der Mitarbeiter wusste, dass das Problem nur bei Fahrten unter 25 000
Volt
auftrat, jedoch nicht in den anderen Systemen. Besser erstellte Anweisung
an die Leute der Reparatur waren eine Folge davon.
Danach begann die Technik zufriedenstellend zu arbeiten, was klar
zeigte, dass die Probleme hauptsächlich beim mit der komplizierten Technik
überforderten Personal zu suchen waren. Der
Bordmechaniker
blieb damit auf dem
Triebzug.
Trotzdem waren die Anpassungen immer noch nicht abgeschlossen, denn es gab
auch Probleme, die der Bordmechaniker nicht verhindern konnte und die
behoben werden mussten, wollte man eine Verbesserung.
Neue Vorschriften führten bei den
Stromabnehmern
zu Anpassungen. So wurde 1974 der Stromabnehmer eins mit neuen 1950 mm
breiten
Schleifstücken
versehen. Diese besassen zudem
Schleifleisten
aus
Kohle.
Eine Anpassung an die neuen Regeln in der Schweiz erfolgte jedoch zu
diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Breite blieb daher wegen den nicht
isolierten
Notlaufhörner
auf 1 320 mm beschränkt. Nur mit solchen Notlaufhörnern, wäre die Breite
von 1 450 mm möglich gewesen.
Auch die
Lautsprecheranlage
wurde 1974 verbessert. Da immer mehr
Verbindungen
aus dem
Fahrplan
gestrichen wurden, konnten die
Triebzüge auch für Ausflugsfahrten genutzt werden. Dazu war
jedoch die Anlage des Triebzuges ungeeignet. Um bei solchen Fahrten auch
für ein angenehmes akustisches Erlebnis zu sorgen, wurde die Anlage so
umgebaut, dass neu auch Musik abgespielt werden konnte. Fahrten als
TEE
waren davon jedoch nicht betroffen.
Bei den bisher vorgestellten Anpassungen zeigt sich deutlich, dass
es nie zu grösseren Veränderungen kam. Es waren Veränderungen, die bei
einem anderen Fahrzeug auch in Erscheinung treten konnten. Gerade der
Bordmechaniker
brachte einen sehr grossen Erfolg. Die
Triebzüge konnten sich so gut im
Fahrplan
halten, auch wenn die
Verbindungen
mit
TEE-Zügen
immer seltener wurden. Das Problem diesbezüglich lag jedoch nicht beim
Triebzug.
Das Konzept ging auf und nur die Verlängerung sorgte betrieblich
immer wieder für ungewollten Ärger, der jedoch nicht unbedingt mit dem
Trieb-zug
im Zusammenhang stand. Einen solchen Um-stand wollen wir uns kurz ansehen,
denn er zeigt die Probleme gut auf. Erlitt der RAe TEE II an einem der stark belasteten Wellenstrommotoren einen Defekt, waren die ver-bliebenen Motoren für die Gotthardstrecke zu schwach. Dem Zug musste das eine Vorspann-lokomotive gestellt werden.
Kam in diesem Fall eine Maschine der Reihe
Ae 6/6
zum Einsatz, begannen die Probleme. Zwar konnte diese die 75 km/h auch
fahren, jedoch konnten deren
V-Messer
nicht so optimal eingestellt werden.
Fuhr nun der Lokführer auf der
Vorspann-lokomotive
mit 75 km/h den Gotthard hoch, konnte es passieren, dass es dem Kollegen
auf dem
Triebzug den Angstschweiss auf die Stirn produzierte. So
fuhr der RAe TEE II dann oft mit 80 bis 85 km/h den Berg hoch. Sehr zum
Leidwesen des Personals im
Speisewagen,
klirrte dort in diesem Fall das Geschirr recht lautstark. Aus diesem Grund
wurden Vorschriften zum Verhalten bei grossen Abweichungen erlassen.
Die
Bahngesellschaften
hatten ihre Arbeit jedoch nicht so gut erledigt, wie die Hersteller und
das Personal und so verschwand eine
Verbindung
mit dem
TEE
nach dem anderen aus dem
Fahrplan.
Sie wurden durch die neuen mit zwei
Wagenklassen
versehenen
Eurocity
abgelöst. Somit standen die speziellen
Triebzüge 1988 vor dem endgültigen Aus, da auch der letzte
TEE aus dem Fahrplan gestrichen wurde. Die Eurocitys waren einfach zu gut.
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