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Druckluft und Bremsen |
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Wie bei allen anderen
Lokomotiven seit der Einführung der
Bremsen, war
auch hier
Druckluft vorhanden. Diese komprimierte Luft wurde jedoch für
deutlich mehr Bereiche genutzt. Wobei diese sicherlich nicht so
umfangreich waren, wie bei einem elektrisch betriebenen Fahrzeug sind. Es
musste bekanntlich kein
Stromabnehmer gehoben werden. Trotzdem ergibt sich
hier ein Problem, das wir zuerst ansehen müssen.
Hier behandeln wir die
normalen Systeme, wie es sie auf anderen
Lokomotiven auch gab. Dazu muss-te
die
Druckluft jedoch zuerst hergestellt werden und dazu war ein
Kompressor
erforderlich, der im
Maschinenraum aufgebaut wurde. Genau genommen wurde der Kompressor im Gene-ratorenraum aufgestellt. Dort war der erforderliche Platz vorhanden und auch die Leitungen zur Ver-sorgung waren kurz, da die Energie bekanntlich von Hauptgenerator genommen wurde.
Mehr dazu werden wir bei den
Hilfsbetrieben der
Lokomotive kennen lernen. Jedoch gab es noch eine Lösung um die
Druckluft
zu erzeugen. Dazu wurde einfach der verbaute
Dieselmotor genom-men.
Dank der Möglichkeit die
Druckluft auch mit dem
Dieselmotor zu erzeugen,
konnte auf eine
Handluftpumpe verzichtete werden. Jedoch gilt auch hier,
dass es ohne Probleme möglich war, die
Lokomotive ohne Druckluft in
Betrieb zu nehmen. So konnte der Vorrat mit den normalen Lösungen erzeugt
werden, was jedoch bei der Bedienung genauer angesehen wird. Lief der
Dieselmotor, erzeugte der
Kompressor die Druckluft.
Es wurde ein
Rotationskompressor der SLM verbaut. Diese Modelle waren
damals bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB in grosser Stückzahl
vorhanden. Gerade die zahlreichen Maschinen der Reihen
Ae 3/6 I und
Ae 4/7
sorgten dafür, dass es für die mit der
Gasturbine versehene
Lokomotive
immer ein Ersatz gab. Wobei gerade das hier verbaute Modell durch seinen
hohe Zuverlässigkeit bekannt geworden war und daher hier verbaut wurde.
Lag der Wert in der
angeschlossenen Leitung jedoch tie-fer, verflüchtigte sich der
Luftdruck
wieder. Das führte dazu, dass von der Luft Wasser ausgeschieden wurde.
Damit dieses nicht in die Leitungen gelangte, war ein
Wasserabscheider
vorhanden. Eine weitere Aufbereitung der Luft gab es jedoch nicht mehr. So wurde diese über ein Rückschlagventil zum Hauptluftbehälter geleitet. So lange der Bezug geringer war, als die Schöpfleistung des Kompressors, stieg der Druck in diesem Behälter immer weiter an.
Dabei war ein maximaler
Luftdruck von acht
bar vorhan-den. Dieser Wert konnte wegen dem
Überdruckventil jedoch nur wenig überschritten werden, denn dieses öff-nete
bei neun bar. Der Luftvorrat in diesem Hauptluftbehälter betrug 400 Liter. Dieser wurde während dem Betrieb der Gasturbine und bei der korrekten Stellung immer wieder ergänzt.
Wann das zu erfolgen hatte, wurde mit einem
Druck-schwankungsschalter geregelt. Dieser sorgte dafür, dass bei einem
Wert von 6.5
bar der
Kompressor eingeschaltet wurde. Beim maximalen Wert
erfolgte dann wieder die automatische Abschaltung des Kompressors.
Obwohl der Vorrat hier nicht so wichtig war, wie bei den elektrischen
Modellen, konnte er mit den
Hauptluftbehälterhähnen eingesperrt werden.
Diese Möglichkeit war jedoch vorhanden, damit in einem
Depot nicht der
Dieselmotor lange Zeit Luft ergänzen musste. Deutlich schlimmer wäre es
jedoch gewesen, wenn dazu in diesen Hallen die
Gasturbine hätte gestartet
werden müssen. Der Vorrat verkürzte die
Inbetriebnahme.
Da es hier
keine auf einen bestimmten
Luftdruck angewiesenen Baugruppen gab, konnte
auf die
Apparateleitung verzichtet werden. Auch wenn es nicht viel war,
der Verzicht führte zu einem geringeren Gewicht. Bevor wir uns den Hauptverbraucher genauer ansehen, betrachten wir die anderen Bereiche, die mit Druckluft betrieben wurden. Einige davon haben wir bereits kennen gelernt.
Bei den
Scheibenwischern wurde ein
pneumatischer
Antrieb verwendet. Diesen gab es schon bei den anderen
Baureihen und dabei konnte mit einer einfachen Verstellschraube das Tempo
des Scheibenwischer eingestellt werden. Wobei das nicht so einfach war.
Wenn wir schon bei den beiden
Führerständen sind, kommen wir zu einem
weiteren Verbraucher von
Druckluft. Es handelte sich dabei um die auf dem
Dach montierte
Lokpfeife. Je nach der Menge Luft, die ausströmte konnte
ein anderer Klang erzeugt werden. Es war jedoch die Aufgabe des Personals
für das bekannten akustische Signal der Schweiz zu sorgen. Dazu wurde
einfach am Bediengriff die
Zugkraft entsprechend gewählt.
Gerade die
Scheibenwischer, als auch die
Lokpfeife, waren Ausführungen,
die auch bei anderen
Baureihen verbaut wurden. Neue Lösungen, wie ein
akustisches Signal mit einem Horn wurde daher nicht umgesetzt. Der
Versuchsträger war, wenn wir von der
Gasturbine absehen, eigentlich nur
eine normale
Lokomotive und daher wurde auch die
Sandstreueinrichtung auf
die konventionelle Weise, also mit
Druckluft betrieben.
Wegen der Unterstützung mit Druckluft wurde der Quarzsand unmittelbar vor dem Triebrad abgelegt, was die Wirkung der Einrichtung deutlich verbesserte. Damit haben wir die mit Druckluft betriebenen Baugruppen kennen gelernt. Es bleibt nur noch der Verbraucher, wegen dem seinerzeit die Druckluft auf den Fahrzeugen eingeführt wurde.
Dies waren die
Bremsen und diese waren
auch der Grund, warum der
Hauptluftbehälter mit Hähnen versehen wurde.
Stand hier nicht genug
Druckluft zur Verfügung, waren die
Druckluftbremsen
der
Lokomotive schlicht nicht korrekt betriebsbereit. Die auf der Lokomotive verbauten Druckluftbremsen stammten von der Firma Westing-house. Es kam, wie das bei den anderen Baureihen auch der Fall war, die Doppelbremse zur Anwendung.
Dabei war eigentlich nicht diese Lösung
speziell, sondern die Tatsache, dass damals durchaus auch Fahrzeuge mit
verbesserten Lösungen versehen wurden. Gerade die neue eingeführte
R-Bremse gehörte zu diesen Errungenschaften.
Wenn wir uns die Doppelbremse nach
Westinghouse ansehen, dann müssen wir
die beiden
Bremssysteme aufteilen. Ich beginne die Betrachtung mit der
einfacher aufgebauten
Regulierbremse. Bei dieser wurde ab einem
Bremsventil eine Leitung mit
Druckluft von bis zu 3.5
bar versorgt und so
die
Bremsung eingeleitet. In diesem Zusammenhang wurde auch von einer
direkten Bremse gesprochen, denn es gab keine weiteren Bauteile.
So konnten auch diese mit der
Regulierbremse abge-bremst werden. Jedoch
hatten die Schläuche ein Problem, denn die
Bremse fiel auf den Wagen bei
einer
Zugstrennung aus und daher musste ein zweites System verbaut werden. Dieses zweite Bremssystem war die klassische Westing-housebremse. Diese war zwar nicht veraltet, aber auch nicht auf dem neusten Stand. Gerade die Schweizerischen Bundesbahnen SBB nah-men in diesen Jahren Lokomotiven in Betrieb, die über neue Steuerventile aus dem Hause Oerlikon Bremsen verfügten.
Hier war die einfachere Lösung nach
Westinghouse verbaut
worden, weil sie in der Anschaffung schlicht billiger war. Bei der Westinghousebremse, die nun auch als auto-matische Bremse bezeichnet wurde, musste eine als Hauptleitung bezeichnete Leitung über ein Bremsventil mit Druckluft gefüllt werden.
Der
Luftdruck in dieser
Leitung betrug fünf
bar und in diesem Fall galt die
Bremse als gelöst.
Bevor wir zur Wirkweise kommen, bleiben wir noch bei der
Hauptleitung, die
ebenfalls zu den
Stossbalken geführt wurde und so der Last zur Verfügung
stand.
Auch hier waren die
Luftschläuche doppelt vorhanden. Im Unterschied zur
der vorher vorgestellten
Regulierleitung wurden hier andere
Kupplungen
verwendet. Da diese die Leitung nicht automatisch verschlossen, war am
Stossbalken bei jedem Schlauch ein
Absperrhahn vorhanden. Wurde die
Leitung verbunden, mussten also auch die Hähne geöffnet werden. Nur an den
jeweiligen Enden blieben sie geschlossen, da nur so der Druck aufgebaut
werden konnte.
So wirkte diese zweite Bremse auch auf der Anhängelast und sie konnte damit als Sicherheitsbremse bezeich-net werden.
Das Problem war
eigentlich nur, dass der
Bremszylinder so nicht direkt ver-sorgt werden
konnte. Damit das möglich wurde, musste ein Steuerventil eingebaut werden. Dieses stammte aus den Hause Westinghouse und es war, wie damals bei Lokomo-tiven oft der Fall, einlösig.
Das mag überraschen, denn in jenen Jahren waren
mehrlösige
Ventile durchaus schon vorhanden und sie wurden bei den Wagen
auch eingebaut. Die
Lokomotive Am 4/6 war daher gerade in diesem Punkt
nicht auf dem neusten Stand der Technik.
Für das
Steuerventil war ein
Bremsumschalter vorhanden. Dieser erlaubte es, die
Wirkung der
Westinghousebremse von der normalen
Personenzugsbremse auf die
deutlich langsamer wirkende
Güterzugsbremse umzustellen. Von den
Bremsen
her konnte diese Maschine also vor allen Zügen eingesetzt werden. Die neue
R-Bremse war jedoch nicht vorhanden, da diese nur benötigt wurde, wenn
schneller als 110 km/h gefahren werden sollte.
Wir können nun die
Druckluftbremsen abschliessen und zu den mechanischen
Bremsen wechseln. Das erfolgte in den verbauten
Bremszylindern. In diesem
Punkt war die
Lokomotive gut aufgestellt, denn sie hatte für jede
Triebachse einen eigenen Bremszylinder bekommen. So konnte auf das schwere
Bremsgestänge verzichtet werden und auch die Probleme wegen dem Aufbau des
Laufwerkes konnten so umgangen werden.
Sie sehen, dass hier wirklich auf eine einfache und
damit auch leichte
Bremse gesetzt wurde. Es war somit schon früh klar,
dass das Gewicht ein grosses Problem werden konnte. An jedem Bremszylinder war ein kurzes Bremsgestänge mit einem automatischen Gestängesteller angeschlossen worden. Wenn wir uns auf die Triebachsen eins und vier be-schränken, dann kann noch erwähnt werden, dass die Handbremse des benachbarten Führerstandes an diesem Bremsgestänge angeschlossen wurde.
Damit spielte es jedoch keine Rolle, ob mit der
Spindel-bremse, oder mit dem
Bremszylinder das Gestänge be-wegt wurde.
Die eigentlich
Bremse war als
Klotzbremse ausgeführt worden. An der Stelle
der klassischen
Bremsklötze wurden
Sohlenhalter mit jeweils zwei
Bremssohlen aus Grauguss verwendet. Die Wirkung erfolgte jedoch weiterhin
auf die
Lauffläche des
Rades. Durch die vom Gestänge aufgebaute Kraft
wurden die Sohlen gegen das Rad gepresst. Damit wurde dieses an der freien
Drehung gehindert und das Fahrzeug verzögert.
Da jedes
Triebrad von beiden Seiten mit zwei
Bremssohlen versehen wurde,
hatte die
Lokomotive nicht weniger als 32
Bremsklötze erhalten. Zusammen
mit der Tatsache, dass für jede
Triebachse ein eigener
Bremszylinder
verbaut wurde, entstand eine gute
Bremse. Wie gut die Wirkung dieser
Bremse war, werden wir jedoch nur mit einer
Bremsrechnung erfahren. Diese
wollen wir nun ausführen und dazu benötigen wir Gewichte. Fertig aufgebaut hatte die Lokomotive ein Gewicht von 92.4 Tonnen erhalten. Für die Berechnung der Bremsen wurde dieser Wert auf 92 Tonnen abgerundet. Die Bremse konnte beim einem Luftdruck im Bremszylinder von 3.9 bar ein Bremsgewicht von 96 Tonnen erzeugen. Wenn wir nun rechnen, erhalten wir ein Bremsverhältnis von 104%. Im Vergleich zu anderen Baureihen ein sehr guter Wert, der für die Geschwindigkeit von 110 km/h ausreichend war.
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